Ratgeber

Mentoring: Wie du Mitarbeiter zu Höchstleistungen bringen kannst

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Er verlangt unsere Termine immer weiter. Ich bin in eine Beraterrolle gerutscht. Ich höre zu. Antworte selten selbst. Ich stelle stattdessen dumme Fragen, die ihm aber helfen, seine Gedanken zu klären. Ich bin seine Quietsche-Ente geworden und helfe ihm sein Leben zu debuggen.

Es ist jetzt Weihnachten. Schluss mit Bierchen im Freien. Wir treffen uns in der Kantine und mampfen Lebkuchen. Abends programmiert er auch für sich. Die Themen, die er nachts alleine in seinem Zimmer entdeckt, füllen unsere Sessions. Er erzählt mir wieder mit voller Begeisterung, was er alles entdeckt hat. Ich helfe ihm, noch weiter und tiefer zu bohren. Monate lang bewerfe ich ihn mit Ressourcen über diese Themen. Monate lang helfe ich ihm zu sehen, wohin die weitere Reise gehen könnte. Er macht mit und bohrt weiter. Zeit für eine Challenge. Er lässt sich motivieren, einen Tagesworkshop über dieses Thema zu organisieren. Die nächsten Monate werden wir an dessen Aufbau zusammenarbeiten. Die Struktur festlegen. Den Inhalt logisch gestalten. Fallbacks vorsehen und so weiter.

Ich tauche ein in meinen eigenen Vortragsvorbereitungsprozess, untersuche alle diese Schritte, die ich nie verbalisiert habe und erfahre so viel über mich selbst. Er macht die ganze Arbeit und ich beruhige ihn, er kann das. Er baut es zusammen und ich animiere ihn, in die eine oder andere Richtung zu gehen; er kann es wirklich. Ich gebe ihm Tipps und Tricks und zeige ihm, dass er schon längst genug Inhalt vorbereitet hat. Er ist bereit. Er weiß es aber nicht. Der Tag kommt. Sein Workshop ist ein voller Erfolg. Er ist erschöpft, aber stolz wie Oscar. Ich war der Challenger. Ich habe ihn aus seiner Komfortzone geholt. Ich war der Berater, der dann bis zum Ende an seiner Seite geblieben ist. Ich war auch sein Cheerleader, um ihm Kraft zu geben und den Erfolg mitzufeiern!

Frühling ist es jetzt. Ich habe ein zweites Kind bekommen, Elternzeit gehabt und das Projekt gewechselt. Wir können nicht mehr zwischen Tür und Angel plaudern. Wir treffen uns aber irgendwie weiter. Der Sommer ist wieder da und unsere Abende, nachdem die Kinder im Bett liegen, sind lang. Die Themen, die er auf den Tisch legt, werden komplexer, treffen aber auch meine Expertise besser. Es geht um Soft Skills, um Führung im Team, um Reibungen und Konflikte. Der Lehrling ist zum Padawan geworden. Da entfaltet sich mein Mentoring. Ich bin manchmal wieder Lehrer, manchmal Berater. Ich drücke ihn manchmal in Ecken und fordere ihn mit Fragen heraus, die ich nie beantworten werde. Ich werde auch zum „Networker“ und verbinde ihn mit anderen Leuten zum richtigen Zeitpunkt.

Werkzeugkasten für intensive Gespräche

In diesen zwei Jahren habe ich meinem Mentoring-Werkzeugkasten neue Werkzeuge hinzugefügt. Und ich habe angefangen zu lernen, wie sie einzusetzen sind:
Da ist zuerst der „Lehrer-Hammer“. Der ist am einfachsten zu verwenden, aber nicht unbedingt immer geeignet. Damit kann ich einfach beantworten, beraten. Ich stülpe damit aber meine Antworten meinem Mentee über, was nicht immer ideal ist.

Dann kommt die „Zuhörer-Zange“. Damit kann ich jeder Frage erfolgreich mit einer anderen Frage ausweichen. Ich versuche, keine Antworten zu geben, sondern das „Warum“ zu jagen und meinem Mentee selbst zu den Antworten zu führen. Das Schwierigste ist manchmal, diese Zange nicht rauszuziehen und zu akzeptieren, dass ein, zwei, oder sogar drei Termine vorbeigehen, ohne dass er manche Antworten findet.

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