Porträt

Twitter-Gründer Jack Dorsey: Der selbstoptimierte Zauberlehrling

Twitter- und Square-CEO Jack Dorsey. (Foto: Frederic Legrand/Shutterstock)

Doppel-CEO, Tech-Milliardär, Gesundheits-Guru, Model, Masseur – all das war Twitter-Gründer Jack Dorsey, teilweise gleichzeitig. Heute kämpft er nicht nur gegen das Altern, sondern auch gegen die negativen Seiten der Social-Media-Plattform, die er gegründet hat.

Die Geschichte des Twitter- und Square-Gründers Jack Dorsey lässt sich als eine moderne Variante von Goethes Zauberlehrling beschreiben: Da sitzt Dorsey im Gespräch mit dem bekannten US-Podcaster Joe Rogan – merklich betroffen über das, was er geschaffen hat. Ein Monster? Ein Sprachrohr für einen verrückt gewordenen US-Präsidenten, der Twitter unter anderem dazu nutzt, Nordkorea mit nuklearer Vernichtung zu drohen? Eine Hassmaschine, die die Spaltung der Gesellschaft weiter vorantreibt und Einfallstor ist für Propaganda und Desinformationen aus der ganzen Welt – darunter Russland und China?

Ja, all das ist Twitter wohl – auch. Und Dorsey räumt das ein. Den Zauberlehrling lässt Johann Wolfgang von Goethe verzweifelt ausrufen: „Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los“, nachdem er mit einem Zauberspruch seines Meisters den Besen zu einem dienstbaren Helfer machen wollte – dieser aber außer Kontrolle gerät und das gesamte Haus mit Wasser überschwemmt. Im Gespräch mit Rogan sagt Dorsey: „Wir haben das Ding für uns selbst gebaut. […] Nun hat es die ganze Welt durchdrungen – und einige dieser Orte sind wirklich unangenehm.“

Vom Easygoing-Jack-Dorsey ist nicht viel übrig

Von dem lockeren, enthusiastischen Easygoing-Jack-Dorsey, den das US-Magazin New Yorker 2013 porträtierte, ist nicht mehr viel übrig. Dorsey ist heute 43 Jahre alt, er spricht bedächtig und reflektiert. Aber er ist auch ein Selbstoptimierer, der beispielsweise nur eine Mahlzeit am Tag isst, regelmäßige Eisbäder nimmt, sich von einer Infrarot-Lampe neben seinem Steh-Schreibtisch anleuchten lässt, jeden Tag eine Mischung aus Himalaya-Salz, Wasser und Zitronensaft trinkt und nach eigenen Angaben versucht, täglich zwei Stunden zu meditieren. CNBC zählt elf Wellness-Rituale des Milliardärs. Einige davon – wie große Menge Vitamin C als Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen – werden von Experten kritisch gesehen.

Im Dezember 2018 twitterte Dorsey einen langen Thread über ein Meditations-Retreat in Myanmar, das es ihm erlaubt habe „die untersten Schichten des Geistes“ zu erreichen und sie „neu zu programmieren“. Die New York Times nannte Dorsey schon „Silicon Valleys Antwort auf Mega-Influencerin Gwyneth Paltrow“. Die US-Schauspielerin hat eine eigene Netflix-Serie rund um Methoden für ein gesundes Leben – manche davon mehr, manche weniger seriös. Insbesondere für manche Männer des Silicon Valley ist Dorsey eine Art Gesundheits-Guru geworden.

Mit nicht einmal 30 Twitter-Chef

Mit nicht einmal 30 Jahren war er zum ersten Mal Twitter-Chef. Später tritt er zurück, gründet den Bezahldienst Square. Seit 2015 ist er CEO beider Firmen. Eines der wichtigsten sozialen Netzwerke der Welt hat einen Teilzeit-Chef. Laut New Yorker muss sich Dorsey seitdem bei Square regelmäßig Fragen zu Twitter gefallen lassen – insbesondere von Mitarbeitern aus marginalisierten Teilen der Bevölkerung, die negative Erfahrungen auf Twitter gemacht haben.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung