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Googles Verluste im Cloud-Geschäft: Was das für das Unternehmen bedeutet

Alphabet meldet steigende Umsätze und Gewinne. Doch die boomende Werbesparte kann nicht über das schwierige Cloud-Geschäft hinweg täuschen. Das macht aber eigentlich gar nichts – zumindest vorerst.

4 Min. Lesezeit
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Das Google-Logo. (Foto: Shutterstock)

Mehr als 50 Milliarden US-Dollar Umsatz hat Google im letzten Quartal erzielt, unterm Strich den Gewinn um 43 Prozent auf 15,2 Milliarden Dollar gesteigert. Alles super in Mountain View? Ja, schon – das Geschäft mit der Onlinewerbung läuft besser denn je, auch weil die Pandemie zu verstärkter Onlinenutzung beiträgt und (mal abgesehen von vielleicht Facebook) niemand über einen so diversifizierten Datenschatz im Hinblick auf die Endkunden verfügt wie Google.

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Doch dass der Börsenkurs steigt und die Aktionäre rundum zufrieden sind, sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass in bestimmten Geschäftsbereichen die Treffsicherheit weniger gut ist oder der Weg zum Erfolg deutlich länger dauert als erwartet. Da ist zunächst einmal das Cloud-Geschäft. Keine Frage, ein boomender Markt, weil eine Vielzahl an Unternehmen nach und nach die Flexibilität und die Skalierbarkeit der Cloud verstehen und dem klassischen Rechenzentrum vorziehen.

Doch profitieren kann davon insbesondere Mitbewerber Amazon mit der AWS Cloud, in Maßen auch Microsoft mit der Azure Cloud, und nicht zuletzt zukünftig wohl auch Alibaba, wenn es das chinesische Unternehmen schafft, beim Datenschutz das Vertrauen der Geschäftspartner zu gewinnen.

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Alleine Amazon erzielte mit dem AWS-Geschäft im vergangenen Jahr 13 Milliarden Dollar Gewinn bei 45 Milliarden Dollar Umsatz – das sind über die Hälfte des Gesamtgewinns bei gerade mal einem Zehntel Umsatz. Und Google? Das Unternehmen machte mit der Cloud-Sparte einen Verlust von 1,24 Milliarden Dollar alleine im vierten Quartal – und mit 5,6 Milliarden Dollar sogar rund 20 Prozent mehr Verlust als im Vorjahr.

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Googles Cloud-Strategie erfordert einen langen Atem

Muss das die Anleger und Entscheider nervös machen? Sicher nicht. Denn die Strategie, wichtige Partnerunternehmen in heiklen Umfeldern (Healthcare, Banking, produzierende Industrie) zu suchen, diese zu Modellkunden zu machen und dem Rest der Welt so zu zeigen, dass die Cloud in Zukunft das klassische On-Premises-Rechenzentrum ersetzen wird, ist keine schlechte Strategie. Und beispielsweise mit Ford will Google dem Vernehmen nach mehr als nur in einem Bereich kooperieren: Gemeinsames Fahrzeugbetriebssystem, Infotainment mit dem Google Assistant und nicht zuletzt auch eine Verlagerung der produktionsbezogenen Ressourcen in die Cloud – all das klingt nach viel Vertrauen, das Detroit dem Konzern aus Mountain View entgegenbringt. Wenn die Google Cloud erst einmal in der Fabrikhalle inklusive Supply-Chain-Management Einzug gehalten hat, ist das ein Best-Practice-Case, der auch andere Unternehmen überzeugen dürfte.

Doch der Vergleich der Google-Cloud mit AWS hinkt gleich in vielerlei Hinsicht, weil die Systeme in ihrer Grundstruktur unterschiedlich sind, weil AWS in der Entwicklung schon deutlich weiter ist und nicht zuletzt auch, weil offenbar die Strategie, Großkunden zu akquirieren, eine andere ist. Allein: Bis dahin ist es ein weiter und investitionsreicher Weg und Google braucht einen langen Atem. Doch der Alphabet-Konzern kann es sich leisten – verfügt er doch über Reserven in Höhe von 137 Milliarden (!) Dollar und kann die eine oder andere Verzögerung problemlos aussitzen.

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Google kann sich viele Ausrutscher leisten

Doch noch schwieriger als mit der (großen) Cloud-Sparte sieht es mit anderen Bereichen im Unternehmen aus, etwa den Lieferdrohnen von Wing und dem Roboterauto Waymo. Hier fielen bei Umsätzen von 196 Millionen Dollar stolze 1,14 Milliarden Verlust an. Google, respektive Alphabet, wird hier weiter auf die Bremse treten müssen, wenn man nicht dauerhaft die Investoren verschrecken will. Unterm Strich leistet sich der Digitalkonzern schon viele Versuchsballons, die einfach mal gestartet werden und sich im Laufe der Zeit nur als heiße Luft entpuppen. À propos Ballons: Das Loon-Geschäft mit den Ballons, die Internet auch in entlegene Regionen bringen sollen, hat Google gerade erst dicht gemacht. Doch wahrscheinlich gehört all das zu der viel zitierten Innovationskraft, für die Google immer wieder gefeiert wird.

Unter die Kategorie die Innovationen, die ins Leere laufen, könnte auch das Kapitel der eigens für Stadia entwickelten Spiele fallen. Vollmundig hatte das Unternehmen vor gerade mal zwei Jahren angekündigt, mit großen Entwicklerteams und bekannten Namen der Spielebranche exklusive Titel für die Spiele-Cloud entwickeln zu wollen. Jetzt wird das Unternehmen abgeblasen, ohne dass es jemals eine Veröffentlichung gegeben hätte. Doch Stadias Exklusiv-Studio so sang- und klanglos zu beerdigen, ist selbst für Google eine Peinlichkeit, auch wenn es mit der Stadia-Cloud selbst offenbar vorerst weiter gehen soll.

Aber was ist dem Kerngeschäft, der Suchmaschinenwerbung? Ein Trend in der Online-Werbung dürfte Google gerade jetzt recht kommen: Die schleichende Abschaffung der Third-Party-Cookies sorgt in der gesamten Branche für einen Umbruch, der aber zu Gunsten der großen Konzerne aus dem Silicon Valley geht. Denn zielgerichtetes Targeting und Retargeting kann Google deutlich besser abbilden als viele kleinere Netzwerke – und auch wenn die Elemente der Umfeldwerbung hinzukommen, schafft Google deutlich zielgerichtetere Ergebnisse als andere. Hinzu kommt, dass der Konzern als Herr über Chrome auch im Browsermarkt ein gewichtiges Wörtchen mitredet. So gesehen stehen die Chancen gut, dass die Einnahmen aus dem Ad-Segment stabil bleiben und sich höchstens in einzelnen Segmenten verschieben.

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