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Linux: Warum gibt es eigentlich über 600 Distributionen?

Heute gibt es Linux seit 30 Jahren, in über 600 verschiedene Distributionen. Aber wie ist das Betriebsystem überhaupt entstanden? Und warum gibt es so viele Varianten davon?

7 Min.
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Das Logo für Linux ist ein Pinguin. (Foto: Ondrej Prosicky / Shutterstock)

Am 25. August 1991 gab ein 21-jähriger Student in Helsinki bekannt, dass er ein freies Betriebssystem entwickle. Es sei nur ein Hobby-Projekt, würde keine große Sache werden. Einige Jahre später entwickelte sich dieses Hobbyprojekt zu einem der wichtigsten Projekte in der Geschichte der Computertechnik.

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Die meisten Betriebssysteme wurden entwickelt, um damit Geld zu verdienen. Linux hingegen basierte von Beginn an auf dem Prinzip, dass Software frei und offen sein sollte. Jede:r sollte sie nach eigenem Gusto nutzen und abwandeln können. Stand heute gibt es mehrere Hundert Linux-Distributionen, viele davon werden weiterhin aktiv entwickelt. Die kurze Antwort auf die Frage, warum es so viele Linux-Distributionen gibt, lautet wohl „Geschmäcker und Bedürfnisse sind verschieden“. Es gibt unterschiedliche Linux-Distros für unterschiedliche Einsatzzwecke und Anforderungen, wie es unterschiedliche Autos für Familien, Singles, für den Campingurlaub oder für den Transport sperriger Gegenstände gibt.

Ein Betriebssystem braucht einen Kernel

Die lange Antwort ist eine Geschichte von Unixkriegen und freier Software. Im Jahr 1969 entwickelten Ken Thompson und Dennis Ritchie das Unix-Betriebssystem. Es gelangte schnell zu großer Beliebtheit, sowohl an Unis als auch in Unternehmen. Es gab nur ein Problem: Der Code gehörte AT&T. Acht Jahre später, im Jahr 1977, entwickelten Mitarbeiter:innen der UC Berkeley ihre eigene Berkeley-Software-Distribution basierend auf Unix. AT&T verklagte sie und schränkte die Unix-Entwicklung ein. In die Geschichte ein ging diese Zeit als die Zeit der Unix-Kriege. Wieder einige Jahre später, im Jahr 1983, rief Richard Stallmann das GNU-Project ins Leben. Es sollte ein freier, quelloffener Ersatz für das Unix-Betriebssystem sein. Ein Mammutprojekt wie Unix nachzubauen, erwies sich jedoch als keine einfache Aufgabe. Schließlich besteht Unix selbst aus Hunderten einzelnen Anwendungen. Über die folgenden Jahre entstanden im Rahmen des Projekts eine Reihe von Applikationen, die heute oft in einem Atemzug mit Linux genannt werden, wie zum Beispiel Bash oder Emacs. Allerdings fehlte dem Projekt eine entscheidende Komponente: der OS-Kernel. Ein vollständiges Betriebssystem braucht einen Kernel – die Komponente zwischen Hard- und Software, die für das Management von CPU- und Speicherressourcen zuständig ist, sodass Software ausgeführt werden kann.

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Zufällig arbeitete Linus Torvalds genau zu dieser Zeit an seinem Hobbyprojekt. Ursprünglich sollte Linux übrigens Free Acts heißen. Aber der Name gefiel dem Admin des FTP-Servers nicht und er änderte ihn ab – offenbar ohne Torvalds um Erlaubnis zu fragen. Der Name blieb – bis heute. Anfangs wurde Linux unter einer proprietären Lizenz veröffentlicht, mit eingeschränkten Möglichkeiten zur kommerziellen Nutzung. Ende 1992 gab es eine Lizenzänderung. Von jetzt an stand Linux unter der GNU General Public License. Im darauffolgenden Jahr nahmen sich Hunderte Entwickler:innen dem Linux-Projekt an und begannen, es für die GNU-Umgebung zu adaptieren. Das Schöne am Linux-Kernel ist, dass er eine Möglichkeit bot, benutzerdefinierte Betriebssysteme zu bauen, die sich anfühlten wie Unix, nur ohne die drohende Urheberrechtsklage im Nacken. So entstanden noch in der ersten Hälfte der Neunzigerjahre die ersten Linux-Distributionen, darunter Softlanding oder später Slackware.

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Was ist eigentlich eine Linux-Distribution?

Alle Linux-Distributionen basieren auf dem Linux-Kernel. Es sind komplette Betriebssysteme inklusive einer Reihe von Software-Paketen und -Bibliotheken sowie eines Paketmanagers, um weitere Software zu installieren. Viele Distros verfügen über dasselbe Standard-UI. Beliebte UI-Optionen sind Gnome, KDE Plasma, Mate oder Cinnamon. Heute gibt es über 600 verschiedene Linux-Distributionen, die alle für unterschiedliche Zwecke angepasst wurden. Manche sind für Enterprise-User:innen vorgesehen, andere eher für Privatanwender:innen. Einige Distros laufen nur serverseitig, andere sind für Desktop, Mobile oder für eingebettete Systeme konzipiert. Hinter den meisten Distros steht eine Entwickler- und Anwender-Community mit jeweils eigener Philosopie. Viele der ältesten Distros werden nicht länger maintained und finden heute lediglich noch als historische Artefakte Beachtung. Eine Ausnahme ist Slackware. Die Distro erhielt erst 2016 ein Update und hat eine ganze Reihe verschiedener Variationen hervorgebracht.

Debian ist eine der wichtigsten Linux-Distros

Eine der wichtigsten Linux-Distributionen ist Debian. Debian entstand 1993. Entwickelt wurde sie von Ian Murdock. Funfact: Der Name der Distribution setzt sich aus seinem und dem Vornamen seiner Exfrau zusammen. Der erste offizielle Release, Debian Buzz 1.1, erschien 1996. Bis heute sind alle Debian-Versionen nach einer Figur aus Toy Story benannt. Einige Jahre später entstand im Rahmen der Debian-Entwicklung ein Tool namens APT. APT steht für Advanced Package Tool. Das Paketverwaltungssystem nutzt dpkg zur Verwaltung von Softwarepaketen und besteht aus einer Programmbibliothek sowie mehreren Kommandozeilenprogrammen, wie etwa apt-get und apt-cache, die diese Programmbibliothek nutzen.

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Debian ist bis heute eine der beliebtesten Linux-Distributionen und die Community ist riesig. Die Distro gilt als minimalistisch und stabil, sodass es nicht allzu verwunderlich ist, dass eine ganze Reihe weiterer Distributionen darauf aufsetzt, darunter so spezialisierte Versionen wie Raspberry PI OS oder Steam OS. Der bei weitestem beliebteste Debian-Abkömmling ist allerdings Ubuntu. Ubuntu wurde 2004 erstmals veröffentlicht, dahinter steht die britische Firma Canonical. Alle sechs Monate gibt es eine neue Version. Neben dem halbjährlichen Release-Zyklus folgt Ubuntu einem zweijährigen LTS-Release-Zyklus, das heißt, alle zwei Jahre gibt es einen Release mit Langzeit-Support. Jede Version ist nach einem Tier in Kombination mit einem Wort, das mit dem selben Buchstaben beginnt, benannt. So hieß die letzte LTS-Version beispielsweise Focal Fossa. Ubuntu gilt als sehr einsteigerfreundlich und spielte eine bedeutende Rolle bei Linux‘ Etablierung als OS für den Heimgebrauch.

In den vergangenen Jahren wurden die Distro sowie das Unternehmen dahinter allerdings immer wieder von Foss-Verfechter:innen – allen voran Richard Stallmann – kritisiert. Zum einen für den Release proprietärer Software, zum anderen für die Weitergabe von Nutzerdaten an Drittunternehmen.

Trotz dieser Kritik erfreut sich Ubuntu auch heute noch großer Beliebtheit. Von Ubuntu gibt es eine ganze Reihe von Abwandlungen, die stark an das Original angelehnt sind, wie zum Beispiel Xubuntu, Kubuntu oder Lubuntu. Kubuntu etwa ist so konzipiert, dass es Umsteiger:innen von Windows auf Linux den Wechsel besonders einfach machen soll. Andere nennenswerte Abkömmlinge von Ubuntu sind beispielsweise Linux Mint, Peppermint oder Pop OS.

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Red Hat: Eine Linux-Distro als Basis für ein Erfolgsunternehmen

Neben Debian gibt noch eine andere Linux-Distro mit ähnlich vielen Abwandlungen: Red Hat. Red Hat wurde 1994 erstmals in Version 1.0 veröffentlicht. Damit ist die Distro nicht ganz so alt wie beispielsweise Slackware, jedoch älter als die meisten anderen Linux-Distributionen. Der Entwickler hinter dem Betriebssystem, Mark Ewing, führte mit dem gleichnamigen Unternehmen Red Hat zusammen mit seinem Businesspartner Bob Young ein Geschäftsmodell ein, das darauf basiert, mit der Linux-Distro ein Open-Source-OS zu entwickeln und zu unterhalten und Geld durch das Angebot von Beratungen zur Integration sowie zusätzlicher Dienstleistungen einzunehmen. Heute erwirtschaftet Red Hat mehrere Milliarden Dollar Umsatz. 2019 wurde Red Hat für einen Betrag in elfstelliger Höhe vom Softwareriesen IBM übernommen.

Funfact: Ewing machte 1992 seinen Abschluss an der Carnegie Mellon University. Während seiner Zeit an der CMU war er dafür bekannt, auf dem Weg zwischen den Vorlesungen eine rote Cornell-Lacrosse-Cap zu tragen. Er war für seine Computerkenntnisse bekannt, wer Hilfe brauchte, wurde an den Typen mit der roten Mütze verwiesen. Ewing und sein Mitbegründer Bob Young benannten ihre erste Software nach der Kopfbedeckung, und der Name Red Hat blieb bestehen.

Auch von Red Hat gibt es eine Reihe von Abwandlungen. Die meisten davon sind für Enterprise-Nutzer:innen konzipiert. Beliebte Versionen sind zum Beispiel Cent OS oder Fedora, das sich auch gut für die private Nutzung eignen soll. Der wohl prominenteste Anhänger Fedoras innerhalb der Linux-Community ist übrigens offenbar Torvalds selbst.

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Gentoo 🐧  bringt einen schnelleren Compiler

Vielen älteren Linux-Distributionen gemein ist, dass sie eine Menge Features mitbringen, die der durchschnittliche Computerbenutzer eigentlich nicht braucht. Die Belegung wertvollen Speicherplatzes durch solche nicht benötigten Features sowie die dadurch entstehende zusätzliche Komplexität waren lange Zeit zwei Argumente, die für viele Anwender:innen gegen einen Wechsel zu Linux sprachen – bis Anfang der Nullerjahre Linux-Distributionen aufkamen, die sich auf Leistung, Minimalismus und Einfachheit fokussierten. Eine davon war das im Jahr 2000 veröffentlichte Gentoo. Daniel Robbins, der Entwickler hinter Gentoo, hatte bereits Mitte der Neunzigerjahre mit der Entwicklung seiner Linux-Distribution begonnen, damals noch unter dem Projektnamen Enoch Linux. Er hatte es sich zum Ziel gesetzt, eine minimalistische Distribution ohne Binärdateien zu entwickeln. Über Optimierungen am Compiler erreichte er eine signifikante Geschwindigkeitssteigerung gegenüber anderer Distros, was zu einer Namensänderung führte: Enoch Linux wurde in Gentoo umbenannt, nach der schnellsten Pinguinart.

Seine Anpassungen am Compiler wurden mit der Zeit in allen Linux-Distributionen übernommen. Eine andere ist das 2002 erstmalig erschienene Arch Linux. Arch verfügt über einen eigenen Paketmanager namens Pacman. Der Release-Zyklus folgt einem sogenannten Rolling Release Model, das heißt, alle sechs Monate werden kleinere Updates veröffentlicht, die kontinuierlich im Betriebssystem aktualisiert werden können. Arch ist außerdem die Basis für Manjaro, eine der populärsten Linux-Distributionen heutzutage. Unabhängige Linux-basierte Betriebssysteme mit noch größerer Verbreitung wie die bis hierhin näher beleuchteten sind etwa Android oder Amazons Alpine Fire OS. Für alle stellt der Linux-Kernel auch heute noch das Herzstück, das Entwickler:innen aufgrund des zugrundeliegenden Foss-Prinzips frei verwenden und abwandeln können.

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Kommentare (5)

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Doppelpunkt

Interessantes Thema, aber die zahlreichen Doppelpunkte stören enorm, weshalb ich nicht zuende gelesen habe. Schade.

Hoffentlich findet ihr zurück zur fehlerfreien Rechtschreibung.

Reiner W

Zubuntu oder eher Xubuntu?
Da wurde es der Autorin des Artikel bei der Aufzählung der ganzen Ubuntu-Flavours wohl zu buntu? :P

Leser:in

„Hinter den meisten Distros steht eine Entwickler- und Anwender-Community mit jeweils eigener Philosopie.“

Genderei vergessen? Diese Doppelpunkte nerven gewaltig beim Lesen.

silindula

Hmm. Fehlt da nicht was? SuSe?

Kantenhuber

Selbst wenn es „nur“ 20 wären, wären es min. 19 zu viel, wenn mal von den vielen Spezialanwendungen für Boxen aller Art absieht. Wie es gehen kann, ein gut zu pflegendes System zu machen, sieht man an MacOS.

Anstatt in die Entwicklung eines gut gepflegten OS mit einem für alle zugänglichen Repositorium alle Energie zu stecken, bröseln endlose Trupps von Entwicklern an mehr oder minder unwesentlichen Forks herum, die alle letztendlich ein und das gleiche Problem haben: zu kompliziert und zu stark mit Codermarotten verseucht. Von Ergonomie braucht man da erst gar nicht anfangen.

Allein schon durch diese idiotische Fragmentierung der Entwicklung braucht sich MS absolut keine Sorgen machen, dass ihr System je ernsthafte Konkurrenz bekommt.

Mit zwei Ausnahmen: Android und seit neuestem Harmony OS, wobei letzteres erst die Reise antritt.
Wie das gehen kann, ohne diese meist sinnlosen Kompliziertheiten der „Experten OS“ hat iOS bzw. iPadOS vorgemacht.

Mit Android wurde klar, wie einfach ein OS für Anwender sein kann und gleichzeitig Anwendungen ohne nervende Latenzzeiten mit minimalen Ressourcen betrieben werden können. Für alle, die auf übliche Softwarebausteine angewiesen sind, reicht so ein OS vollkommen aus und das dürften wohl am Ende so ziemlich 95% der Anwender sein, egal ob privat oder beruflich.

Gleichzeitig reduziert das damit begangene Technotop die damit verbundene Energiehungrigkeit der üblichen PCs, die ohnehin die meiste Zeit im Idlemodus vor sich hin dämmern und nur sinnlos Strom verbrauchen. Bisher ist dieses Thema noch nicht so richtig im Fokus, aber das wird mit Macht kommen. das ist erkennbar.

Wenn jemals Linux einen anderen Status erreichen will als den, den es derzeit erreicht hat, muss sich die Gesamtarchitektur des System ändern in Richtung Einfachheit in der Administration und Anwenderfreundlichkeit. Da ist noch ein weiter Weg zu gehen.

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