Kolumne

Ein typischer Tag im Leben von 3 digitalen Nomaden

(Grafik: t3n)

Auf Fotos im Social Web sieht das Leben digitaler Nomaden einfach traumhaft aus. Doch Facebook, Instagram und so mal außen vor: Was passiert wirklich?

„Uiuiuiui … hast du gesehen, was XY gepostet hat? Der hat ein tolles Leben!“ – ja, viele digitale Nomaden halten mit ihren Blogs und Posts das Bild des in der Hängematte liegenden coolen Menschen aufrecht. Hier mal ein Vergleich von den drei gängigsten realen Lebenswelten und Realitäten von Digital Nomads in Form von Tagesprotokollen. Einfach nur, um euch mal aufzuzeigen, dass es eben nicht nur die Hängematte ist. Wir beschränken uns jetzt mal auf drei Personas, da gibt es noch viel mehr unterschiedliche. Gibt euch aber hoffentlich einen kleinen Eindruck vom täglichen Leben.

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Barry*, 32, aus Birmingham, UK, arbeitet als Online-Englischlehrer in Vietnam

*Name nicht zufällig geändert, absolute Ähnlichkeit mit einer real existierenden Person

10-10:30 Uhr: Aufwachen, überprüfen, ob Smartphone und Geldbeutel im Zimmer sind und ob sich sonst noch jemand, beispielsweise im Bad, befindet.
10:30-11 Uhr: Duschen, Hygiene und Styling, am besten leicht verwildert und mitgenommen aussehen.
11 Uhr: Frühstücksraum betreten, checken, wer sonst noch da ist.
11:05-11:55: Beim Frühstück mit anderen die Geschichten und Erlebnisse des letzten Abends und der letzten Nacht abgleichen.
11:56 Uhr: Den bestellten Kaffee und die Kokosnuss zur Seite schieben, lieber das Angebot für ein Konter-Bier des neuen besten Freundes annehmen.
11:57-13 Uhr: Bilder des vorherigen Abends sowie Gruppenfoto vom Frühstück posten. Allen am Tisch alle Fotos zusenden.
13-13:50 Uhr: Facebook, Instagram und Twitter checken, zählen, wie viele neue Freunde man hat, andere Beiträge kommentieren.
13:51 Uhr: Einladung zum Surfen ablehnen, weil man so viel Arbeit hat und davon schon Kopfschmerzen kriegt, deshalb auch das bleiche Gesicht und die zittrigen Hände.
13:52-15 Uhr: Weiter Facebook, Instagram und Twitter checken, zählen, wie viele neue Freunde man hat, andere Beiträge kommentieren.
15-16:30 Uhr: Kurz das Ressort verlassen, um was einzukaufen.
16:30-18 Uhr: An echt wichtigen Dingen arbeiten, einen Onlinekurs geben (auf der Terrasse, so dass auch alle sehen, wie beschäftigt man ist.
18:05 Uhr: Feierabend.
18:05-20 Uhr: Kurzes Nickerchen zum Erholen.
20-20:30 Uhr: Fertigmachen für den Abend.
20:30-21:15 Uhr: Diskussion mit anderen über den weiteren Verlauf des Abends, ob Thai, Vietnamesisch oder Europäisch, ob Bar oder Club.
21:15 Uhr: Gemeinsamer Aufbruch ohne Plan.
21:45 Uhr: Nach einigen Diskussionen mit einem Teil der Gruppe in eine Bar, kein Essen.
22 Uhr: Nachdem die Rechnung des letzten Abends beglichen wurde, erstmal eine Runde ausgeben.
22-2:30 Uhr: Socializing – Fotos machen, neue Freunde connecten und über die viele Arbeit und möglichen Projekte reden.
2:30 Uhr: Gemeinsamer Aufbruch (minus zwei Personen der ursprünglichen Gruppe) in einen Club.
2:30-03:30 Uhr: Vergebliche Versuche, einen intimen Kontakt herzustellen.
3:30 Uhr: Taxi ins Ressort, alleine.
3:35 Uhr: Vorsatz formuliert, am nächsten Tag es mal ruhiger angehen zu lassen und mehr zu arbeiten.
3:40 Uhr: Vor dem Fernseher bei voller Lautstärke einschlafen.

Susanna*, 29, aus Kopenhagen, DK, arbeitet als Content-Managerin in Südost-Asien

*Name nicht zufällig geändert, absolute Ähnlichkeit mit einer real existierenden Person

7:30-08:15 Uhr: Aufstehen und eine halbe Stunde am Strand joggen.
8:15-09:30 Uhr: Morgendliche Yoga-Session.
9:30-10:30 Uhr: Gemeinsames Frühstück, Tagesplan erstellen.
10:30-11:30 Uhr (geplant): Job-Suche auf gängigen Portalen und Bewerbungen schreiben.
10:31 Uhr (real): Spontane Einladung zu einem Kochkurs gemeinsam mit der Gruppe angenommen.
10:32-13 Uhr: Kochkurs. Viele Fotos, viel Spaß, gutes Essen.
13:00-14 Uhr: Mittags-Yoga.
14:00-16 Uhr (geplant): Job-Suche auf gängigen Portalen und Bewerbungen schreiben.
14:01 Uhr: Spontane Einladung angenommen, ehrenamtlich den Strand von Müll zu säubern.
14:02-17:30 Uhr: Strand säubern, aufräumen, gutes Gefühl haben, etwas Gutes zu tun, harte Arbeit, aber auch viel Spaß und tolle Fotos, neue Freunde kennengelernt.
17:30-18 Uhr: Duschen, für Abend-Yoga vorbereiten.
18-19 Uhr: Abend-Yoga am Strand beim Sonnenuntergang.
19-20:30 Uhr: Mit Yoga-Gruppe essen gehen.
20:30-22 Uhr (geplant): Job-Suche auf gängigen Portalen und Bewerbungen schreiben.
20:31 Uhr (real): Einladung des Zimmernachbars auf einen Cocktail zu zweit angenommen.
20:32-00 Uhr: Austausch über bisherige Erlebnisse auf der Welt und beim Reisen, eventuelle gemeinsame Reisepläne schmieden.
00:05 Uhr: Zurück im Ressort. Gemeinsam mit Zimmernachbar. Sex.
5:45 Uhr: Aufwachen, weil der Zimmernachbar geht, er wird gleich abgeholt, da er heute nach XY weiterreist, hatte er vergessen, zu erwähnen.
5:50 Uhr: Sich schwören, dass so etwas wirklich, wirklich nie wieder vorkommt.

Marie*, 37, aus Lyon, FR, arbeitet „mit so Computerzeugs“ eigentlich überall, derzeit eben in SEA

*Name nicht zufällig geändert, absolute Ähnlichkeit mit einer real existierenden Person

8-8:30 Uhr: Aufstehen, Kaffee holen, Mails checken.
8:30-9 Uhr: News-Portale lesen, Foren durchforsten, allgemeine Recherche, um sich auf den neuesten Stand zu bringen.
9:00-9:15 Uhr: Tagesplan festlegen, Stunden und Jobs planen und verteilen.
9:15-9:45 Uhr: Kunden-Mails beantworten.
9:45-12 Uhr: Ersten Job erledigen und von der To-do-Liste streichen.
12:01 Uhr: Angebot für Mittags-Yoga ablehnen.
12:02-13 Uhr: Mittagessen mit einem anderen Programmierer, Austausch über neueste Trends sowie gegenseitiges Tippgeben bezüglich laufender Kundenprojekte und möglicher neuer potenzieller Kunden.
13-13:08 Uhr: Arbeit an Kunden-Projekten auf der Terrasse mit Blick auf Strand und Meer.
13:09 Uhr: Kopfhörer holen, weil sonst an Arbeit nicht zu denken ist.
13:10-14:48 Uhr: Arbeit an Kundenprojekten.
14:49 Uhr: Angebot für ein kostenloses Surftraining ablehnen.
14:50-17 Uhr: Arbeit an Kundenprojekten auf dem Zimmer wegen Lärmpegel und Trubel im Gemeinschaftsraum und auf der Terrasse.
17-17:30 Uhr: Kurze Pause, am Strand spazieren.
17:30-18:45 Uhr: Slack-Meeting mit anderen Programmierern, die parallel am selben Projekt arbeiten, Austausch und Update über Status quo.
18:45-19:12 Uhr: Arbeit an Kundenprojekten.
19:13 Uhr: Einladung für einen Feierabend-Cocktail gemeinsam mit anderen dankend ablehnen.
19:14-21 Uhr: Arbeit an Kundenprojekten.
21-22 Uhr: Rechnungen schreiben, Rechnungseingänge prüfen, per Mail Visa-Verlängerung vorab beantragen, neue Unterkunft suchen.
22-??:?? Uhr: Etwas zu Essen holen und sich dann gemeinsam mit dem anderen Programmierer und einem Texter am Strand ordentlich abschießen.

Muss nicht jeder jeden Tag so einen Tag haben. Ist aber oft so. Und witzig, zu beobachten beziehungsweise teilweise mitzumachen.

Cheers, Rob

Du hast Lust, mehr über das Leben als digitaler Nomade zu erfahren? Kein Problem, bei Rob’n’Roll around the World liest du mehr!

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