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4-Tage-Woche in Island: 5 Fakten, mit denen Kritiker klarkommen müssen

Island hat die weltweit größte Studie zur Vier-Tage-Woche mit positivem Fazit abgeschlossen. Wir haben die fünf wichtigsten Fakten aus dem Experiment zusammengetragen.

4 Min. Lesezeit
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Vier-Tage-Woche: Produktivität ist in Island nicht eingebrochen. (Foto: Shutterstock-Julius Kielaitis)

Die Vier-Tage-Woche bei vollem Gehalt: Für viele Menschen eine bloße Utopie, für andere vielleicht bald schon Realität? Island hat über einige Jahre in zwei größer angelegten Feldversuchen die Auswirkungen der verkürzten Wochenarbeitszeit genauer untersucht. Der erste Testlauf begann im Jahr 2015 und umfasste in der Spitze bis zu 2.500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Am zweiten Testlauf nahmen ab 2017 mehr als 400 Personen teil. Für Island ist das eine erhebliche Zahl, denn die gesamte arbeitende Bevölkerung liegt bei etwa 200.000 Personen.

4-Tage-Woche: Testlauf in Island mit positiver Bilanz

Die Vier-Tage-Woche in Island ist ein Erfolg. (Foto: Shutterstock-Nokuro)

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Das Ergebnis: Es scheint für das Land im hohen Norden zu funktionieren. „Die Produktivität und die erbrachte Leistung blieben gleich oder verbesserten sich sogar bei den meisten Versuchsarbeitsplätzen“, heißt es in der veröffentlichten Auswertung. Die Ergebnisse lassen sich jedoch nicht eins zu eins auf andere Volkswirtschaften übertragen. Davon hängen viele Faktoren ab. Staaten wie beispielsweise Spanien experimentieren derzeit am eigenen Beispiel. Wir haben uns die Ergebnisse aus der isländischen Studie trotzdem genauer angeschaut und die wissenswertesten Fakten kurz und bündig zusammengetragen.

1. Leistung und Produktivität sind nicht eingebrochen

Die Frage nach der Entwicklung der Produktivität haben die Forscherinnen und Forscher weitestgehend positiv beantwortet. Die Auswertung verschiedener Daten habe gezeigt, dass die Isländer keine Produktivitätseinbußen verzeichnen konnten. „Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Versuche, dass durch Arbeitszeitverkürzungen die Produktivität und Leistungserbringung erhalten oder gesteigert wurde“, heißt es in der Auswertung. Dass die Produktivität sich in einigen Fällen erhöhte, hängt auch stark damit zusammen, dass Arbeitsprozesse deutlich modernisiert wurden. Island gilt im europäischen Vergleich als eines der Länder mit der höchsten Wochenarbeitszeit. Die durchschnittliche Arbeitswoche für Vollzeitbeschäftigte auf der Insel soll im Jahr 2019 laut der europäischer Statistikbehörde Eurostat bei 44 Stunden gelegen haben. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt die durchschnittliche Arbeitswoche in etwa 41 Stunden.

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2. Die Anzahl der informellen Überstunden ist nicht gestiegen

Dass die Menschen die gleiche Arbeit in weniger Zeit leisten müssen und so Gefahr laufen, mehr informelle Überstunden zu leisten, war eine der größten Sorgen vieler Kritikerinnen und Kritiker. Island konnte das widerlegen. Die Forscherinnen und Forscher machen klar, dass dafür ein wenig mehr Denkarbeit in den Organisationen vorausgesetzt ist. „Die angegebene Arbeitszeitverkürzung führte tatsächlich dazu, dass die Belegschaft weniger arbeitet“, heißt es in der Auswertung. Dafür brauchte es die Umsetzung neuer Arbeitsstrategien. Soll heißen: Damit alle in der Belegschaft früher nach Hause gehen können, mussten Arbeitsprozesse, Kommunikationsstrukturen und Entscheidungsebenen überdacht werden. Im Grunde sind somit die teilnehmenden Organisationen effizienter geworden. „Wir haben Meetings an unserem Arbeitsplatz verkürzt und versuchen sie ständig weiter zu verkürzen“, sagt beispielsweise ein Teilnehmer.

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3. Neue Arbeitsprozesse bedürfen kaum hoher Anstrengung

Eine weitere Sorge vieler Kritiker: Die Arbeitsprozesse lassen sich hinsichtlich kürzerer Arbeitszeiten nur schwer optimieren. Auch das hat Island widerlegt. In lediglich einem Unternehmen habe es größere Anstrengungen gegeben, die Organisation umzustrukturieren. Dort gab es viele Diskussionen, die durch ein extra eingerichtetes Komitee gesteuert wurden, heißt es in der veröffentlichten Auswertung. „An den meisten Arbeitsplätzen war der Prozess nicht so komplex, und es wurden einige einfache Möglichkeiten für eine optimierte Arbeitsweise identifiziert. Routinearbeitsmuster wurden hinterfragt und verändert, Arbeitszeiten effizienter genutzt und Schichten neu organisiert“, hieß es weiter. Damit hätten am Ende der Neuerungen nicht nur Fachkräfte, sondern auch Führungskräfte weniger gearbeitet. Das müsse auch so sein, meinen viele Teilnehmende, da gerade sie mit gutem Beispiel vorangehen sollten.

4. Kürzere Arbeitszeiten führen zu einer gesünderen Belegschaft

Vorausgesetzt, dass die Arbeitsprozesse überdacht werden und somit informelle Überstunden ausbleiben, lässt sich klar sagen: Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Arbeitnehmenden profitieren deutlich von den verkürzten Wochenstunden. „Die Mitarbeiter sagten, dass sie sich bei der Arbeit positiver und glücklicher fühlten“, heißt es in der Auswertung. Das überrascht nicht. Auch andere Studien kamen stets auf das gleiche Ergebnis. Die Kausalität wird von seriösen Beobachtern nicht infrage gestellt. Vor allem der Stresspegel der Menschen sinkt, wenn sie mehr Zeit haben, um sich zum einen von anstrengenden Arbeitsphasen zu erholen und um zum anderen ihr Privatleben zu organisieren. Ein gewichtiger Nebeneffekt: Die Kosten für das Gesundheitssystem sinken dramatisch. Burnout und Depressionen zählen immerhin zu den Top-3-Gründen, warum Berufstätige ausfallen.

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5. Isländer haben die gewonnene Freizeit sinnvoll genutzt

Auch die Sorge, dass die Bevölkerung faul und tugendlos wird, bringen Kritisierende oft an. Hier haben die Isländer andere Erfahrungen gemacht. Die gewonnene Freizeit ist weitestgehend sinnvoll genutzt worden: Hausarbeiten konnten leichter während der Arbeitswoche erledigt werden, wovon das Familienleben am Wochenende stark profitiert hat. Vor allem Männer hätten mehr Verantwortung im Haushalt und bei der Kindererziehung übernommen. Sowohl Männer als auch Frauen hätten sich jedoch auch mehr um sich gekümmert und seien beispielsweise öfter in Cafés zur Entspannung gegangen. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer hätte ein neues Hobby angefangen. Auch hätten viele Isländerinnen und Isländer angefangen, Sport zu treiben. „Probanden mit kürzeren Arbeitszeiten berichteten von einem deutlichen Vorteil in Bezug auf Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben“, heißt es in der Auswertung.

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Boury
Boury

Hm…
Ich bin Lehrerin, und wie die meisten Lehrer, die ich kenne, arbeite ich selten unter 60 Stunden. (Lehrer dürfen sich die Arbeitsstunden frei einteilen, wenn ich am Wochenende nicht oder kaum arbeite, muss ich dafür oft die halbe Nacht, oder umgekehrt.

Wie soll man aber diese 60 Stunden in 4 Tagen pressen ?
Sollen die Lehrer dann, zum Beispiel Grundschullehrer, nicht mehr alle Fächer unterrichten ?
Denn 1/5 weniger Arbeit bedeutet dann auch : 1/5 weniger Unterricht.
Die 4-Tage Woche gab es jahrzehntelang für Schüler in Frankreich schon, aber es für Lehrer einzuführen scheint kompliziert in der Durchführung, bzw habe ich den verdacht, dass die Branche bei vergessen werden würde …

Dann wird es in der Gesellschaft ungerechter, denn es wird Berufe geben, für die es gemacht wird, und

Antworten
biensle
biensle

Ich komm da immer nicht ganz hinterher…
Eine 60h/Woche bedeutet auf eine 5Tage Woche 12h pro Tag.
Angenommen ein Lehrer unterrichtet jeden Tag 8 Schulstunden und hat immer Pausenaufsicht, dann geht sein Tag von 08:00 – 15:20 Uhr (7:20h).
Um auf die 12h pro Tag zu kommen müsste dieser Lehrer jetzt 4:40h pro Tag mit Unterrichtsvorbereitung etc. verbringen.

Dazu kommen dann die Ferien (ca. 67Tage/Jahr die unter die Woche fallen).
Macht eine 37Tage differenz zum „normalen“ Angestellten

Rechnet man dies zusammen…
230 Arbeitstage pro Jahr – 30 Tage Urlaub =200Tage
davon
37 Tage Ferien die kein Urlaub sind (a 12h) = 444h
163 Tage mit 4:40h Unterrichtsvorbereitung etc. = 760h
macht 1204h Unterrichtsvorbereitung etc.
bei 163 Tagen (a 8 Schulstunden) = 978h

Das heißt auf jede Unterrichts(zeit)stunde kommen 1:15h Vorbereitung etc.
und diese Rechnung geht nur halbwegs auf, wenn dieser Lehrer NIE Pause macht und JEDEN Schultagag 8 Schulstunden unterrichtet.

Wo waren diese ganzen hochmotivierten Lehrkräfte zu meiner Schulzeit?
Ich möchte nicht ausschließen, dass es solche Lehrer gibt…aber ob es die Norm ist?

Antworten
Boury
Boury

Ich bin Grundschullehrerin und habe nie genau gerechnet.
Ich unterrichte 6 Stunden am Tag (ich glaube, kein Lehrer unterrichtet 8 Stunden), und es sind sogar 6 x 45 Minuten. Mit den Aufsichten, also „nur“ 5 Stunden vor den Klassen.

Die stunden vor den Klassen stellen meistens den kleinsten Teil der Arbeitszeit eines Lehrers dar.

In der Tat sollten 1 Stunde pro Unterrichtsstunde für die Vorbereitung und Korrektur ausreichen, obwohl es längst nicht immer der fall ist.
(Für manche stunden braucht man sehr wenig zu tun, für manche Stunde sitzt man schon über 4 Stundenoder mehr reine Vorbereitungszeit. (Man stellt sich als Beispiel vor, wie man als Nichttänzer und Nichtmusiker eine sinnvolle Tanzstunde samt Gesamtprojekt plant, inklusive Musik etc. Nur als Beispiel, es gilt aber für viele Projekte. Da können auch oft zwei ganze Wochenden auf ein Projekt gehen, das mit den Kindern einige Stunden dauern wird)

Ich persönlich (ich bin vielleicht langsam ?) habe es aber nie so schnell geschafft.
Mit den ganzen anderen Aufgaben zusammen, als vorbereiten und korrigieren (Korrespondenz mit Eltern, Schulpsychologen, Schulleitung, Kollegen, Konzertationen, Konferenzen, Recherchieren im Internet, Protokolle über Schüler schreiben, Bestellungen, Zeugnisse, Theateraufführungen vorbereiten (das kann am Schuljahresende mit Bühnenbild, vertonung etc. manchmal ganze Nächte in Anspruch nehmen), Recherchen im Internet und vieles mehr, was mir gerade nicht einfällt, reicht bei vielen Lehrern eine Stunde pro Unterrichtseinheit nicht aus.

Ich gehöre zu den Lehrern, die am Wochenende und in den Ferien nicht sehr viele Stunden bzw. viele Tage arbeiten, obwohl ich mir vornehme, weil ich einfach richtig müde bin, und die Kollegen sind immer darüber erstaunt. Der Preis dafür ist nämlich, dass ich sehr oft bis in die Morgenstunden beschäftigt bin, bis ich fertig bin.
Und ich bin, da bin ich mir sicher, kein Einzelfall. Denn in Lehrergruppen oder Blogs, wo Schulmaterial erschaffen und sich ausgetauscht wird, scheint um 1 Uhr nachts oft noch reger Betrieb zu sein.

Die allermeisten meiner Kolleginnen verbringen einen Teil ihrer kleinen und großen Ferien damit, Unterrichtsmaterial zu ordnen und neues vorzubereiten, um so mehr, wenn es einen Schulwechsel oder Klassenstufenwechsel gibt.

Meine Arbeitsweise ist vielleicht nicht die Norm, oder besser gesagt, diese gilt vielleicht nicht für alle Lehrer, aber die meisten Lehrer arbeiten extrem viele Stunden.
Weit mehr, als sich das die meisten Leute vorstellen.
Fragt einmal bei Lehrerkindern nach.

Die allermeisten Trennungsgründe bei Paaren, in denen eine Person Lehrer ist, sind die mangelnde geteilte Freizeit (Arbeiten bis spät Abends, an den Wochenenden und im Sommer) begründet.
Sehr oft lese ich über solche Trennungen in Lehrerblogs und lese auch Fragen danach, wie man sich organisieren soll, um das zu vermeiden, weil sich das Risiko anbahnt.

In vielen Berufen ist es wohl ähnlich (Gastronomie, Landwirtschaft, Management, Eigenbetrieb).
Aber bei Lehrern ist es wirklich sehr oft ein kritischer / schwieriger Punkt (und einer der Gründe, weshalb manche Lehrer kündigen und sich anders orientieren wollen).
Bei all diesen Berufen (und ich habe sicherlich welche vergessen) wäre eine 4-Tage Woche, ohne die Anzahl der Stunden pro Tag zu erhöhen, schwierig zu realisieren (zumindest sehe ich nicht, wie).

Viele Grüße,
Sabine

Thomas
Thomas

Vorab: Ich bin nicht Lehrer, ich bin Vater eines schulpflichtigen Kindes und auch nicht in D sondern in der Schweiz.
Was mir bei obigen Kommentar auffällt, sind 3 Sachen.
1) Es wird regelmässig vergessen, dass (bei uns) 2 Elterngespräche pro Schuljahr pro Kind stattfinden. –> 50h mit den Eltern + mindestens 25h Vorbereitung, eher mehr. Rund 100h pro Jahr allein dafür. Das Anstrengendste am Lehrerjob seien die Eltern, nicht die Kinder – hab ich mir von einer Ex-Lehrerin sagen lassen. + Weiterbildung; + Konfliktmanagement für Schüler mit Eltern und Sozialarbeitern. etc.
2) Mit welcher Dreistigkeit wird Lehrpersonen unterstellt zu wenig für Ihr Geld zu machen bzw. auf hohem Niveau zu jammern. Sind Sie schon mal zu Ihrem Bäcker gegangen und haben dem erklärt wie ein richtiger Kuchen gebacken wird? Oder Erklären Sie mal den Mitarbeitenden der Autowerkstatt Ihres Vertrauens wie die ihren Job machen sollen. Was halten Sie von einer fachfremden Person, die Ihnen Ihren Job erklärt ?
3) Wenn Lehrerperson so ein Schoggijob ist, warum wechseln Sie nicht? Warum gibts hier einen Lehrermangel? Warum geben so viele nach einigen Jahren den Job wieder auf? Sicher nicht weil sie mit so viel Freizat nicht klarkommen.

Minka
Minka

Das Erste was mir dazu einfällt ist einfach mehr Personal einzustellen.

Die Lösung ist gar nicht so schwer oder? ;-)

Aber dass diese Stunden nur an rund 180 (normal Angestellte arbeiten ~ 60 Tage mehr) Tagen im Jahr erbracht werden, verschweigen Sie uns auch geschickt.

Antworten
Maffmaff
Maffmaff

„Das Erste was mir dazu einfällt ist einfach mehr Personal einzustellen.

Die Lösung ist gar nicht so schwer oder? ;-)“

Tja, ich denke, gerade im Lehrerberuf könnte das schwierig sein, v. a. wegen dem „Fachkräftemangel“. Es wird doch seit Jahren propagiert, dass am Stichtag x zig zehntausende Lehrer fehlen werden. Genau wie in der Pflege und in anderen Branchen.

Lehrer fallen halt nicht vom Baum. Und mal ehrlich: Wer will denn in Berlin Neukölln oder anderen Brennpunkten freiwillig unterrichten, mit Schülern die einem wenig Respekt entgegenbringen? Ist nicht überall so, aber trotzdem oft Realität.

Boury
Boury

Wenn Sie mich meinen, nein nein, ich verschweige nichts bewusst, denn es ist doch wohl klar, dass sie Kinder nicht jede Woche des Schuljahres in der Schule anwesend sind.
deshalb meine ich auch nicht, dass ich 52 x 5 Tage lang 15 Stunden arbeite.
Es verteils sich anders.
An manchen Tagen arbeite ich weit mehr, als 15 Stunden (Zeugnis-Zeit, Aufführungen …) , an anderen weniger.

Ich habe nicht nachgerechnet, ob sie bei diesen 180 Tagen nur die Unterrichtstage berechnet haben, aber sie sollen dabei nicht vergessen, dass die meisten Lehrer viele Tage dieser Freien arbeiten.

Ich habe mit einem Mathelehrer gelebt, der an den Wochenenden und in den kleinen Freien hohe Stapel an 10-setigen Schul- oder Hausarbeiten mitbrachte … Wenn er mitging blieb er öfter bei Ausflügen blieb irgendwo im Schatten sitzen und korrigierte, dasselbe tat er im Zug, im Flugzeig etc.

Im Sommer war er auch mindestens zwei Wochen „nicht verfügbar“, um von früh bis spät sein programm auszuarbeiten und nachher die erholung zu genießen.
„Lehrererien“ sind nicht gleichzusetzen mit den Kinderferien und bestehen bei vielen zu einem kleinen oder großen Teil aus Arbeit verschiedener Art.
(Außer für manche wie ich, die prokrastinieren und dann außerhalb der freien bis in die Nacht arbeiten.)

Man sieht auch oft Lehrer, die nachmittags joggen oder zum zahnarzt gehen, zum schwimmen, in die Bank etc.
Ich denke, sie bevorzugen die Tagestunden dafür, nicht zuletzt weil sie so mehr Zeit mit ihren Kindern teilen. Und arbeiten dann lieber nachts.
Zumindest machen es einige meiner Kolleginnen, die Kinder haben.

Ich denke auch, dass mehr Personal eingestellt werden sollte. Es gibt nicht besetzte Stellen oder verletzte /erkrankte Lehrer, die nicht vertreten werden, das ist jetzt schon, ohne an eine 4-Tage-Woche zu denken, ein Problem.
Der Beruf zieht anscheinend nicht mehr genug Studenten an (das Problem ist zur Zeit internnational), und es herrscht in einigen Gegenden Deutschlands Lehrermangel.

LG
Sabine

Sabine
Sabine

@ Maffmaff
Ich bin zwar „nur“ Grundschlullehrerin, und nicht unerfahren, habe aber auch schwierige Erfahrungen mit einer 4. Klasse gemacht (in der ich nicht die Klassenlehrerin bin) , sodass ich danach dachte, es sei die erniedrigndste erfahrung meines Lebens, und dass wenn diese Kinder 14 oder 15 wären ich mich nur noch darauf konzentrieren müsste, nicht zu weinen. =)
(Ich lächle jetzt darüber, aber es war wirklich hart, zumal ich mit dem Stoff auch nicht weiter kam, und ich beneide Lehrer nicht, die in mittleren Klassenstufen unterrichten ! Da braucht man sicher Nerven aus Stahl !).

Aber auch in ruhigen Schulen mit Kindern, die zum Großteil schön mitmachen, ist die Arbeit zwar sehr interessant und nie langweilig, aber sie beansprucht außerdem auch sehr viel mehr Zeit, als man denkt.

MaG
MaG

Das relativiert sich doch alles ziemlich, wenn man mal in Island war und weiß, dass jeder Isländer aufgrund der riessigen Lebenshaltungskosten drei Jobs hat. Den Hauptjob, den Wochenendjob, den Urlaubsjob. Daher sind die Ergebnisse kein Wunder, sagen aber überhaupt nichts aus, bzw. sind nicht auf Deutschland übertragbar. Wenn ich meinen Lebensunterhalt aus einer normalen Tätigkeit nicht mehr bestreiten kann, was übrigens in Deutschland auch zigfach vorkommt, und daher faktisch weit mehr als 40 Stunden real arbeite ist es nicht verwunderlich, dass es mir gesundheitlich besser geht, wenn ich das Mass auf ein vernünftiges Mass reduziere. Dazu benötigt es , weiß Gott, keine Studie.

Antworten
Wolfgang
Wolfgang

Voraussetzungen?

In dem Artikel wird nicht genannt, welche Voraussetzungen da gegeben sein müssen, dass die Viertagewoche eingeführt wird. Wenn ein Fischer einen Tag weniger pro Woche auf See fährt, mag das die Fischpopulation freuen, jedoch die Person, die kochen muss, nicht.

Antworten
Friedrich
Friedrich

Typischer Whataboutism. Selbstverständlich betrifft die Arbeitszeitkürzung nur bestimmte Branchen, die dann auch entsprechend sozialem Ansehen verlieren. In Island arbeiten 2,5 % der Menschen in der Fischerei.
https://www.iceland.de/landeskunde/wirtschaft-und-soziales/fischereiwirtschaft/

Mit manchen Dingen muss man einfach auch mal anfangen, bevor sie sofort zerredet und nur das Negative hervorhebt.

Antworten
Lars
Lars

Island hat fast 400.000 Einwohner nicht 200.000!

Hoffe, die anderen Zahlen und damit Ergebnisse der Studie sind nicht so fehlerhaft wiedergegeben.

Antworten
Gregor
Gregor

Im Artikel wird ja auch nichts Gegenteiliges behauptet. Bringt man Kinder und jugendliche in der Ausbildung, Rentner und anderweitig nicht erwerbstätige zum Abzug, bleibt eine „arbeitende Bevölkerung“ von etwa 200.000 Menschen. Das ist schon richtig.

Antworten
lukas
lukas

Da steht auch ganz klar „arbeitende Bevölkerung liegt bei etwa 200.000 Personen“…

Antworten
Gregor
Gregor

Ganz richtig, und knapp 160.000 Einwohner gehören zur „nicht arbeitenden Bevölkerung“. In Summe leben also ca. 360.000 (200.000 + 160.000) Menschen in Island (Einwohner). Also ich erkenne noch immer keinen Fehler.

Sputnik-HH
Sputnik-HH

Seltsamer Artikel, der Schreiber beantwortet seine eigenen Fragen.
Nach meinem Wissen war der größte Teil der Jobs in der Studie im öffentlichen Dienst angesiedelt. Nun kenn ich Island nicht, aber in DE würde ich in weiten Bereichen des ÖD ebenfalls kein Problem sehen durch bessere Arbeitsorganisation, Automatisierung bzw. Digitalisierung etc. eine Produktivitätssteigerung von 20% zu erreichen. Bei Lehrern im übrigen eher nicht, aber auch da haben ja die „Nicht Kernaufgaben“ kontinuierlich zugenommen. Wie in Krankenhäusern oder …
In der Halbleiterindustrie sind 3-5% Produktivitätssteigerung / Jahr seit Jahrzehnten weltweit normal und überlebenswichtig.
Die Frage ist aber dann wie weiter mit dem Produktivitätsgeweinn: Will ich einfach nur „glücklichere“ Menschen haben oder versuche ich die Kosten zu reduzieren (im ÖD=ich brauche weniger Steuern bzw. kann weniger Schulden machen), sprich Personal reduzieren. Oder, wenn ich es kostenneutral halten will an der einen Stelle Personal reduzieren und an anderer Stelle aufstocken: Lehrer, Erzieher, xyz Pfleger, Polizei, … Angesichts der Staatsschulden die wir permanent aufhäufen verbietet sich das erste früher oder später von selbst.
Und was mach ich da wo die Produktivität schon sehr hoch ist, wo das nicht so einfach geht. Pech gehabt?
Oder nehmen wir eine 24/7 Produktion. Natürlich kann ich von 3×8 auf 4×6 std. Schichten umstellen. Erhöht aber meine Kosten um min. 20%. Wer’s sich leisten kann.
Schön für die Isländer wenn es bei denen geht. Wir werden ggfs. lesen was sie aus den Ergebnissen machen.
Also, schöne Studie, aber eben doch nur bedingt auf andere Länder übertragbar. V.a. ist es aber nicht seriös wenn ich nur eine Seite der Medallie betrachte.

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