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Porträt

„Ohne Technologie sind wir wie Affen”: Zu Besuch bei Roboter-Star Hiroshi Ishiguro

(Foto: t3n)

Wie werden wir Maschinen zukünftig mehr in Menschen integrieren? Vielleicht findet sich auf dem Toyonaka Campus in Tokio eine Antwort. Hiroshi Ishiguro wagt einen Erklärversuch zur Technologie.

Mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen Nozomi 36 geht es von Tokio nach Osaka. Die 515 Kilometer zwischen beiden Städten legt man mit 320 Kilometer pro Stunde in 2,5 Stunden zurück. Ziel ist der Toyonaka-Campus, das Zuhause des berühmten „Intelligent Robotics Laboratory“ von Hiroshi Ishiguro.

Ein Roboter bis ins kleinste Detail

Anders als in Tokio sprechen hier nur noch wenige Menschen englisch. Den Campus zu erreichen und das Büro von Ishiguro zu finden, ist daher eine kleine Herausforderung.

Der Empfang ist herzlich, drei Damen sitzen im Vorzimmer, das Büro von Hiroshi ein Erlebnis. Ins Auge fällt zuerst seine neueste Kopie von sich selber, die gerade erst fertig geworden ist, wie er später berichtet. Ein Roboter mit einem Silikon-Überzug der ihm selber bis ins kleinste Detail gleicht. Noch menschlicher als die vorherigen Versionen.

Insgesamt gibt es aktuell vier Androiden von ihm. Diese werden in der Welt verschickt um Vorträge zu halten oder Seminare zu geben. „Er kann nicht überall zur gleichen Zeit sein“. So hat er aber die Möglichkeit an zumindest vier Plätzen gleichzeitig Präsenz zu zeigen. Er spricht durch die Androiden, die sein Aussehen haben, zu seinem Publikum. Im Moment dienen sie nur als Sprachrohr für ihn, in Zukunft sollen sie aber durch künstliche Intelligenz unterstützt werden. Sie werden zu einer digitalen Kopie seiner selbst.

Direkt neben seinem Schreibtisch steht ein zusammenklappbares Gästebett. Hier wird anscheinend auch bis spät in die Nacht gearbeitet. Urkunden und Auszeichnungen zieren die Wände. Hinter einem einfachen Schreibtisch sitzt Hiroshi vor einem mächtigen Computer. Seine halblangen Haare sind schwarz ebenso wie seine Kleidung. Er hat etwas Geheimnisvolles. Es gibt Jasmin-Tee und es ist angenehm kühl im Raum.

Alles scheint ganz normal bis zu der Frage: Was zeichnet uns eigentlich als Mensch aus?

Technologie, die den Menschen auszeichnet

Hiroshi gibt die einfache Antwort „Technologie“. Er zeichnet eine Kurve auf seinem Whiteboard, die zeigt wie exponentiell schnell seiner Meinung nach neue Technologie entsteht und sich aus sich selbst heraus weiterentwickelt. „Das wird nur ein sehr kleiner Teil der Weltbevölkerung nachvollziehen und verstehen können, maximal zehn Prozent.

So seine Prognose. „Die anderen 90 Prozent bekommen ein zusätzliches Wissens-Upgrade in Form eines Chip-Implantats“. Man stellt sich die Frage, zu welcher Gruppe man wohl selber gehört oder gehören wird und hofft auf die Zehn-Prozent-Gruppe. Ein seltsames Gefühl. Der Wissenstransfer soll seiner Meinung nach über ein Chip-Implantat im Gehirn passieren.

Sein Ausgangspunkt ist, dass wir Maschinen zukünftig mehr in Menschen integrieren. Für ihn ist die eigentliche Frage: „Was ist die minimale Definition eines Menschen?“ Seine These: „Wir sind wie Affen, wenn wir keine Technologie nutzen aber keine Menschen. Wir müssen Technologie akzeptieren. Das macht den Unterschied zu anderen Säugetieren aus. Wir können Technologie in Zukunft nicht vom Mensch separieren. Wir nutzen Google für Wissen, Smartphones, um uns miteinander zu vernetzen und zu kommunizieren, und in Zukunft autonomes Fahren, um uns fortzubewegen. Ohne Technologie sind wir nichts.“

(Foto: t3n)

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Eine gewagte These, die einem zu denken gibt. Es wirkt fremdartig und ein wenig wie Science-Fiction. Allerdings kann man tatsächlich die Parallele ziehen, dass wir früher Werkzeuge benutzt haben, um zum Beispiel Feuer zu machen. Das ist ein klarer Unterschied zu Tieren. Hat uns das schon früher vom Affen unterschieden und zu einem Menschen gemacht?

Für Hiroshi ist die Sache in jedem Fall eindeutig und die Vorteile liegen klar auf der Hand: „Menschliche Körper haben Grenzen, diese können wir aufheben. Wir haben mit der Integration von Maschinen einfach mehr Möglichkeiten und Optionen.

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