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SpaceX Starlink: Im Herbst geht’s los, Wissenschaftler laufen gegen Satelliten-Internet Sturm

Erst 1.800, dann 12.000, später 55.000: Die Satelliten-Schar wächst und wächst. Um global tätig zu werden, fehlen jedoch noch einige Voraussetzungen. Fachleute warnen vor den Nebenwirkungen.

3 Min. Lesezeit
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Kaputte Internet-Satelliten werden in der Zukunft eine Menge Schrott im Orbit produzieren. (Collage: Dotted Yeti/Shutterstock.com mit Material der NASA)

Ab September sei Starlink global verfügbar, kündigte CEO Gwynne Shotwell von Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX an. Die Präsidentin erklärte Reuters: „Wir haben ungefähr 1.800 Satelliten erfolgreich ausgesetzt, und sobald sie ihre operative Umlaufbahn erreicht haben, werden wir eine kontinuierliche globale Abdeckung haben.“ Nun braucht es noch die Zustimmung der lokalen Behörden der einzelnen Länder, um die Regionen mit dem Satelliteninternet zu versorgen. Experten sehen die Megakonstellationen kritisch, erste Klagen laufen.

Mehr Satelliten als Sterne am Firmament

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Währenddessen mehren sich Stimmen, die das massive Ansammeln von Satelliten im Erdorbit stoppen wollen. So läuft neuerdings eine Klage in den USA gegen die Lizenz, die die FCC (Federal Communications Commission) Starlink ausgestellt hat. Die Zulassungsbehörde habe das US-Bundesumweltgesetz Nepa (National Enviroment Policy Act) bei der Zuteilung berücksichtigen müssen, lautet der Vorwurf. Im Kern geht es um die Beeinträchtigung des Nachthimmels. Astronomen und Sterngucker beschweren sich, dass man in absehbarer Zeit mehr Satelliten als Sterne am Himmel sehen können wird. Astronomen beschreiben die 1.800 Satelliten als „heller als 99 Prozent der Satelliten, die sich derzeit im Orbit befinden“.  Das sei Grund zur Besorgnis. Starlink versucht nun, die Reflektionen zu senken. Nun streiten sich Juristen über die Chancen der Klage.

Zwar sollen alle US-Behörden die Nepa anwenden, aber es gibt riesige Ausnahmeräume. Die FCC besitzt seit 1986 einen kategorischen Nepa-Ausschluss für fast alle ihre Aktivitäten – obwohl etwa die Nasa die Verpflichtung erfüllen muss. Es gebe keine Behörde, die einen so weitreichenden Ausschluss verwende, sagen Bürgerrechtler. Angesichts der Dimension der aktuellen Starlink-Lizenz für 12.000 Satelliten, könnte er vor Gericht kippen, heißt es. Man erwarte, dass sich die FCC zumindest an dieselben Regeln halten muss wie die Nasa. Sollten alle Instanzen durchgefochten werden, sinkt die Chance. Der oberste Gerichtshof ist sehr konservativ besetzt und steht im Ruf, Umweltauflagen eher zurückfahren zu wollen.

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Geoengineering ohne Aufsicht

Ein anderes Problem sehen Experten im Einbringen von Aluminiumoxid in die Atmosphäre. Satelliten bestehen meist aus Aluminium, das beim Verglühen in das Ozon abbauende Oxid umgewandelt wird. Eine aktuelle Studie der University of British Columbia in Vancouver rechnet mit 2,2 Tonnen Material aus toten Starlink-Satelliten – pro Tag. Sie erschien kürzlich auf Nature. Schon aktuell sollen drei Prozent der Starlink-Satelliten Schrott sein. Auch bei Raketenstarts wird das Oxid frei. So entständen temporäre Löcher in der Ozonschicht, schreiben die Verfasser. Außerdem reflektiert das Oxid bestimmte Wellenlängen und das könne eventuell das Rückstrahlvermögen des Planeten erhöhen. Um die globale Erwärmung zu reduzieren, bestand früher einmal die Idee, die Sonneneinstrahlung über Zugabe von Aluminiumoxid in die Stratosphäre zu senken. Das Geoengineering-Projekt wurde aufgegeben, da man nicht genug über die Nebeneffekte weiß. Die Wissenschaftler kritisieren, jetzt werde genau diese Vorgehensweise als unbegleitetes Experiment mit ungewissem Ausgang betrieben.

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Kessler-Effekt bedroht Raumfahrt

Nicht nur Starlinks geplante 55.000 Satelliten, sondern auch das ähnlich aufgebaute Amazon-Projekt „Project Kuiper“ sowie eine eigene Konstellation chinesischer Anbieter packen den Orbit in absehbarer Zeit voll mit Satelliten. Damit steigt auch die Kollisionswahrscheinlichkeit. Im schlimmsten Fall löst ein Zusammenstoß mit Weltraumschrott oder Raumfahrzeugen das Kessler-Syndrom aus: Eine Kettenkollision, in der immer mehr versprengte Teile mit hoher Geschwindigkeit andere Satelliten beschädigen. In diesem Jahr musste die ISS schon mehrfach rotierenden Schrottteilen ausweichen. Zuletzt hatte eine Studie von Wissenschaftlern an der Universität Bratislava die schädlichen Einflüsse der Lichtverschmutzung durch die Satelliten untersucht.

<strong>t3n meint: </strong>
Ich verstehe nicht, warum eine Zulassungsbehörde aus den USA darüber entscheiden darf, wer den Orbit vollknallt. Es wäre toll, dafür eine ultranationale Organisation – etwa im Rahmen der UN – zu haben, die sich darum kümmert. Mit dem Orbit ist es wie früher mit dem Meer: Jeder darf damit machen, was er will, es gibt keine globale Kontrollinstanz. Den nationalen Behörden kann man in diesem Punkt leider nicht trauen, wie man an den USA auch in diesem Fall wieder sieht. Das Ergebnis beim Meer: Alle Industrieunternehmen und Staaten haben giftigen und radioaktiven Müll hineingekippt und noch mehr Unfug damit angestellt, der uns irgendwann wieder einholt. Nun ist der Orbit dran: Wenn kommerzielle Interessen auf keine Rahmenbedingungen stoßen, werden wir bald die eigene Raumfahrt wegen einer Vermüllung des Orbits einschränken müssen. Eigentlich schade, denn die kommt auch dank kommerzieller Anbieter gerade richtig in Fahrt. Warum angesichts einer eklatanten Klimakrise nicht jede Aktivität zunächst auf ihre Klimaverträglichkeit getestet werden muss, werde ich weiterhin nicht verstehen.
<em>Raimund Schesswendter</em>
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3 Kommentare
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Michael

Starlink ist doch gar nicht konkurrenzfähig bei den Preisen, 400 Euro Installation, 100 Euro im Monat.
Hier in Spanien zahle ich für Sat-Internet mit 100mbs 50 Euro pro Monat, Installation kostenlos.
Da wird keiner auf den Musk-Zug springen.

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Mattes

Das ist aber teuer, ich zahle für 250mbit/s 80€ und hab schon den teuersten Anbieter hier.

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ordenador

starlink wäre schneller als bisher. Damit hast du auf der Börse und Weltmarkt einen enormen Vorteil,weil du somit schneller handeln kannst. Ein Monopol auf daten. Auch wenn es nur Millisekunden sind. Es geht nicht um den Verbraucher es geht um das Geld . Schau dir an woher musk kommt. Paypal.Wenn er fertig ist gehört ihm das Internet quasi

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