Interview

VW-Tochter Moia: So will der Chef mit E-Shuttles Milliarden umsetzen

E-Shuttles statt Dieselgate: Moia-CEO Ole Harms soll Volkswagen mit Hilfe von Moia Beine machen. (Foto: Moia)
Lesezeit: 14 Min.
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Im Interview spricht Ole Harms, der CEO von Volkswagens junger Konzernmarke, über Algorithmen für seine ehrgeizigen Shuttle-Pläne und darüber, weshalb man sich bei VW gegen Carsharing entschieden hat.

Wer sich bei Moia mit dem Dienstwagen im Kopf bewerbe, der habe das Thema Mobilität, wie man es hier in Berlin nun lebe, nicht ganz durchdrungen, heißt es bei Volkswagens neuer Vorzeigemarke. Seit gerade mal einem halben Jahr ist diese nun aktiv, noch wenig bekannt – und sie soll Mobilität endlich auch bei den Wolfsburgern neu denken.

Im kommenden Jahr möchte man in zwei deutschen Städten einen On-demand-Shuttle-Service einführen, den Bürger per App rufen können – und der preislich günstiger sein soll als das eigene Auto oder Taxifahren. So lautet zumindest die Vision.

Das Logo von Moia. (Bild: Moia)

Das Logo von Moia. (Bild: Moia)

Am Berliner Kemperplatz, direkt neben dem Potsdamer Platz gelegen und nicht weniger gewienert, hat man sich also eingerichtet: in einem hippen Coworking-Space, dem die Hauptstadt zumindest ausblickstechnisch zu Füßen liegt. Überall hier schwirren junge Menschen herum, die verschiedenen Startups angehören und die vermutlich gemein haben, dass sie irgendetwas zum Besseren verändern wollen.

Überraschen kann da auch nicht, dass dieses Interview in einem für junge Firmen demonstrativ untypischen Büro stattfindet: glänzende metallene Stühle auf Teppich, die Wandverkleidung erinnert an klassische Kaschan-Auslegeware. Und die Porzellantassen tragen die Aufschrift „Always do what you love“, ein Auszug aus dem Mission-Statement des mittlerweile auch in Berlin ansässigen Coworking-Space-Anbieters We Work, dessen Räumlichkeiten Moia hier nutzt. Und der amerikanische Spruch passt natürlich auch ein bisschen zum Selbstverständnis der hier lebenden Moianer.

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Deren VW-erprobter Häuptling, Ole Harms, CEO der New-Mobility-Marke, war zunächst für Beratungsfirmen tätig, unter anderem für Capgemini, und ist anschließend über die Volkswagen Consulting in den Konzern eingestiegen, wie er erzählt. Dort habe er das Top-Management beraten, und später habe ihn ein Vorstand direkt angesprochen, ob er denn nicht nur für ihn arbeiten wolle.

Während dieser Zeit war Harms, mit Bart und Turnschuhen ausgestattet und wie der Rest seiner internationalen Truppe ganz ohne Anzug, unter anderem in Brasilien bei der VW-Tochter Seat und in den USA tätig. Mit dem Thema Innovation beschäftige er sich mittlerweile seit drei bis vier Jahren, sagt er, überhaupt lägen ihm die „neuen Themen“ sehr am Herzen.

Um seiner Vision von einer preisgünstigen Shuttle-Flotte Leben einzuhauchen, hat sich Moia erst im Mai das finnische Unternehmen Split geleistet, das die für den reibungslosen Betrieb nötigen komplexen Algorithmen und somit das Herzstück des noch in der Entwicklung befindlichen neuen VW-Produkts zuliefern soll.

Mit der Hamburger Hochbahn, die in der Hansestadt die U-Bahnen und viele Busse betreibt, gibt es seit vergangener Woche nun auch einen ersten Partner, der den „kollaborativen Ansatz“ mit Städten unterstreichen soll, den man auch in Zukunft pflegen möchte.

Im Interview in der Firmenzentrale spricht Ole Harms über den „Stealth Mode“, in dem Moia sich derzeit noch befinde, angepeilte Milliardenumsätze innerhalb der kommenden Jahre und darüber, weshalb er „Hipster“ für ein Schimpfwort hält.

t3n.de: Du hast vor deiner Berliner Zeit bei Moia schon länger bei Volkswagen gearbeitet. Bist du eher VW-Apparatschik oder schon Hipster?

Ich hoffe: weder noch. Ich überlege gerade, was ein VW-Apparatschik überhaupt sein soll. Ich war erst Berater bei zwei externen Beratungsfirmen und bin dann über die Volkswagen Consulting in den Konzern eingestiegen. Hipster ist eh nur ein inhaltsleeres Schimpfwort, finde ich. Aber die Leute suchen heutzutage eben nach Symbolen. Als nach unserem Launch die ersten Artikel über Moia und mich herauskamen, hieß es oft: „Ui, der neue Vorstand sieht ja ganz anders aus!“ Und das Wichtigste war, dass ich Turnschuhe und einen Bart habe. Was ich dann doch nicht so wichtig finde. Fakt ist: Wir arbeiten, wie es eben passt in unserem Arbeitsumfeld. Wenn ich in Wolfsburg bin, trage ich auch Anzug und Krawatte. Und hier in Berlin bei Moia komme ich eben in V-Neck-Shirt, Jeans und Turnschuhen. Die Kleidung ändert nichts an meinem Mindset – und das bleibt raumgreifend und innovativ.

t3n.de: Volkswagen ist ziemlich spät dran, was alternative Mobilitätskonzepte angeht. Ist es so, dass man im Konzern grundsätzlich erst einmal schaut, was die Konkurrenz so macht, und dann dort reingeht, wo es sinnvoll scheint, weil sich eine Marktlücke aufgetan hat?

Ich glaube, dass es im Mobilitätssektor jetzt erst richtig losgeht. Natürlich ist es vorteilhaft, dass wir uns schon einmal ein paar Sachen angucken konnten, wie sie funktionieren – oder auch nicht funktionieren. Zum Beispiel im Bereich Carsharing

t3n.de: Was hat da nicht funktioniert?

Naja, Carsharing hat mit Sicherheit einiges gebracht, um in dieses Geschäftsmodell reinzukommen, Kundenströme zu verstehen, Operations zu lernen und auch Denkweisen zu verändern. Aber es ist natürlich kein Geschäftsmodell, das maßgeblich groß skaliert auf der Welt. Solche Sachen und auch multimodale Plattformen haben wir uns sehr detailliert angeschaut und uns gefragt, ob sie relevant für uns sind. Letztendlich haben wir andere Schlüsse gezogen und unser Portfolio so aufgebaut, wie es ist. Ob das die richtige Entscheidung war, werden wir in ein paar Jahren sehen.

t3n.de: Jetzt ist es zunächst einmal Zeit für eine erste Bilanz. Moia wurde vor einem halben Jahr gegründet, außerhalb der Mobilitätsbranche kennt noch kaum jemand die Marke.

Wir sind noch im Stealth-Mode. Im Januar haben wir angefangen, nachdem wir im Dezember gelauncht haben. Im Moment verbringen wir sehr viel Zeit mit der Vorbereitung. Das heißt zum Beispiel: Onboarding der Teammitglieder. Aber was wir schon sagen können: Die Art und Weise, wie wir die Marke Moia kommuniziert haben und uns positionieren mit dem Konzern Volkswagen im Rücken, scheint für viele sehr ansprechend zu sein.

t3n.de: Aber in der breiten Öffentlichkeit kennt Moia noch keiner …

Vielleicht nicht, aber eben in der Mobilitätsszene, die ja klein ist. Wir haben unsere Website zum Start der „TechCrunch Disrupt 2016“ gelauncht, ansonsten nichts promotet, keine einzige Stellenausschreibung gemacht – und bis heute trotzdem 1500 Bewerbungen bekommen. Und da sind Leute aus der ganzen Welt dabei.

t3n.de: Aber die Strahlkraft kommt von Volkswagen und nicht Moia, oder?

Naja, ich denke, dass unsere Vision verfängt, die Demokratisierung und das Neudenken von Mobilität – „Den Menschen ihre Stadt zurückgeben!“ Das merke ich auch in vielen Interviews, dass das ankommt. Und du weißt, du kannst die Vision umsetzen, weil du Zugriff auf Ressourcen und Möglichkeiten des Volkswagen-Konzerns hast.

t3n.de: Eure Vision ist etwas schwammig. Ihr wollt die Städte quasi „befreien“ und Staus künftig vermeiden.

Das wir ein bisschen unklar bleiben müssen, ist klar, denke ich. Weil wir in der Vorbereitung unseres Produkts jetzt nicht alles verraten wollen. Wir überlegen uns gerade ein paar Sachen, die es so noch nicht gibt, und die wollen wir auch nicht jedem sofort auf die Nase binden. Dieses „Schwammige“, wie du es nennst, ist uns also durchaus bewusst. Und diese Kritik können wir aushalten. Dennoch formulieren wir sehr klar, dass wir mit den Städten gemeinsam Lösungen für die jeweiligen Verkehrsprobleme entwickeln und anbieten wollen.

t3n.de: Deine Mission steht und fällt möglicherweise mit dem Preis, der für die Nutzung des Moia-Shuttles in Zukunft berechnet wird. Diesbezüglich hast du einmal gesagt, er soll sich an den Preisen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) einer Stadt orientieren. In Berlin kostet das Einzelticket 2,80 Euro. Wie willst du dieser Summe den Kampf ansagen? Wie kann das funktionieren?

Wir wollen eine Mobilitätsoption bieten, die es heute noch nicht gibt. Heute hat man grundsätzlich den öffentlichen Nahverkehr, das eigene Fahrzeug und das Taxi zur Auswahl. Wir wollen dazwischen landen – ohne allerdings auf einen Fahrpreis von 2,80 Euro zu kommen und so den ÖPNV zu kannibalisieren. Wenn du das tust, hast du nichts erreicht. Es geht uns also nicht darum, Leute, die schon kollektiv fahren, aus dem Bus rauszuholen und wieder ins Auto zu stecken.

t3n.de: Aber ihr wollt mit Moia schon so ein „Mittelding“ zwischen Taxi und Bus sein, oder?

Ja, genau.

t3n.de: Und wollt euch am billigen Fahrpreis orientieren …

Naja, ich sage mal so: Wenn ein Taxi günstig wäre, würde jeder Taxi fahren. Das ist der ultimative Service. Das kann sich aber nicht jeder leisten. Der öffentliche Nahverkehr dagegen ist günstig, hat aber die entsprechenden Einschränkungen durch die Taktung und die historisch gewachsene Wegeführung der Schiene. Wir wollen preislich über dem ÖPNV liegen – aber eben auch sehr viel günstiger sein als andere Mobilitätsoptionen. Das meinen wir mit Demokratisierung.

t3n.de: Und damit kann man Geld verdienen?

Das ist eine sehr gute und sehr wichtige Frage. Es geht in diesem Geschäft zum einen darum, ein Erlebnis zu schaffen, das einzigartig ist. Zweitens geht es um Effizienz und Auslastung. Man braucht die intelligentesten Algorithmen, um das effizienteste Pooling zu haben.

t3n.de: In Finnland hast du ja kürzlich eingekauft – das Startup Split Finland Oy.

Genau. Aber diese Akquise haben wir schon als Unternehmen gemacht und vorher lange vorbereitet.

t3n.de: Und es sind die von Split programmierten Pooling-Algorithmen, die das Kaufkriterium waren?

Zu unserer Plattform gehört natürlich sehr viel mehr. Wir bauen gerade unser Produkt- und IT-Team auf. Aber Finnland ist ein sehr wichtiger Kern davon. Das sind die Jungs, die in Helsinki hinter dem „Kutsuplus“-Projekt standen und damit das Pooling quasi erfunden haben. Da ist extrem viel Entwicklungsarbeit reingeflossen. Wir haben nicht nur das Team für uns gewonnen, sondern auch die Technologie, die dahintersteckt. Und die hilft uns gerade extrem, Geschwindigkeit aufzunehmen. Es geht um die Lösung des Problems, tausende verschiedene Leute mit unterschiedlichen Zielen zur gleichen Zeit so effektiv wie möglich in die verfügbaren Fahrzeuge zu bekommen. Das ist schon komplex. Darüber hinaus wollen wir natürlich eine ansprechende und intuitiv bedienbare App haben, und auch das Backend und die Operations müssen gut funktionieren.

t3n.de: Du sagtest, das mit Split sei eine länger geplante Akquisition gewesen …

Ja, wir bereiten das Projekt Moia schon länger hinter den Kulissen vor. Und von Anfang an haben wir den Markt nach Möglichkeiten gescreent. Klar war uns immer, dass die Pooling-Engine mit einer der entscheidenden Faktoren sein würde. Sie muss einfach einen Unterschied machen. Es gibt natürlich auch noch andere wichtige Punkte, wie das Fahrzeug an sich. Beim Thema Pooling geht es neben wirtschaftlicher Effizienz auch um Psychologie. In der ganzen Welt haben wir uns deshalb Pooling-Services angeschaut, Mystery-Shopping gemacht, haben Fahrer und Kunden befragt. Und dabei haben wir abgefahrene Sachen gelernt. Zum Beispiel ist es natürlich prinzipiell möglich, dass ein Shuttle kurzfristig einen Umweg von einer Minute macht, um noch einen weiteren Fahrgast abzuholen. Für einen bereits im Fahrzeug befindlichen Menschen ist dieser Umweg aber möglicherweise oder sogar ziemlich sicher nervig, weil er sein eigenes Ziel, das er bereits vor Augen hatte, plötzlich wieder verliert. Dafür kann ein Pooling-Service im Netz natürlich schnell eine schlechte Bewertung bekommen. Das meine ich mit komplexen psychologischen Herausforderungen. Und auch die Technologie muss stimmen. Die aktuelle Verkehrssituation muss vom Algorithmus genauso berücksichtigt werden wie die Restreichweite der Batterie des Fahrzeugs. Und da gibt es auch nicht so furchtbar viele Lösungen auf dem Markt. Wir glauben, dass wir mit dem finnischen Team jetzt die Champions an Bord haben.

t3n.de: Wer ist die Zielgruppe von Moia?

Grundsätzlich ist jeder Stadtbewohner Teil unserer Zielgruppe, weil jeder durch ein verändertes Mobilitätsverhalten an Lebensqualität gewinnen kann. Und selbst Menschen, die nicht unseren Service nutzen werden, würden von unserer Arbeit profitieren. Wir haben ganz klar das Ziel, die private Fahrzeugnutzung in der Stadt zu reduzieren. Das ist auch das erklärte Ziel der Städte. Sicher werden manche Leute, die hauptsächlich den ÖPNV nutzen, künftig auch mit Moia fahren. Aber am Ende geht es darum, dass weniger private Autos auf der Straße sind. Die Option, grundsätzlich ohne eigenes Fahrzeug mobil zu sein, gibt es heute für viele Städter schlicht noch nicht. Beispiele wie Carsharing sind punktuelle Lösungen, die allerdings nicht in den nötigen Größenordnungen entlasten. Weil man eben nicht weiß, wie man abends wieder wegkommt vom Büro. Denn vielleicht gibt es an diesem Ort dann kein Carsharing-Auto mehr. Auf einen Bus muss man am späteren Abend mittlerweile oft eine halbe Stunde warten, weil der Fahrplan es so will. Und deswegen nehmen viele auch weiterhin ihr Auto. Ich sehe es auch bei mir selbst: Ich fahre damit zur nächstgelegenen ÖPNV-Haltestelle und von da aus dann zum Bahnhof. Das ist einfach nicht optimal.

t3n.de: Aber du brauchst zur Umsetzung eurer Vision natürlich eine stattliche Shuttle-Flotte, gerade in großen Städten dürfte das eine Herausforderung sein.

Ja, das ist ein sehr komplexes Optimierungsthema. Und natürlich muss der Anspruch sein, dass – deswegen heißt es ja Shuttle-on-Demand – ein per App bestelltes Fahrzeug innerhalb von drei bis fünf Minuten vor Ort ist. Da wird es am Anfang sicher noch hier und da hakeln, aber das muss unser Ziel sein. Und darüber hinaus muss der Fahrgast natürlich eine belastbare Einschätzung kriegen, wann er sein Ziel erreicht. Denn wenn er seinen Zug verpasst, ist er zu Recht sauer.

t3n.de: Hast du schon mal über Entschädigungszahlungen nachgedacht? In Deutschland ist das sicher schnell ein Thema …

Naja, so weit sind wir noch nicht.

t3n.de: Mit wie vielen Shuttles plant ihr?

Zu den Flottengrößen kann ich im Moment noch nichts sagen. In den Städten, in denen wir starten, führen wir zunächst einmal Simulationen durch. Wenn wir wirklich eine spürbare Verbesserung haben wollen, also eine dauerhaft signifikante Reduktion des Privatverkehrs, dann wird es eine erquickliche Zahl an Fahrzeugen sein, die wir brauchen.

t3n.de: Wen hast du denn als Konkurrenten ausgemacht?

Naja, der Markt ist ja extrem in Bewegung gerade.

t3n.de: Schon länger. Volkswagen hat sich mit Moia ziemlich Zeit gelassen.

Ich sage es mal so: Es ist genau die richtige Zeit. Der Mobilitätsmarkt ist erst am Anfang. Jeden Tag gibt es eine neue Meldung, wer neu dazukommt, wer sich mit wem verbündet oder wen kauft. Und natürlich sind die klassischen On-Demand-Fahrdienstleister, die man kennt, unsere Wettbewerber. Aber auch andere Fahrzeughersteller, die sich in die neuen Geschäftsfelder bewegen. Da gibt es aktive und weniger aktive. Fakt ist: Wir wollen in den Städten weltweit einen großen Anteil vom Modalmix abhaben. Und bei den On-Demand-Anbietern mit Instant-Access-Buchungsplattform wollen wir unter den führenden sein.

t3n.de: Aber Moia wird sich auf die Shuttles konzentrieren? Und nicht die Fahrräder der Deutschen Bahn und Flixbus mit in die eigene Plattform integrieren, wie es zum Beispiel Moovel von Daimler macht?

Nein. Wir wollen kein Mobility-Shop werden. Integration multimodaler Angebote mit Bikesharing – das steht bei uns nicht auf der Agenda. Da gibt es sicher andere, die gut aufgestellt sind. Wir werden uns sehr stark auf On-Demand fokussieren. Der Shuttle ist das erste Projekt – und am Ende wird es unterschiedliche Ausprägungen des Services geben, die für verschiedene Einsatzszenarien optimiert sind.

t3n.de: Wann kommt die Beteiligung von Moia an Gett denn endlich nach Deutschland? Und welche Rolle wird es im dir vorschwebenden Mix spielen?

Gett ist quasi der Beginn von Moia gewesen. Wir haben eine enge Partnerschaft mit Gett, in der wir viele Dinge ausprobieren. Auf der einen Seite gibt es bei uns quasi die „Ride Hailing“-Säule, wo wir mit Gett und auch anderen Partnern Erfahrungen sammeln, unseren Footprint global ausbauen und auch das Thema autonomes Fahren voranbringen wollen. Die zweite Säule ist unser Moia-Shuttle, das wir zu 100 Prozent selbst entwickeln und betreiben. Nicht nur die App muss super sein, sondern auch das Fahrerlebnis. Und auch das Fahrzeug, das es in dieser Form unserer Meinung nach heute noch nicht gibt, muss toll sein.

t3n.de: Du willst in den kommenden Jahren ja schon einige Milliarden an Umsatz erwirtschaften. Aber einen für die Öffentlichkeit sichtbaren Prototypen gibt es noch immer nicht.

Die Zielrichtung hast du treffend beschrieben. Zudem haben wir schon eine Beta-Version unseres Systems.

t3n.de: Ich habe eigentlich das Auto gemeint. Da hieß es, zunächst sollen Verbrennungsmotoren genutzt werden, erst später elektrischer Antrieb …

Unsere Services werden im Ziel alle batterieelektrisch sein.

t3n.de: Von Anfang an?

Wir werden gegebenenfalls mit konventionellen Fahrzeugen starten, um möglichst schnell unser System auszuprobieren. Ein Vehikel, das rein batterieelektrisch die Anforderungen der Betriebszeiten erfüllt, gibt es ja heute, wie gesagt, noch nicht. Es wird aber nicht mehr so lange dauern, bis das E-Shuttle von Moia in Betrieb geht.

t3n.de: Wie viele Leute werden da reinpassen?

Wir denken in einer Größenordnung von bis zu acht Personen, also größer als ein PKW auf jeden Fall.

t3n.de: Also ein Shuttle mit VW-Bus-Flair …

Zu diesem Thema können wir aktuell noch nicht allzu viel sagen. Wir entwickeln das Fahrzeug quasi zusammen mit unserer Community, also unseren potenziellen Kunden. Im Rahmen eines Co-Creation-Prozesses präsentieren wir ihnen Zwischenstände und fragen nach Optimierungswünschen. Wir kriegen so Feedback, das uns sehr hilft, weil es uns auch auf Punkte aufmerksam macht, denen wir zuvor keine Beachtung geschenkt haben. Aber auf konkrete Features einzugehen, wäre an dieser Stelle strategisch unklug.

t3n.de: Hier in Berlin gibt es ja viele Startups, auch in deiner Branche. Wer sollte sich bei Moia bewerben?

Wir haben in den letzten Jahren schon selbst ein ganz gutes weltweites Netzwerk aufgebaut. Ich selbst war am MIT, im Valley, in Israel, aber auch in einigen anderen Regionen. Die Leute, die wir aktuell einstellen, sind fast ausschließlich Leute, die aus Firmen kommen, die sich mit unserem Themenkomplex schon beschäftigt haben. Wir wollten Personen, die uns helfen, sehr schnell nach vorne zu kommen, die ihre Insights und natürlich auch ihre Netzwerke mitbringen. Es ist nicht so, dass wir dafür viel in Startup-Communities unterwegs sind.

t3n.de: Ich habe von einem „Mobilitätsbudget“ gehört, das deine Mitarbeiter statt eines Dienstwagens bekommen. Stimmt das?

Ja, wir haben hier unser eigenes Vergütungsmodell. Und ein Teil davon ist, dass es bei uns keine Dienstwagen gibt. Weil wir sagen, das wäre falsch, wenn wir die private Fahrzeugnutzung runterkriegen wollen und unsere Leute haben trotzdem einen Dienstwagen. Das Mobilitätsbudget kann frei verwendet werden. Das halte ich für sehr sinnvoll, weil unsere Leute eben in Berlin, Hamburg und anderen Städten leben. Und zweitens „erfahren“ sie im wahrsten Sinne des Wortes die verschiedenen Services. Sie können sich also ganz genau anschauen, wie bei der Konkurrenz die App funktioniert oder was die Fahrer über die angewendeten Bezahlsysteme sagen. Dadurch kommt man natürlich auf neue Ideen. Das Mobilitätsbudget ist schon ein elementarer Baustein unserer Vergütungsphilosophie.

t3n.de: Ihr habt verschiedene Data-Labs im Konzern, zudem die beiden Moia-Standorte in Hamburg und hier in Berlin. Wie ist Moia in das System Volkswagen eingebunden?

Wir sind eine eigene Firma, und die Leistungserstellung erfolgt hier. Das Fahrzeugprojekt dagegen planen wir gemeinsam mit den Kollegen aus dem Konzern. Selbst haben wir in Hamburg und Berlin unser Entwicklungs- und unser Product-Design-Team, hier in der Hauptstadt außerdem unser Flotten-Team, und wir haben unser neues Team in Finnland. Heute hatten wir wieder unser Townhall-Meeting, bei dem die Standorte mit Hangouts zugeschaltet waren.

t3n.de: Was machen die Kollegen denn heute?

Eine Truppe kümmert sich um die Integration unseres neuen Finnland-Teams, also zum Beispiel um Arbeitsverträge. Die nächsten sind gerade dabei, zwei Projekte mit Gett umzusetzen. Unser Vehikel-Team kümmert sich darum, unseren Shuttle in time auf die Straße zu bringen. Und unsere Designer und Entwickler bauen an der App und am System. In den kommenden Tagen laden wir 40 Leute, die wir nicht kennen, zum Consumer Testing ein, die in verschiedenen Anwendungsfällen das Fahrzeug durchlaufen sollen. Die Ergebnisse werden dann wieder in die Entwicklung gegeben.

t3n.de: Vielen Dank für das Gespräch, Ole.

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Ein Kommentar
Ndreas
Ndreas

Als ich diesen Artikel las, musste ich sooooo lachen. Was für toller Kabarettist war mein erster Gedanke! Aber Stop, der Typ meint das erst!
Er verballert also total relaxt die Kohle, die tausende VW – Mitarbeiter erwirtschaften – tolles Konzept.

Toll Toll Toll

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