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Politiker lässt ChatGPT Rede schreiben – und keiner merkt es

Man stelle sich vor, ChatGPT infiltriert die Politik, und keiner merkt es. Das ist bei einer Rede des SPD-Politikers Tiemo Wölken geschehen. Er wollte damit auf die Risiken von KI aufmerksam machen.

Von Jennifer Caprarella
3 Min. Lesezeit
Die KI ChatGPT verfasst auch Reden - neuerdings auch für die Politik (Bild: Iryna Imago/Shutterstock)

Künstliche Intelligenzen bieten Chancen, aber auch Gefahren. Um das zu verdeutlichen, machte sich SPD-Politiker und EU-Parlaments-Mitglied Tiemo Wölken eine solche KI zunutze: Er ließ seine jüngste Rede vor dem europäischen Parlament vom ChatGPT schreiben.

ChatGPT oder Mensch? Keiner bemerkt den Unterschied

Verraten hat Wölken das erst am Ende seiner Rede über die Regulierung politischer Werbung vergangene Woche, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet. Bis dahin habe niemand bemerkt, dass seine Worte nicht von einem Menschen, sondern der KI ChatGPT stammen, wie Wölken dem Magazin erklärt.

Einen „quasi historischen“ Moment nennt Wölken den Vortrag auf Twitter, denn erstmals ist eine Rede vor dem EU-Parlament von einer KI verfasst worden. Ihm ginge es jedoch um etwas anderes.

Warum die Chatbot-Täuschung?

Vielmehr wollte der Politiker auf ein Problem mit dem ChatGPT hinweisen. Dass die Rede von der KI kaum Nachbesserung gebraucht habe – nur vier- oder fünfmal habe er nachjustieren müssen, wie er dem RND erklärt – und niemand sie als solche erkennt, sei ein Problem.

Denn, wie Wölken auf Twitter erklärt, die KI sei abhängig von den Datensätzen, mit denen sie trainiert wird. „Und ganz häufig diskriminiert KI“, fügt er hinzu.

„Einmal antwortete die KI auf die Frage, wer gerettet werden soll, mit weißen aber nicht schwarzen Kindern“, nennt er dem RND als Beispiel. Je nach Datengrundlage könne ein KI-Text Menschen diskriminieren, Rassismus schüren oder Propaganda enthalten.

Nicht die erste politische Rede von ChatGPT

Dass der ChatGPT die Politik dauerhaft infiltrieren wird, glaubt Tiemo Wölken nicht – obwohl er nicht der erste Politiker ist, der eine Rede davon schreiben ließ.

Nachdem Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke von der Linkspartei wissen wollte, ob es im Bundesministerium für Bildung und Forschung bereits eine Richtlinie zum Umgang mit ChatGPT an schulischen Einrichtung gebe, ließ Staatssekretär Jens Brandenburg die KI diese Frage gleich selbst beantworten, wie der Tagesspiegel berichtet.

OpenAI will das Problem selbst lösen

Auch Brandenburg sei erstaunt gewesen, wie wenig es an der Chatbot-Rede zu verbessern gegeben habe, wie er der Zeitung gesagt hat.

ChatGPT-Schöpfer OpenAI will derartige Probleme mit seiner KI indes selbst lösen: Vor wenigen Tagen stellte das Unternehmen ein Tool zur Verfügung, das KI-generierte Texte erkennen soll.

Noch ist die Fehlerquote bei dieser Software, die derzeit auf die englische Sprache spezialisier ist, allerdings sehr hoch – ob es die Rede von Wölken erkannt hätte, ist also fraglich.

 

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2 Kommentare
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Sunny
Sunny

Interessant ist hierbei tatsächlich, dass das kein Politiker gemerkt hat. Schon wie schwammig der Herr Politiker das abgelesen hat und gefühlt in jedem Satz die sperrige Wortkombination „Regulierung politischer Werbung“ vorkommt. Dass das keinem Politiker auffällt, sagt iwie sehr viel über die Politiker aus.

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Me
Me

Ich bin Mitglied einer Partei und höre mir nicht mal die Reden meiner Parteikollegen an. Wer sollte sowas auch merken. Es gibt einfach keine Zuhörer für sowas…

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