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Kolumne

Plötzlich Chef: „Kontrolle zerstört die Leistungsbereitschaft der besten Leute“

(Foto: Shutterstock/Racorn)

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Manche Führungskraft würde gern alle Kollegen kontrollieren. Motivation fürs Team geht anders. Diesen Fehler machen vor allem junge Führungskräfte – und erfahrenere, die den Schuss nicht gehört haben.

Wie gehe ich mit meinem launigen Chef um? Wie setze ich Heimarbeit durch? Wäre eine Vier-Tage-Woche wirklich besser für uns? Und geht es mir besser, wenn ich aus der Stadt herausziehe? Mit solchen Fragen befasst sich die Autorin Isabell Prophet. Für t3n beantwortet sie regelmäßig die Fragen der Leser zu Glück und Arbeit.

Frage: Ich bin im vergangenen Herbst zum Abteilungsleiter befördert worden. Anfangs bekam ich viel Unterstützung von meinen früheren Kollegen, mittlerweile habe ich aber das Gefühl, dass sie sich gegen meine neue Rolle wehren. Wann immer ich ihre Arbeit kontrolliere und verbessern will, kommen nur einsilbige und abwehrende Antworten. Das zerstört die Stimmung im Team. Der Neid einiger bringt alle gegen mich auf.

Antwort: Erstmal gratuliere ich dir zum neuen Job! Das haben deine Kollegen wohl eingangs auch getan. Inzwischen hast du wahrscheinlich gemerkt, wie schwierig so eine neue Rolle sein kann – vor allem, wenn das Team das gleiche bleibt. Schon ein neuer Kollege ändert das Gefüge in einer Gruppe. Ein neuer Chef ändert es natürlich noch mehr, wenn er von außen kommt. Eine Beförderung im Team, das erkennst du richtig, ist oft mit Neid verbunden. Jeder andere hätte es schließlich auch sein können. Auf dieser Erkenntnis darfst du dich aber nicht ausruhen.

Als neuer Chef musst du dich erst einmal beweisen, und zwar auf verschiedenen Gebieten:

  • Fachlich: Vielleicht hast du vorher schon durch deine Arbeit überzeugt – du solltest aber am Beat deiner Kollegen bleiben.
  • Zwischenmenschlich: Einige deiner Kollegen erwarten vermutlich, dass du nun arrogant wirst. Don’t.
  • Als Führungsfigur: Führung ist etwas, das man lernen muss. Und manchmal liegt die eigene Intuition daneben.

Auf den letzten Punkt möchte ich bei dir näher eingehen. Du schreibst, du kontrollierst ihre Arbeit und kassierst dabei öfters einsilbige Antworten. Wechsle doch mal in die Perspektive eines überkritischen Mitarbeiters und frage dich: Welche Motivation steckt hinter der Kontrolle?

Vermutlich denken deine Kollegen, du misstraust ihren Fähigkeiten.

In Zeiten, in denen wir viel häufiger den Job wechseln als jemals zuvor, werden viele als Experten in ein Team hineingeholt. Für ihre Fähigkeiten, für ihre Kontakte, für das, was sie im Berufsleben bislang geleistet haben. So gute Leute werden natürlich einsilbig, wenn ihre Arbeit plötzlich kontrolliert wird.

Der Neid deiner Kollegen dürfte hier kaum das Problem sein. Das Problem ist, dass du Menschen kontrollierst, die ihren Job auch selbst können.

Verhaltenswissenschaftler haben in Experimenten etwas beobachtet, das mich sehr beeindruckt hat: Wer kontrolliert wird, der macht oft nur das, was er muss. 
Ganz anders ticken Menschen, die das Vertrauen ihrer Firma besitzen. Sie engagieren sich in der Regel mehr, weil sie unbewusst beweisen wollen, dass sie das Vertrauen verdient haben.

Dazu kommt, dass Kontrolle ein ungutes Gefühl in uns auslöst. Wer kontrolliert wird, der muss sich nicht nur um das Misstrauen des Chefs sorgen. Er sorgt sich auch darum, bei einer solchen Kontrolle für „nicht gut genug“ befunden zu werden. Genau diese Sorge fütterst du, wenn du ständig Kleinigkeiten verbesserst. Immerhin haben deine Kollegen ihren Job schon gemacht, als du noch einer von ihnen warst – und zwar auch ohne deine Kritik.

So zerstört Kontrolle die Leistungsbereitschaft ausgerechnet der besten Mitarbeiter.

Misstrauen, auch wenn es nur gefühlt ist, nagt übrigens nicht nur an der Stimmung im Team: Die Fehlzeiten steigen und die Kollegen werden sich mit größerer Wahrscheinlichkeit nach einem neuen Job umsehen.

Folgende Methoden könnten Kontrolle und Kritik ersetzen:

  • Best of: Wer war in der vergangenen Woche besonders gut und warum?
  • Jour Fixe: Wer nur im Ernstfall auf sein Team zugeht, der wird bald gefürchtet. Wenn du stattdessen regelmäßig einen Kaffee mit jedem Kollegen trinkst und über aktuelles redest, weißt du besser, was sie gerade bewegt. Beruflich wie auch persönlich.

Diese Instrumente kann man auch einfordern: Wer ständig kontrolliert wird, für den kann ein klärendes Gespräch mit dem Chef heilsame Wirkung haben: Lass uns gern regelmäßig über meine Arbeit reden – aber nicht nur, wenn dir etwas nicht gefällt.

Früher sagte man: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Im Arbeitsumfeld ist dieser Satz schlichtweg falsch. Kontrollieren muss man unwillige Kollegen. Wer seine Arbeit gern macht, der muss nicht überwacht werden.

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