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Analyse

E-Commerce: Wie der Onlinehandel von geschlossenen Geschäften profitiert

Die Umsatzzahlen des E-Commerce-Verbandes zeichneten vor einigen Wochen ein düsteres Bild. Jetzt wird anhand der Zahlen eines großen Payment-Dienstleisters klar, dass es für viele Branchen gar nicht so schlecht läuft – für einige dafür umso mieser.

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Für die meisten Branchen im E-Commerce bringt die Coronakrise Mehrarbeit und Umsatz. (Foto: Shutterstock)

Die Zahlen für den Onlinehandel, die der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH) vor rund vier Wochen publiziert hat, klangen wenig erfreulich: 18 Prozent weniger Umsatz im Onlinehandel im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Sollte es tatsächlich so sein, dass der E-Commerce so gar nicht von der Sonderkonjunktur durch die Coronakrise mit ihren bundesweit in verschiedenen Branchen geschlossenen Läden profitiert? Jetzt zeigen Zahlen des Payment-Service-Providers Computop, dass die Situation deutlich differenzierter zu betrachten ist.

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„Die klaren Gewinner sind Onlineshops für Elektronikprodukte, Lebensmittel und Drogerieartikel“, erläutert Ralf Gladis, einer der Gründer und Geschäftsführer von Computop. Selbst die in den ersten Tagen nach dem Shutdown Mitte März eingebrochenen Verkäufe bei Schuhen und Mode haben sich wieder erholt und sind seit rund um Ostern wieder auf dem Weg nach oben. Die Zahlen, auf die sich Computop bezieht – nach eigenen Angaben betreut das Unternehmen sechs der zehn größten Onlinehändler (und kann daher auf deren Zahlen zugreifen) –, erfassen die Umsätze im laufenden Kalenderjahr in ausgewählten Branchen im Vergleich der Kalenderwochen 1 bis 16 zum Vorjahr. Um das allgemeine Wachstum im Onlinehandel auszugleichen, wurden die Umsätze aus 2020 für jede Branche über den Durchschnittswert der KW 1 bis 4 (vor der Coronakrise in Deutschland) normiert. Dazu wurde aus diesem Durchschnittswert ein Faktor ermittelt, mit dem die Umsätze aller Wochen multipliziert wurden.

Zur Einschätzung: Die KW 12 war die Woche Mitte März, in der sich der Shutdown abzeichnete und bereits zahlreiche Bundesländer die Schulen und Kindergärten geschlossen hatten, die finale Woche der Betrachtung hier, die KW 16, war die Woche, die mit Ostermontag begann. Insgesamt zeichnet sich das Bild deutlich differenzierter als in der BEVH-Studie, die ja ausschließlich die ersten Corona-Wochen bis Ende März betrachtete.

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E-Commerce-Umsätze auf Branchen heruntergebrochen

Hier die einzelnen Auswertungen von Computop: Bei Unterhaltungselektronik kam es zu einem regelrechten Boom des Onlinehandels (bis zu einem Plus von 512 Prozent in der Kalenderwoche 16), der insbesondere darauf zurückzuführen sein dürfte, dass große Handelsketten mit Präsenzhandel und Onlinehandel ihre Filialen nicht geöffnet hatten, sodass deren Onlinehandel das Filialgeschäft ersetzte (wenn auch, wie wir aus anderen Quellen wissen, nicht wirklich kompensieren konnte). Auch bei Drogerieartikeln und Lebensmitteln ergeben die Zahlen einen Boom von bis zu 171 Prozent in KW 16 beziehungsweise 123 Prozent in KW 14. Man sieht, dass sich die Kunden offenbar zunächst mit Lebensmitteln eingedeckt haben, da hier die Sondersituation einige Wochen früher zum Tragen kommt. Interessant ist auch ein Anstieg von 47 Prozent bei Schuhen (speziell in KW 16) und bei Apothekenprodukten um 42 Prozent (ebenfalls KW 16).

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(Grafik: Computop)

Düster sieht es dagegen erwartungsgemäß im Reisegeschäft und in der Hotellerie aus. Hier zeigen die Computop-Daten, die ja direkt am POS erhoben werden, in der Spitze mehr als vier Fünftel Einbußen – ein Schlag, von dem sich angesichts weiterhin laufender Kostenblöcke wohl nicht alle Beteiligten erholen werden. Um fast 85 bis 97 Prozent eingebrochen ist das Kreuzfahrtgeschäft (bezogen auf die KW 12 bis 16). Hoffen können dagegen noch die Textilwirtschaft und die Lifestylesegmente. Sie erfahren einerseits durch die geschlossenen Geschäfte im Onlinehandel etwas höhere Zahlen, erleben aber vor allem in der KW 16 (und wahrscheinlich auch in den folgenden Wochen, die hier noch nicht erfasst wurden) eine bemerkenswerte Aufholjagd, was angesichts voller Lager und Saisonware auch bitter nötig sein wird.

Die Brancheneinstufung richtet sich dabei jeweils nach dem Hauptsortiment der Händler. Generalisten oder Kaufhauskonzerne, die ansonsten das Bild verwässert hätten, wurden sinnvollerweise ausgeschlossen, weil sie insbesondere für einen Payment-Dienstleister nicht so detailliert aufzuschlüsseln sind. Es erfolgte keine spezielle Gewichtung der Händler, die Betrachtung erfolgte über alle Transaktionen einer Branche.

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