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Auto-Ausstattung im Abo: Gewöhnt euch dran

BMW bietet künftig eine Sitzheizung für monatlich 17 Euro an – und das ist erst der Anfang. Denn auf der Suche nach neuen Einnahmequellen setzen immer mehr Autohersteller auf ein Abo-Modell für Sonderausstattung.

Von Frank Feil
3 Min. Lesezeit
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Beim Mercedes-Benz EQS gibt es die 10-Grad-Hinterachslenkung schon seit Marktstart im Abo. (Foto: Frank Feil)

Es ist durchaus bemerkenswert, für wie viel Aufruhr ein Thema sorgen kann, das zwar schon seit Jahren präsent ist, aber für viele offenbar nicht greifbar war. So kann man beispielsweise beim Porsche Taycan schon seit jeher Features wie den Intelligent Range Manager oder die Servolenkung Plus nachträglich über ein Abo freischalten. Der EQS von Mercedes-Benz verfügt serienmäßig über eine 4,5-Grad-Hinterachslenkung. Wer möchte, bekommt im Abo aber auch 10 Grad. Nicht zu vergessen das Tesla Model 3, in dem bereits seit 2020 die Sitzheizung für den Fond abonniert werden kann.

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So gesehen sind Abo-Modelle für Fahrzeugfeatures alte Kammellen – und dennoch schaffte es erst BMW mit einer so banalen Sonderausstattung wie der Sitzheizung, das Thema in die breite Öffentlichkeit zu tragen.

Die Autohersteller entdecken ein neues Geschäftsmodell für sich

Auch wenn die Marketing-Abteilungen der großen Autobauer die Sache gerne etwas anders darstellen, müssen wir uns nichts vormachen: Am Ende des Tages geht es in erster Linie ums Geld.

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Bleiben wir beim Beispiel Sitzheizung. Zwar werden mehr Ressourcen benötigt, wenn jedes Auto serienmäßig mit einer Sitzheizung ausgestattet wird, aber auf der andern Seite vereinfacht es für den Autobauer die Produktion. Zudem sind die Materialkosten ungleich geringer, als das, was der Käufer später für das Freischalten des Features bezahlt – egal, ob per Einmalzahlung oder im Abo.

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Was man ebenfalls nicht vergessen darf: Wenn jemand Geld sparen wollte und sein Auto deshalb ohne Sitzheizung bestellt hat, dann ließ sich daran bislang nachträglich auch nichts mehr ändern. Künftig muss die Entscheidung für oder gegen eine Sitzheizung jedoch nicht mehr vorab getroffen werden – und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich früher oder später jeder denkt: „Das probiere ich jetzt einfach mal aus!“

Gerade diese psychologische Komponente spielt bei den Abo-Modellen eine elementare Rolle. 2.000 Euro mehr für irgendwelche Assistenzsysteme oder 1.500 Euro mehr für eine erweiterte 10-Grad-Hinterachslenkung? Darauf würden viele wohl initial verzichten. Wenn sie das Auto dann aber haben, und wissen, dass sie diese Features für 30 oder 50 Euro im Monat testweise freischalten können, sinkt die Hemmschwelle deutlich. Gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Sonderausstattung bei Gefallen dann doch noch per Einmalzahlung dauerhaft freigeschaltet wird.

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Zu guter Letzt darf man auch nicht vergessen, dass die meisten Neuwagen als Leasingfahrzeuge auf den Markt kommen. Deren Restwert wird maßgeblich von den beim Kauf gewählten Sonderausstattungen bestimmt. Wenn nun aber die Assistenzsysteme und die Lenkradheizung ganz einfach nachträglich freigeschaltet werden können, eröffnet das auf dem Gebrauchtwagenmarkt ganz neue Möglichkeiten.

Das Auto wandelt sich

Man kann nun vortrefflich darüber streiten, ob derartige Abos gut oder schlecht sind, aber im Endeffekt haben die Autohersteller die Entscheidung für ihre Kundschaft längst getroffen: Die Zukunft gehört dem Abo-Modell.

Das liegt einerseits daran, dass Abos nicht nur bei der Sonderausstattung, sondern beim gesamten Auto an Relevanz gewinnen. Es gibt immer mehr Menschen, die kein Auto mehr besitzen möchten, sondern Wert auf Flexibilität legen. Diesem Wunsch nach Flexibilität trägt das Abo-Modell bei der Sonderausstattung Rechnung. Denn wer sich im Sommer ein Auto sechs Monate lang im Abo holt, der braucht keine Sitzheizung. Derjenige, der das Fahrzeug dann im Winter übernimmt, wird diese Option aber aller Wahrscheinlichkeit nach buchen.

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Andererseits bereiten sich die Autobauer mit den Abo-Modellen bereits auf eine Zukunft vor, in der Autos autonom fahren. Denn wenn wir nur noch passiv in unseren Fahrzeugen sitzen, eröffnet dies den Unternehmen völlig neue Möglichkeiten im Bereich Apps und Dienstleistungen. Hier entsteht gerade völlig neue Geschäftsfelder – und in ein paar Jahren wird man die Diskussion rund um die „Sitzheizung im Abo“ nur noch belächeln.

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Christian

Wir haben 2022, wollen eine Energiewende, sprechen über Knappheit von Ressourcen und Autohersteller bauen Features und Bauteile, die in vielen Fällen ungenutzt bleiben werden. Die Hemmschwelle, 30 oder 50 Euro monatlich (!) für eine Funktion zu zahlen soll niedrig sein? Ich hätte da als Autobesitzer keine Lust drauf und Abo-Anbieter wie DAZN können vermutlich ein Lied davon singen, ob 30 Euro eine Hemmschwelle sind oder nicht ;-)

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Drapeta

Na toll. Alle sprechen von Nachhaltigkeit und da werden wissentlich Ressourcen „verschwendet“. Wenn ich keine Extras verwende, möchte ich auch keine im Auto haben. Erstens spare ich Gewicht, zweitens Antriebsenergie (elektrisch, Fossil oder wie auch immer) und drittens Energie/Material in der Herstellung.
Ich bräuchte z. Bsp. keine Klimaanlage, aber der Händler meinte, ohne gibt’s nicht. Nun fahre ich die halt mit rum und zahle auch noch die Wartungskosten …

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