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Interview

Bitpanda-CEO im Interview: Von einem Kryptotrend lässt er die Finger

Eric Demuth, CEO von Bitpanda, will schlechte Zahlen und den Abwärtstrend des Kryptomarktes als Infrastrukturanbieter überwinden und bald auch in die Beratung vermögender Menschen einsteigen. Von einem Kryptotrend lässt er als Privatmann aber lieber die Finger.

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CEO und Gründer Eric Demuth. (Foto: Bitpanda)

Mehr Verlust als Umsatz: Die Bilanz für 2022 ist auch für Bitpanda eine bittere Pille, schließlich war die österreichische Kryptobörse bislang erfolgsverwöhnt. Noch im Vorjahr war der Umsatz um unglaubliche 764 Prozent auf 477,9 Millionen Euro gestiegen. Doch dann kam der Kryptowinter.

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Mit dem Beginn des Ukraine-Krieges und der Zinswende der Notenbanken habe sich der Markt in allerkürzester Zeit gedreht. „Das war extrem schwierig, gerade wenn man – wie wir – zu diesem Zeitpunkt schon recht groß war“, sagt Eric Demuth, Mitgründer und CEO von Bitpanda. Im vergangenen Jahr musste die Kryptofirma daher auch Leute entlassen, nachdem sie vorher stark gewachsen war.

„Aber auch ohne den Markteinbruch hätte Bitpanda die gleiche oder zumindest eine relativ ähnliche Strategie gefahren wie jetzt“, sagt Demuth. „2022 haben wir massiv investiert und damit natürlich auch Kosten produziert, weil wir neue Produkte gebaut haben.“ So erklärt Demut auch die hohen Verluste, die Bitpanda 2022 eingefahren und über die der Blog Finance FWD zuerst berichtet hat. Rund 116 Millionen Euro Verlust standen 2022 einem Nettoumsatz von 90 Millionen Euro gegenüber.

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Der Markt konsolidiert sich und wer übrig bleibt, gewinnt.

„In den zehn Jahren, in denen es Bitpanda gibt, haben wir schon viele Kryptozyklen kommen und gehen sehen. Es ist immer das Gleiche: Die Leute, die einfach im Maintenance-Modus des Hype-Hochs verbleiben und sich nicht verändern, sind in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht mehr da. Der Markt konsolidiert sich und wer übrig bleibt, gewinnt“, sagt Demuth.

Warum ist Bitpanda jetzt Infrastrukturanbieter?

Auf der Gewinnerseite wähnt er sich auch deshalb, weil er mit Bitpanda Technology Solutions (BTS) bereits im vergangenen Jahr ein Investment-as-a-Service-Angebot auf den Markt gebracht hat, mit dem Neobanken, Banken und Fintechs den Handel mit digitalen Assets anbieten können. „Wir nutzen den Vorteil, dass wir schon immer alles selbst gebaut haben und keine Abhängigkeiten von anderen Entwicklern haben.“ Ähnlich wie es Amazon mit Amazon Web Services gemacht hat, will Demuth nun die selbst gebaute Infrastruktur von Bitpanda im B2B-Geschäft zu Geld machen.

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„Die Infrastruktur ist ja da – und wir haben keine zusätzlichen Kosten, wenn wir sie auch anderen anbieten“, sagt Demuth. Zu den ersten Kunden gehören unter anderem die deutsche Neobank N26 und die US-Kryptobörse Coinbase. Neben der technischen Infrastruktur stellt Bitpanda auch eigene Lizenzen als White Label zur Verfügung. Mittlerweile hat BTS bereits zwölf Partner in 28 Ländern, was den Handel für mehr als 20 Millionen Menschen ermöglicht.

Auch wenn momentan sowohl im Krypto- als auch im Aktienhandel Flaute herrscht, ist offenbar weiterhin Bedarf da. „Wir werden noch in diesem Jahr einige große Namen als Kunden hinzugewinnen. Das zahlt sich hoffentlich 2024/2025 so richtig aus. Dann werden wir mit dem B2B-Geschäft wahrscheinlich sogar mehr Umsatz machen als mit unserem aktuellen Kerngeschäft – wenn denn der Kryptomarkt wieder zurückkommt“, sagt Demuth.

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Wie läuft’s eigentlich im Deutschlandgeschäft?

Seit Herbst 2022 hat Bitpanda in Deutschland auch eine Bafin-Lizenz. Doch was hat die in Zeiten flauer Märkte eigentlich gebracht? Das Neukund:innengeschäft dürfte sich in den vergangenen anderthalb Jahren nicht nur beim Handel mit Kryptowährungen, sondern auch im Aktienhandel in Grenzen gehalten haben.

„Es gibt derzeit einfach kein großes Interesse am Finanzmarkt“, bestätigt Demuth. „Gemessen daran hat Bitpanda noch ein vernünftiges Wachstum hingelegt und jetzt schon über eine Million Kunden in Deutschland.“ Allerdings habe man auch nur einen Bruchteil dessen ins Marketing investiert, was nötig gewesen wäre, wenn die Märkte positiver ausgesehen hätten. „Im Moment ist es besser, es langsamer anzugehen – und erst richtig loszulegen, wenn die Märkte wieder anziehen.“

Wir haben jetzt über eine Million Kunden in Deutschland.

Dass internationale Wettbewerber wie die Kryptobörse Binance deutsche Kund:innen haben, ohne die deutsche Regulierung zu durchlaufen, ist für den Bitpanda-CEO ein Ärgernis. „Wir haben die meisten Lizenzen in Europa und sind in der Vergangenheit vielleicht sogar langsamer gewachsen, weil wir uns wirklich an die Spielregeln gehalten haben“, sagt Demuth.

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Von den Behörden zur Finanzmarktregulierung erwartet er deshalb ein härteres Durchgreifen gegen Anbieter, die sich nicht derart regelkonform verhalten. „Doch leider fühlt sich weder die deutsche noch die österreichische Finanzaufsicht für international agierende Börsen zuständig“, kritisiert Demuth.

Leider fühlt sich weder die deutsche noch die österreichische Finanzaufsicht für international agierende Börsen zuständig.

Auch die europäische Kryptoregulierung MiCAR (Markets in Crypto Assets Regulation) werde an solchen Marktverzerrungen nichts ändern. „Ich wette, dass 2025, wenn MiCAR umgesetzt werden muss, keine asiatische Börse in Deutschland oder Österreich registriert sein wird – die gehen alle nach Zypern, weil es dort einfacher ist.“ Dennoch nimmt er die Konkurrenz sportlich – auch weil Kryptobörsen wie Binance inzwischen regulatorisch unter Druck geraten, wie die Klage der US-Börsenaufsicht SEC zeigt. „Wir dagegen haben unsere Hausaufgaben gemacht und sehen uns daher in der Poleposition für weiteres Wachstum in Europa“, sagt Demuth.

Verwässern die vielen neuen Produkte nicht die Marke?

Im Jahr 2021 kam der Handel mit Aktien und ETF hinzu. In diesem Jahr folgte ein Angebot für Anlagen in Geldmarktfonds: Das neue Produkt Cash Plus verspricht Anleger:innen eine Rendite von bis zu 4,1 Prozent. Läuft Bitpanda nicht Gefahr, mit immer neuen Assetklassen die Marke zu verwässern?

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„Unser eigentlicher USP ist, dass wir schon immer alles selbst gebaut haben und mit relativ wenig Aufwand neue Produkte bauen können“, sagt Demuth. So sei es auch kein großer Schritt vom Kryptohandel zum Handel mit Aktien und ETF gewesen.

Wir gehen agnostisch vor: Was der Kunde will, bekommt er.

Auch beim Kryptohandel hält sich Bitpanda nicht an Altbewährtes, sondern hat im Frühjahr dieses Jahres eher unbekannte und aufstrebende Coins wie Schimmer und Core in sein Angebot aufgenommen. Kryptofans können zudem Tokenprojekte für ein Listing auf der Plattform vorschlagen.

„Wir gehen dabei agnostisch vor: Was der Kunde will, bekommt er“, sagt Demuth, der selbst nicht jeden Kryptotrend nachvollziehen kann. „Ich würde mir privat zum Beispiel nie ein NFT kaufen – das sind für mich bunte Bildchen ohne Nutzen.“ Aber auch von VW-Aktien lässt er als Privatmann die Finger.

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Ich würde mir privat nie ein NFT kaufen – das sind für mich bunte Bildchen ohne Nutzen.

Als Anbieter einer Handelsplattform will er nicht Schiedsrichter sein müssen. „Wer bin ich, dass ich als Kurator eines Angebots entscheide, was der Kunde kaufen soll? Das muss jeder selbst entscheiden. Jedoch – und das ist uns wichtig – durchlaufen alle Coin-Projekte denselben strengen Prüfprozess und müssen dieselben regulatorischen Standards erfüllen wie alle anderen auf Bitpanda gelisteten digitalen Vermögenswerte.“

Was steht 2023 noch an?

Noch in diesem Jahr soll ein neues Serviceangebot an den Start gehen: „Wir wollen in die Finanzberatung für vermögende Privatkunden einsteigen, also Private Wealth anbieten – allerdings für digitale Assets“, sagt Demuth, dem eine ganz klassische Beratung durch eine:n Kund:innenbetreuer:in vorschwebt, wie sie viele Banken und Family-Offices anbieten.

Braucht man dann nicht auf einen Schlag wieder viele neue Mitarbeiter:innen? „Ja, wir müssen dann operativ tatsächlich Kundenbetreuer einstellen, die den Telefonhörer in die Hand nehmen“, sagt Demuth.

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Weniger euphorisch ist er dagegen, was das neue KI-Produkt angeht, an dem Bitpanda ebenfalls arbeitet. „Ich bin mittlerweile allergisch gegen diese ganzen Hype-Geschichten. Wir machen das in unserem Tempo und bauen ein Ding, das hoffentlich gut funktioniert.“

Kippt Bitpandas Bewertung?

Im Jahr 2021 wurde Bitpanda zum Unicorn, also zu einem Startup mit einer Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar. Damals erhielt die Kryptobörse in einer Series‑B-Runde 170 Millionen Dollar, unter anderem vom Wagnisfinanzierer Valar Ventures um den deutsch-amerikanischen Techmilliardär Peter Thiel und DST Global. Wenige Monate später stieg die Bewertung des Startups in einer weiteren Finanzierungsrunde sogar auf 4,1 Milliarden Dollar (3,5 Milliarden Euro). Wann muss Bitpanda wieder Geld aufnehmen?

Wer sich im aktuellen Umfeld finanzieren muss, kommt um eine Abwertung nicht herum.

„Im Moment hat sicher niemand Lust, im aktuellen Marktumfeld eine große Runde zu machen“, sagt Demuth. Bitpanda habe noch genügend Reserven, sodass sich die schwierige Frage nach einer Finanzierungsrunde – und damit wahrscheinlich auch nach einer Neubewertung des Unternehmens – nicht stelle. Laut Finance FWD lässt sich aus dem Jahresabschluss für 2022 auch eine Reduzierung des Firmenwerts durch die Wirtschaftsprüfer:innen ablesen.

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„Wer sich im aktuellen Umfeld finanzieren muss, kommt um eine Abwertung nicht herum“, sagt der Bitpanda-CEO. Nach außen würden solche Runden derzeit zwar als Erhöhung oder zumindest Bestätigung der alten Bewertung verkauft, die Wahrheit stecke aber im Kleingedruckten, das nur die Investor:innen kennen. „Die Bewertung von 2021 zu halten ist für Fintechs derzeit nicht möglich“, ist Demuth überzeugt.

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