Ratgeber

Überstunden-Beweispflicht: So gehst du auf Nummer sicher – laut Fachanwalt

Überstunden: So geht ihr auf Nummer sicher. (Foto: dpa)

Eine Buchhalterin hat einen Rechtsstreit gegen ihren alten Arbeitgeber verloren. Sie wollte ihre restlichen Überstunden ausbezahlt bekommen. Ein Rechtsexperte erklärt, worauf es im Falle eines Falles ankommt.

Insgesamt 276 Überstunden will eine Buchhalterin aus Mecklenburg-Vorpommern geleistet haben – dafür wollte sie nach ihrer Kündigung im Mai 2018 entlohnt werden und klagte gegen den Arbeitgeber. Die Summe: 3.353 Euro. Das Landesarbeitsgericht Rostock wies die Klage jedoch ab. Die Angestellte konnte ihre Mehrarbeit nicht zweifelsfrei nachweisen. „Die von der Klägerin vorgelegten Computerausdrucke beruhen ausschließlich auf ihren eigenen Angaben, in welcher Art und Weise auch immer sie diese erfasst hat“, heißt es laut Der Spiegel in dem Urteil der Richter. Die Buchhalterin habe ihre Arbeitszeit in dem Überstundenkonto ihres Arbeitgebers erfasst. Jedoch hätte sie als Administratorin auch rückwirkend Eintragungen vornehmen können.

Nix mehr verpassen: Die t3n Newsletter zu deinen Lieblingsthemen! Jetzt anmelden

Da die Buchhalterin nicht nachweisen konnte, dass der Arbeitgeber die Überstunden angewiesen oder zumindest wissentlich in Kauf genommen hatte, scheiterte sie nun mit ihrer Forderung. Der Arbeitgeber hat die Aufzeichnungen der Frau nämlich bestritten. „Selbst wenn die Klägerin zu den behaupteten Zeiten im Betrieb anwesend war, so folgt daraus noch nicht, dass Überstunden notwendig waren, um die geschuldeten Arbeiten in der zur Verfügung stehenden Zeit erledigen zu können“, heißt es in dem Urteil weiter.

Überstunden: Auf Nummer sicher gehen

„Eine Bestätigung der Anordnung von Überstunden und des genauen Leistungszeitraums ist nicht zwingend bereits im Vorfeld nötig“, erklärt Guido Völkel, Associate bei Bird & Bird und Fachanwalt für Arbeitsrecht, gegenüber t3n. „Sofern es Zeiterfassungssysteme im Unternehmen gibt, kann hierdurch die Erfassung des genauen Zeitraums der geleisteten Überstunden bereits abgedeckt sein, was jedoch die Frage der Anordnung von Überstunden oder zumindest der wissentlichen Duldung durch den Arbeitgeber noch offen lässt.“

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich laut Völkel beispielsweise regelmäßig Stundenzettel über geleistete Überstunden im Nachgang abzeichnen lassen, aus denen sich das genaue Datum und der präzise Zeitraum der geleisteten Überstunden ergeben muss sowie die Person, die diese Überstunden konkret angeordnet hat. Dies wäre auch per E-Mail denkbar, wobei dem handschriftlich unterzeichneten Stundenzettel im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung der höhere Beweiswert zukäme, so Völkel.

490 Millionen Überstunden unbezahlt

Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Deutschland haben im ersten Halbjahr 2019 zusammen rund 960 Millionen Überstunden geleistet. Davon waren 490 Millionen Überstunden unbezahlt. Die Zahlen gehen auf eine Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit zurück, die im November letzten Jahres vom Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) erstmals veröffentlicht wurde. Die Zahl der Überstunden hat sich der Auswertung zufolge vom zweiten Quartal 2018 zum ersten 2019 kaum verändert. Jedoch wird ein Unterschied zum Vorjahr deutlich: Im ersten Halbjahr 2018 waren es noch rund 1,1 Milliarden Überstunden. Die Zahl der Überstunden ist im Vorjahresvergleich also wieder rückläufig.

Weitere News zu Apps
Jobsuche: Die kostenlose Truffls-App für iOS und Android ist ein Tinder für Bewerber. Wer auf der Suche nach einem interessanten Job ist und fündig wird, swipt einfach nach rechts und schickt einen Lebenslauf ab. Antwortet das Unternehmen, kommt es zum Match. (Grafik: t3n / dunnnk)

1 von 15

Die Deutschen arbeiten wie verrückt: Jeder Fünfte machte beispielsweise 2018 mehr als zehn Überstunden die Woche – laut einer Xing-Umfrage. Doch wie sieht eigentlich die Rechtslage dazu aus? Lies auch: „Wann darf der Chef eigentlich Überstunden einfordern – und wie viele?

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Ein Kommentar
Felix
Felix

Hätte man nicht anhand von Computer-Logs aus dem Event-Manager auch nachwirkend die Nutzungszeit für diese Frau ermitteln und schlussendlich beweisen können?

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung