Kolumne

Digital Leadership: Wie eine neue Business-IT die digitale Zukunft gestalten kann

(Foto: Shutterstock / nd3000)

IT, HR und Kommunikation – in Unternehmen haben Abteilungen oft unterschiedliche Reifegrade. Konrads Management-Kolumne stellt in loser Folge die wichtigsten Treiber der digitalen Transformation vor.

In vielen Unternehmen ist die IT-Organisation monolithisch, selbst zentriert und technologieorientiert. Doch vor allem ist die IT in dieser Form Geschichte. Darüber sind sich viele Experten einig, die den Wandel der IT beschreiben. Ein Modell ist die bimodale IT: eine sichere und stabile IT (Exploitation) auf der einen, eine agile, flexible IT (Exploration) auf der anderen Seite. Die Rede ist von Tankern und Schnellbooten.

Somit machen die Ansätze schon eine deutliche Aussage darüber, welche Anteile die beiden Bereiche im Unternehmen haben. Ansätze wie die „bimodale IT“ oder die „IT der zwei Geschwindigkeiten“ sind IT-zentriert und fragen zu wenig nach der neuen Rolle der IT im Gesamtunternehmen. Die Schwäche dieses Ansatzes: die IT-Organisation steht im Mittelpunkt, ohne die Fachabteilungen ausreichend in den Blick zu nehmen.

Mehr als nur ein Kostenfaktor

Zur Bestandsaufnahme gehört, dass sich viele IT-Organisationen selbst als Kostenfaktor betrachten und entsprechend wahrgenommen werden. Sie haben noch einen langen Weg vor sich bis sie zum Treiber der digitalen Transformation im Unternehmen werden können:

  • Stufe 1: IT als Kostenfaktor
    Ursprünglich kam der IT im Unternehmen eine reine Support-Funktion zu. Einfluss auf das Business hatte sie nicht. Stattdessen wurde die IT als Kostenfaktor angesehen.
  • Stufe 2: IT als Vermögenswert
    Im nächsten Schritt entwickelte sich die IT zu einem wichtigen Bestandteil der Kernprozesse. Die IT konnte durch den kostengünstigen Basisbetrieb und die Beratung bezüglich effizienzsteigernder Maßnahmen sowie technischer Standardisierungen und einer transparenten IT-Landschaft einen Wertbeitrag realisieren.
  • Stufe 3: IT als Business-Partner
    In vielen Unternehmen hat sich die IT darüber hinaus bereits als Business-Partner etabliert. Dort leistet sie einen Wert- und Strategiebeitrag, und es besteht eine Abhängigkeit zwischen IT- und Business-Entscheidungen. Die IT stellt dem Business geschäftsorientierte IT-Services bereit.
  • Stufe 4: IT als Enabler/ Innovator
    Im Soll-Zustand hat sich die IT-Abteilung im Unternehmen als Enabler etabliert. Der Wandel besteht darin, dass die IT sich nun als Teil des Geschäfts sieht, aktiv Geschäftsmodelle mitgestaltet und neue Geschäftsideen rund um die Customer Journey generiert.

Heute zeigt die Vielfalt der IT-Organisationen, dass sich alle auf einer der Stufen des Modells wiederfinden. Der digitale Wandel hat auch die Anforderung an die IT innerhalb des Unternehmens verändert. Dies zeigt sich besonders im Aufgabenspektrum der IT. Neben den klassischen IT-Aufgaben wie dem Betrieb von Informationssystemen wird zusätzlich die Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen erwartet. Um zum Treiber der digitalen Transformation zu werden, muss die IT neue Lösungen realisieren, die von einer höheren Geschäftsorientierung und einer schnelleren time to market geprägt sind. Diese proaktive und frühzeitige Herangehensweise erfordert einen starken Kundenfokus sowie eine agile, iterative Arbeitsweise.

IT als Enabler

Dafür sollten IT-Abteilungen die Verbreitung von agilen Methoden unterstützen. Scrum ist nicht zuletzt im Umfeld von Programmierern entstanden. Wichtig ist hier der Aufbau von Coaching-Kompetenzen bei den Führungskräften. So können Teams in der Vuca-Welt optimal von Servant Leaders gefördert werden, damit ein offener und freier Austausch über Erfahrungen und Fehler stattfindet.

Vor neue Herausforderungen sieht sich auch die IT-Organisation gestellt, die deren reine Binnenperspektive weit übersteigen. Sie haben das Potenzial, die Rolle der IT im Unternehmen aufzuwerten und die IT als Enabler für die digitale Transformation im Unternehmen zu etablieren.
Grundlegende Herausforderung für alle Unternehmen ist die Digitalisierung, speziell die Entwicklung disruptiver Geschäftsmodelle und das Langzeit-Thema Business-IT-Alignment. Gleichzeitig verändert sich die Rolle der Fachabteilungen. Mitarbeiter aus den Fachbereichen werden in Zukunft über mehr IT-Kompetenz verfügen als bisher.

Entsprechend wird von der IT-Abteilung auch verstärkt Business-Kompetenz erwartet. Die Konsequenzen für die IT-Organisation sehen je nach Reifegrad und Entwicklungslevel bei jedem Unternehmen anders aus. Die Komplexität dieser Herausforderungen für das Gesamtunternehmen unterscheidet die aktuelle Situation stark von der Vergangenheit. Damit greifen pauschale Ansätze oder simple Vier-Schritte-Programme für die epochale Veränderung der digitalen Transformation zu kurz. Stattdessen müssen IT-Abteilungen unternehmensspezifische Frameworks bauen, die die folgenden Aspekte beinhalten:

  • Unternehmen sollten mit einem umfangreichen Assessment beginnen: Prozesse, Rollen, die Organisationsstruktur, Kultur und Governance des Unternehmens sowie den Anforderungen der IT an das Business und umgekehrt.
  • Unternehmen erhalten durch das Assessment weitreichende Informationen – und damit einen großen Spielraum, verschiedene Zukunftsszenarien zu entwickeln und durchzuspielen. Die Erkenntnisse, die aktuelle Markteinschätzung sowie die Vision des Unternehmens bilden die Grundlage beim Design der IT-Organisation.
  • Je nach Unternehmensausrichtung erfolgt die Gewichtung entlang der beiden Pole Exploitation und Exploration: stärker auf Sicherung des Tagesgeschäfts oder der Gestaltung neuer Wertschöpfungsprozesse gemeinsam mit den Fachabteilungen. Entsprechend kann die Organisationsstruktur der IT sowie die Rollenprofile der Mitarbeiter an die neue Entwicklung angepasst werden.
  • Die entstandene IT-Organisation ist in der Zukunft angekommen. Regelmäßige Assessments in den genannten Bereichen helfen, die Ausrichtung auf die Herausforderungen der Zukunft sicherzustellen.

Die IT-Organisation der Zukunft stellt den IT-Betrieb sicher und arbeitet eng mit den Fachbereichen zusammen. In einigen Unternehmen werden dafür einzelne IT-Mitarbeiter in der Fachabteilung sitzen. Damit ist die IT der Zukunft stärker dezentral aufgestellt, anschlussfähig an alle Fachabteilungen und business-orientiert – und damit als Business-IT Treiber der digitalen Transformation.

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Ein Kommentar
Hatlanek Erik
Hatlanek Erik

Der Beitrag t3n beschreibt auf zwei Seiten, wie man IT richtig in die Organisation einführen sollte. Der Prozess sollte immer der Geschäftsleitung vorbehalten sein, da die Entwicklung der Organisation heute ohne effiziente IT stillsteht.

Antworten

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