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Programmieren lernen im Coding-Bootcamp? Diese Anbieter gibt es

Viele Bootcamps setzen auf den Wechsel zwischen Frontalunterricht und Teamarbeit. (Foto: Shutterstock)

Coding-Bootcamps versprechen die Vermittlung relevanter Digitalskills innerhalb weniger Wochen. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile einige Anbieter. Dieses Listicle bietet einen Überblick – und stellt eine deutlich günstigere Alternative vor.

Zum Programmieren lernen muss man nicht studieren – aber es hilft, lautet ein häufiger Ratschlag. Wer schon länger mit dem Gedanken spielt, sich zum Webentwickler, UX-Designer oder Data-Scientist weiterzubilden, kann mittlerweile – das notwendige Kleingeld vorausgesetzt – aus einer Vielzahl an Coding-Bootcamps wählen, die in den letzten Jahren auch in Deutschland wie Pilze aus dem Boden geschossen sind.

Careerfoundry

Seit 2014 bietet Careerfoundry Onlineprogramme in UX- und UI-Design, Web-Development oder Datenanalyse an, mit denen ihr in eurem eigenen Tempo in vier bis zwölf Monaten das Nötigste lernen könnt, um fit für einen Job in einem dieser Bereiche zu werden. Neben den Online-Unterrichtseinheiten sind im Paket laut Website One-on-One-Mentoringeinheiten mit erfahrenen Designern, Datenanalysten und Webentwicklern enthalten. Careerfoundry wirbt damit, dass Absolventen und Absolventinnen, die binnen sechs Monaten nach Abschluss des Bootcamps keinen Job finden, ihr Geld zurückbekommen können. Preislich bewegt sich das Bootcamp zwischen 4.560 und 4.800 Euro, theoretisch besteht die Möglichkeit, sich das Ganze über einen sogenannten Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit finanzieren zu lassen.

Ironhack

Ironhack bietet drei Optionen für euch: Webentwicklung, UX/UI-Design und Datenanalyse. Alle Kurse können in Voll- oder in Teilzeit an den Standorten Berlin, Amsterdam, Lissabon, Paris, Madrid und Barcelona belegt werden. Der Vollzeit-Kurs dauert dabei neun, die Teilzeitoption 24 Wochen, aufgelockert wird der eng getaktete Tagesablauf durch Goodies wie gemeinsame Yogastunden. Seit der Coronakrise gibt es außerdem die Möglichkeit, die Kurse remote zu belegen. Der Unterricht findet sowohl vor Ort als auch remote in englischer Sprache statt; ausreichende Englischkenntnisse sind also zwingend nötig. Wer sich für die Teilnahme an einem der Bootcamps entscheidet, muss sich einem mehrstufigen Auswahlprozess stellen: Nach Ausfüllen und Abschicken eines Bewerberformulars, das neben persönlichen Daten den bisherigen Werdegang sowie etwaige erste Erfahrungen im gewünschten Themenfeld abfragt, werden infrage kommende Bewerber zu einen ersten Gespräch mit einem der Instruktoren eingeladen, in dem Motivation und Vorkenntnisse abgefragt werden. War der erste persönliche Eindruck überzeugend, bekommen Bewerber Ressourcen zur Vorbereitung auf den nächsten Schritt, das Technical Interview, zugesandt; zum Lösen der darin gestellten Aufgaben haben Bewerber zwei Wochen Zeit. Während des Interviews müssen Bewerber sich auf weitere kleine Programmier-Challenges einstellen – die Coaches überprüfen so, ob ihr das Gelernte schnell und flexibel anwenden könnt und wie ihr an Probleme herangeht. Die Kosten für eine Teilnahme belaufen sich auf 7.500 Euro. Interessierte Mädchen und Frauen haben außerdem regelmäßig die Möglichkeit, sich über diese Initiative um ein Stipendium zu bewerben.

Neue Fische

Die Neuen Fische aus Hamburg bieten zwei verschiedene Weiterbildungsoptionen: Web-Development und Data-Science. Das Hamburger Startup verfügt über Räumlichkeiten in Hamburg Bahrenfeld und hat mittlerweile einen Ableger in Köln. In 13 Wochen sollen Teilnehmende alles lernen, was es für einen Jobeinstieg als Webentwickler respektive Data-Scientist braucht. Laut Website brauchen interessierte Bewerber keinerlei Vorkenntnisse. Die Auswahl geeigneter Teilnehmer erfolgt über ein Gespräch mit einer der Mitarbeiterinnen. Im Gespräch steht vor allem die persönliche Motivation der Bewerber im Vordergrund, relevantes Vorwissen wird nicht abgefragt. Jeder könne es schaffen, wenn er oder sie nur motiviert genug sei, ist ein Mantra, das während eines solchen Kennenlerngesprächs im Vordergrund zu stehen scheint. Der Unterricht erfolgt in Vollzeit und findet aufgrund der Coronakrise momentan remote statt. Neben Unterricht in Programmierthemen und Design-Basics oder in Data-Science erhalten die Teilnehmer im Verlauf der 13 Wochen außerdem eine Bewerberberatung. Die letzten vier Wochen des Bootcamps sind dem Entwickeln eines Abschlussprojekts gewidmet; während dieser Zeit halten sich die Coaches im Hintergrund. Das Startup unterhält Beziehungen zu verschiedenen Agenturen und Unternehmen, die im Verlauf der Kurse an einzelnen Tagen zum „Fischen aus dem Talentpool“ eingeladen werden. So sollen die angehenden Web-Developer und Data-Scientists schon während des Bootcamps die Möglichkeit bekommen, Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern zu knüpfen. Benötigte Hardware kann bei Bedarf ausgeliehen werden. Gegenüber anderen, thematisch ähnlich aufgestellten Bootcamps verfügen die Neuen Fische über den Vorteil, dass der Unterricht in deutscher Sprache abgehalten wird. Die Coaches und in anderen Bereichen des Startups tätige Mitarbeiterinnen rekrutieren sich teilweise aus Absolventen der Bootcamps. Kosten belaufen sich jeweils auf 7.900 Euro; wer den vollen Betrag auf einmal bezahlt, kann den Preis auf 7.500 Euro drücken. Unter bestimmten Voraussetzungen besteht die Möglichkeit, die Teilnahme über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit zu finanzieren.

Karriere-Redakteur Andreas Weck hat bei einer Bootcamp-Absolventin nachgefragt, wie es ihr dabei erging: Gedrillt im Coding-Bootcamp – sie wurde in 12 Wochen zur Programmiererin.

Le Wagon

Le Wagon bietet ähnlich wie Neue Fische zwei Weiterbildungspfade: Data-Science und Webentwicklung. In nur neun Wochen Vollzeit- oder 24 Wochen Teilzeitunterricht sollen Teilnehmer ready für den Arbeitsmarkt in einem der beiden Bereiche werden. Auch Le Wagon wirbt damit, dass Bewerber kein Vorwissen mitbringen müssen. In Deutschland verfügt Le Wagon über Standorte in München und Berlin, international sind es 36 weitere. Aufgrund der Coronakrise findet der Unterricht momentan remote statt. Ähnlich wie andere Bootcamps in dieser Liste verfügt Le Wagon über ein Netzwerk von Tech-Unternehmen und Startups, über das die Teilnehmer im Verlauf der Kurse Kontakte zu potenziellen zukünftigen Arbeitgebern knüpfen können sollen. Die Website wirbt mit einem großen Alumni-Netzwerk, von dem Absolventen auch nach Ablauf ihrer Zeit bei Le Wagon profitieren können. Die Kosten belaufen sich auf 6.000 bis 7.000 Euro. Auch hier kann die Teilnahme unter Umständen durch einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit finanziert werden.

Spiced

Spiced ist ein Bootcamp mit Standorten in Berlin, Köln und Hamburg. Das Startup hat zwei Karrierepfade  im Portfolio: Data-Science und Webentwicklung. Einschreibewillige müssen vor dem Starttermin einen Vorbereitungskurs absolvieren – darin lernen sie Grundlagen wie die wichtigsten Git-Befehle, Debugging-Methoden und Werkzeuge und den Umgang mit der Kommandozeile. Der Zulassungsprozess erfolgt ähnlich wie bei Ironhack in mehreren Stufen. Wer sich für den Data-Science-Pfad interessiert, muss vorher zumindest ein grundlegendes Verständnis mathematischer Konzepte nachweisen können. In zwölf Wochen Vollzeitunterricht sollen die angehenden Web-Developer und Data-Scientists dann vermittelt bekommen, was es für einen Job-Einstieg braucht. Laut Website bietet Spiced neben der Vermittlung technischer Skills außerdem ein Career-Coaching, bei dem vor allem das Technical Interview im Vordergrund steht, und die Möglichkeit, beliebig viele Einzelcoachings in Anspruch zu nehmen. Die Kosten für eine Teilnahme belaufen sich auf 7.800 Euro für Webdevelopment respektive 9.800 Euro für Data-Science.

Ubiqum

Die Ubiqum Code Academy verfügt über Standorte in Berlin, Amsterdam, Madrid und Barcelona und bietet verschiedene Präsenzformate in Voll- und Teilzeit mit Fokus auf Webentwicklung oder Datenanalyse. Angehende Web-Developer lernen hier nicht nur die klassischen Webtechnologien und Frameworks wie HTML, CSS und JavaScript und die gängigsten Frameworks. Wer sich für das fünfmonatige Bootcamp entscheidet, wird auch in der Programmierung mit Java unterrichtet. Wie andere Bootcamp-Anbieter wirbt auch Ubiqum mit viel Praxiserfahrung und damit, dass ein Großteil der Teilnehmenden sehr schnell einen Job findet. Preislich bewegt sich das Bootcamp zwischen 6.500 und 9.400 Euro.

Wild Code School

Wild Code School ist ein Bootcamp-Anbieter aus Frankreich, der neben zahlreichen Standorten in ganz Europa auch einen in Berlin unterhält. Die Kurse in Datenanalyse und Web-Development können teilweise auch in Teilzeit belegt werden, außerdem gibt es die Möglichkeit, remote teilzunehmen. Vermittelt werden die Inhalte anhand von Projekten. Dabei wird ein sogenannter Blended Learning Approach verfolgt. Über eine hauseigene E-Learning-Plattform können Teilnehmende theoretische Hintergründe und Konzepte im Selbststudium festigen, angewandt wird das Wissen dann in Projekten, bei deren Umsetzung sie laut Website individualisierte Unterstützung und Anleitung von den Wild-Code-School-Coaches erhalten. Wer sich für eine Teilnahme interessiert, kann vorher einen kostenlosen zehnstündigen Vorbereitungskurs absolvieren und dabei auch einen besseren Eindruck davon bekommen, ob der ins Auge gefasste Karriereweg auch wirklich den eigenen Interessen und Talenten entspricht. Kostenpunkt: 5.500 bis 6.500 Euro, wer den kompletten Betrag auf einmal überweist, kann von bis zu zehn Prozent Sofortzahler-Rabatt profitieren. Auch hier besteht theoretisch die Möglichkeit, die Teilnahme über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit zu finanzieren.

Für disziplinierte Selbstlerner: The JavaScript Full Stack Bootcamp

Das JavaScript Full Stack Bootcamp verfolgt einen etwas anderen Ansatz als die bisher in dieser Liste vorgestellten Angebote. Das von dem in einschlägigen Kreisen bekannten Webentwickler und Freecodecamp-Instruktor Flavio Scopes entwickelte Programm startete im Juni 2020 erstmalig und findet komplett remote statt. Statt auf Video-Tutorials setzt Scopes dabei auf Ressourcen in Textform. Wer sich einmal zur Teilnahme anmeldet, hat lebenslangen Zugriff. Die Community mit anderen Lernenden soll ein Discord-Chatroom ersetzen, Fragen an den Coach können per E-Mail gestellt werden. Wöchentlich werden zwei neue Module freigeschaltet – empfohlen wird, mindestens eine Stunde täglich zu investieren. Weil das Bootcamp so neu ist, werden darin neben den etablierten Klassikern (React, Vue, Node) auch neuere Technologien und Frameworks wie GraphQL oder Tailwind abgedeckt. Wer sich einschreibt, lernt zudem Wissenswertes über Algorithmen und Datenstrukturen – ein Thema, das in vielen anderen Bootcamps keine Beachtung findet –, Praktisches über den Umgang mit Linux oder Programmierung von Anwendungen außerhalb des Webs, zum Beispiel mit dem Arduino. Wer zwei Module pro Woche schafft, kann das Bootcamp in 18 Wochen abschließen. Um euch einzuschreiben, müsst ihr einen der Starttermine erwischen; mitten drin einzusteigen, ist nicht möglich. Die Kosten für den kompletten Pfad belaufen sich auf knapp 400 US-Dollar, wer sich nur für den Beginner- oder nur für den Advanced-Track interessiert, muss 249 Dollar löhnen. Gegen Vorlage einer gültigen Studienbescheinigung erhalten Studierende einen Rabatt.

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Ein Kommentar
Viktor Engelmann
Viktor Engelmann

In wenigen Wochen kann man leicht ein paar Grundzüge lernen. Dazu braucht man nur Variablen, Arithmetik, Vergleiche, Verzweigungen und While-Schleifen (Stichwort Turing-Vollständigkeit). Und dann gibt einem der Dunning Kruger Effekt das Gefühl, man hätte es drauf.
Aber bloß weil ich ein Gartenhäuschen aufgebaut kriege, bin ich kein Architekt und kann keine Hochhäuser entwerfen, auch wenn man dafür im Prinzip nur die Grundrechenarten (in Taylor-Polynomen) braucht .

Was man mit ein paar Wochen „Erfahrung“ programmieren kann wird massiver Code-Erosion unterliegen (siehe https://www.informit.com/articles/article.aspx?p=1235624&seqNum=3 ). In ein paar Wochen lernt man eben nicht, wie man Programme von Grund auf so entwirft, dass sie *langfristig* erweiterbar und wartbar bleiben, sodass sie überhaupt zu einer gewissen Größe anwachsen KÖNNEN.

„Bad programming is easy. Idiots can learn it in 21 days, even if they are dummies.“ — Matthias Felleisen.
Um GUT programmieren zu lernen braucht man 10 Jahre, genau wie für jede andere Disziplin (siehe https://norvig.com/21-days.html ).
„Zum Programmieren lernen muss man nicht studieren – aber es hilft“… ja – und zum Autofahren muss man auch nicht lernen, wie man hochschaltet – aber es hilft. Ich habe im Leben genug Leute kennen gelernt, die sich für ziemlich gute Programmierer gehalten haben, über deren armseligen Amateur-Pfusch ich aber nur den Kopf schütteln konnte.

Programmieren ist kompliziert. Wer etwas anderes behauptet hat entweder keine Ahnung oder lügt. Dass t3n so dreiste Marketing-Lügen einfach so unhinterfragt weiter verbreitet, finde ich ein ziemliches Armutszeugnis für eine Seite, die sich explizit an Leser richtet, die „selbst in der Digitalwirtschaft arbeiten oder sich privat mit diesem Themenfeld beschäftigen“ (Quelle: Wikipedia)

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