Analyse

Mehr als nur Bitcoin-Handelsplatz: Das kann die BSDEX der Börse Stuttgart

BSDEX will nicht nur Handel mit Bitcoin abbilden. (Foto: Shutterstock)

Nach der Bison-App folgt jetzt BSDEX als Plattform für den Kryptohandel. Im „Geld und Finanzen“-Schwerpunkt schauen wir, was der Handelsplatz der Börse Stuttgart kann.

Der Handel von Kryptowährungen ist für viele Kunden eine Vertrauensfrage. Auch wenn die Bafin und andere länderspezifische Finanzregulierungen inzwischen (durchaus mit Recht) strengere Regeln verabschiedet haben, mit denen sie die Grundlagen des Handels und der Aufbewahrung von Bitcoin, Ether und Co. sicherstellen wollen, bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Gleichzeitig ist eine Instanz wie die Börse Stuttgart, die umfassenden Regulierungen unterliegt, eine gute Anlaufstelle, um diese Finanzvehikel auch ohne größere Vorkenntnisse in der Krypto-Welt sicher zu handeln und zu verwahren – sowohl aus Sicht von privaten und institutionellen Anlegern als auch seitens der Banken und Sparkassen.

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„Insbesondere in den nächsten ein, zwei Jahren dürften die Chancen für Banken und Börsen gut sein, im Bereich der Kryptowährungen Fuß zu fassen, weil sie aufgrund vorhandener Regulierung, die sie erfüllen, bereits einen Vorsprung gegenüber Startups haben, die all diese Regulatorik und Compliance noch nicht vorweisen können“, ist sich Peter Großkopf sicher. Er ist einer der beiden Geschäftsführer der technischen Betreibergesellschaft von „Börse Stuttgart Digital Exchange“ (kurz BSDEX). Er war einer der Gründer und CTO der Solarisbank, die als bekannter Dienstleister die Services zahlreicher bekannter Neobanken und Fintechs betreibt. Großkopf sieht gerade aktuell bei zahlreichen Banken eine Bereitschaft, das Krypto-Thema mit Projekten anzugehen, während hier in der Vergangenheit eher ein Sondieren und Abwägen zu sehen gewesen sei.

Schwäbische Traditionsbörse trifft auf Digitalisierung

Die Börse Stuttgart hat in den letzten Jahren in Sachen Digitalisierung einiges Know-how rund um die Digitalwährungen aufgebaut und erfüllt aufgrund ihrer über 150-jährigen Erfahrung natürlich auch die entsprechenden Rahmenbedingungen eines Handelsplatzes. Gegenüber Coinbase und anderen Startups verfüge man über einen rechtlichen Hintergrund, den viele Startups nicht oder erst in Zukunft nachweisen können. Man wolle, erklärt Großkopf, die gesamte Wertschöpfungkette digitalisieren und abbilden: Dazu gehört der Primärmarkt, also die Emission von Assets, aber auch der Sekundärmarkt in Form des Handelsplatzes (also die BSDEX), außerdem die Verwahrung (in Form von Blocknox) sowie die Trading-App Bison, die quasi als einfacher, niederschwelliger Zugang auch für weniger technikaffine Investoren und Anleger geeignet ist, die mit Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Ripple handeln wollen.

Der Schwerpunkt der BSDEX liegt dabei auf dem Sekundärmarkt und Trading. Das Konstrukt dahinter, so erklärt Großkopf, ist nicht ganz trivial: Die BSDEX selbst ist ein Handelsplatz, reguliert nach §2 Abs. 12 des Kreditwesengesetzes. Deren technischer Betreiber ist die Boerse Stuttgart Digital Exchange, ein Gemeinschaftsunternehmen der Börse Stuttgart, Axel Springer und Finanzen.net. Die BSDEX wird als multilaterales Handelssystem von der Baden-Württembergischen Wertpapierbörse betrieben, die auch Trägergesellschaft der öffentlich-rechtlichen Börse in Stuttgart ist.

Ein Tausdendstel Picasso handeln

Man wolle, so erklärt Großkopf, europaweiter Marktführer für digitale Assets werden – und dazu zählt er Bitcoin und andere digitale Währungen wie Ether und Ripple, die demnächst zum Handel hinzukommen sollen. Neben der Kryptowährungsschiene wolle man auch aber auch Security Token, also tokenisierte Wertpapiere und weitere neue Assetklassen anbieten, wenn sie weiter an Relevanz gewinnen. Die Token sind dabei eine Hülle für die unterschiedlichsten Geldanlageformen von Genussrechten bis hin zu Gesellschaftsverträgen. Selbst Kunstwerke oder Immobilien lassen sich als Gegenwert und Teil eines solchen Geschäfts bzw. Tokens definieren. „Wir fassen das absichtlich so offen und wollen dem Kunden die Möglichkeit bieten, all das über uns zu handeln.“ Ein klares Zukunftsthema, bei dem das Unternehmen noch viel Potenzial sieht: Ein Tausendstel Picasso oder ein Hundertstel einer Immobilie – das könnte mittelfristig ein mögliches Handelsgut oder Investment sein.

So lange es keine eigene Kryptoregulatorik gibt, werden tokenisierte Wertpapiere analog zu klassischen Wertpapieren behandelt und gehandelt. Davon abgesehen wird die Blockchain es im klassischen Wertpapierhandel schwer haben, effizientere – will sagen, preiswertere – Handelskonstrukte  hinzubekommen als der traditionelle Handel. Somit eignet sich die Blockchain eher für Werte, die ansonsten so wenig effizient zu handeln sind wie Immobilien oder Kunstgegenstände.

BSDEX: Mehr als Handel mit Bitcoin, Ether und Co.

In der Tat wäre es in der Vergangenheit schwierig für die Börse Stuttgart und namentlich für BSDEX gewesen, gegen die Platzhirsche von Coinbase bis Kraken anzukommen und im Bereich der technikaffinen Kryptoszene Privatanleger zu begeistern. Doch aufgrund der neuen Gesetzgebung agieren Unternehmen wie Coinbase oder Kraken in einer Grauzone und dürfen ohne Bafin-Lizenz den deutschen Markt nicht aktiv bewerben oder gezielt Kooperationen mit Banken eingehen.

Hier kann dagegen BSDEX seine Trümpfe ausspielen. Denn insbesondere klassische Nicht-Techniker-Anleger sowie institutionelle Investoren werden auf die Verlässlichkeit eines etablierten Börsenbetreibers setzen. Für diese Zielgruppen dürfte es aufseiten BSDEX ein echter Türöffner sein, die Börse Stuttgart im Rücken zu haben. Hinzu kommt, dass der Endkunde dabei ja, wie bei sonstigen Wertpapieren auch, über seine Hausbank oder Direktbank handeln würde und somit diese den Kundenservice abdeckt. Banken und Broker würden sich dabei über eine API connecten.

Die Technologie hinter der Idee sollte dabei nicht als Selbstzweck verstanden werden, sondern überall dort zum Einsatz kommen, wo mehr Effizienz oder neue Features zur Verfügung stehen. Insofern könnte eben eine Digitalbörse die Liquidität von Handelsgütern erhöhen, die bisher in dieser Form kaum handelbar sind. Scheint so, dass hier die schwäbisch-konservative Stuttgarter Börse den Mitbewerbern in einigen Punkten voraus ist. Denn auch wenn die BSDEX in Hinblick auf den Handel mit Kryptowährungen, die ja regulierungsseitig zumindest in Deutschland eher als Commodities betrachtet werden und somit nicht ganz so streng reglementiert sind, eher spät auf den Markt kommt, ist sie mit Blick auf die anderen security-token-basierten Finanzvehikeln ziemlich weit vorne.

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