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Zynische Weltall-Milliardäre: Astronaut Bezos taugt nicht als Vorbild

Die Welt ist Jeff Bezos nicht mehr genug. Schön, wenn Pensionäre Hobbys haben, aber sein Ausflug ins All bringt in zynischer Weise vieles auf den Punkt, was hier auf der Erde gerade schiefläuft – ein Kommentar.

3 Min. Lesezeit
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Will hoch hinaus: Amazon-Gründer Jeff Bezos (Foto: Blue Origin)

„Jeder, der mal im Weltall war, kommt verändert zurück. Ich weiß nicht, wie es mich verändern wird, aber ich bin gespannt darauf.“ In etwa so hatte es Jeff Bezos formuliert, bevor er in seine Rakete stieg. Wer jetzt gehofft hatte, dass der Milliardär als geläuterter Mensch mit neuem Blick auf unseren blauen Planeten und seine zahlreichen Probleme zurückkehrt, konnte sich diese naive Idee direkt nach der Landung wieder abschminken. Da bedankte sich Bezos nämlich nicht nur bei den Amazon-Kunden, sondern auch bei den Mitarbeitern, die seinen Flug bezahlt hätten.

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Dass ein Unternehmer durch seine Kunden zu Wohlstand gelangt, ist nicht verwerflich. Dafür kann man auch mal „Danke“ sagen. Profitmaximierung ist schließlich ein Kernziel von Unternehmen. Wie Bezos sich, ob nun absichtlich oder nicht, aber auch bei seinen miserabel bezahlten und unter prekären Bedingungen arbeitenden Angestellten bedankt, zeigt aber vor allem eins: Die bloße Existenz dieser neue Spezies der Weltall-Milliardäre ist angesichts der Lage hier auf der Erde erschreckend zynisch.

Ein Thema, zwei Meinungen: Lest hier, warum Bezos‘ Flug okay ist und Milliardäre gar keine Vorbilder sein müssen.

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Die Welt ist nicht genug

Bezos und Branson haben das Spiel auf der Erde scheinbar durchgespielt. Was soll jemand wie Bezos angesichts von über 200 Milliarden Dollar Privatvermögen hier auch noch erreichen? Da erscheint der Schritt ins All nicht unlogisch. Befürworter dieser neuen superreichen Astronauten-Generation ziehen gerne das Argument heran, dass wir hier den Fortschritt live erleben könnten. Dass diese Rolle jetzt einzelnen Milliardären zukommt, hätte auch etwas damit zu tun, dass Staaten zu wenig Innovationskraft besäßen. Im Bezug auf die Raumfahrt mag das tatsächlich stimmen. Man muss sich aber auch fragen, was das für ein Fortschritt sein soll und wem er eigentlich nützt.

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Denn selbst, wenn wir dank der Forschungen von Musk, Bezos und Co. bald einen florierenden Weltraum-Tourismus haben werden, so wird das auf absehbare Zeit ein Projekt der Super-Priviligierten bleiben. Pandemien, Hungersnöte oder die Klimakrise löst man so nicht. Zudem hat Bezos bereits mehrfach bewiesen, dass von den Rekordgewinnen seiner Unternehmen kaum etwas bei den einfachen Angestellten ankommt. Für einen Trickle-Down-Effekt aus dem Weltall muss man schon sehr viel Fantasie mitbringen. Dass Projekte, für die früher ganze Nationen nötig waren, heute als Nebenjob von einzelnen Männern mit staatsähnlichem Kapital durchgeführt werden können, sagt viel über die Entwicklung der Welt seit der ersten Mondlandung aus.

Im Science-Fiction-Film „Elyisium“ lebt die Arbeiterklasse im Jahr 2154 weiterhin auf der sterbenden Erde, während die reichsten der Reichen es sich ein paar Kilometer höher auf einer gigantischen Raumstation gemütlich gemacht haben. So weit sind wir zwar noch nicht, Elon Musks Gedankenspiel, den Mars mit Superreichen zu besiedeln, geht aber genau in diese Richtung.

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Tatsächlich sieht es allmählich danach aus, dass es sich hier um einzelne Individuen mit besonders großem Geldbeutel handelt, denen die Welt schlicht und einfach nicht mehr genug ist. Nicht nur deshalb ist hier Heldenverehrung fehl am Platz. Noch wichtiger ist der Blick darauf, wie die Geldbeutel so groß geworden sind.

Alles im Rahmen der Gesetze?

Dass ein Konzern freiwillig mehr Steuern zahlt, als er dem Gesetz nach müsste, erwartet sicherlich kaum jemand. Wer aber argumentiert, dass sich Unternehmen wie Amazon im Rahmen des geltenden Rechts bewegen und die Verantwortung bei den handelnden Staaten liege, macht es sich zu einfach. Denn erstens sind in einer globalisierten Welt gesetzliche Lücken für weltweit agierende, aber zentral gesteuerte Konzerne viel leichter zu finden, als sie für einzelne Nationalstaaten oder langsam agierende internationale Bündnisse zu schließen sind. Und zweitens geht mit einer gewissen Menge an Kapital auch die Möglichkeit einher, mehr Einfluss auszuüben, Druck aufzubauen und erfolgreich zu lobbyieren.

Darüber hinaus geraten die Big Five immer wieder mit dem Gesetz aneinander, müssen Vergleiche eingehen oder werden zu Strafzahlungen verdonnert. Sie bewegen sich eben nicht einfach nur im Rahmen eines zu lose abgesteckten Rechtssystems. Wo die Angestellten in Flaschen pinkeln müssen, läuft ohnehin mehr als nur eine Sache falsch. Auch wenn Bezos dieses Gefühl durch sein Astronauten-Training mittlerweile vielleicht kennt.

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Amazons Erfolg geht auf unternehmerischen Einfallsreichtum, Handlungsschnelligkeit und kluge Entscheidungen zurück. Gleichzeitig wurde dieser Erfolg aber auf dem Rücken von Millionen unterbezahlten Angestellten weltweit, der vom Monopol erschlagenen Konkurrenz und nicht zuletzt auch der Umwelt gebaut. Wer es auf diesem Weg ins All schafft, taugt weder als Vorbild noch als Inspiration.
Falls der Flug ins All Bezos also tatsächlich, wie von ihm erwartet, verändert hat, bleibt nur zu hoffen, dass es nicht noch schlimmer geworden ist.

Ein Thema, zwei Meinungen: Lest hier, warum Bezos‘ Flug okay ist und Milliardäre gar keine Vorbilder sein müssen.

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Chris Will

Ich frage mich eh warum die Berichterstattung so ambivalent ist, auf der einen Seite nimmt Klimawandel rund 70% der gefühlten Sendezeit im öffentlich-rechtlichen Nachrichten TV ein, auf der anderen Seite hört man nicht mal in einer Randnotiz wie viel CO² der Flug von Bezos oder Branson produziert hat. So kann man ja nicht mal einen ökonomischen Vergleich anstellen, stattdessen lassen sich die Tagesschau und Co. von dem amerikanischen Gigantismus vergiften und berichten über die wissenschaftliche Diskussion ob dieser oder jener nun den Weltraum erreicht hat (wer hat den längeren).
Wenn die Jugendlichen von FFF nun diese Janusköpfigkeit anklagen haben Sie recht und die Tagesschau und Co. ist weiterhin leider ohne eigene Ideen sondern bedient sich in den USA und beim einfachten Gemüt. Schade Öffis!

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Gunar Gürgens

Ohne mich jetzt genauer mit Raketentriebwerken auszukennen. Aber ich meine meine mal gehört zu haben, dass da viele auch auf Wasserstoff setzen, d.h. beim Verbrennen kommt dann nur Wasser raus und kein CO2.
Aber ansonsten würden die Milliardeninvestitionen für den touristischen Weltraumflug wesentlich besser in die Erforschung von CO2-Vermeidung investiert sein. Damit würde man einen Großteil der Menschheit nützen anstatt nur der Splittergruppe der Superreichen.

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Johnny Walker

Das hast du vermutlich nur verwechselt:
Wasser würde entstehen bei der Verwendung einer Brennstoffzelle. Die wiederum liefert Strom.

Chris Will

Ein kurzer Blick auf wikipedias Artikel zu Raketentreibstoff kann diese Frage beantworten. Aber darum gehts auch nur sekundär, es geht um die widersprüchliche Berichterstattung.
Dass auch Raumtourismus Fortschritt ist, muss ich als Betriebswirt und im Gegensatz zum Autor des Artikels bestätigen. Denn ein Produkt günstiger und damit effizienter an den Markt zu bringen ist eine wichtige Innovation und geht häufig mit ökologischer Innovation Hand in Hand aber nicht notwendig. So wie Fische aerodynamisch aufgebaut sind damit sie möglichst energiesparend bzw schnell durch das Wasser gleiten können, ist es wichtig die Konzepte der Natur auf die Technik zu übertragen um die Vorteile bestmöglich auszunutzen und mit Ressourcen sparsam bzw effektiv umzugehen.

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