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So wirkt sich der Ukrainekrieg auf den Handel in Russland aus

Der Exodus der globalen Wirtschaft aus dem russischen Raum hält an. Für die Kund:innen in Russland bedeutet das, dass sie bestenfalls auf Umwegen an die Waren kommen, die sie benötigen, für die Unternehmen bringt es langfristige Planungsunsicherheit mit sich.

4 Min. Lesezeit
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Tech-Konzerne verlassen Appeasement-Pfad gegenüber Russland. (Bild: Tomas Ragina / Shutterstock)

Eine Vielzahl an Unternehmen hat sich bereits den Boykotten gegen Russland angeschlossen. Nicht nur aus Überzeugung, sondern auch, weil es in logistischer Hinsicht und im Hinblick auf die Sicherheit der Mitarbeitenden alternativlos ist. Interessant dabei ist, dass die meisten der Konzerne erklären, dass sie, sobald möglich, den Betrieb wieder aufnehmen wollen. Und viele betonen, dass die beschäftigten Mitarbeiter:innen weiter auf der Payroll bleiben. Das ist auch sinnvoll, auch wenn das Arbeitsrecht in Russland andere Regeln kennt als hierzulande – denn zu gegebener Zeit ein komplett neues Team aufzustellen, dürfte allen Unternehmen schwer fallen.

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Die finanziellen Sanktionen gehen naturgemäß im Banken- und Payment-Bereich am weitesten. Hier hat nicht nur Paypal einen kompletten Rückzug auf Zeit angekündigt – auch für das Geschäft mit ausländischen Transaktionen. Den inländischen Betrieb hatte man bereits im vergangenen Jahr, weit vor der Eskalation in der Ukraine, eingestellt. Gerade für den Handel mit westeuropäischen E-Commerce-Partnern war Paypal ein wichtiges Standbein.

Westliche Payment-Lösungen auf dem Rückzug

Doch deutlich einschneidender im täglichen Leben sind die Einschnitte durch die Einstellung des Geschäftsbetriebs von Visa und Mastercard – und zuletzt American Express. All das hatte sich bereits seit einigen Tagen abgezeichnet und wird seit dem Wochenende vollzogen. Ausländische Kund:innen können ihre Karten in Russland nicht mehr nutzen und umgekehrt trifft das natürlich auch auf russische Karten zu. Diese können immerhin noch in Russland selbst verwendet werden, da sich Russland in den letzten Jahren mit dem NSPK-System weniger abhängig von den globalen Transaktionen gemacht hat.

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Das National Payment Card System ist eine Art „Plan B“, den die russische Regierung bereits seit 2015 infolge der US-Sanktionen realisiert hatte. Schon in den 90ern hatten die Russen ein eigenes Zahlungssystem einführen wollen, waren damals aber an Finanzierungsfragen gescheitert. Immerhin 73 Millionen dieser Karten sind im Umlauf. Für die russischen Kunden wurden auch die Visa- und Mastercard-Zahlungen (immerhin 74 Prozent aller Kredit- und Debitkartenzahlungen in Russland) über das NSPK-Processing abgewickelt, was zumindest im Inland weiterhin funktionieren soll. Zu erwarten ist außerdem, dass chinesische Payment-Lösungen die Lücke füllen werden, die durch den Rückzug von Visa, Mastercard und American Express entsteht.

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Von Ikea bis Google – westliche Firmen auf dem Rückzug

Schwieriger gestaltet sich die Lage für Konzerne wie Ikea – wohl auch aufgrund logistischer Herausforderungen bei der Produktion und Belieferung. Ikea hat beschlossen, sämtliche Exporte und Importe nach und aus Russland und Belarus auszusetzen. Die Unterbrechung gilt sowohl für das stationäre Geschäft des schwedischen Möbelhauses als auch für weitere geschäftliche Aktivitäten des Möbelriesen. Gleichzeitig hat das Unternehmen Spenden für die Ukraine angekündigt und will aber die 15.000 Beschäftigten in den drei Produktionsstätten und den 17 Filialen weiter beschäftigen. Russland zählt zu den wichtigsten Bezugsländern für Holz.

Für den Onlinehandel (sowie andere Marketer) zum Problem werden könnte auch, dass Google den Anzeigenverkauf ausgesetzt hat. Das betrifft sowohl klassische SEA-Anzeigen als auch Youtube-Werbung. Der Suchmaschinenriese war in der Vergangenheit regelmäßig mit russischen Regulierungsbehörden aneinandergeraten, die die Verbreitung angeblich falscher Informationen angeprangert hatten.

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Doch die russischen Konsumenten dürften insbesondere auch die Ansagen verschiedener Hersteller von Microsoft über Apple bis hin zu Samsung treffen, die angekündigt haben, den Vertrieb in Russland auszusetzen. Gleichzeitig könnte das für findige Händler eine Aufforderung sein, sich selbst um den Import zu kümmern, um die raren Angebote zu guten Preisen loszuschlagen.

Handelsstopp für russische Kunden von Ebay

Doch all das ist, glaubt man Ebay, gar nicht so einfach zu realisieren – aufgrund der fehlenden Logistik. Die Plattform erklärt, man habe für Kunden aus den betroffenen Ländern, also neben Russland und Belarus auch die Ukraine betreffend, den Handel und die Bestellungen bei ebay.de ausgesetzt. Händler:innen können nicht davon ausgehen, dass Pakete, die aktuell unterwegs in besagte Länder sind, auch zugestellt werden können. Generell, das betrifft dem Vernehmen nach sämtliche Paketdienstleister von DHL über GLS bis hin zu DPD und Hermes, ist der Paketverkehr nicht nur nach Russland, sondern natürlich auch in die Ukraine zum Erliegen gekommen und nicht mehr möglich.

Doch was macht eigentlich Amazon? Das Unternehmen spielt zwar in Russland neben Wildberries und einigen anderen Playern eine kleinere Rolle als im Westen, ist aber durchaus auch relevant. Man habe, heißt es, bereits fünf Millionen Dollar an Hilfsorganisationen gespendet, nicht direkt in der Ukraine, aber doch an Unicef und UNHCR zugunsten der Ukraine. Man wolle vor allem bei Cybersicherheitsthemen, etwa gegen russische Hackerangriffe, unterstützen. Von einem konkreten Handelsstopp ist dagegen nichts bekannt. Immerhin ist Amazon seit dem Engagement in Polen für den Handel mit der Ukraine – soweit dieser noch logistisch möglich ist – gut aufgestellt. Doch wirklich überzeugend wirkt das noch nicht, wie Twitter-User kritisieren.

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Die kommenden Wochen werden zeigen, was von den Sanktionen dauerhaft Bestand hat und in welchen Bereichen Unternehmen wohl aus einem kurzfristigen Aussetzen einen Stopp „bis auf Weiteres“ machen müssen. Abzuwarten ist dabei aber auch, wie die russische Regierung das Internet reguliert – auch hieraus könnten sich für den Onlinehandel noch empfindliche Einschnitte ergeben.

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Kantenhuber

In Abwandlung B. Clintons Ausspruch: It´s The Business stupid!

Man muss sich einfach die wirklichen Verhältnisse vor Augen halten:

Wirtschaftskraft in Form von BIP

Union of the West*: ca. 40 Bill USD (2020, davon allein die USA mit ca. 20 Bill)
China/Russische Förderation: ca. 17 Bill USD (2020, davon ca. 1,7 Bill RF)

Das ist grob überschlägig recht einfach zu errechnen. Nicht enthalten sind die Mittel- und Südamerikanischen Länder und Indien, sowie Afrika. Selbst Indien hat als s. g. Schwellenland eine weit höhere Wirtschaftsleistung als Russland.

Das Verhältnis steht also in etwa bei 40 : 17 = westliche Demokratien gegenüber autoritäre Staaten.
Russland ist da praktisch nicht vorhanden. Selbst wenn China in den nächsten Jahren die größte Volkswirtschaft werden sollte, steht es international immer noch isoliert da und es wird nicht ausreichen, „den Westen“ zu dominieren, selbst mit hoher Anstrengung.

Auf der anderen Seite hat dieser Ausraster Russlands dazu geführt, dass der Westen über seine Zusammengehörigkeit nachgedacht hat und jetzt seinen Standort neu bestimmt, hin zu gemeinsamer Koordination. Man muss vor allem weg kommen vom direkten Vergleich Land gegen Land. Es zählen vor allem die kooperativen Eigenschaften, in denen Volkswirtschaften ernsthaft arbeiten können. Die Vorstellung der völkischen Nationalisten, dass jeder einzelne Staat isoliert vor sich hin wursteln kann und damit nach eigener Fasson glücklich werden kann, gehört ins Reich der Mythen und Sagen. Damit kann man in einer verteilten Weltwirtschaft absolut kein Blumentopf mehr gewonnen werden.

Die Autokratien haben sich dazu verstiegen, zu glauben, dass man den Weg der partnerschaftlichen Wirtschaft verlassen kann, um dem Westen seinen Willen ungefragt aufzwingen zu können, obwohl das deren Hauptabnehmerländer sind. Das wird nicht funktionieren. Eher genau anders herum.

Russland wird vielleicht die Kampagne in der Ukraine gewinnen, wobei das nach einer Woche blinder Zerstörungswut immer nur an den Rändern der Ukraine bis jetzt gelungen ist. Es wird für die Russische Föderation ein regelrechter finanzieller Overkill, die Ukraine restlos zu besiegen und selbst dann muss die wie auch immer geartete russisch orientierte Führung dieses Land dann wieder aufbauen. Anscheinend hat sich in der russischen Regierung niemand ernsthaft Gedanken gemacht, was das wirtschaftlich bedeutet. Es wird ein langer Weg des Niedergangs.

*(Union of the West = EU gesamt, GB, USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Ozeanien)

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