Interview

Zurück ins Büro vs. Homeoffice – ein Streitgespräch

Ein Streitgespräch: Zurück ins Büro – trotz Corona? (Foto: Shutterstock)

Zeigt uns die Coronakrise die Chancen des Homeoffice oder eher, dass es doch keinen besseren Platz zum Arbeiten gibt als das Büro? Zwei t3n-Redakteure vertreten unterschiedliche Meinungen.

Erst die Kontaktverbote, jetzt wird das gesellschaftliche Leben wieder hochgefahren. Vielerorts dürfen Mitarbeitende wieder in die Büros zurück. Auch bei t3n darf unter Umständen wieder im Office gearbeitet werden. Für die einen Kolleginnen und Kollegen ist das eine Befreiung, die anderen betrachten das skeptisch: Kathrin Stoll freut sich darauf, ihre alte Struktur wiederzubekommen. Andreas Weck bleibt daheim und fragt sich, wozu man das Risiko eingehen soll – Remote Work klappt doch wunderbar. Die beiden t3n-Redakteure haben sich zu einem Streitgespräch verabredet und online diskutiert. Heraus kam ein Gespräch, in dem sich viele Leserinnen und Leser an der ein oder anderen Stelle wiederfinden werden. Wie stehst du zu der Debatte: zurück ins Büro – trotz Corona? Diskutiere mit uns in den Kommentaren.

Andreas Weck: Kathrin, die Chefs haben gestern angekündigt, dass wir unter Umständen wieder ins Büro kommen können – unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln und wenn daheim produktivitätstechnisch gesehen gar nichts mehr geht. Wirst du wieder ins Office gehen?

Kathrin Stoll: Ja, voraussichtlich einmal die Woche, immer mittwochs. Ich hoffe, das gibt mir ein bisschen fehlende Struktur zurück. Letzte Woche wusste ich bis Dienstag nicht, dass der Donnerstag ein Feiertag ist, weil ich einfach komplett das Zeitgefühl verloren habe.

Andreas: Damit erhöhst du das Risiko, dich und andere mit Covid-19 anzustecken. Wie wägst du das ab?

Kathrin: Ich nehme mich sonst sehr zurück. Das heißt, ich treffe meine Freunde nach wie vor nur einzeln und draußen, ich meide Öffis und Orte, an denen viele Menschen sind. Ins Büro kann ich zu Fuß gehen. Wenn ich mich nicht wohl fühlen sollte, würde ich natürlich nicht hingehen, und ansonsten haben wir dort ja – wie du schon sagst – auch strenge Abstands- und Hygieneregeln.

Andreas: Du wirst dich aber vermutlich erst dann unwohl fühlen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Manche spüren auch gar keine Symptome.

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Kathrin: Stimmt. Aber bleibst du deshalb komplett zu Hause? Lässt du dir deine Lebensmittel liefern? Siehst du Freunde ausschließlich über Zoom? Und hast du ein Laufband im Wohnzimmer? Das wäre die konsequente Art und Weise, das zu handhaben. Das macht aber keiner. Und bei aller Rücksichtnahme und Vorsicht muss man auch aufpassen, dass man ansonsten gesund bleibt.

Andreas: Inwiefern macht das Büro gesund?

Kathrin: Vor allem fehlt mir der Austausch mit dem Team. Ich freu mich schon, wenigstens vereinzelt Kolleginnen und Kollegen wiederzusehen. Für dich war der Wechsel ins Homeoffice wahrscheinlich eh nicht so anstrengend, weil du das ja vorher schon hattest: Aber was genau, außer dem wegfallenden Weg von Berlin nach Hannover, findest du daran so erstrebenswert?

Andreas: Alles. Ich mag es beispielsweise, in der Mittagspause zu joggen, dann entspannt zu duschen und weiterzuarbeiten. Ich mag die Ruhe, wenn ich mich in eine Aufgabe einarbeite. Ich kann während kleinerer Pausen auch einfach mal den Staubsauger in die Hand nehmen und durchsaugen, anstatt mich im Büro mit Unwichtigkeiten abzulenken. Es ist einfach der viel effizientere und effektivere Weg, zu arbeiten und zu leben.

Kathrin Stoll ist Entwicklungsredakteurin bei t3n. (Foto: Sandra Skupin)

Kathrin: Und genau das stört mich daran. Immer das Gefühl zu haben: Oh, hier ist Staub, die Pflanze braucht Wasser, die Wäsche könnte ich noch abnehmen. Da spiele ich lieber eine Runde Tischtennis im Büro, wenn ich eine kleine Pause brauche. Überhaupt ist Hausarbeit für mich keine Pause.

Andreas: Okay, zugegeben: Tischtennis mit den Kollegen ist spannender als Hausarbeit. Aber bei mir gilt: erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Ich bin lieber schnell mit allem durch und hab den Feierabend dann für mich. Boah, wie ich es damals gehasst habe, abends noch alle Erledigungen machen zu müssen oder erschöpft vom Tag nochmal die Laufschuhe anzuziehen, weil ich zu wenig Bewegung hatte im Büro.

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Kathrin: Kann ich verstehen. Aber diese kurzen Pausen mache ich ja auch und vor allem, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Die würde ich eh brauchen. Da mach ich dann lieber was, das Spaß macht, als den ungeliebten Abwasch und dann überhaupt nicht entspannt wieder an den Schreibtisch zurückzugehen. Ich brauche aber auch die räumliche Trennung. Im Büro kann ich mich voll auf meine To-dos konzentrieren und Sachen, die zu Hause so anfallen, kommen mir nicht einmal ansatzweise in den Sinn. Im Homeoffice ist das anders, da ist ungewaschenes Geschirr oder die Pflanze, die ich umtopfen muss, die ganze Zeit präsent.

Andreas: Das ist ja eines der Hauptargumente vieler Berufstätiger, die mit dem Homeoffice nicht klarkommen. Dass sie sich von ungeliebter Hausarbeit ablenken lassen. Aber sein wir doch mal ehrlich: als ob im Büro nicht auch online neue Pflanzenkübel recherchiert, geshoppt und bezahlt werden.

Kathrin: Das hab ich tatsächlich noch nie gemacht. Ich schwöre!

Andreas: (lacht laut)

Kathrin: Aber noch mal zu „erst die Arbeit dann das Vergnügen“. Ich frage mich momentan auch, welches Vergnügen? Das ist es ja gerade, was die ganze Situation so schwierig macht: Viele Sachen, auf die ich mich während der Freizeit gefreut habe, sind jetzt einfach weg. Der Ausgleich ist kaum noch im selben Maße vorhanden wie vorher. Und dann nicht mal die räumliche Trennung von Arbeit und Vergnügen zu haben, ist echt richtig doof. Ich arbeite zu Hause und danach bin ich auch zu Hause, weil ich nichts vorhabe, weil man einfach nichts machen kann. Nicht einmal auf Festivals in diesem Sommer kann ich mich freuen.

Andreas: Ja, die persönlichen Einschnitte sind schon gewaltig. Wir wollten auch Wandern gehen in den Alpen. Aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, in einem Bettenlager mit 20 anderen Personen zu schlafen. Vergnügen bereiten mir gerade vor allem Strandspaziergänge. Wir sind seit ein paar Wochen in meinem Heimatort in Mecklenburg-Vorpommern. Im Kreise der Kernfamilie. Meinem Vater geht es gesundheitlich nicht gut. Mein Großvater liegt ebenfalls im Krankenhaus. Gott sei Dank geht das, vor allem eben auch durch Homeoffice.

Kathrin: Ja, bei mir ist leider kein Strand. Und auch sonst, ein Spaziergang ist ja mal ganz nice, aber das eingeschränkte Sozialleben kann der nicht ausgleichen.

Andreas: Wie blickst du auf politische Forderungen, dass es ein Recht auf Homeoffice geben soll? Siehst du da ein Mehrwert oder ist das für dich eher Verhandlungssache zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer?

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3 Kommentare
Johnny
Johnny

Man sollte den Menschen einfach die Möglichkeit geben. Ich kenne viele, die effizienter, besser und schlichtweg motivierter sind, wenn sie sich die Arbeit frei einteilen dürfen. Das geht dann soweit, dass im Sommer mal die Sonne genossen und Abend dann bis Nachts gearbeitet wird. Ist für alle okay und die Arbeit verbessert sich in der Regel, weil eben nicht auf Zwang gearbeitet werden MUSS, sondern nach eigenem Wille. Dementsprechend hoch ist der Output und die Motivation.

Klar kommen einige damit nicht klar. Gilt ja für alles. Ohne Struktur sind manche komplett verloren. Stellt sich die Frage, ob diejenigen nicht grundsätzlich ein Problem haben, wenn sie immer Linien und Strukturen brauchen. Ohne das polemisch zu meinen, aber wenn du immer Führung und Struktur brauchst, stimmt doch einfach was nicht.

Was ich einfach schrecklich finde ist, wenn es einseitig ist. Oder jetzt alle rumheulen, sie wollen ins Büro. Deutschland geht es eh zu gut, wie Corona gerade zeigt, da es ja nicht ernstngeommen wird. Stattdessen Demos und Erzieher müssen auch wieder ran, damit bloß alle wieder in ihre Jobs können.

Kurz gesagt: Der eine mag es, der andere nicht. Es sollte die Möglichkeit geben, nicht den Zwang. Schlimm finde ich nur, wenn Arbeitgeber oder Chefs das nicht anbieten, weil sie selbst nicht klar damit kommen. Die Gamestar hatte neulich mal einen talk im Video, wo beide Chef-Redaktuere das nicht mochten. Da will man dann auch nicht arbeiten, wenn die Chefs in ihren Vierzigern meinen, jeder müsste noch im Büro antanzen. Finde ich einfach nicht zeitgemäß.

Und man ahnt es… ich bin derjenige, der auch besser frei arbeitet und dann auch bereitwillig mehr liefert, einfach weil es besser klappt.

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Bodo
Bodo

Was bei der Diskussion immer vergessen wird: Nicht jeder hat die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten (Ich muss jetzt keine repräsentativen Berufsgruppen aufzählen, oder?)… selbst wenn man wollte. In diesem Sinne ist das eher eine „Luxusdiskussion“ denn ein „Streitgespräch“.

@Andreas Weck: Freue Dich darüber, dass es so gut für Dich läuft und Du Dir Deine Arbeitszeiten im Prinzip aussuchen kannst. Ein bisschen Demut könnte Dir trotzdem nicht schaden. Muss auch nicht so bleiben übrigens… das Leben hält für jeden Überraschungen parat – nicht erst seit Covid-19.

Grüße aus Frankfurt
Bodo M.

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Mike Weller
Mike Weller

Verstehe nicht warum Büromenschen in einem Büro arbeiten. Man kann doch alles von Zuhause, aus mindestens gleichgut erledigen. Egal ob im Van, Tiny house, im Starbucks, oder 12 Zimmer Wohnung, ihr könnt doch überall dieselbe performance abliefern und müsst nie in ein Büro sitzen? Verstehe sowas nicht sorry. Geniesst es doch und überlasst uns die Schmutzarbeit vor Ort. (MW, Pistenbullyfahrer, Lokführer, Kapitän, Bassist).

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