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Angell E-Bike im Test: Futuristisches Pedelec – oder Smartphone auf 2 Rädern?

Das vom französischen Designer Ora Ito entworfene Pedelec von Angell ist ein echter Hingucker. Nicht nur optisch setzt es sich von der Masse ab, es besitzt auch einige smarte Funktionen. Im Test konnten die jedoch nicht voll überzeugen.

7 Min. Lesezeit
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Angell E-Bike im Test. (Foto: t3n)

Das Design-Bike Angell ist für ein Pedelec mit seinen knapp 16 Kilogramm relativ leicht und sieht dank seines organisch geschwungenen, fast futuristisch gestalteten Rahmens ausgesprochen schick aus. Es ist vor allem ein City-E-Bike, das mit smarten Funktionen und einem Touchscreen im Cockpit ein gewisses High-Tech-Feeling aufkommen lässt. Ein weiteres, Aufmerksamkeit erhaschendes Detail ist der oberhalb des Hinterrads angesteckte Akku mit integrierten Rücklichtern, die auch als Blinker fungieren. Gerade letzteres ist eine Seltenheit bei Fahrrädern; aber auch das Harley Davidsons Serial 1 (Test) hat besonders gestaltete Rücklichter an Bord.

Angell: Leichtes und schickes E-Bike

Lenker und Vorbau des Angell E-Bikes sind aus einem Stück. (Foto: t3n)

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Angell ist das erste E-Bike des französischen Startups gleichen Namens, das von Marc Simoncini, der vor allem für die Gründung von Meetic bekannt ist, gegründet wurde. Das Pedelec kann vonseiten seiner Geometrie als Antwort auf das Cowboy 3 (Test) betrachtet werden, es ist hingegen sportlicher als das Vanmoof S3 (Test) und leichter als beide: Das Angell wiegt 15,9 Kilogramm inklusive Batterie, das Cowboy bringt 16,9 Kilogramm auf die Waage und das Vanmoof S3 ist mit 19 Kilogramm noch einmal schwerer.

Der größte Unterschied zwischen den Bikes liegt allerdings vor allem beim Cockpit: Das Angell besitzt ein 2,4-Zoll-Touchdisplay, mit dem ihr allerlei Einstellungen vornehmen und sehen könnt, wie schnell ihr seid – auf Wunsch seht ihr sogar, wie viele Kalorien ihr verbrennt. Zudem besteht die Möglichkeit, eure Route anzeigen zu lassen, und mehr.

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Das Cockpit des Angell E-Bikes. (Foto: t3n)

Kommen wir aber zuerst zum Bike und seiner Ausstattung: Der Rahmen des Pedelecs besteht aus leichtem Aluminium, die starre Gabel ist aus noch leichterem Carbon gefertigt. Seine Rahmenhöhe ist auf Fahrer und Fahrerinnen zwischen 1,65 bis 1,95 Meter Körpergröße ausgelegt, so Angell. Ich mit meinen 1,74 Metern hatte keine Probleme mit der Rahmengröße. Bei der Bereifung setzt das Startup auf 28-Zoll-Pneus mit relativ dünnen 700x35c-Laufrädern – die von Cowboy oder Vanmoof sind dicker und dämpfen ein wenig besser. Das Angell fühlt sich daher am wohlsten auf asphaltierten Wegen oder der Straße – für Kopfsteinpflaster oder unbefestigte Wege ist das Bike weniger geeignet, auch wenn die Lenkergriffe leichte Unebenheiten abfedern. Schnelles Fahren etwa auf Berlins kopfsteinbepflasterten Seitenstraßen ist jedenfalls kein Spaß.

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Angell E-Bike. (Foto: t3n)

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Wie fährt sich das Angell?

In seinem „natürlichen Lebensraum“ fährt sich das Angell allerdings ausgezeichnet. Die Sitzposition ist je nach Körpergröße etwas gestreckt, sodass ein leicht sportliches Fahrgefühl aufkommt. Es ist ideal für Pendelstrecken oder mittlere Radausflüge. Der in der Hinterradnabe verbaute 250-Watt-Motor liefert bis zu 50 Newtonmeter, mit dem sich das Rad rasch auf die maximal elektrisch erlaubten 25 Kilometer pro Stunde beschleunigen lässt. Wenn ihr etwas stärker in die Pedalen tretet, schafft ihr auch locker um die 30 Kilometer pro Stunde und mehr. Da das Angell allerdings ein Single-Speed-Bike mit einer Übersetzung von 42/16 (Zähne vorne und hinten) ist, also keine Gangschaltung besitzt, müsst ihr bei höheren Geschwindigkeiten schneller strampeln.

Angell E-Bike. (Foto: t3n)

Direkt über einen Knopf am Lenkrad habt ihr übrigens die Möglichkeit, den Grad der Unterstützung einzustellen. Es lässt sich aus den vier Stufen Eco, Drive, Fast und „Free Fly“ wählen – im letzteren Modus habt ihr keinerlei elektrisch Unterstützung und fahrt wie auf einem normalen Single-Speed-Bike – der Motor bremst euch dabei nicht aus. Im Fast-Modus erhaltet ihr die stärkste Unterstützung, die es euch unter anderem an Ampeln ermöglicht, alle anderen Radfahrer und Radfahrerinnen hinter euch zu lassen. Damit ihr sicher zum Stehen kommt, sind im Angell hydraulische Scheibenbremsen von Tektro verbaut, die solide greifen.

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Angell-Pedelec versteht sich besser mit iPhones

Ein Blick aufs Display des Angell Bikes: Ihr könnt zwischen den Modi Free und Sport wählen. Zudem werden eure festgelegten Orte zur Navigation angezeigt. Wetter und Luftqualität gehören zu den den Standardinformationen. (Foto: t3n)

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Auf dem kleinen Bildschirm könnt ihr euch außerdem eure Fahrstrecke anzeigen lassen, die ihr zuvor in der Angell-Smartphone-App festgelegt habt. Während der Fahrt erhaltet ihr auf Wunsch auch eine Schritt-für-Schritt-Navigation, die von einem haptischem Feedback in den Lenkergriffen unterstützt wird: Müsst ihr links abbiegen, vibriert der linke Griff, geht es nach rechts, spürt ihr rechts ein Brummen. Von der Strecke abweichen solltet ihr indes nicht, da die Navigation nicht so smart ist wie Google Maps. Wenn ihr euch auf bekanntem Terrain befindet, sollte das aber kein Beinbruch sein.

Bislang scheinen die Synchronisierung und die Navigation per Bluetooth jedoch nur mit iPhones zu funktionieren, im Test mit Googles Pixel 5 (Test) spuckt der Bildschirm stets einen Fehler aus. Im zweiten Anlauf mit dem iPhone lief alles reibungslos. Überdies bietet die iOS-App Verknüpfungen zur Tracking-App Strava, mit der ihre eure Aktivitäten festhalten könnt. Weiter besteht die Option, Musik-Apps wie Apple Music und Spotify zu verbinden, um sie direkt vom Fahrrad-Cockpit aus zu steuern.

Laut Angell arbeiten die Entwickler weiter an den Apps und der Funktionalität. Zurzeit macht die Softwareseite des Bikes mehr Spaß am iPhone. Android-User gucken leider noch in die Röhre.

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Dank integriertem GSM-Modul wird euch zudem der Standort eures Fahrrads in der App angezeigt und sogar die Zeit, die ihr benötigt, um es zu Fuß zu erreichen. Ebenso erhaltet ihr Informationen zum Akkustand und der möglichen elektrischen Reichweite. Die Angaben in der App respektive dem Bike-Bildschirm sind durchaus realistisch, aber selbstredend vom Grad der elektrischen Unterstützung abhängig. Bei wenig Unterstützung sind bis zu 70 Kilometer möglich, 50 bis 60 Kilometer sind mit normaler Unterstützung im normalen „Dry-Modus“ erzielbar.

Der Akku des Angell ist auffällig geformt – passend zum Designer-Bike. (Foto: t3n)

Ist der Akku leer, lässt sich er sich mit dem beiliegenden Ladegerät innerhalb von zwei Stunden an jeder Steckdose wieder aufladen. Dank des abnehmbaren Akkus muss das Bike für den Ladeprozess nicht in die Wohnung geschleppt werden. Nachteil der durchaus schicken Positionierung: Das Angell muss ohne einen Gepäckträger am Hinterrad auskommen. Eine Option zum nachrüsten gibt es aber zumindest für vorn: Ein spezieller Vorderradgepäckträger schlägt mit knapp 80 Euro zu Buche. Falls ein Fahrradständer gewünscht wird, fallen dafür 20 Euro an. Standardmäßig hat der Hersteller ihn vermutlich aus optischen Gründen weggelassen.

Das Angell-Bike hat eine Alarmanlage an Bord

Der Hersteller hat seinem ersten Bike noch weitere Finessen verpasst, die es in dieser Form wohl in keinem anderen Rad gibt. Zum einen unterstützt es automatisches Licht, das es ansonsten nur in Autos gibt: Angelehnt an den Dark-Mode von Smartphones dunkelt sich das Design des Bike-Bildschirms ab, wenn es draußen dunkler wird. Überdies hat das Angell Blinker an den Lenkerenden und in den Akku verbaut. Um das Rad näher an eure eigenen Vorstellungen anzupassen, könnt ihr die vier Knöpfe am Lenkrad selbst belegen. Eine Besonderheit des Bikes: Ihr könnt es per E-Mail-Adresse mit euren Freunden teilen – der oder die Ausleihende benötigt dafür allerdings auch ein Angell-Konto.

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Neben einem lauten Alarm blinkt das Display des Angell in Signalrot, wenn sich jemand Unbefugtes daran zu schaffen macht. (Foto: t3n)

Ähnlich wie E-Bikes von Vanmoof oder Cowboy verfügt das Angell über eine Diebstahlsicherung, die anschlägt, wenn sich ein Unbefugter an eurem Bike zu schaffen macht. Ein integrierter Lautsprecher macht dann ordentlichen Krach und ihr bekommt eine Benachrichtigung auf dem Smartphone. Trotz Diebstahlsicherung ist ein gutes Schloss dennoch zu empfehlen, solche schicken Räder ziehen Langfinger an wie Motten das Licht.

Apropos Licht: Die integrierte Beleuchtung des Angell ist in Deutschland gemäß der StVZO leider nicht zugelassen, weshalb der Hersteller seinem Bike dem Lieferumfang Ansteckleuchten beilegt. Ähnlich verhält es sich auch bei dem Cowboy-Bike.

Fazit

Das Angell macht nicht nur optisch was her, sondern es fährt sich auch ausgezeichnet. Für ein Pedelec ist es mit seinen weniger als 16 Kilogramm außerdem ausgesprochen leicht. Theoretisch ließe es sich mit wenig Geächze zum Aufladen in die Wohnung tragen, das ist dank des abnehmbaren Akkus allerdings gar nicht nötig. Aufgrund des recht klein bemessenen Akkus – daher auch das vergleichsweise geringe Gewicht – bietet es mit bis zu 70 Kilometern eine verhältnismäßig kurze Reichweite, die einem echten Radsportler nur ein müdes Lächeln abringen dürfte. Für ausgedehnte Radtouren jenseits der 100 Kilometer ist es ohnehin nicht konzipiert, stattdessen richtet es sich an Schönwetterpendler – die optional erhältlichen Schutzbleche schützen wenig – und an Radler mit wetterfester Kleidung. Zum (sportlichen) Cruisen ist es ebenfalls geeignet. Diese Disziplinen beherrscht das Angell zweifelsohne.

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Angell E-Bike. (Foto: t3n)

Vielversprechend sind zudem die Software-Funktionen des Angell, die jedoch zurzeit primär mit iPhones zuverlässig funktionieren. Bei einem in ein Fahrrad integrierten Display fragt man sich jedoch, wie robust es ist und wie lange es hinsichtlich der Software unterstützt wird. Immerhin sagt Angell, dass Probleme mit dem Cockpit durch die zwei Jahre währende Garantie abgedeckt seien. Zudem bietet der Hersteller eine Versicherung für 9,90 Euro pro Monat mit Qover an, falls das Cockpit durch einen Vorfall beschädigt würde. Auf der anderen Seite gibt es auch diverse andere Fahrzeuge wie (E-)Roller oder Motorräder mit Display, bei denen man sich diesbezüglich auch keine Gedanken ob der Zukunftssicherheit macht. Wer sich daran stört, aber dennoch ein Rad mit smarten Funktionen besitzen will, kann sich etwa bei Vanmoof oder Cowboy umsehen. Die Räder der beiden Unternehmen sind sogar noch etwas günstiger. Das Angell kostet ohne Schutzbleche 2.860 Euro, das Vanmoof beginnt bei knapp 2.000 Euro und für das Cowboy 3 fallen 2.190 Euro an – beide kommen mit Schutzblechen. Alle drei Modelle sind immer noch im unteren bis mittleren E-Bike-Preisbereich angesiedelt.

Vor einem Kauf sollte man auf jeden Fall eine Probefahrt machen, die Angell in den Städten Berlin, Hamburg, München, Frankfurt und Düsseldorf über „das Airbnb für Fahrräder“, Listnride, anbietet. Für etwaige Reparaturen hat Angell eine Partnerschaft mit dem finnischen Startup Yeply geschlossen, die in Berlin, Düsseldorf, Hamburg und München aktiv sind.

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