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Harley-Davidsons erstes E-Bike: Wir haben das Serial 1 Rush/Cty ausprobiert

Serial 1 Rush/Cty. (Foto: t3n)

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Mit der Marke Serial 1 hatte der Motorradpionier seinen Einstieg in den E-Bike-Markt angekündigt. Eines der ersten Modelle ist das Serial1 Rush/Cty – wir konnten es ausprobieren.

Ein Motorradhersteller, der plötzlich E-Bikes anbietet? Was zuerst danach klingt, dass Harley Davidson wie manches Unternehmen Fahrräder eines anderen Herstellers unter Lizenz mit einem neuen Anstrich und Logo versieht, trifft hier nicht zu. Die E-Bikes der ausgegründeten Marke Serial1 sind tatsächlich von Harley Davidson entwickelt wie gebaut worden und hinsichtlich ihrer Verarbeitung und den Komponenten tiptop.

Von den vier im November angekündigten E-Bike-Modellen haben es drei nach Europa geschafft. Wir konnten das Rush/CTY für eine gute Woche ausprobieren. Vom Hersteller wird es als E-Bike für Pendler eingestuft, entspannte Radtouren sind damit aber auch kein Problem. Der Preis hebt sich von den Modellen der Startups wie Cowboy und Vanmoof stark ab. Das Rush/Cty schlägt mit sportlichen 4.700 Euro zu Buche – der Preis ist bei E-Bikes im Premium-Segment jedoch keine Seltenheit, sondern die Regel.

Serial 1 Rush/Cty. (Foto: t3n)

Serial 1 Rush Cty: Urban-E-Bike in 4 Größen

Mit seinen E-Bikes will der Hersteller optisch an das erste Harley-Davidson-Motorrad, das im Jahr 1903 gebaute Serial Number 1, anknüpfen. Abgesehen vom klassischen Design ist bei den E-Bikes so gut wie alles modern: Der stabile Rahmen besteht aus hydrogeformtem Aluminium, beim Antrieb setzt Serial 1 auf einen hochwertigen S-Mag-Mittelmotor mit 250 Watt Leistung von Brose und einen wartungsfreien Gates-Carbon-Drive-Riemen. In der Nabe steckt zudem ein „intelligentes Automatikgetriebe“ der Marke Enviolo Automatiq.

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Serial 1 Rush/Cty. (Foto: t3n)

Positiv hervorzuheben ist ferner, dass der ins Unterrohr integrierte 706-Wattstunden-Akku herausnehmbar ist; angesichts des stattlichen Gewichts des Rush/Cty von knapp 27 Kilogramm wäre ein fest verbauter Energiespeicher eine Frechheit gewesen. Der Akku kann so bequem mit in die Wohnung genommen und aufgeladen werden. Dank eines zusätzlichen Anschlusses besteht dennoch die Option, den Akku im Rad aufzuladen. Oberhalb des Akkufachs hat Harley Davidson außerdem ein kleines verschließbares Staufach integriert, in dem etwa ein Fahrradschloss oder anderer Kleinkram wie Flickzeug Platz finden.

Der Akku des Serial 1 Rush/Cty ist herausnehmbar. (Foto: t3n)

Was die Verkabelung angeht, herrscht absolute Ordnung, denn sie sind im Rahmen verlegt. Am breiten Lenker ist die Steuerung für den Brose-Antrieb, Bremshebel für die hydraulischen Scheibenbremsen, außerdem ist mittig ein LED-Licht angebaut. Die ergonomischen Kunststoffgriffe sind weich und auch für längere Strecken ausgelegt. Das zweiteilige Rücklicht mit Bremsleuchte befindet sich jeweils an den Ausfallenden und ist eine markante und praktische Designspielerei.

Damit das E-Bike nicht nur für Menschen mit einer bestimmten Körpergröße ausgelegt ist, bietet der Hersteller insgesamt vier verschiedene Rahmengrößen von S bis XL an. Um die richtige Größe zu wählen, bietet Serial 1 auf den Produktseiten einen Größenratgeber an. Bei Grenzfällen sollte man tendenziell eine Nummer kleiner wählen, wie wir feststellen konnten. Da Serial 1 seine Bikes aber nicht nur online verkauft, sondern auch zahlreiche Partnerhändler hat, ist eine Probefahrt ohnehin zu empfehlen.

Am breiten Lenker des Serial 1 Rush/Cty ist eine helle LED-Leuchte montiert. Das Serial-1-Logo dient außerdem als eine Art Tagfahrlicht. (Foto: t3n)

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Wie fährt sich das Harley Davidson Serial 1 Rush/Cty?

Serial 1 Rush/Cty kommt mit massiven Schwalbe-Reifen. (Foto: t3n)

Sofern die richtige Rahmengröße gewählt wurde, sitzt es sich auf dem Rush/Cty angenehm aufrecht, wodurch auch längere Strecken problemlos zurückgelegt werden können. Das Serial-1-Bike bietet nicht nur wegen seines hohen Gewichts von knapp 27 Kilogramm einen hohen, aber nicht trägen Fahrkomfort; auch die 2,4 Zoll dicken Schwalbe-Super-Moto-X-Reifen tragen einen großen Teil dazu bei: Die Pneus gleichen auch ohne Federgabel nahezu jeden Stoß auf Kopfsteinpflasterstraßen aus. Das lässt sich von den halb so teuren Modellen von Vanmoof wie dem S3 oder dem Cowboy 3 (Test) nicht behaupten, die allerdings tendenziell eher auf sportlicheres Fahren ausgelegt sind.

Das Rush/Cty lässt sich zwar auch ohne elektrische Unterstützung fahren, wegen seines hohen Gewichts ist der Spaßfaktor jedoch entsprechend gering. Dank des Brose-Mittelmotors bietet das Serial1-Bike eine ausgezeichnete Beschleunigung, mit dem schnell die in Europa erlaubten 25 Kilometer pro Stunde erreicht werden. Während der Fahrt ist das Reisetempo kaum spüren; nicht elektrifizierte Radfahrer können ohne Mühe überholt werden. Der Brose-Motor gibt kaum Geräusche von sich, nur beim ersten Antritt ist der Motor kurz zu hören, während der Fahrt ist er absolut leise.

Das Serial 1 Rush/Cty ist mit Brose-Motor und Enviolo-Nabenschaltung ausgestattet. (Foto: t3n)

Mit ein wenig eigener Muskelkraft sind auch Geschwindigkeiten von 30 Stundenkilometern als Reisegeschwindigkeit zu erzielen. Hierfür muss indes die stufenlose, automatische Enviolo-Nabenschaltung optimal kalibriert sein, was über die entsprechende Smartphone-App durchgeführt werden kann. Das sollte aber besser in der Fahrradwerkstatt durchgeführt werden, da wir die Einstellungsoptionen in der App für wenig intuitiv erachten.

Das Serial 1 hat eine Art „Boost-Modus“

Zudem haben wir in den Standardeinstellungen des Brose-Motors respektive der Schaltung kaum Unterschiede zwischen den vier Unterstützungsstufen Eco, Tour, Sport und Boost bemerkt. Der automatische Gangwechsel ist dennoch als weich und nicht spürbar zu beschreiben.

Die Brose-Steuerung des Serial 1 Rush/Cty. (Foto: t3n)

Der einzige spürbare Unterschied zwischen den Fahrmodi, die über den Controller mit LC-Display eingestellt werden können, ist der Boost-Modus, der den Fahrer etwa an der Ampel mit „brachialer“ Beschleunigung ähnlich dem Boost-Button des Vanmoof S3 (Test) voranbringt, um ohne Mühe alle anderen Radfahrer hinter sich zu lassen.

Was die Reichweite angeht, decken sich untere Erfahrungen mit den Angaben des Herstellers. Je nach Fahrweise und Terrain sind mit der 706-Wattstunden-Batterie zwischen 50 und 150 Kilometer möglich. Ja, die Differenz ist groß, aber je stärker die Unterstützung ist, desto geringer wird die Reichweite.

Fazit zum Serial 1: Harley Davidson kann auch Pedelecs

Mit dem Serial1 Rush/Cty zeigt Harley Davidson, dass der Motorradpionier auch gute Pedelecs bauen kann. Das erste E-Bike der Marke fährt sich ausgezeichnet, ist mit edlen Komponenten bestückt und dürfte vor allem Pendler ansprechen. Sicher, der Preis von knapp 4.700 Euro ist nicht gering, allerdings bewegen sich Modelle der Mitbewerber wie Specialized, Trek oder Cannondale mit ähnlicher Ausstattung im gleichen Rahmen.

Wer auf der Suche nach einem Pedelec mit hohem Fahrkomfort und sehr guter Verarbeitung ist, sollte die ersten Modelle von Serial1 in die engere Auswahl ziehen. Radfahrer, die Wert auf smarte Features mit Smartphone-Anbindung legen, dürften bei Cowboy oder Vanmoof besser aufgehoben sein. Die Modelle der beiden Unternehmen sind allerdings eher auf sportlicheres Fahren ausgelegt und kosten weniger als die Hälfte. Bei den beiden E-Bike-Startups muss indes erwähnt werden, dass der Kundensupport sich noch im Aufbau befindet. Serial 1 kann auf dass Händlernetzwerk von Harley zurückgreifen; außerdem dürften sich die Bikes aufgrund ihrer Komponenten von der Stange auch beim Fahrradhändler „um die Ecke“ reparieren lassen, sofern er dazu bereit ist.

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4 Kommentare
Gunar Gürgens
Gunar Gürgens

Brose…ist das nicht die Firma, deren Chefs sich am liebsten Coburg kaufen wollen und sich nicht mit ihrer NS-Vergangenheit, von der sie massivst profitiert haben, auseinandersetzen wollen?

Antworten
Franca
Franca

Keine richtige Federung, zweiter Gepäckträger vorne und dann noch 27 Kg, lol.. Also es mag ja sein, dass es Gegenden gibt ohne Schlaglöcher, ohne Pflasterstraßen, ohne Bordsteine über die man muss als Radfahrer (vielleicht in der Schweiz, oder im schönen Bayern?), aber ich könnte so ein Rad nicht wählen.. Viel zu kaputt sind hier die Straßen und die Radwege und mit den Autofahrern (die immer aggressiver werden und von denen immer mehr Vans fahren, auch jene die nicht so gut fahren können) mit denen konkurrieren möchte ich nicht! ;-)

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Christoph Römer
Christoph Römer

Poar is‘ das ein hässliches Fahrrad. Meine Güte – was soll das denn bitte…. aijaijaijaijai

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Kantenhuber
Kantenhuber

Ja gut.
Alles was brauchbar ist, haben die Macher sauber komponiert. Riemenantrieb/Hinterbau wie bei Riese & Müller, also Reifenausbau ohne den Hinterbau aufschrauben zu müssen. Schaltautomatik gerade im Stadtverkehr bestens. Frontlicht am Lenkerkopf wie bei den Terns, sehr gut. Stabile integrierte Mudgards/Gepäckträger ohne diesen üblichen Schraubenverhau – top.

Dass dieses Ding eher zum Crousen und weniger zum Rasen gedacht ist, ist klar. Dass die Macher die Federung weggelassen haben, ist konsequent, weil die nur noch mehr Gewicht bringt, ohne wirklich effektivem Komfort.

Das zusätzliche Kompartement oberhalb des Antriebes ist klasse. Kleinzeug weg.

Macht alles Sinn.

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