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2 Jahre nach Wallstreetbets: Virales Video zeigt die triste Lage bei Gamestop

Aktuell macht ein Video die Runde, das eine Gamestop-Managerin in einer leeren Filiale zeigt. Vor zwei Jahren war die Aktie des Unternehmens noch auf Höhenflug. Wie kam es zu dem Absturz?

3 Min. Lesezeit
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Vor dem Aus? Für den Games-Einzelhandel wird die Digitalisierung ein Problem. (Foto: Shutterstock/Dev Chatterjee)

Wir erinnern uns: Vor gut zwei Jahren haben Reddit-User:innen dafür gesorgt, dass die Aktie der Gaming-Kette Gamestop in die Höhe geschossen ist. Binnen kürzester Zeit hat sich dann der Wert eines Unternehmens, das doch eigentlich schon dem Ende nahe schien, vervielfacht. War das etwa die Renaissance der Gaming-Shops mit stationärem Einzelhandel?

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Der Blick zurück lässt erkennen, dass die Gaming-Community, die im Subreddit Wallstreetbets den organisierten Kauf von Gamestop-Aktien organisiert hatte, nie wirklich an der Restaurierung des Unternehmens interessiert gewesen ist. Es ging darum, sich einen Spaß zu erlauben mit einer Firma, die schon seit Jahren ziemlich unbeliebt gewesen war. Heute sind davon nur noch vereinzelte Shops übrig – in denen Mitarbeiter:innen vergebens auf Kundschaft warten.

Memes und Hype

Aber erstmal zurück zum Anfang: Im Januar 2021 stieg die Gamestop-Aktie um mehr als 1.800 Prozent. Durch vereinfachtes Trading mit dem Angebot des Finanzunternehmens Robinhood schlossen sich etliche Reddit-User:innen im Subreddit Wallstreetbets zusammen, um massenhaft Gamestop-Aktien zu kaufen.

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Dabei ging damals etwas unter, dass auch andere Unternehmen von diesen User:innen gepusht wurden, wenn auch bei Weitem nicht so drastisch wie Gamestop. Zu diesen Unternehmen gehörte etwa die Videothek Blockbuster. Beide haben etwas gemein: Es handelt sich um antiquierte Unternehmen, die aus der Zeit gefallen zu sein scheinen.

Damals wurde Wallstreetbets als eine kleine Revolution gesehen: Kleinanleger:innen entdecken ihre Macht und investieren in die Unternehmen, die ihnen lieb sind. Aus heutiger Sicht lässt sich sagen, dass wohl das Gegenteil der Fall war.

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Gamestop ist seit vielen Jahren ein in Gaming-Kreisen ziemlich unbeliebtes Unternehmen. Überteuerte Preise, ein Management, das dem Verkaufsteam dreiste Ziele mitgibt. Immer wieder werden Anekdoten geteilt von Verkäufer:innen, die versuchen, ihren Kund:innen unsinnige Ware anzudrehen.

Antiquiertes Geschäftsmodell

Die vielen Versuche von Gamestop, den Umsatz in den Filialen zu erhöhen, zeigen vor allem, wie antiquiert dieses Geschäftsmodell ist. Schon seit Jahren steigt der Anteil an Käufen digitaler Spiele immer weiter an. Laut Gamesindustry lag der Anteil physischer Videospiele am Umsatz 2022 bei 5,8 Prozent – wobei den größten Teil des Umsatzes Mobile-Games ausmachten. Selbst im Konsolen-Segment lag der Anteil physischer Games bei nur 28 Prozent.

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Dieser Push Richtung digital wird von den großen Anbietern immer weiter vorangetrieben, denn sie sind deutlich lukrativer: Playstation etwa verdient an Käufen in ihrem eigenen Ökosystem, dem PS Store, mehr als wenn ein Spiel im stationären Einzelhandel gekauft wird.

Der Markt für physische Spiele ist also stark geschrumpft. Dabei nehmen Onlineshops wie Amazon den größten Anteil an Käufen ein. Kaum jemand besucht noch ein Ladengeschäft, um sich ein Videospiel zu kaufen. Gamestop hat diesen seit Jahrzehnten sich andeutenden Trend größtenteils verschlafen.

Den Schwung der Meme-Aktionär:innen konnte das Unternehmen nicht nutzen, um das Geschäftsmodell erfolgreich umzubauen. Mit Clubs, Punkten, Gebrauchtspielen und vor allem Merchandise konnte Gamestop das Ende nur hinauszögern – aber nicht aufhalten. Auch ein NFT-Marktplatz dürfte nicht der Schritt sein, der Gamestops Abstieg aufhält.

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„Es kommt keiner mehr rein“

Anfang 2023 wird klar, dass auch in Deutschland etliche Gamestop-Filialen schließen werden. Inzwischen ist es jede zweite – gut 80 an der Zahl. Das ist also übrig geblieben von dem Höhenflug, der dem Unternehmen zeitweise eine Milliarde US-Dollar eingebracht hat. Es war kein ernsthafter Versuch von Anleger:innen, Gamestop zu retten.

Derweil geht ein Video auf Tiktok viral. Darin zeigt eine Userin, die sich selbst als Gamestop-Managerin beschreibt, wie die Arbeit in einer Filiale in den USA derzeit aussieht: Ausverkauf von Waren, keine Kund:innen mehr und betriebliche Entlassungen. Kommentiert wird das Video von Tausenden User:innen, die von guten und schlechten Erfahrungen mit Gamestop berichten.

Gegenüber dem Medium Dailydot berichtet die Managerin zudem, dass sie seit 2005 in dem Unternehmen arbeitet – und es auch eigentlich gerne getan hat. „Ich weigere mich jedoch, Kunden anzulügen und ihnen zu sagen, dass sie xyz haben müssen, oder ihnen zu sagen, dass sie die Mitgliedskarte haben müssen, um eine Preisanpassung zu erhalten“, sagt sie.

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Mitte Januar 2023 machten Meldungen die Runde, dass Gamestop in den USA Hunderte Mitarbeiter:innen entlassen und Filialen sowieso Distributions-Center schließen wird. Daraufhin stieg die Aktie des Unternehmens auf 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diesmal waren es wohl keine Reddit-Gamer:innen, die Lust auf ein neues Meme hatten.

Das dümmste Gaming-Zubehör aller Zeiten:

Das dümmste Gaming-Zubehör aller Zeiten Quelle:

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2 Kommentare
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Gabriel D.
Gabriel D.

Naja, „for the lulz“ greift da doch ein bisschen zu kurz.
Eigentlich ging es vor allem um einen sogenannten „Short Squeeze“, da viele größere Investoren & Investment-Firmen/-Fonds Short-Positionen auf der scheinbar sterbenden GameStop-Aktie hatten.
Der Kauf der vielen Kleinanleger trieb den Preis dann derart in die Höhe, dass die Shorts zu Verlustpositionen wurden und beim Auslauf/Ausgleich wiederum den Preis sprunghaft nach oben trieben.

Der Meme bzw. das „for the lulz“ führt unter anderem dazu, dass noch immer vereinzelte Kleinanleger*innen GameStop-Aktien halten. In der Hoffnung, dass sich der Kurssprung wiederholt.

Auch noch FYI: Dass solche Short-Positionen derart nach hinten losgehen können, ist mitunter der Grund, weshalb Short-Investoren ohne großes Kapital im Rücken i. d. R. wirklich gut recherchieren müssen, bevor sie mit einsteigen (siehe Wirecard: Da kamen Short-Investoren z. B. einigen der seltsamen Machenschaften bei ihrer Recherche auf die Schliche und unterstützten die Journalisten der FT).

Antworten
superstonk_ape
superstonk_ape

Sehr witzig. Warten wir mal den Quartalsreport und die DRS Zahlen.
No Cell No Sell.

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