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Netzkultur: 1 Meme sagt mehr als 1.000 Worte

(Grafik: Shutterstock)

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Die Upload-Filter der Urheberrechtsreform drohen die Memekultur abzuwürgen. Doch wie kommt es eigentlich, dass Memes aus dem Internet nicht mehr wegzudenken sind, und welche Bedeutung haben sie für die Gesellschaft?

Anfang des Jahres richteten Reddit-User Milliardenschäden bei Hedgefonds an. Sie trieben durch Kaufabsprachen den Aktienkurs des kriselnden Spielehändlers Gamestop in die Höhe, was die Fonds, die mit Leerverkäufen auf fallende Kurse gesetzt hatten, zwang, sie zu weit überhöhten Preisen zu kaufen. Das Wort vom „Meme-Stock“ machte die Runde, dem Anlagenkauf als Internet-Phänomen und Kommunikationsmuster. Viele Menschen mussten erkennen, dass Memes mehr sind als lustige Bildchen im Internet. Sie haben massive Auswirkungen auf die Gesellschaft und sind ein zentrales Medium geworden, über das gesellschaftliche Prozesse verhandelt werden.

Wenn man virale Bilder und andere Internet-Phänomene als Memes bezeichnet, finden sich eigentlich immer Schlaumeier, die einem erklären wollen, dass Memes viel mehr seien. Vordergründig stimmt das: Geprägt wurde das Wort „Meme“ vom Evolutionsbiologen Richard Dawkins, der in seinem Buch „The selfish Gene“ 1976 eine Analogie zwischen biologischen und gesellschaftlichen Prozessen zog.

So wie nach einer Interpretation der Evolutionstheorie die Gene biologische Organismen nur benutzen, um sich zu verbreiten, sollen „Memes“ Ideen und Informationshäppchen aller Art sein, die zwischenmenschliche Kommunikation benutzen, ebenfalls um sich zu verbreiten. Und das schon immer und nicht erst im Internet.

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Der Philosoraptor ist nur eines von mehreren „Wise Animals“, die sich mit Sprüchen versehen lassen.

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Um es kurz zu machen: Die Theorie hat keinen Bestand und wurde von Dawkins selbst nicht ernst genommen. Die Memetik wurde nie wirklich etabliert und von kaum einem ernst zu nehmenden Wissenschaftler vertreten. Die Biologie lässt sich eben nicht einfach auf Sozialwissenschaften übertragen, weder bei den Memes, noch beim Sozialdarwinismus oder der sozialen Konstruktion von Geschlecht.

Trotzdem wurde der Begriff „Meme“ wieder aus der Mottenkiste geholt, als sich um das Jahr 2000 herum die ersten seltsamen und lustigen Inhalte viral im Internet verbreiteten. Viral gingen damals vor allem Videos wie ein tanzendes Baby, der „Techno Viking“, der in Berlin auf der Fuckparade tanzend für Ordnung sorgte, oder ein Typ, der leidenschaftlich Numa Numa singt. Eigentlich sind das aber keine Memes, sondern eben nur ulkige Videos, die sich viral im Netz verbreiteten.

Zu Memes werden sie erst, wenn andere Menschen den Inhalt aufnehmen, sich immer neue Varianten davon ausdenken und diese ihrerseits ins Netz stellen, sodass das Meme mutieren kann wie das Gen im biologischen Vorbild. Darüber hinaus ist man sich nicht ganz einig, was ein Meme eigentlich ausmacht. Manche finden, Memes müssten bestimmten Regeln folgen, etwa aus einem Bild und einen ironischen Text in der Schriftart „Impact“ bestehen.

Meme-Genres folgen ihren eigenen Regeln

Allerdings gibt es eine Reihe von Meme-Genres, die jeweils eigenen Regeln folgen. Berühmtes Beispiel sind die vielen „Hitler finds out…“-Videos, die einen Ausschnitt aus dem Film „Der Untergang“ zeigen und Hitlers Tobsuchtsanfall auf witzige Weise mit immer neuen englischen Untertiteln versehen.

Andere Memes, die nichts mit Meme-Bildern zu tun haben, sind die Challenges, die auf Videoplattformen wie Youtube, Vine und Tiktok stattfinden und bei denen es darum geht, irgendein Kunststück nachzumachen und weiterzuentwickeln. Gerade Tänze bieten sich als Meme an, da sie schon vor dem Internet dazu tendierten, sich auf den Tanzflächen viral zu verbreiten. Ging zu früheren Zeit der Ententanz oder der Macarena rum, sind es heute der Harlem Shake oder The Floss, die massenhaft auf den verschiedenen Videoplattformen nachgetanzt werden.

Manche Menschen sind hingegen der Meinung, Memes sind erst dann Memes, wenn sie sich ähnlich wie Emojis benutzten lassen, um Gefühle und Gedenken zum Ausdruck zu bringen, die sich anders schwer in Worte fassen lassen. Sie dienen dazu, in sozialen Medien auf Messages und Postings anderer Menschen zu reagieren. Bekanntestes Beispiel ist vielleicht die Eule, die gut gelaunt „O rly?“ sagt. Sie kann in Foren und sozialen Medien als Antwort gepostet werden, wenn man sich darüber lustig machen will, dass jemand etwas Offensichtliches erklärt. Mit einem passenden Meme antworten zu können, ist eine Art Internet-Schlagfertigkeit. Doch weil es auch viele Memes gibt, auf die das nicht zutrifft, ist vielleicht die beste Definition: Memes sind wie Pornographie – schwer zu definieren, aber man erkennt sie, wenn man sie sieht.

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Ein Kommentar
Lena
Lena

Naja, mit Memes ist es, wie mit vielen Dingen in der Gesellschaft: Die Ältere Generation kann damit häufig nichts anfangen und da Politik hauptsächlich von alten Menschen gemacht wird (selbst die jüngste Partei ist im Schnitt 48 Jahre alt) werden Verbote dieser Dinge gefördert oder mindestens in Kauf genommen.

Nicht umsonst ist ein beliebtes Meme von unserer Kanzlerin „Das Internet ist für uns alle Neuland“.
Viele der führenden Politiker haben dieses Neuland vermutlich nie wirklich betreten, zumindest nicht über Twitter, google und den gewählten EMail-Anbieter hinaus.

Antworten

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