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Stress im Job: Mentale Gesundheit immer noch ein Tabuthema in Unternehmen

Stress im Job: Mentale Gesundheit der Mitarbeiter ist ein Tabuthema. (Foto: Shutterstock-Frankie's)

Negativer Stress im Job kann Mitarbeiter kaputtmachen. Psychische Erkrankungen sind häufig die Folgen: Burn-outs, Angstattacken und Depressionen. Darüber zu sprechen, ist vielerorts tabu.

Manche Menschen haben so viel Stress, sie finden noch nicht einmal die Zeit sich darüber zu ärgern. Das ist aus zweierlei Gründen gefährlich: Zum einen, weil die Ursachen unerkannt bleiben und zum anderen, weil die Auswirkungen nicht abzusehen sind. Im schlimmsten Fall führt negativer Stress jedoch geradewegs in eine psychische Erkrankung. Spätestens dann, wenn der Körper unter dem Druck kollabiert. Ein Szenario, das nicht unüblich ist: Burn-outs, Angstattacken und Depressionen sind hierzulande auf dem Vormarsch. Laut dem DAK-Gesundheitsreport 2018 gehören psychische Erkrankungen zu den Top-drei-Ausfallgründen deutscher Arbeitnehmer. Frauen sind betroffener als Männer, was jedoch häufig daran liegt, dass Erkrankungen bei ihnen oft unerkannt bleiben: Während Frauen sich Hilfe suchen, greifen Männer zur Flasche.

Stress im Job: Mentale Gesundheit der Mitarbeiter ist ein Tabuthema

Stress in der Arbeit raubt 40 Prozent der deutschen Arbeitnehmer den Schlaf. (Grafik: OBS / Linkedin)

Auch das Karrierenetzwerk Linkedin hat sich jüngst für das Thema interessiert und eine Umfrage bei dem Marktforschungsinstitut Yougov in Auftrag gegeben: 1.056 deutsche Berufstätige in Festanstellung äußerten sich in dem Rahmen, wie sie Stress am Arbeitsplatz empfinden würden. Auch diese Ergebnisse lassen Interessierte aufhorchen: So leiden etwa 82 Prozent der Arbeitnehmer unter Auswirkungen wie Anspannung, Unruhe und Schlafstörungen. Dass das Thema in der Unternehmenswelt jedoch viel zu oft noch tabuisiert wird, zeigen weitere Aussagen: So suchen lediglich 34 Prozent aller Befragten ein offenes Gespräch über psychische Erkrankungen mit ihren Kollegen. Mit der Führungsebene sinkt die Zahl sogar auf nur 25 Prozent. Viele Befragte befürchten, sich angreifbar zu machen und fühlen sich allein gelassen.

Dass deutsche Arbeitgeber kaum bis keine Präventionsmaßnahmen etabliert haben, wird überdeutlich: 40 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Arbeitgeber keinerlei Hilfe anbieten würden. Tatsächlich beklagen 42 Prozent der Arbeitnehmer sogar ein offenkundiges Desinteresse in der Führungsebene. Traurige 17 Prozent gaben sogar an, dass sie bereits negative Äußerungen bemerkt hätten, sobald sie sich offen zu ihren Erkrankungen geäußert haben. Die Rede ist vor allem von Ausgrenzung. Nur 21 Prozent bestätigten, dass es Angebote zur Stressbewältigung geben würde. Überschaubare 18 Prozent haben einen festen Ansprechpartner für Diskriminierung oder Mobbing. Und lediglich elf Prozent der Unternehmen verfügen über einen festgeschriebenen Verhaltenskodex. Das sei zu wenig, geben auch Experten zu verstehen.

„Entscheidend ist, dass sich Phasen der Anspannung und Entspannung abwechseln und im Gleichgewicht stehen.“

„Stress alleine macht nicht krank, sondern kann sogar beflügelnd wirken“, sagt beispielsweise Martin Keck, Chefarzt und Direktor der Klinik des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München. „Entscheidend ist aber, dass sich Phasen der Anspannung und Entspannung abwechseln und mittelfristig im Gleichgewicht stehen.“ So sei es als Warnsignal zu verstehen, sagt der Arzt, „wenn man die Fähigkeit zur Regeneration verliert, man sich beispielsweise nicht einmal mehr im Urlaub erholen kann, ohne an die Arbeit zu denken.“ Auch Jochen Doppelhammer, Country Manager bei Linkedin für den deutschsprachigen Raum, stimmt zu: „Wir empfehlen Arbeitgebern und Arbeitnehmern einen offeneren Umgang mit dem Thema mentale Gesundheit.“ Mitarbeiter dürfen nicht das Gefühl haben, dass es sich um ein Tabuthema handelt.

Das sei nicht nur aus ethischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen wünschenswert, denn letztendlich seien glückliche und gesunde Mitarbeiter auch immer die besten Mitarbeiter, geben die Experten zu verstehen. Gezielte Präventionsmaßnahmen sind deshalb sehr wichtig, angefangen bei Ausgleichsmöglichkeiten über Beratungs- und Coaching-Angebote bis hin zu Sucht- und Mobbingprävention. Dass Frauen zudem häufiger unter Stress leiden würden, sollte kritischer hinterfragt werden. Negative psychische Folgen aufgrund hohen Stressaufkommens machen nicht vor dem Geschlecht halt. Wenn überhaupt ist es eine Frage der eigenen Belastbarkeit und der persönlichen Umstände. Was jedem Menschen immer hilft, ist, darüber reden zu können.

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3 Kommentare
Titus von Unhold
Titus von Unhold

Seit 2013 ist im Arbeitsschutzgesetz und in der Betriebssicherheitsverordnung geregelt dass der Arbeitgeber bei der Gefährdungsbeurteilung auch psychische Belastungen einbeziehen muss. Die Bußgelder bei Unterlassung sind entsprechend (bis 500.000 Euro) und bei Vorsatz mit einem Arbeitsunfall drohen drei Jahre Haft.

https://www.gda-psyche.de/SharedDocs/Publikationen/DE/broschuere-empfehlung-gefaehrdungsbeurteilung.pdf?__blob=publicationFile&v=14

Antworten
P. L. Breitenstein

Das Thema ist gut und wichtig. Leider sollte der Experte Prof. Dr. Keck in diesem zusammenhang gar nicht mehr zu Wort kommen dürfen. Er ist in seinem Institut für erheliche seelische Ungesundheit bei den Beschäftigten verantwortlich. Mobbing, Difamierung, Beleidigungen, bis hin zu fristlosen Kündigungen, die vor Gericht keinen Bestand haben, müssen seine Mitarbeiter über sich ergehen lassen. Dieser Experte ist inakzeptabel für dieses Thema, da er eher zu den Tätern gehört.

Antworten
Petra Kaufmann

Ich gebe Herrn Keck Recht. Gesunder Stress schadet keinem Menschen. Nur leider handelt es sich in den meisten Fällen nicht um einen „gesundenen“ Stress.
Die Betroffenen fühlen sich wie in einem Hamsterrad. Abspringen nicht möglich!
Die derzeitige Lage der größeren Firmen lautet: höher, schneller, weiter.
Der Mitarbeiter hat nur 2 Wahlmöglichkeiten. Mitmachen oder gehen. Dann kommt noch der Druck intern im Unternehmen und der Druck zuhause dazu. Ohne Job können die Verbindlichkeiten nicht bedient werden. In der Firma Schwäche zeigen? Dazu muss sehr viel Vertrauen bestehen. Das Arbeitsklima in den großen Firmen ist aber eher anonym.
Also wird der Modus umprogrammiert auf „funktionieren“. Dies wiederum hat nichts und auch rein gar nichts mit positivem Stress zu tun.

Das Ergebnis ist, dass der Körper das eine Zeit lang mit macht und reagiert. Mit Burnout, Depressionen und anderen Erkrankung. Das ganze System ist ein Teufelskreis.

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