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Codary: Startup will Kindern Programmieren per App beibringen

Das Startup Codary will Programmieren als ­„cooles Nachmittagshobby“ für Kinder etablieren. Dabei soll es um Chancengleichheit gehen. Wir haben im t3n-Startup-Porträt mit den Gründer:innen gesprochen.

Von Elisabeth Urban
5 Min. Lesezeit
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In der App Codary können Nutzer:innen zwischen verschiedenen Kursen wählen: Im Chat führt dann der Affe Cody durch die passenden Aufgaben. (Abbildung: Codary)

„Oh nein … vor uns liegt eine Schlucht! Hast du eine Idee, wie wir es rüberschaffen können?“ – das ist keine Aufgabe aus dem x-ten Adventure-Game, sondern eine Frage von Cody, einem animierten Äffchen in der Lern-App des Berliner Startups Codary. „Solange wir die richtige Sequenz benutzen, kann nicht viel schieflaufen“, ermutigt das Tierchen die Nutzer:innen und führt sie durch eine lilafarbene Dschungelwelt.

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Cody soll Kinder spielerisch „durch den ­Programmierdschungel leiten“, erklärt Codary-Mitgründerin Antonia Schein. Wer sich selbst und den Affen Cody mit der Sequenz „Liane greifen, Schwung ­holen, Liane loslassen“ erfolgreich über die Schlucht geschwungen hat, bekommt zur Belohnung zwei Rubine und wird für das nächste Abenteuer freigeschaltet. Da geht es darum, einen Bananenbaum zu erklimmen und so das Programmier­konzept sich wiederholender Abläufe, sogenannter Schleifen, kennenzulernen.

Codary: Die „Spielregeln der digitalen Welt“ verstehen

„Nicht jedes Kind muss am Ende der Schullaufbahn perfekt programmieren können. Aber es sollte die Grundlagen und Spielregeln der digitalen Welt verstehen“ – so lautet das Motto der Gründer:innen Antonia Schein, Amanda Maiwald und Nikolaj Bewer. Kennengelernt haben sich die drei Berliner:innen an der Universität – Erfahrungen mit einem jungen Unternehmen hatten Maiwald und Schein bereits beim Mobilitätsstartup Clevershuttle gesammelt.

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Mit ihrer Programmier-App für Kinder hatten sich ­Bewer, Maiwald und Schein im September 2020 auf das Berliner ­Start­up-Stipendium beworben. Das Trio erhielt eine Zusage, allerdings „erst zwei Wochen bevor das Stipendium losging“, erinnert sich Bewer. Da war ­Spontaneität gefragt: „Wir hatten alle noch Praktika oder Werkstuden­t:innenjobs und haben die dann von heute auf morgen gekündigt.“

Die Rollenverteilung im Team ist klar geregelt: Maiwald, die wie Bewer Informatik und Wirtschaft studiert hat, kümmert sich um ­Operations, People und Culture, Fundraising und Investor-Relations. Schein hat Internationales Management studiert, sie hält die Fäden in der Hand, wenn es um Marketing, Sales und ­Finance geht. Bewer ist für die Produktentwicklung, den Content und die mobile App zuständig. Er bringt seine pädagogischen Erfahrungen ins Startup ein, die er als Tutor an der Universität gesammelt hat.

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Informatikunterricht in Deutschland: Ein Flickenteppich

Digitale Apps wie Whatsapp, Tiktok oder Youtube gehören für die meisten Kinder und Jugendlichen in Deutschland fest zum Alltag – dennoch werden digitale Kompetenzen nicht einheitlich vermittelt. Schüler:innen in Mecklenburg-Vorpommern absolvieren von der fünften bis zur zehnten Klasse verpflichtend eine Informatikstunde pro Woche, in Hessen und Bremen gab es bis zum Sommer 2022 überhaupt kein Angebot. Chancengleichheit? Fehlanzeige.

Als Reaktion auf diesen Bildungsflickenteppich sind in den letzten Jahren diverse außerschulische Angebote entstanden. So führt die Hacker School Hamburg bereits seit 2014 Programmierkurse für Kinder und Jugendliche durch, dazu kommen Initiativen wie „Start ­Coding“ oder „Jugend hackt“ und kostenfreie Lern-­Ressourcen im Netz.

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Was also unterscheidet Codary von diesen bestehenden Optionen? Neben der kostenfreien Lern-App mit dem Chatbot-Begleiter Cody bietet das Startup Online-Programmierkurse für Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 16 Jahren an. Das Besondere dabei: Anders als in der Hacker School oder bei „Jugend hackt“ findet der Unterricht nicht geblockt, also zum Beispiel an einem Wochenende, statt, sondern füllt über mehrere Monate eine Stunde pro Woche. So soll Programmieren zum „coolen Nachmittagshobby“ mit festem Termin werden.

Amanda Maiwald, Nikolaj Bewer und Antonia Schein (v. l. n. r.) haben Codary gemeinsam gegründet – heute sind sie Geschäftsführer:innen. (Abbildung: Codary)

Wenn Kinder Programmieren lernen: Am Anfang steht der Computer

Bewer, Maiwald und Schein wollen den Kindern „eine Möglichkeit geben, sich von digitalen Konsument:innen zu digitalen Gestalter:innen zu entwickeln“. Neben altersgerechten Kursinhalten wie „Mit Minecraft Python programmieren lernen“ braucht es dafür manchmal aber noch ganz banal wirkende Starthilfen: „Das Setup von einem Computer ist für die Kinder oft gänzlich unbekannt, weil sie hauptsächlich mit Touchscreens arbeiten“, erklärt Schein. Dateien in einem Ordner finden, mit einer Maus umgehen – das sei für viele „schon das erste Learning“.

Klappt der Umgang mit Laptop oder PC, geht es ans Teambuilding. Die Kinder arbeiten in den Programmierstunden nach einer kurzen Theorieeinheit gemeinsam an ihren Projekten.

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Wenn es Unterschiede im Vorwissen gibt, sollen sie sich gegenseitig unterstützen, auch die Ergebnisse werden am Ende der Stunde in der maximal zehnköpfigen Gruppe besprochen. Damit dieses Miteinander klappt, spielen die Coaches gerade zu Beginn viele Kennenlernspiele, zum Beispiel „Zwei Wahrheiten und eine Lüge“. Außerdem bleiben die Kameras im Zoom-Call immer eingeschaltet – das soll auch sicherstellen, dass hinter den Accounts die angemeldeten Kinder stecken.

Bis zum Herbst 2022 hätten rund 17.000 Kinder die Angebote von Codary mindestens drei Monate lang genutzt, sagt Schein – nach diesem Zeitraum würden sie die ersten Grundkonzepte des Programmierens nicht nur verstehen, sondern könnten sie auch anwenden. Besonders beliebt sei dabei die App gewesen: Rund 15.000 Kinder (Stand Oktober 2022) hätten das kostenfreie Angebot genutzt, etwa 2.000 haben laut Gründerin Schein an den Onlinekursen teilgenommen. Das ­Unternehmen verdient nur an dem Web-Angebot, die App ist frei von Werbung und In-App-Käufen.

„Die Gatekeeper sind die Eltern.“

Codary will laut Gründer Bewer zum „Bildungsanbieter für digitale Skills des 21. Jahrhunderts“ werden. Soll heißen: ­Neben Kursen für Scratch, JavaScript und weitere Programmier­sprachen könnte es künftig beispielsweise Dschungelabenteuer zu Webdesign- oder Bildbearbeitung geben.

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Eine Seedfinanzierung über 3,5 Millionen Euro, die das Gründer:innen­trio im September 2022 abgeschlossen hat, soll außerdem helfen, das Team deutlich zu vergrößern und mit den Coding-­Angeboten zu expandieren. Investiert haben unter anderem Tech-Unicorn-Spezialist Speedinvest und diverse internationale Edtech-­Fonds.

Informatik für Kinder: Kostenpflichtige Kurse für mehr Chancengleichheit?

Im Interview betonen Bewer, Maiwald und Schein, wie wichtig es ihnen ist, mit ihren Kursen für mehr Chancengleichheit zu sorgen. Doch wie kann das gelingen, wenn für ein monatlich zu zahlendes Abo mindestens 50 Euro fällig werden?

Damit auch Kinder Zugang zum Programmierunterricht erhalten, deren Eltern sich die Kurspreise nicht leisten können, arbeitet Codary mit zwei Partner:innenorganisationen zusammen. Über die Roland-­Berger-Stiftung besuchen jährlich 800 Stipendiat:innen, die herausragende schulische Leistungen erbringen, aber aus einkommensschwachen Haushalten kommen, die Coding-Kurse. Die notwendige Hardware wird von der Stiftung gestellt. Auch die Deutsche Kinderhilfe finanziert über das Programm „Bildung für alle“ die Kursteilnahme und gegebenenfalls die zugehörige Ausstattung für Kinder aus Familien, die Sozialleistungen beziehen.

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Um für mehr Chancengleichheit zu sorgen, reicht es allerdings nicht, finanzielle Hürden zu senken. „Die Gatekeeper, die Entscheidungsträger, die am Ende die Kinder bei unseren Kursen anmelden, sind die Eltern“, so Schein. Hier gebe es noch große ­Unterschiede im Bewusstsein. „Die Eltern, die vielleicht schon in der IT unterwegs sind oder in ihrem Berufsumfeld sehen, wie wichtig digitale Kompetenzen sind, haben wir schon auf unserer Seite.“ Bei vielen anderen brauche es noch Aufklärungsarbeit.

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