Ratgeber

Warum noch reisen? Technik und Lösungen für Video-Konferenzen

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Mikogo: Schnell und einfach mit kleinen Problemen im Detail

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Wer US-amerikanischen Lösungen und deren Cloud-Servern misstraut, sollte einen Blick auf das Angebot des deutschen Unternehmens Snapview werfen. Dessen Lösung Mikogo ist nach eigenen Angaben komplett „Made in Germany“. Der Schwerpunkt von Mikogo ist das Präsentieren – und da zeigt das Programm auch seine Stärken. Es bietet alles, was Anwender für eine schnelle Präsentation über das Internet benötigen könnten: Ein Präsentator kann seinen Bildschirm schnell und einfach bis zu 25 Teilnehmern in gefühlter Echtzeit zeigen. Dabei hat uns besonders gut gefallen, dass die Umstellung der Steuerung von Maus und Tastatur rasch und einfach per Klick oder Tastaturkürzel durchgeführt werden kann.

Das Programm bietet dem Nutzer zwei verschiedene Verfahren, um Teilnehmern das Audio-Signal zu übermitteln: Eine eingebaute Voice-over-IP-Funktion und kostenlose Einwahlnummern für die Telefonkonferenz, die in mehr als 28 Ländern bereitstehen. Ein weiteres interessantes und nützliches Feature: Der eingebaute Sitzungsplaner erlaubt es dem Anwender, Sitzungsnummern fest zu reservieren, sodass sie beispielsweise für regelmäßige Kundenschulungen immer wieder genutzt werden können. Die Einstellungen der Software kann der Nutzer in Profilen vornehmen. Das ist eine Funktion, die wir bei vielen Marktbegleitern schon sehr oft gewünscht haben.

Während Mikogo es ermöglicht, dass Anwender an Online-Präsentationen direkt aus dem Browser heraus teilnehmen können, setzt die Erstinstallation auf eine lokal zu installierende Software. Aktiviert der Nutzer dann die Videofunktion zur Übertragung von bis zu vier gleichzeitigen Videobildern, so erscheint am oberen Fensterrand das Wort „Beta“. Das war schon bei ersten Tests von circa einem Jahr so und hat sich leider nicht geändert. Auch hatte aktuell ein Teilnehmer in einem Unternehmensnetzwerk, das mittels eines Proxy-Servers und Firewalls geschützt war, Probleme, die Video-Konferenz mit Bildübertragung einzusetzen: Die Ton-Übertragung und auch die Präsentation funktionierten, aber es gab kein Bild. Mit genau der gleichen Konstellation funktionierten beispielsweise Goto Meeting und Webex völlig ohne Probleme.

Mikogo ist insgesamt sehr gut geeignet, wenn es darum geht, den eigenen Desktop schnell und unkompliziert einer Gruppe von Benutzern zu präsentieren. Somit wird das Kriterium Screensharing mit Bravour erfüllt. Auch die Möglichkeit, Teilnehmer mit Festnetzanschluss einzubinden und die Sitzungen mitzuschneiden, bietet diese Software an. Die Weitergabe der Kontrolle ist mit einem Mausklick erledigt und auch das gemeinsame Arbeiten an Dokumenten auf dem freigegebenen Desktop oder in einzelnen, freigegebenen Applikation geht gut von der Hand. Für einen Nutzer mit einem Teilnehmer steht die Software samt ihrer Standardfunktionen sogar kostenlos bereit (ohne Videokonferenz). Die Professoinal-Version mit allen Features können Nutzer für 14 Tage kostenlos testen.

Lifesize: Alles von der Hardware bis zur Cloud-Anwendung

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Mit Lifesize und der sogenannten Lifesize-Cloud haben wir einen Anbieter mit ins Testumfeld genommen, der sich seit dem Jahr 2003 auf das Thema Videokonferenzen spezialisiert hat. Dabei bietet die Firma, die ursprünglich aus Texas stammt, aber auch eine deutsche Dependance in München besitzt, nicht nur reine Software für Videokonferenzen, sondern auch die entsprechende Hardware wie Kameras und Telefonsysteme sowie eine SaaS- beziehungsweise Cloud-Variante an. So konnte es auch nicht verwundern, dass die Bildqualität in der Videokonferenz während der Testphase auf ganzer Länge überzeugte. Die von uns verwendeten HD-Kameras von Logitech und die im Microsoft Surface 4 Pro verbaute Front-Kamera nutzte die Software perfekt aus. Direkt über die Menüleiste erlaubt das Programm zudem einen genauen Blick auf die statistischen Eckdaten der Verbindungen: Wie viele Pakete gingen verloren, welche Verbindung arbeitet mit welchem Tempo und was für ein Codec kommt zum Einsatz? Dazu bietet sie auch eine laufende, grafische Auswertung der Daten.

Das Anlegen von Meetings geht mit der Software leicht von der Hand: Der Benutzer wechselt dazu über die Website in das entsprechend benannte Menü, legt einen Namen fest, hinterlegt einen optionalen Passcode, gibt eine Beschreibung ein und besetzt die Rollen Sprecher und Moderator per Auswahl. Einen genauen Zeitpunkt oder sich wiederholende Termine gibt es nicht: Dafür nutzt die Software die Planungsfunktionen von Outlook oder eine Erweiterung für den Chrome-Kalender.

Ganz in der Art von Cloud-Anwendungen steuert ein sogenannter Kontomanager die Software direkt aus dem Web-Browser heraus. Wie in der „alten Welt“ der Telefone legt die Software im Verzeichnis für jeden Benutzer eine Nebenstellennummer an. Auf dieser Nummer ist das Endgerät dann ebenfalls erreichbar.

Die Lifesize-Cloud-Anwendung funktioniert insgesamt gut, bietet eine hervorragende Bildqualität und ist einfach einzusetzen. Screensharing, Teilnahme per Festnetzanschluss und Aufzeichnen der Konferenz stehen auch zur Verfügung. Unverständlich erscheint es uns nur, dass der Anbieter für die Web-App nur die Browser Chrome und Internet Explorer unterstützt – weder der nach wie vor populäre Firefox noch der neue Edge-Browser der Windows-10-Systeme als definitiver Nachfolger des Internet Explorers kann vom Nutzer eingesetzt werden. Wir haben dieses Problem schon bei einem früheren Test im vergangenen Jahr gegenüber dem Anbieter bemängelt, können an dieser Stelle aber leider keinen Fortschritt verzeichnen. Immerhin können die Nutzer auf Windows-Systemen noch auf die Desktop-App zurückgreifen.

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Eine Reaktion
hannakoch

Sehr guter Artikel, der zusammenfassend die Dinge in die richtige Perspektive rückt und beim Vergleichen der unterschiedlichen Videokonferenz-Plattformen eine beeindruckende Arbeit geleistet hat. Allerdings bin ich überrascht, dass der Autor nicht Blizz in diese Liste aufgenommen hat. Blizz von TeamViewer ist ein deutsches Produkt – wie kommt es, dass man es nicht aufgeführt hat? Als jemand, der den größten Teil des Tages an Online Meetings teilnimmt, darf ich behaupten, dass Blizz genau das macht, was es soll, und manchmal sogar besser als einige der in Ihrem Artikel vorgestellten Plattformen. Ich schlage vor, einen Blick darauf zu werfen und eventuell die Liste zu komplettieren

Antworten

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