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Analyse

HTML 5.2: Warum der neue W3C-Standard nur bedingt hilfreich ist

(Foto: Shutterstock.com)

HTML 5.2 ist fertig und hat jetzt den Status einer offiziellen Empfehlung des W3C. Nur: Wirklich viel Aussagekraft hat der Standard nicht. Warum dem so ist, erklären wir euch in diesem Artikel.

HTML 5.2 ist da: Aber was bedeutet das eigentlich für das Web?

Das World Wide Web Consortium (W3C) hat ihre Spezifikationen zu HTML 5.2 auf den Status einer Empfehlung erhoben. „Diese Empfehlung bietet, wie ihre Vorgänger, eine aktualisierte, stabile Anleitung dazu, was HTML ist“, heißt es dazu in einer offiziellen Mitteilung der Organisation. Das klingt gut und ist theoretisch auch so weit korrekt, nur praktisch ist die Sachlage dann doch etwas komplizierter. Denn auch wenn die HTML-5.2-Spezifikationen des W3C einen gewissen Überblick über den aktuellen Stand der Beschreibungssprache liefern, ist die Entwicklung längst weiter.

Diese paradoxe Situation hängt damit zusammen, dass das W3C nun mal nicht die Autorität in Sachen Web-Standards ist, die sie gerne wäre. Um das zu erklären, müssen wir ein paar Jahre zurückgehen. Genauer gesagt ins Jahr 2004: Damals entschloss sich das W3C dazu, HTML zugunsten einer XML-basierten Sprache aufzugeben. Daran störten sich vor allem die Browser-Entwickler Mozila und Opera, die daraufhin die Web Hypertext Application Technology Working Group (WHATWG) gründeten, um HTML weiterzuentwickeln.

Die ursprünglichen HTML5-Spezifikationen hat das W3C auf Basis der Arbeit der WHATWG erstellt. (Foto: Shutterstock.com)

2007 näherten sich die beiden Organisationen wieder an, und das W3C entwickelte HTML5 auf Basis der Arbeit der WHATWG. Damit hätte der Streit eigentlich beigelegt sein können, aber 2012 kam es erneut zu Auseinandersetzungen. Die WHATWG war und ist der Überzeugung, dass versionierte und in festgelegten zeitlichen Intervallen veröffentlichte HTML-Spezifikationen der Schnelllebigkeit des Web entgegenlaufen. Das W3C wiederum sah das anders, und deswegen existieren heute zwei HTML-Spezifikationen.

Die HTML-Spezifikationen der WHATWG, zu der mittlerweile alle großen Browser-Hersteller gehören, werden regelmäßig aktualisiert. Feste Versionsnummern gibt es genauso wenig wie Veröffentlichungsintervalle. Sobald eine Technologie von mindestens zwei der großen Browser unterstützt wird, findet sich üblicherweise ein Eintrag dazu in den Spezifikationen.

Die Spezifikationen der W3C, also auch die gerade vorgestellte HTML-5.2-Empfehlung, erscheinen hingegen einmal jährlich. Damit hinken sie dem Stand der aktuellen Entwicklung immer ein wenig hinterher. Gleichzeitig sind die W3C-Spezifikationen aber auch deutlich nutzerfreundlicher. So finden sich genaue Angaben in dem Dokument, was seit der letzten Versionsnummer verändert wurde. Wer Änderungen in den WHATWG-Spezifikationen nachvollziehen will, wird dafür hingegen viel Zeit aufwenden müssen.

Fazit

Letztlich ist es eine Frage der persönlichen Überzeugung, welches Modell sinnvoller ist. Fest steht jedoch, dass die WHATWG-Spezifikationen einen deutlich aktuelleren Blick auf den Stand der HTML-Entwicklung bieten. Wer einen Überblick darüber möchte, was sich im letzten Jahr an der HTML-Front getan hat, der kann natürlich trotzdem einen Blick auf HTML-5.2-Empfehlung des W3C werfen. Wolltet ihr allerdings einen Browser entwickeln, der es mit der Konkurrenz einigermaßen aufnehmen kann, dann würde kein Weg an den HTML-Spezifikationen der WHATWG vorbeiführen.

Wobei beide Varianten letztlich nur bedingt hilfreich für Web-Entwickler sind. Die tun in aller Regel gut daran, sich stattdessen im MDN zu informieren. Die Web-Dokumentation richtet sich gezielt an Web-Entwickler und wurde ursprünglich von Mozilla geschaffen. Mittlerweile wird sie in Kooperation mit Microsoft, Google, Samsung und dem W3C betrieben.

Übrigens: Trotz der unterschiedlichen Auffassungen zur „perfekten“ HTML-Spezifikation arbeiten die großen Browser-Hersteller als WHATWG-Mitglieder in aller Regel mit den verschiedenen W3C-Arbeitsgruppen zusammen, wenn es um die Schaffung zukünftiger Standards geht. Denn allen ideologischen Grabenkämpfen zum Trotz geht es im Grunde um ein gemeinsames Ziel: das Web weiterzuentwickeln.

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