Kolumne

Schon am Anfang ans Ende denken? Vorsorgen für digitale Nomaden

(Grafik: t3n)

Zugegeben, wer jetzt mit dem Gedanken spielt, als digitaler Nomade um die Welt zu ziehen, der denkt an viele Dinge, aber sicher nicht an die Rentenzeit später. Wozu auch? Ist ja noch so lange hin. Doch ein paar Gedanken sollte man sich schon machen – ist besser so.

Auf die Frage, welche Themen rund ums digitale Nomadentum sie interessieren würden, sagte eine Kollegin zu mir: „Die Frage mag seeeeeehr deutsch sein, aber wie sieht es denn mit der Rente aus?“. Ich finde das überhaupt nicht typisch deutsch. Das ist etwas, das viele digitale Nomaden beschäftigt – mal mehr, mal weniger. Die Frage hängt natürlich vom Alter ab und wie lange man plant, die Welt zu bereisen, logisch. Ist man Mitte 20 und will nach dem Studium für ein paar Jahre weg, bevor man in der Heimat dann wieder sesshaft wird und einen Vollzeitjob annimmt, dann ist das Thema gesetzliche Rente weniger von Bedeutung. Die paar Jahre fallen – meiner Meinung nach – nicht besonders ins Gewicht. Anders sieht das aus, wenn man vorhat, Deutschland länger oder dauerhaft zu verlassen.

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Staatliche Rente alleine ist es eh nicht

Wie eigentlich jeder wissen sollte, sollte man zusätzlich privat vorsorgen: ob Lebensversicherung, Fonds-Sparplan, eigene Immobilie oder Investment in was auch immer. Das gilt dann auch für die Zeit, in der man nicht im deutschen Sozialversicherungssystem verankert ist, weil man als digitaler Nomade unterwegs ist. Eher doppelt. Denn die Zeit, in der man nicht in das Sozialsystem einzahlt, muss ja irgendwie kompensiert werden. Faustregel für mich: einfach das Doppelte von dem, was man zu Zeiten einer Festanstellung in Deutschland sparen würde, zur Seite legen. Dann mag es später egal sein, ob die staatliche Rente aufgrund der wenigen eingezahlten Beiträge mickrig ausfällt.

Kommt es überhaupt dazu?

Wie oben erwähnt: Wer mit Mitte 20 oder Anfang 30 eine mehrjährige Auszeit nimmt – kein Problem, einfach etwas mehr als sonst beiseite legen und anlegen. Wer dauerhaft seinen Rucksack oder seine Koffer packt, sollte sich intensiver damit beschäftigen. Am besten mit einem Profi in Sachen Altersvorsorge. Doch wer weiß schon, ob er nur kurz oder dauerhaft weg ist? Ich meine: die wenigsten. Es kommt meist anders, als man denkt. Besonders was digitale Nomaden angeht. Auch in diesem Punkt gibt es so viele verschiedene Szenarien. Da gibt es die Digital Nomads, die eine zweijährige Auszeit genommen haben und vorhatten, danach wieder zurückzukehren – und sich dann in einen Menschen, einen Ort, ein Land verliebt haben, und Deutschland nur noch kurz wegen einer Hochzeit, eines Jubiläums oder einer Beerdigung einen Besuch abstatten. Ansonsten de facto ausgewandert. Und dann die, die am liebsten dauerhaft unterwegs sein wollten – aber nach einem Jahr erschöpft und fertig in Deutschland landen und sich vornehmen, nur noch in den Pauschalurlaub zu fahren.

Was ist jetzt also mit Rente?

Konkret privat vorsorgen. Ganz im Ernst, ihr wisst nicht, was kommen wird. Wer etwas anderes erzählt, erzählt Unfug. Pläne werden dazu gemacht, geändert zu werden – von einem selbst oder vom Leben. Mancher Traum wird zum Albtraum, manche Vorstellungen und Erwartungen erfüllen sich nicht, aber auch das Gegenteil kann im positiven Sinne geschehen. Deshalb mein persönlicher Rat: Backup mit privater Vorsorge. Das Geld dafür sollte jederzeit im Monatsbudget drin sein – dann geht man eben nicht so oft aus oder reduziert andere Kosten, beispielsweise exzessives Reisen. Ja, das mag vielleicht als typisch deutsch gelten, ich nenne das aber eher „vernünftig sein“. Denn:

Die Rechnung wird kommen

Viele digitale Nomaden haben das (leider) nicht auf dem Schirm. Sie arbeiten so viel (oder wenig), wie sie zum täglichen Leben brauchen. Wenn sie etwas beiseite legen, dann für den nächsten Flug oder einen neuen Laptop. Es gibt nicht wenige, die das hinkriegen, keine Frage. Es gibt auf der anderen Seite aber auch die, die irgendwann irgendwo hängengeblieben sind und nicht mehr weiter wissen. Kein Geld für einen Rückflug in die Heimat und irgendwie auch keine Perspektive. Die schlimmste Form – in meinen Augen – ist das Phänomen der „Begpackers“. Offiziell und nach außen digitale Nomaden, erfolgreich und so. In Wahrheit aber abgebrannt, mittellos, der Rechner ist längst verkauft. Diese Menschen sitzen dann mit einem Hut und einem Schild auf der Straße und betteln: „Brauche Geld für Rückflug!“. Sitzen dann direkt neben Straßenhändlern, die 18 Stunden am Tag hart arbeiten, und machen: nichts. Mehr und mehr Länder gehen mittlerweile rigoros gegen Begpackers vor und weisen sie aus dem Land aus. Landen sie dann in der Heimat, kriegen sie die Rechnung präsentiert – für den Flug, der vorgestreckt wurde, aber auch dafür, wieder komplett bei Null anzufangen – Wohnung, Job und so weiter. Das ist eine teure Angelegenheit.

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