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4-Tage-Woche findet weltweit immer mehr Unterstützer

Kann man die Arbeit von fünf Tagen auch in vier Tagen schaffen? Ja, sagen einige Unternehmen – und glauben mit ihren Mitarbeitern an einen Effizienzgewinn. Doch es gibt auch Widersprüche und Vorbehalte zur Vier-Tage-Woche.

3 Min. Lesezeit
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(Foto: Africa Studio / Shutterstock)

In den 70er Jahren hieß es auf Gewerkschaftsplakaten „Samstags gehört Vati mir“, dann wurde über die 35-Stunden-Woche gestritten, heute geht es dagegen oft sogar um eine Vier-Tage-Woche, die einige Unternehmen erproben. Die Beweggründe dahinter sind Studien wie die der Universität Melbourne, wonach bereits nach rund 25 Stunden Wochenarbeitszeit die Produktivität der Mitarbeiter nachlässt.

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Während manche Unternehmen wie Lasse Rheingans, Betreiber einer Bielefelder Digitalagentur, sich für ein Modell mit fünf Stunden Arbeit pro Tag entschieden haben und selbst der Autobauer Toyota in Göteborg ein Werk (erfolgreich und mit steigenden Umsätzen) auf Sechs-Stunden-Schichten umgestellt hat, kommt in immer mehr Unternehmen die Idee der Vier-Tage-Woche auf. So ist etwa das Berliner Softwarehaus Planio freitags geschlossen und nur der Anrufbeantworter tut seinen Dienst. Selbst Microsoft in Japan testet seit einigen Monaten, ob man Mitarbeiter nur vier Tage die Woche arbeiten lässt. Bisher äußerst erfolgreich – die Rede ist von 40 Prozent mehr Produktivität.

Die Berliner Wirtschafts- und Steuerkanzlei Rose & Partner hat für sämtliche Mitarbeiter die Wochenarbeitszeit auf 34 bis 36 Stunden reduziert – bei vollem Lohnausgleich. Hier dürfen die Mitarbeiter sogar selbst entscheiden, ob sie ihr Pensum an vier oder fünf Tagen schaffen wollen, also die Tagesarbeitszeit reduzieren oder an einem Tag daheim bleiben.

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An vielen Stellen wird die 4-Tage-Woche diskutiert

Ganz logisch ist es allerdings auf den ersten Blick nicht, in solchen Fällen die Arbeitszeit auf vier Tage zu verdichten. Denn auch Tim Hagemann, Professor für Arbeitspsychologie an der Fachhochschule der Diakonie Bielefeld, erklärt: „Kein Mensch kann am Tag acht Stunden hoch konzentriert durcharbeiten – auch nicht mit viel Selbstdisziplin.“ Somit spräche einiges für das Modell mit reduzierter Tagesarbeitszeit, wie es etwa Lasse Rheingans propagiert. Doch gerade hiermit hat sich die australische Studie nicht befasst. Es kann also durchaus sein, dass der richtige Rhythmus für Mitarbeiter besagte rund 25 Stunden sind, auch wenn diese auf vier anstatt auf fünf Tage verteilt werden. Dabei sind übrigens Männer und Frauen mit einer optimalen Wochenarbeitszeit von 25 bis 30 sowie 23 bis 27 Stunden fast gleich zu bewerten, was die optimale Wochenarbeitszeit betrifft, während für Mitarbeiter im Laufe des Lebens die optimale Arbeitszeit (statistisch und tendenziell!) eher abnimmt.

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Kein Wunder, dass nach und nach auch die Politik im Rahmen der New-Work-Debatte und angesichts von Digitalisierung und digitaler Disruption auf den Zug aufspringt: Das russische Arbeitsministerium spricht sich für die Vier-Tage-Woche aus, finnische und britische Politiker bringen die reduzierte Arbeitszeit schon länger immer wieder ins Spiel.

4-Tage-Woche: So geht’s effizienter für alle

Doch unter welchen Bedingungen funktioniert das mit der höheren Produktivität bei geringerer Stundenzahl? Generell gilt es, Zeitfresser im Arbeitsalltag auszumachen. Dazu zählen, mehr oder weniger sind sich da die Studien zur Arbeitsorganisation aus den letzten Jahren einig, vor allem Meetings und E-Mails sowie andere Metakommunikation. Unternehmen sollten daher überlegen, wie sie Meetings straffen können, etwa durch eine strikte Agenda und klare Zeitvorgaben oder indem man Meetings im Stehen abhält. Auch die E-Mail-Policy sollte überprüft werden: Wer muss wann in den Mailverteiler? Wer hat in welchen Themen Mitspracherechte? Dem Mitarbeiter mit der Stechuhr im Rücken zu stehen und kleinste Aufgabenteile auf Zeitverschwendung zu evaluieren, lohnt dagegen nicht, sondern führt eher zu erhöhtem Stress und daraus resultierender unnötig sinkender Produktivität und Kreativität.

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Sinnvoll ist die Lösung, einen dritten Tag Wochenende zu gewähren, indes nur, wenn das Work-Life-Blending, also das Im-Auge-Behalten des Smartphones und der Arbeits-E-Mails, nicht überhand nehmen. Dann nämlich tritt an die Stelle eines halbwegs freien Wochenendes mit zwei Tagen Erholung eine dreitägige Pseudo-Freizeit, in der vom Mitarbeiter erwartet wird, dass er stets die Entwicklungen via Mobilgerät auf dem Schirm hat und zeitnah antwortet. Auch das ist ein Punkt, der in der Arbeitsorganisation und in den damit verbundenen Regeln von Unternehmen berücksichtigt werden sollte.

Wofür würdest du dich entscheiden? Könntest du dir vorstellen, mit vier statt fünf Tagen oder fünf statt acht (oder zehn) Stunden Tagesarbeitszeit produktiver zu sein? Oder sind es vor allem die Pendelzeiten, die dich stressen?

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