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Geld in der Liebe: Wie Paare ihre Finanzen fair regeln

Wer zusammen lebt, zahlt auch gemeinsam Rechnungen oder spart für den nächsten Urlaub. Doch oft gibt es bei Paaren Streit, wenn es ums Geld geht. Das Bloggerpaar Lia und Tilo hat Tipps, wie ihr das vermeiden könnt.

8 Min. Lesezeit
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Bloggen über ihre Finanzen als Paar: Lia und Tilo von "FinanzLiebe".  (Foto: Jonas Scherm)

Die Frage, wie Paare es mit dem Geld halten, stellt sich schon von Anfang an – wird die Beziehung enger, werden die Finanzfragen drängender. Wer zahlt beim ersten Date? Ist es fair, die laufenden Kosten 50:50 zu teilen, wenn man zusammenzieht? Und spätestens dann, wenn Kinder da sind, stellt sich auch die Frage: Wird die Care-Arbeit in der Beziehung eigentlich „vergütet“?

Vielen Paare fallen die Antworten darauf nicht leicht, denn sie haben mit dem Selbstverständnis als Paar und Glaubenssätzen zum Thema Geld zu tun, die sehr unterschiedlich sein können. Bei 39 Prozent der Paare ist der Umgang mit Geld daher Streitthema Nummer 1. Für Roland Stecher von der Verbraucherzentrale Bremen gibt es nur einen Weg, das zu umgehen: reden, reden, reden. „Ein offenere Austausch über das Thema Geld ist essenziell in jeder Paarbeziehung.“

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Bei vielen gelte aber immer noch der Grundsatz: Über Geld spricht man nicht. „Junge Paare bekommen es meist schon besser hin, emanzipatorischer mit den Thema Finanzen umzugehen, bei Älteren sieht man dagegen oft noch das klassische Modell“, beobachtet der Verbraucherschützer. Bei einem Hetero-Paar etwa: Der Mann regelt die Finanzen, die Frau bekommt ein Taschengeld.

Der Verbraucherschützer rät als ersten Schritt zu mehr Transparenz in Sachen Finanzen vor allem zu einem ehrlichen Kassensturz. „Schwierig sind dagegen Regeln wie: Du zahlst die Miete, ich den Einkauf im Supermarkt. So gelingt weder eine Übersicht über die tatsächlichen Ausgaben und schon gar nicht darüber, ob diese fair verteilt sind.“

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Finanzplanung ist Beziehungsplanung

So sehen das auch Lia und Tilo, die gemeinsam unter dem Namen Finanzliebe über ihre Finanzen bloggen. Sie ist Stabsleiterin in der IT, er Kommunikationsmanager bei einer großen Bank – gemeinsam schreiben sie über bewussten Konsum, Sparen und Finanzmanagement in der Beziehung. „Verschafft euch Klarheit über Ziele, Träume und Wünsche, aber auch über mögliche Hindernisse, Sorgen und Ängste“, raten die beiden anderen Paaren.

Lia und Tilo haben von Beginn an offen über das Thema Finanzen gesprochen und viel über die Werte und Lebensvorstellungen des anderen gelernt. „Uns ist es besonders wichtig, dass wir in der Beziehung keine finanziellen Abhängigkeiten eingehen und sich nicht nur eine:r von beiden mit Geldfragen beschäftigt“, sagen die beiden.

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Unterschiede können anspornen

Sich in den Finanzen über Ziele einig zu werden, bedeutet nicht, das zwei Menschen immer einer Meinung sind – oder den gleichen Glaubenssätzen zum Thema Finanzen folgen. Lia beispielsweise ist von Natur aus sparsam. „Es tut mir daher immer wieder gut, von Tilo ermuntert zu werden, auch mal Geld in die Hand zu nehmen und Dinge für mich selbst zu kaufen“, sagt sie. Tilo dagegen ist „ein kleiner Geek“, wie er selber sagt: „Ich liebe es, mein Leben mit neuen Technik-Gadgets zu ‚perfektionieren‘.“ Durch Lia hinterfragt er seinen Konsum jedoch häufiger.

Erst in der Beziehung mit Tilo hat sich Lia überhaupt erst damit beschäftigt, wie sie ihr Geld investieren will. „Meine innere Überzeugung und Sicherheit bezüglich meiner Anlagestrategie kann mir inzwischen kaum jemand nehmen“, sagt sie. So habe sich durch ihn ein ungeliebtes Thema in eine Leidenschaft verwandelt, die die beiden heute auf ihrem Blog www.finanz-liebe.de ausleben. Tilo sieht sich selbst als eher rationalen Anleger – wird von Lia in dieser „Gewissheit“ aber auch auch schon mal korrigiert. Sie zeige ihm auf, „wo Emotionen meine Entscheidungen dennoch beeinflussen“, sagt er.

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Die beiden haben drei grundsätzliche Ratschläge für Paare, wenn es darum geht, in Sachen Geld trotz aller Unterschiede auf einen Nenner zu kommen.

1. Reden!

Paare sollten ihre Ängste und Sorgen besprechen und sich auch gegenseitig motivieren und füreinander da sein. Das bedeutet auch, über Worse-Case-Szenarien nachzudenken. „Hinterfragt die Eintrittswahrscheinlichkeit und definiert Lösungsstrategien dafür“, sagen Lia und Tilo.

2. Priorisieren!

Beide sollten ihre Motivation für Konsumwünsche bewusst hinterfragen. „Pflegt einen Wunschzettel mit Prioritäten und wartet, insbesondere bei größeren Beträgen, ein paar Tage oder Wochen bevor ihr eurem Kaufimpuls nachgeht“, sagen Lia und Tilo. „Konsumiert, was nach dem Sparen übrig bleibt, statt das zu Sparen, was nach dem Konsum übrig bleibt.“

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3. Managen!

Paare sollten sich auf jeden Fall einen Überblick über Einnahmen und Ausgaben verschaffen. Dabei können zum Beispiel digitale Haushaltsbücher helfen, mit denen sich das eigene Konsumverhalten tracken lässt. „Definiert Budgets, passt sie bei neuen Erkenntnissen entsprechend an und plant mit Puffern“, sagen Lia und Tilo. „Wählt das passende Kontomodell für eure individuelle Lebenssituation und automatisiert es möglichst.“

Was tun, wenns Streit gibt?

Auch bei den beiden Bloggern gibt es schon einmal Streit ums Geld. Probleme versuchen sie frühzeitig anzusprechen – bevor beide so emotional sind, dass es zum Streit kommt. Ein Beispiel: Tilo wollte schon länger einen größeren Fernseher anschaffen und hat zugeschlagen, als er ein super Angebot gefunden hat. Lia wollte eigentlich keinen neuen Fernseher und vor allem nicht so viel Geld dafür ausgeben.

„Da es ihm wichtiger ist, war er bereit, einen größeren Anteil zu übernehmen“, sagt Lia. Hätten beide keinen Fernseher gehabt und gemeinsam einen neuen angeschafft, wäre es eher auf einen Kompromiss herausgelaufen: bei gleich verteilten Kosten ein Mittelklassemodell statt des High-Class-Geräts.

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Wie kann man Kosten als Paar gerecht aufteilen?

Beim Streit ums Thema Geld geht es oft um Gerechtigkeit. Alle wollen sie – aber was ist eigentlich eine faire Aufteilung von Einkommen und Kosten in der Beziehung? Die Antwort darauf kann sehr unterschiedlich ausfallen. „Was ihr als fair empfindet, empfindet euer Gegenüber vielleicht ganz und gar nicht so“, sagen Lia und Tilo. Nur wer diese Vorstellungen von Fairness nebeneinander legt, kann gemeinsame Lösungen finden, die zur gemeinsamen Lebenssituation passen und sich für beide gut anfühlen.

Eine 50:50-Verteilung von Kosten muss beispielsweise nicht unbedingt gerecht sein, wenn es gute Gründe für eine ungleiche Verteilung gibt. Und auch eine prozentuale Aufteilung nach Einkommen muss nicht fair sein. Ein Paar muss daher darüber diskutieren, was es bedeutet, wenn größere Gehaltsunterschiede bestehen oder eine:r in der Beziehung beruflich zurücktritt und beispielsweise mehr Care-Arbeit übernimmt. „Zudem müsste man eigentlich auch Renteneinbußen und verpasste Gehaltssteigerungen berücksichtigen. Wie könnt ihr daher auch langfristig einen Ausgleich schaffen?“, fragen Lia und Tilo.

Wichtig ist, die richtigen Fragen zu stellen: Geht es um Leistungsgerechtigkeit, also wer mehr leistet, bekommt auch mehr? Oder um gleiche Chancen, die für Gerechtigkeit sorgen? Oder geht es um Verteilungsgerechtigkeit, also eine angemessene Distribution von Gütern? Wichtig sei, darüber im Gespräch zu bleiben, meinen die beiden Blogger.

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Aber wie kann man nun ganz praktisch die Kostenverteilung angehen? Lia und Tilo haben fünf Tipps, wie ihr euch gemeinsam einer Regelung nähern könnt.

  1. Die für dich und deinen Lieblingsmenschen ideale, faire Regelung müsst ihr gemeinsam definieren.
  2. Steht für euch als Person ein, hinterfragt die getroffenen Abmachungen und euch immer wieder und passt euer persönliches Finanzmodell an veränderte Lebensumstände an.
  3. Traut euch, kreativ zu sein und auch unkonventionelle Lösungen in Betracht zu ziehen.
  4. Die Regelung sollte so einfach und eindeutig wie möglich sein, um den Verwaltungsaufwand gering zu halten, Missverständnisse zu vermeiden und nachvollziehbar zu sein.
  5. Entspannt euch – auf den letzten Cent wird es nie fair sein und das ist auch in Ordnung.

5 Schritte, um die gemeinsamen Finanzen besser zu managen

Ein Finanzmodell, das für alle Paare passt, gibt es also leider nicht. Aber zu zweit könnt ihr einige ganz praktische Punkte abarbeiten, um euch einer gemeinsamen Lösung für den Umgang mit Geld zu nähern. Die folgenden Schritte helfen dabei, einen Plan zu machen, der zum eurem Lebens- und Beziehungsmodell passt.

  1. Persönliche Ziele und Lebensträume definieren: Wie stellt ihr euch euer Leben in 5, 10, 20 Jahren vor? Wie sieht eure Familienplanung aus? Wollt ihr Immobilien kaufen? Was und wie viel wollt ihr arbeiten?
  2. Sparziele konkret bestimmen: Wie viel Geld benötigt ihr für eure Lebensvorstellung? Welche finanziellen Entscheidungen müsst ihr dafür jetzt schon treffen? Was sind eure Sparziele? Zum Beispiel Betrag X an Eigenkapital für den Kauf einer Immobilie in Y Jahren.
  3. Einnahmen und Ausgaben tracken: Ermittelt eure individuellen und gemeinsamen Ausgaben und stellt sie euren monatlichen Einnahmen gegenüber. Identifiziert Sparpotenziale: Paare können beispielsweise Kosten einsparen, wenn sie Handyverträge gemeinsam abschließen oder ihre Versicherungen überprüfen. Dazu könnt ihr auch ein Haushaltsbuch nutzen, das geht analog, aber auch digital mit einer App. Um die Strom- und Heizkosten im Auge zu behalten, gibt es sogar spezielle Apps.
  4. Vermögensübersicht erstellen: Stellt euer individuelles und gemeinsames Vermögen transparent in einer Übersicht dar und verschafft euch einen Überblick.
  5. Anlagestrategie und Kontomodell definieren: Identifiziert abhängig von Zeithorizont geeignete Anlageformen für die jeweiligen Sparziele. Sucht nach dem passenden Kontomodell für euch und automatisiert möglichst viele Vorgänge. Ein Drei-Konto-Modell kann dabei eine große Erleichterung sein. Dabei behält jeder Partner sein eigenes Girokonto, zusätzlich zahlen beide Geld auf ein Gemeinschaftskonto, von dem gemeinsame laufende Kosten abgebucht werden und auf das beide zugreifen können. So ist das gemeinsame Budget klar definiert.
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