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Feature

Tech-Konferenz der Superlative – das war der Websummit 2018

(Foto: Esther Schwan)

Superlative über Superlative. Die Hauptbühne in einer fußballstadion-großen Arena, 1.200 Speaker, mehr als 1.800 ausstellende Startups, 70.000 Besucher aus über 170 Ländern: Der Websummit sucht in Europa definitiv seinesgleichen. Ein Rückblick auf vier Tage der größten europäischen Tech-Konferenz.

Vor acht Jahren startete der Websummit-Gründer Paddy Cosgrave eine kleine Konferenz mit nur 400 Teilnehmern in Dublin. Wenige Jahre später hat sich diese kleine Konferenz zu einem wahren Imperium gemausert. Zugehörige Events wie die Collision in den USA, Rise in Hong Kong und die Moneyconf in Madrid ziehen Hunderttausende an. Den Höhepunkt jedes Jahres bildet jedoch der Websummit – einfach die Tech-Konferenz Europas. Seit 2016 findet sie in Portugals Hauptstadt Lissabon statt und verzeichnet fortlaufend neue Besucherrekorde.

So drängelten sich letzte Woche vier Tage lang 70.000 Menschen durch die Messehallen und die Innenstadt von Lissabon.

Ein Paradies für Startups, Entwickler und Investoren

Für Startups, die abklopfen wollen, ob ihr Produkt wirklich für den Markt geeignet ist, oder die nach Investoren suchen, lohnt sich der Websummit definitiv. In den insgesamt vier Messehallen sind jeweils eigene Bereiche für die Startup-Stände reserviert. Hier können sich Startups aus allen möglichen Bereichen (zum Beispiel Sport, Lifestyle oder E-Commerce) dicht an dicht präsentieren. Aufgeteilt werden die Kategorien nach Phase der Gründung beziehungsweise der Investmentsituation: Alpha-Startups wurden gerade gegründet oder haben bisher weniger als eine Million US-Dollar eingesammelt, Beta-Startups sind bereits auf dem Markt und Growth-Startups werden als zukünftige Unicorns gehandelt. Haben sie einen mehrstufigen Auswahlprozess durchlaufen, dürfen sie sich einen Tag lang dem Publikum auf dem Websummit präsentieren. Über Nacht werden die Schilder über den Ständen getauscht und neue Startups nehmen die begehrten Plätze ein. Hier auszustellen, lohnt sich – denn unter den 70.000 Besuchern tummeln sich unzählige Investoren. Zudem waren die Startup-Stände mit Abstand am besten besucht, hier herrschte teilweise großes Gedränge.

Größere Aussteller finden sich auf dem Websummit natürlich auch. Nicht nur große Tech-Player wie Microsoft, Google und Amazon, sondern beispielsweise auch Modeunternehmen wie PVH (Calvin Klein und Tommy Hilfiger) oder Automobilkonzerne wie Daimler, BMW und VW. Viele von ihnen nutzten die Konferenz explizit zum Recruiting von Entwicklern und Ingenieuren. Die „We are hiring“-Schilder waren allgegenwärtig. Unter den Teilnehmern werden einige sicherlich fündig geworden sein. Einfach machte das die Websummit-App.

Alle Teilnehmer und Vorträge in einer App

Über die App hatten die Teilnehmer stets Zugriff auf das gesamte Konferenzprogramm. Bei 24 parallel stattfinden Konferenzen erst einmal fast nicht zu überblicken. Aber auch hierzu hatten die Veranstalter eine Lösung parat: Jeder Teilnehmer erhielt auf Basis seiner zuvor angegebenen Präferenzen personalisierte Vorschläge zu passenden Vorträgen. Die waren tatsächlich auch erstaunlich zutreffend. Aber nicht nur zur Planung der zu besuchenden Vorträge eignete sich die App, sie war explizit auch zum Netzwerken gedacht. Über die App konnte jeder einzelne Teilnehmer und Speaker gesucht und direkt angeschrieben werden. Einfach mal Tony Blair Hallo sagen? Das wäre tatsächlich möglich gewesen. Startups hatten so eine weitere Möglichkeit, mit Investoren in Kontakt zu treten, Journalisten konnten spontan noch Pressetermine anfragen. Möglich machte das auch das erstaunlich stabil laufende WLAN auf dem gesamten Gelände. Bei 70.000 Teilnehmern eine echte Leistung. Da können sich andere große Digitalmessen noch eine Scheibe abschneiden.

Hochkarätige Speaker auf 24 parallelen Tracks

Wer einmal das komplette Programm mit 2.000 Speakern durcharbeitet, der stolpert über unzählige große Namen und spannende Vorträge. Besonders auf der Hauptbühne – aber auch auf den kleineren Bühnen – gaben sich die Manager aller wichtigen Player der Tech-Szene die Klinke in die Hand. Ein kleiner Auszug aus den Speakern: Young Sohn (President von Samsung Electronics), Ben Silberman (CEO von Pinterest), Brad Smith (President von Microsoft) und Greg Peters (Chief Product Officer von Netflix).

Die riesige Halle war beim Websummit gut gefüllt. (Foto: Esther Schwan)

Die Hauptbühne nimmt eine eigene der insgesamt fünf Hallen beziehungsweise eine Arena ein: die Altice-Arena. Sie bietet Platz für 20.000 Menschen und war bei der Eröffnung (und während vieler Vorträge) bis fast auf den letzten Platz besetzt. Schon die Eröffnungsredner gaben einen Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Tagen noch folgen sollte. Tim Berners-Lee, der Erfinder des Internets, stellte den von ihm konzipierten Vertrag für das Web #ForTheWeb vor. Laut Berners-Lee befindet sich das Internet gerade an einem Scheidepunkt. Ohne einen Vertrag zwischen allen Nutzern des Internets – sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen – drohen laut Berners-Lee Manipulation, Hass und Spaltung. Der Vertrag zur Rettung des Internets wird bereits von großen Firmen wie Facebook und Google, aber auch von der französischen Regierung unterstützt.

Wie sehr das Thema Hass und Spaltung der Gesellschaft die Netzgemeinde beschäftigt, ließ sich auch am Programm des Websummit im Allgemeinen ablesen. Mehrfach beschäftigten sich die Vorträge und Diskussionsrunden mit den Themen Fake News und Manipulation im Netz. Hierzu sprachen unter anderem Mitchell Baker von Mozilla, in einem anderen Panel Ev Williams, früher CEO von Twitter, heute Medium. Der CEO des Guardian, David Pemsel, forderte mehr Verantwortung und Verantwortlichkeit. Die Menschheit müsse aufpassen, nicht von Algorithmen diktiert zu bekommen, was wir sehen.

Insgesamt konnten die Besucher aus 24 Teilveranstaltungen des Websummit wählen – die Themen deckten alle Bereiche ab, die irgendwie von Technologie berührt werden. So hatte die Automobilbranche eine eigene Konferenz, genauso wie die Sport- oder Musikindustrie. Auf kleineren Bühnen wie „SaaS Monster“ oder der „Startup University“ gaben CEO führender Unternehmen konkrete Tipps für verschiedenste Geschäftsbereiche. Hier zum Beispiel das Panel „How to become an UXpert“ mit David Rusenko (Gründer von Weebly), Jacob Greenshpan (Kopf des UX Programms bei Google Launchpad) und Holly Liu (Y Combinator). Die Speaker gaben konkret Einblick in ihre Arbeit und Tipps, wie Startups die UX auf ihrer Website verbessern können.

Frauen an die Macht

Ein weiteres Thema, dem sich der Websummit explizit widmete, war die Stärkung der Position von Frauen – vor allem in der Tech-Branche. In ihrer Eröffnungsrede stellte Lisa Jackson (Vice President Environment, Policy and Social Initiatives bei Apple) klar, dass es mehr Frauen in der Tech-Branche brauche. Hier steht sie ganz klar auf einer Linie mit den Veranstaltern. Schon seit drei Jahren feilt der Websummit an seiner „Women in Tech“-Initiative. Hiermit sollte unter anderem das Besucherverhältnis auf den drei Konferenzen verbessert werden. Für den Websummit in Lissabon wurden insgesamt 10.000 Tickets an Frauen vergeben – zu einem bis zu 90 Prozent günstigeren Preis. Das kam nicht bei allen Teilnehmern positiv an – aber funktionierte zumindest. Der Frauenanteil war mit knapp 50 Prozent auf der Konferenz erstaunlich hoch. Auch auf den Panels saßen deutlich mehr Frauen als auf anderen vergleichbaren Konferenzen.

10 weitere Jahre Websummit in Lissabon

Kurz vor dem Start der Konferenz wurde bekannt gegeben, dass der Websummit für die nächsten zehn Jahre in Lissabon stattfinden wird. Der Veranstalter erhält durch den Deal jährlich elf Millionen Euro, zusätzlich wird die Kapazität der Altice-Arena verdoppelt, auch eine Ausweitung der bestehenden Hallen der Messe ist geplant. Die erste Phase der Erweiterung soll bereits zum Websummit 2019 abgeschlossen sein. So soll in den nächsten Jahren dann die magische Grenze von 100.000 Besuchern geknackt werden. Wahrlich eine Konferenz der Superlative.

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