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Vorstellungsgespräch: 10 Rückfragen – und was eine Expertin von ihnen hält

Rückfragen im Vorstellungsgespräch: Es gibt berechtigte und überflüssige Fragen. (Foto: Shutterstock-Baranq)

Welche Fragen stellt ihr im Vorstellungsgespräch? Danach haben wir euch gefragt und ihr habt geantwortet. Karriere-Coach Karin Zintz-Volbracht kommentiert, was sie von ihnen hält.

Das Vorstellungsgespräch ist keine Einbahnstraße. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen sich auf Augenhöhe begegnen und abtasten, ob sie zueinander passen. Doch ebenso wie der potenziell neue Chef kann auch der Bewerber berechtigte, überflüssige und ganz eindeutig verbotene Fragen stellen. Wir haben euch kürzlich auf Facebook gefragt, was euch im Job-Interview so umtreibt. Die zehn besten Rückfragen hat Karriere-Coach Karin Zintz-Volbracht für uns kommentiert. Nicht alles, was euch interessiert, kommt auch gut an!

Rückfragen im Vorstellungsgespräch: Gut oder so lala?

Vorstellungsgespräch: „Im besten Fall ergibt sich ein echtes Gespräch über gemeinsame Werte.“ (Foto: Karin Zintz-Volbracht)

1. Welche Aufstiegschancen habe ich bei Ihnen?

„Die Frage nach den Aufstiegschancen ist eine berechtigte Frage. Ich persönlich würde sie im Job-Interview etwas weicher stellen und nicht direkt nach ,Aufstiegschancen‘ sondern nach ,Entwicklungsperspektiven‘ fragen. Damit sind dann zum Beispiel auch Fortbildungsmöglichkeiten und interessante Projekte abgedeckt, und als Bewerber zeigst du dich engagierter.“

2. Wann wird ein Arbeitnehmer spätestens gekündigt?

„Das würde ich in dieser Form nicht fragen. Die Antwort ist juristisch gesehen ja vorhersehbar. Wenn du testen möchtest, wie das Unternehmen tickt, kannst Du in der zweiten Runde, in der engeren Wahl, eher fragen: Was für ein kollegiales Verhalten wird hier belohnt – und was wird sehr schnell sanktioniert?“

3. Was macht das Unternehmen eigentlich genau?

„Bitte nicht! Bewerber sollten sich darauf vorbereiten, diese Frage selbst beantworten zu können. Interessierte Detailfragen sind natürlich klasse und zeigen Vorbereitung. Zum Beispiel: Mich interessiert besonders das Tätigkeitsfeld oder der Bereich XY – können Sie mir sagen, was da genau gemacht wird?“

4. Wie viel verdient ein Mitarbeiter denn so bei Ihnen?

„Berechtigte Frage, nur würde ich mich dem Gehaltsthema im ersten Gespräch anders nähern. In Online-Jobportalen lassen sich Durchschnittsgehälter für Job und Branche gut recherchieren. Da kannst du fragen, ob die recherchierten Zahlen mit dem tatsächlichen Angebot übereinstimmen oder höher oder tiefer liegen. Und dann präzise nachfassen.“

5. Wie würden Sie die Unternehmenskultur hier beschreiben?

„Ungewiss, ob die Antwort der Entscheider auf diese Frage dem echten Leben im Betrieb entspricht. Um Floskeln aus dem schicken Unternehmensleitbild an der Wand zu testen, kann man fragen: Woran würde ich denn beim Start hier die besondere Unternehmenskultur erkennen?“

6. Wie handhaben Sie Krankschreibungen?

„Überflüssige Frage. Da gibt es nämlich gesetzliche Regeln. Und: Krank ist krank. Wenn es anders läuft, wird das keine Führungskraft einem Bewerber vorher erzählen.“

7. Wie lang war mein Vorgänger in dieser Position tätig?

„Gute Frage. Denn es ist von Bedeutung, ob der Vorgänger nach der Probezeit gegangen ist oder sich 17 Jahre lang dort wohlgefühlt hat und eventuell einen sehr individuellen, tiefen Fußabdruck hinterlässt.“

8. Wie wird die Arbeitszeit erfasst?

„Eine wichtige Frage zu einem Kernthema der neuen Wirtschaft. Geht es um reine Anwesenheit? Oder geht es um Qualität und Ergebnisse? Wenn gestempelt und jede kleine Pause durch Türkarten elektronisch erfasst wird, zeugt das von einer Kultur des Misstrauens und der Kontrolle.“

9. Wie flexibel sind die Arbeitszeiten?

„Ja, unbedingt fragen und ganz genau hinhören! Gleitzeit bringt morgens und abends ein bisschen mehr Freiheit. Vertrauensarbeitszeit schafft mehr Flexibilität. Zu diesem Thema gehören auch der Umgang mit Überstunden, mit mobiler Arbeit und Home-Office.“

10. Darf ich meinen Hund mitbringen?

„Wenn das echt ein Thema ist, bitte erst kurz vor Vertragsunterzeichnung fragen. Es sei denn, im Flur stehen Fressnäpfe herum und im Besprechungsraum riecht es nach feuchtem Fell.“

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Eine Reaktion
UlrichSchweiker

Wie immer, wenn allgemeingültige Antworten gegeben werden, juckt es mir in den Fängen, ein "ja, aber..." anzufügen. Zu 1. Bei einem Anfangsjob nach Aufstiegschancen zu fragen, ist etwas Anderes, als wenn jemand auf seinen anstehenden Karriereschritt bei Firma A verzichtet und zu B wechselt. Und die Frage ist auch anders, wenn es sich um ein kleines start-up handelt oder einen Weltkonzern. Und natürlich anders, wenn es um eine seltene Expertise geht oder um eine Aufgabenstellung, für die es unendlich viele KandidatInnen geben mag. - Zu 2. Ich interessiere mich in der ersten Runde schon dafür, was im Unternehmen für gut befunden wird - und was abgelehnt wird; weil ich dann gar keine zweite Runde möchte. - Auch als Entscheider möchte ich meine Zeit nicht damit verbringen, diese Frage nicht in der ersten Runde geklärt zu haben. Zu 3. Auch hier macht es einen Unterschied, ob es um eine SpezialistInnentätigkeit oder eine Aufgabe für Fortgeschritttene geht oder um eine Anfangsposition: und natürlich ist Fingerspitzengefühl gefragt, wenn es um strategisch relevante Aspekte geht - das Ausplaudern der Patentstrategie wird wohl kaum erwartet. - Zu 7. Die Frage nach dem Fußabdruck eines Vorgängers / einer Vorgängerin ist sicherlich wertvoll; ich empfehle aber, dann lieber direkt auch so zu fragen; wie lang der Vorgänger in der Position war, könnte mißverstanden werden als "ist das ein Schleuderposten?" - Also lieber: darf ich erfahren, ob es sich um eine neu geschaffene Stelle handelt oder aus welchem Grund die Position frei geworden ist? Zu 8. selbst bei der Erfassung der Zeiten des Kommens und Gehens gibt es Rahmenbedingungen, die gänzlich andere Schwerpunkte setzen: so kann in bestimmten Bereichen (IT, Forschung, Recht, Umgang mit Gefahrstoffen, etc.) die Erfassung aus Sicherheitsgründen erfolgen. - Dann ist es kein Zeichen von Mißtrauen und Kontrolle, sondern von Fürsorge und Gefahrenvermeidung. - Zu 9. Beliebter ist die Frage, wie die Zusammenarbeit angesichts flexibler Arbeitszeiten geregelt ist: gibt es Kernarbeitszeiten, typische Pflichtzeiten, in denen Besprechungen stattfinden, gibt es die Möglichkeit zu Telefonkonferenzen, wird mit Videokonferenzen gearbeitet - und natürlich je nach Unternehmen und Aufgabe: 24-Stunden-Erreichbarkeit bei globalen Firmen, Umgang mit Jetlag, etc. - Zu 10. das gilt natürlich auch für die Frage, ob ich am Arbeitsplatz mein Terrarium mit meiner Schlange oder meinen Skorpionen aufstellen darf, oder allgemeiner: wie sehr darf ich meinen Arbeitsplatz, sofern ich einen persönlichen haben sollte, individuell gestalten. - Allgemeiner gilt eher das Interesse danach, ob es beispielsweise Kinderbetreuungsmöglichkeiten gibt, einen Parkplatz oder eine Elektromobilität-Ladesäule für meinen eigenen oder den Dienstwagen ...

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