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Telegram-Kanal von Attila Hildmann verschwindet von iOS und Android

Die Kanäle des per Haftbefehl gesuchten Verschwörungsideologen Attila Hildmann sind über die Store-Versionen der Telegram-App nicht mehr erreichbar.

3 Min. Lesezeit
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Attila Hildmann auf einer Corona-Demo in Berlin im Juni 2020. (Foto: Jaz_Online / Shutterstock.com)

Attila Hildmann nutzte bislang die für ihren sehr offenen Umgang mit der Meinungsfreiheit bekannte App Telegram des russischen Vkontakte-Gründers Pavel Durov. Telegram rühmt sich, weder auf Presseanfragen noch behördliche Anordnungen zu reagieren, und wird von Regime- und anderen Kritikern weltweit als Möglichkeit geschätzt, der eigenen Meinung unzensiert Ausdruck zu verleihen.

Telegram: Besonders an den politischen Rändern beliebt

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Das hat in der Vergangenheit auch Verbreiter von Verschwörungsmythen, Volksverhetzer und Extremisten unterschiedlichster Couleur angezogen. Dabei hatte Telegram bislang nicht einmal bei eindeutig strafbaren Inhalten reagiert. Diese sehr laxe Haltung stellt streng genommen aber einen Verstoß sowohl gegen Googles Play-Store- wie gegen Apples App-Store-Regeln dar. Beide verlangen strukturelle Strategien der App-Entwickler gegen den Umgang mit strafbaren Inhalten.

Eine ganz ähnliche Problematik hatte vor einigen Monaten die App des Kurznachrichtendienstes Parler auf den großen Plattformen Android und iOS zu Fall gebracht. Wegen fehlender Schutzmaßnahmen gegen unzulässige Inhalte hatten Apple und Google die Parler-App aus ihren Stores geschmissen.

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Insofern ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis Telegram ein ähnliches Schicksal ereilen dürfte. Die Sperrung der Hildmann-Kanäle darf daher wohl als proaktive Maßnahme Telegrams verstanden werden.

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Hildmann verbreitet immer wieder strafbare Inhalte

Hildmann wird per Haftbefehl gesucht. Ihm wird Volksverhetzung mit antisemitischen, rassistischen und rechtsextremen Inhalte vorgeworfen. Hildmann, der sowohl die deutsche wie die türkische Staatsbürgerschaft besitzt, hatte sich nach Bekanntwerden des Haftbefehls abgesetzt und wird derzeit in der Türkei vermutet. Europol soll inzwischen in den Fall eingeschaltet sein.

Auf Telegran hatte Hildmann zuletzt mehr als 100.000 Abonnenten. Auch ein nach der Sperrung neu aufgesetzter Ersatz-Account konnte innerhalb weniger Stunden bereits mehrere Tausend Abonnenten verzeichnen. Inzwischen ist Hildmann über die Telegram-App nicht mehr zu finden.

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Haben Apple und Google Hildmann aus der App „geschnitten“?

Zunächst hatte Hildmann selbst behauptet, Apple und Google hätten seinen Kanal direkt gesperrt. Das Gerücht verbreitete sich schnell. Technisch ist das indes kaum plausibel. Hildmann und einige andere Kanäle, darunter der einer rechtsterroristischen Vereinigung, wurden gleichzeitig unter Android und iOS gesperrt. Beide Konzerne hätten hier also koordiniert zeitgleich gehandelt. Das allein ist schon unwahrscheinlich.

Gar nicht möglich ist indes ein gezielter, gleichsam chirurgischer Eingriff durch den Store-Betreiber in eine App, bei dem nur bestimmte Inhalte herausgeschnitten werden. Das hat inzwischen Google selbst gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland bestätigt, die zuerst über die Sperrung berichtet hatten.

Telegram will in den Stores bleiben

Die plausibelste Erklärung besteht darin, dass Telegram selbst aktiv geworden ist. Und auch der Hintergrund des befürchteten Ausschlusses der gesamten App von der Plattform lässt sich belegen.

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Wir haben die Telegram-App unter Android installiert und den Link zum bisherigen Hildmann-Account darüber geöffnet. Dabei erhielten wir folgende Fehlermeldung:

Fehlermeldung zum Hildmann-Account in der Android-App. (Screenshot: Telegram/t3n)

Telegram hat offenbar eine Sperrung in Kraft gesetzt, aber nur in den App-Versionen, die aus den offiziellen App-Stores installiert werden. Per APK, also als direkt lad- und installierbare App verteilte Telegram-Versionen können den Zugriff weiter erlauben.

Wir haben daher testweise die Desktop-App des Dienstes verwendet und versucht, Hildmann auf diese Weise zu finden. Über die Suchfunktion scheiterte das Unterfangen zunächst. Wer allerdings den Web-Link zum Account kennt, kann Hildmanns Mitteilungsbedürfnis uneingeschränkt erleben. Der Kanal ist also gar nicht wirklich gesperrt, sondern nur versteckt worden.

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Inzwischen hat sich der frühere Vegankoch einen Ersatzkanal zugelegt, der unter völlig anderem Namen läuft, sodass Telegram algorithmisch nicht darauf stoßen dürfte. Hier ist händische Arbeit gefragt. Wer letztlich bei diesem Hase- und Igel-Spiel gewinnen wird, bleibt abzuwarten.

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2 Kommentare
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Dein t3n-Team

Titus von Unhold

Streng genommen ist die Überschrift falsch. Geräte mit googlefreiem Android sind nicht betroffen.

Antworten
Dieter Petereit

Du hast doch sicherlich den Beitrag gelesen. Stimmt da was nicht? Und „Kanal von Attila Hildmann verschwindet aus Telegram-Apps, die aus den offiziellen Appstores von Apple und Google geladen wurden“ war mir zu sperrig…

Antworten

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