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Corporate Podcasts: Vom neuen Erfolg des Nischenmediums

(Foto: Shutterstock: Arina P Habich)

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Die Nutzung des Nischenmediums Podcast in Deutschland steigt, aber Unternehmen verkennen bislang die Potenziale von Corporate Podcasts in der Kommunikation mit ihren wertvollsten Multiplikatoren.

Nicht-Nutzer oder Fans. Schwarz oder weiß. Podcasts kennen keine Grauzone. Seit einiger Zeit ist immer wieder die Rede von einem Podcast-Revival: Alles natürlich subjektiv empfunden.

Dennoch scheinen wir wieder einen kleinen Anstieg in der Nutzung zu verzeichnen. Aber keine Angst, Podcasts werden niemals zum Hype. Podcasts bleiben ein Nischenmedium – allerdings das großartigste der Welt. „Podcasts sind das meistunterschätzte Medium unserer Zeit“, sagt Christian Conradi, erfahrener Radiojournalist beim Deutschlandfunk in einem kürzlich erschienen Artikel der NZZ.

Warum das so ist, klären wir jetzt –  doch zunächst mal ein paar Fakten zur Podcastnutzung in Deutschland.

Podcastnutzung in Deutschland

Laut der ARD/ZDF-Online-Studie 2016 nutzen 13 Prozent der Deutschen Audio-Podcasts; damit habe sich deren Zahl in kurzer Zeit verdoppelt. 8.500 Stunden Audio-Podcasts entstehen im Monat, mehr als 4.000 Podcaster stellen regelmäßig ihre Werke ins Web, zwischen 10 und 15 Millionen Hörer gibt es. Die Zahlen hat der Podcast-Produzent Dirk Primbs gesammelt, eine Art Buchhalter des Markts, der mit seiner Website Podcorn.de die Szene beobachtet (NZZ).

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Was dabei nicht unterschieden wird, ist die Art der Nutzung. Schließlich gibt es Podcasts für den privaten Anwendungsfall (zum Beispiel Fitness-Tipps, Ernährungstrainings, Hobbycasts – von TV-Serien-Rezensionen bis Salzwasserfischzucht) und Formate für den beruflichen Kontext (beispielsweise Management-Themen, Hardware-Tipps oder Marketing-Tipps). Ich nehme an, dass der Anteil der B2B-Sendungen der deutlich kleinere ist, aber genau um diese Nische in der Nische geht es mir in diesem Artikel. Daher beziehe ich mich im Weiteren auf Podcasts als Medium im beruflichen Kontext.
Pendler stellen eine potenzielle Kernzielgruppe der Podcasthörer, denn wer täglich pendelt, hat viel Zeit und Bedarf nach stimulierendem Input. Laut Auswertung des Instituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) pendeln 60 Prozent aller Beschäftigten. Das sind deutlich mehr als noch vor etwa 15 Jahren. Laut Statistischem Bundesamt waren im Februar 2017 in Deutschland rund 44 Millionen Menschen in Arbeit. Heißt konkret: Ungefähr 26 Millionen Menschen pendeln zwischen Arbeitsplatz und Wohnort (HR-Inforadio).

Von Reichweitendiskussionen und Multiplikatorenpotenzialen der Podcastnutzer

Die Reflexe zur medialen Bewertung sitzen tief. Daher kommt auch in Gesprächen über Podcasts als Instrument der B2B-Kommunikation oftmals zu Beginn die Frage nach der Reichweite. Die Reichweitenfixierung greift hier jedoch ins Leere, denn im Verhältnis zu Videoabrufen, Newsletterabos oder Visits von Blogartikeln fallen die reinen Downloadzahlen der meisten Podcasts deutlich geringer aus – wenn sie denn überhaupt gemessen werden.

In der Reichweiten- und Nutzungsstatistik besitzen Podcasts heute immer noch einen Nachteil, der durch Apple und die nicht nachvollziehbare Intransparenz der iTunes-Plattform begründet ist. iTunes weist zwar Charts nach diversen Filterrubriken aus, allerdings keine absoluten Downloadzahlen – geschweige denn Hördauern oder Exitpoints nach Minuten und Sekunden.

Anders ist dies bei Portalen wie Soundcloud oder Stichr, die allerdings gegenüber dem Platzhirsch iTunes eine untergeordnete Rolle spielen. Immerhin lassen sich mittels spezieller Softwarelösungen für Podcaster, wie Libsyn, Trackings für die reinen Downloadzahlen einbauen. Vom gewohnten Standard digitaler Analytics der Marke, Website, Kampagne oder Videonutzung sind Podcasts jedoch noch weit entfernt.
Zurück zum Punkt: Es geht bei Podcasts aber nicht um Reichweiten. Es geht um die Qualität der erreichten Nutzer, denn fragt euch mal „Wer hört eigentlich regelmäßig Podcasts? Was sind das für Nutzer?“.


Businessimpulse-Podcast #18 von Carsten Meiners

„Podcasthörer sind die Informations-Elite“, diese Aussage habe ich im Interview mit Carsten Meiners (Businessimpulse Podcast #18) gemacht. Warum? Weil die Menschen, die Podcasts hören, offensichtlich ein extrem hohes Aufnahmevermögen und Verlangen nach Informationen besitzen, wenn sie selbst die letzten Freiflächen zur Informationsaufnahme noch bespielen – dort, wo nur noch Audioformate funktionieren: beim Pendeln. Beim Rasenmähen. Beim Joggen. Beim Bügeln. Beim Duschen. Überall dort kann kein Messenger mehr gelesen und kein Video mehr betrachtet werden.

Es ist die Domäne des Nebenbei-Mediums Podcast, das in diesen Situationen die ungeteilte Aufmerksamkeit genießt. Diese Nutzertypen, die also auf dem Weg zur Arbeit schon aufgeladen durch einen inspirierenden Ted-Talk, eine Diskussion zu „Digital Leadership“ oder die Besprechung der neuesten Auswirkungen des letzten Google-Algorithmus auf die SEO-Qualitäten der eigenen Websites erscheinen, die sind anders als andere Kinder.

Ich behaupte, dass diese Mitarbeiter besonders wertvoll sind, weil sie sich eigenständig Wissen zu ihrem Fachgebiet und oft bewusst über den berühmten Tellerrand hinaus besorgen. Und das nicht nur oberflächlich, sondern in der Regel tiefgehender. Die meisten Podcasts trotzen der „Snacksize“-Verkürzung der digitalen Lese- und Videoangebote. Die meisten Podcasts haben Sendelängen von deutlich über 20 Minuten. Viele bedienen das klassische Radiohour-Format und besitzen Sendelängen von 50 bis 60 Minuten. In einer Stunde guter Diskussion und spannender Unterhaltung mit Experten lässt sich einer Frage oder einem Thema deutlich tiefgründiger, angemessener und differenzierter zu Leibe rücken, als in einem Huffington-Post-Artikel, bei dem oftmals nur die Headline gescannt wird.

Wer ein derartiges Informationsverhalten an den Tag legt, der tritt auch im Unternehmen in kommunikativer Hinsicht anders auf als die anderen Kinder. Podcas-Hörer können in Diskussionen oftmals neue Argumente und erweiterte Perspektiven einbringen. Sie nutzen ihr Wissen nicht für sich, sondern freuen sich, wenn sie Inspirationen und Impulse aus Sendungen im eigenen Firmenkontext ausprobieren und anwenden können. Podcast-Hörer sind in der Mehrzahl typische Multiplikatoren, die ihr Wissen teilen und oft von anderen als Ratgeber angesehen werden.
„Podcasts sind der beste Weg, die eigenen Multiplikatoren im Unternehmen artgerecht und wirkungsvoll mit umfassenden Informationen zu versorgen.“

Für diese wichtige Multiplikatorengruppe bieten Unternehmen in ihrer internen Kommunikation jedoch kein geeignetes Medienangebot an. Podcasts als Medium der eigenen Unternehmenskommunikation sind heute noch nischiger als nischig. Genau hier liegt aus meiner Sicht ein riesiges Qualitätspotenzial brach.

Was Podcasts noch großartig macht

Neben der gezielten Adressierung der „hochinformierten Multiplikatoren“ bieten Podcasts weitere Alleinstellungsmerkmale. Das wichtigste liegt in der Natur der ausschließlich akustischen Informationsaufnahme.

Über das Ohr nehmen wir die Inhalte unmittelbar auf. Kein anderes Organ ist so nah am Gehirn. Und die Aufnahme geht deutlich über den reinen Informationsgehalt hinaus. Bereits nach wenigen Folgen einer Sendung haben wir eine intime Beziehung zu den Stimmen und Sprechern aufgebaut.

Nicht selten begegne ich mir bis dato unbekannten Menschen auf Konferenzen oder im Beratungskontext, die mich mit einer Vertrautheit begrüßen, als wären wir seit Jahren eng befreundet. Kein Wunder: Alle zwei Wochen haben sie mich und meine Stimme für durchschnittlich 55 Minuten im Ohr. In Kombination mit bewusst gesetzten, ritualisierten Begrüßungen, Redewendungen und Sendungsabläufen entsteht Vertrautheit und Vertrauen.

Einen ähnlichen Vertrauensvorteil generieren O-Töne im Vergleich zu schriftlichen Zitaten. Nach einer neuen internen Eventreihe bei der Deutschen Messe AG wurden Teilnehmer nach ihrem Feedback zum Format befragt. Diese O-Töne wirken auf andere Hörer glaubhafter, da sie in Originalform gehört werden. Äußern sich Mitarbeiter positiv in ihrer eigenen Art und mit ihrer eigenen Stimme, so wird diesen Statements stärker vertraut, als wenn die gleichen Statements rein als Zitate in einem Blogartikel angeführt werden.

Der Audiokanal bedient schlicht mehr Ebenen als nur das gesprochene Wort.


Der Audiokanal bedient schlicht mehr Ebenen als nur das gesprochene Wort.
Diese Potenziale werden in der internen Kommunikation größerer Organisationen ebenfalls sträflich vernachlässigt – dabei geht es vor allem um die positive Beziehungsgestaltung beim Zusammenarbeiten.
In Ergänzung möchte ich für das Medium Podcast noch den Aspekt der Vernetzung mit anderen Kanälen anführen. Zu jedem guten Podcast gehören gute Shownotes. Dabei handelt es sich um Blogartikel, die innerhalb der RSS-Informationen als Services angeboten werden.

Typischerweise lassen sich hier die Links, die im Podcast genannt wurden, zum Nachlesen auflisten. In umfangreicheren Shownote-Ansätzen finden sich darüber hinaus weitergehende Linktipps zur thematischen Vertiefung, Videos, Fotos vom Recording, Zitate aus der Sendung und so weiter.

Noch etwas in den Kinderschuhen steckt die automatisierte Transkribierung von Podcasts. Es ist jedoch zu erwarten, dass mit der exponentiellen technologischen Entwicklung der Spracherkennungslösungen in Kürze ganze Sendungen auch in Textform – quasi als Abfallprodukt – vorliegen werden. Damit sinkt der Nacharbeitungsaufwand für Podcaster noch einmal deutlich.

Im Einsatzfall in der Unternehmenskommunikation lassen sich somit aus den Podcasts auch Artikel für den Corporate Blog ableiten. Durch das Einbinden von Webplayern können die Podcastinhalte auch für diejenigen Nutzer einfach zugänglich gemacht werden, die keine eigenen Podcastplayer verwenden oder Audiocontent-Nutzer sind.

Hier liegt durchaus Potenzial für ein „Anfüttern“ und Ranführen an Podcasts, in dem die Blogs einfache Anleitungen für die Podcastnutzung sowie erste Empfehlungen für lohnenswerte Sendungen zum Abonnieren enthalten können.

Was Unternehmen zum Podcasten brauchen

Für viele ist das Produzieren von Podcasts mit einer merkwürdigen Aura der Komplexität belegt. Zu unrecht. Im Grunde ist es wie beim Produzieren von Videos auch: Alles beginnt mit der Aufnahme. Was wir beim Video mit der Inbetriebnahme des Smartphones auf natürlichen Wege gelernt haben (App aufmachen und auf „Record“ drücken), funktioniert auch mit Audioaufnahmen.

Die typischen Apps zur Audioaufzeichnung verstecken sich auf unseren Smartphones mangels Alltagsnutzung oft weiter hinten, aber Apps wie Whatsapp sorgen langsam für eine gewohntere Nutzung der Audioaufzeichnungsfunktion. Alexa, Siri und andere werden ebenfalls dafür sorgen, dass es für uns alle ganz normal werden wird, mit Geräten zu sprechen.

Im Grunde kann jeder mit seinem Smartphone einen Podcast aufnehmen. Natürlich spielt die Audioqualität eine wesentliche Rolle für ein hochwertiges Nutzungserlebnis. Deswegen kommen bei der Podcastaufzeichnung häufig professionellere Mikrofone zum Einsatz. Um an dieser Stelle nicht in die Materialschlacht einzusteigen, seien nur mal zwei dieser Mikrofone genannt (Blue Yeti für knapp 130 Euro *, Rode NT mit 160 Euro *), die über USB an ein digitales Aufzeichnungsgerät angeschlossen werden können. Zur Aufzeichnung und späteren Nachbearbeitung der MP3-Spuren nutze ich beispielsweise Garageband auf dem MacBook. Dieses Programm ist bereits im Standardumfang bei Apple enthalten. Mehr braucht es nicht – zumindest um loszulegen.

Wer viel mit Interviewsituationen arbeitet, kann dann auf den Einsatz von Headsets hochrüsten (beispielsweise Beyerdynamic DT297PVMKII ca. 300 Euro) und eine externe Hardware für den Einsatz von bis zu vier Mikrofonen bei Gruppendiskussionen verwenden (zum Beispiel Steinberg UR44 ca. 300 Euro*). Im letzteren Fall werden schnell ungefähr 1.000 Euro an Investition für die Basisausstattung fällig.
Am Ende des Aufzeichnungsprozesses steht eine MP3-Datei.

Damit diese für alle Nutzer zur Verfügung steht – vor allem Podcast-typisch im eigenen Player – braucht es noch die Veröffentlichung. Im einfachen Fall können die Podcasts des Unternehmens für alle zugänglich gemacht werden. Dann helfen Softwarelösungen wie Libsyn nach dem Upload der MP3-Datei bei der Einrichtung eines RSS-Feeds, der dann wiederum zur Anmeldung bei iTunes oder zum Abonnieren in Podcastplayern genutzt werden kann. Manche sagen, dass erst ein RSS-Feed aus einer Audiodatei einen echten Podcast macht.

Podcast-Hosting-Lösung Libsyn

Wenn die Corporate Podcasts nicht öffentlich gemacht werden sollen, dann kann auf den RSS-Feed verzichtet werden. Die Verwendung von Plattformen wie Libsyn ist trotzdem sinnvoll, denn nach dem Upload der MP3-Datei kann ein Webplayer für die einfache Einbindung der Sendung im Corporate Blog genutzt werden. Darüber hinaus können die MP3-Dateien auch zum Download angeboten werden. Nutzer können diese dann auf ihrem Smartphone hören.

In Sachen Infrastruktur ist dann noch zu klären, an welcher Stelle die Shownotes angeboten werden. Sofern bereits ein Corporate Blog existiert, kann eine neue Rubrik im bestehenden Setting angefügt werden. Besitzt das Unternehmen noch keinen Blog, dann kann eine Rubrik im Intranet genutzt werden. Sollte es weder Blog noch Intranet geben, dann liefert ein Corporate Podcast einen guten Anlass, um damit zu starten.

Woher kommen die Inhalte des Corporate Podcast?

Ähnlich wie bei den Diskussionen um Corporate Blogs, geht es nicht ohne ein redaktionelles Konzept und vor allem einen definierten Anwendungsfokus: Welche Informationen und Themen sollen transportiert werden? Ist die Richtung definiert, dann kommen die Ideen für Interviewpartner, Projektberichte und Hintergrundinformationen meist ganz von alleine.

Begleitung von Corporate Events

Vorankündigungen, Informationen zum Programm oder zu Speakern, Interviews mit Keynotespeakern und Panelteilnehmern, O-Töne von Teilnehmern, O-Töne aus dem Event-Team oder von Geschäftsführung/Vorstand.

Mitarbeiter-Interviews

Hintergrundinformationen mit Verantwortlichen rund um aktuelle Unternehmensentwicklungen, Berichte aus aktuellen Projekten, Interviews von Experten zu Marktentwicklungen.

Markt-Interviews

Spiegelung der externen Sicht auf das eigene Unternehmen und aktuelle Marktentwicklungen mit Experten, Vordenkern oder Kunden des Unternehmens.

Persönlichkeitsprofile

Vorstellungen von neuen Mitarbeitern inklusive Interview oder standardisiertem Fragebogen „5 Fragen an …“, Hintergrundgespräche mit exponierten Führungskräften des Unternehmens, Vorstellung von Partnern oder Kunden.

O-Töne und Kurzumfragen

Meinungen in O-Ton-Form von Mitarbeitern zu aktuellen Themen und Entwicklungen im Unternehmen.

Best Practise

Bericht über Lösungsansätze und Pilotprojekte mit Beispielcharakter für andere Mitarbeiter („So lösen wir diese Aufgabenstellung bei uns …“).

Features

Differenzierte Aufarbeitung eines Hintergrundthemas mit Expertenbeiträgen aus unterschiedlichen Perspektiven.

Betrachtet man die als „Work out loud (#WOT)“ bezeichnete Facette der New-Work-Bewegung, bei der das öffentliche Teilen und diskutieren von Erfahrungen im eigenen Unternehmen im Fokus steht, so lassen sich viele der dort geteilten Inhalte sehr gut in Corporate Podcasts abbilden. Der öffentliche „Corporate Learning 2025 MOCCAthon“ über Erfahrungen im agilen Arbeiten mit teilnehmenden Unternehmen wie Audi, Bosch, Continental oder Otto Bock mag hier als Beispiel dienen. Die dort primär als Videokonferenzen publizierten Inhalte wurden in Auszügen auch als Podcasts veröffentlicht.

Corporate-Learning-Podcast zum #cl2025

Mit dem Betrieb eines eigenen Podcasts wird das Unternehmen anders wahrgenommen, und zwar als Sender. Damit kann das Unternehmen mit Anfragen und Einladungen in die eigene Sendung bewusst am Markt agieren und Beziehungen zu Experten und Gästen initiieren, auf die sie als Anbieter deutlich schlechter zugehen können. Plötzlich kann der Kontakt mit einer Einladung starten.

Das Unternehmen hat etwas zu geben, von dem beide Seiten in der Beziehung profitieren. Für den Corporate Podcast stellen renommierte Experten einen Image- und Glaubwürdigkeitstransfer dar. Für die Experten wiederum besteht die Chance in der Adressierung neuer Zielgruppen innerhalb der Unternehmens. Wird diese Form der Beziehungspflege mit der entsprechenden Wertschätzung betrachtet, lassen sich deutlich nachhaltige Nutzeneffekte über die eigentliche Sendung hinaus generieren.

Die besten Corporate Podcaster kommen aus den eigenen Reihen

Stehen die Infrastruktur und die inhaltliche Ausrichtung für den Corporate Podcast, dann stellt sich nur noch die Frage nach den Akteuren hinter dem Mikrofon. Es mag die Versuchung geben, sich für die Produktion eines eigenen Podcast mit erfahrenen Podcastern von extern zu verstärken.

Ich würde dieser Versuchung jedoch widerstehen und eher dazu raten, interessierten Mitarbeitern aus den eigenen Reihen die Chance zu geben. Analog zu einem Corporate Blog können Gastbeiträge von extern kommen, aber der Charme und die größere Chance zur Entwicklung eigener Kommunikationskompetenzen liegt in der Befähigung der eigenen Mitarbeiter.

Existiert bereits ein Corporate Blog, so können die hier beteiligten Mitarbeiter der erste Anlaufpunkt auf der Suche nach interessierten für die Audioschiene sein. Empfehlenswert wäre darüber hinaus aber ein unternehmensweiter Aufruf, denn die Erfahrung zeigt, dass die Gruppe der „Podcast und Audiointeressierten“ gerade nicht deckungsgleich mit den Interessierten am geschriebenen Wort ist.

Im Vergleich zu Corporate Videos offenbart sich beim Podcast ein weiterer Vorteil für die Selektion von Akteuren: Es läuft keine Kamera. Der Kameraeffekt ist nicht zu unterschätzen, wenn es um Beteiligung von Mitarbeitern geht. Viele Menschen äußern sich vor einem Mikrofon eher und entspannter, wenn keine Kamera läuft. Oder anders gesagt: Podcasting besitzt eine deutlich geringere Einstiegshürde.

Der Pilot kommt vor der Serienproduktion

Für Unternehmen, die Lust auf die Nutzung des Multiplikatorenkanals der Corporate Podcasts bekommen haben, empfiehlt sich der Start in Form von Pilotformaten. Wird die Erfahrungen mit diesem neuen Kanal als Prototyp betrachtet, dann stellt sich am ehesten eine hilfreiche Atmosphäre des Ausprobierens und lustvollen Machens ein.

Es kann durchaus sinnvoll sein, sich für die ersten Gehversuche einen erfahrenen Podcaster an die Seite zu holen. In einem begleiteten Training können gemeinsam mit dem Team der Corporate Podcaster in kurzer Zeit redaktionelle Konzepte erarbeitet und erste Audio-Gehversuche unternommen werden. Als besonders hilfreich haben sich aus meiner Trainererfahrung Tipps zu Grundlagen von Sprechertrainings, Schnitt und Postproduction, Publikation sowie die Ideenentwicklung für potenzielle Sendungsformate erwiesen.

Manche Trainer bieten Pauschalpakete für das Corporate Podcasting an, in denen sie auch die Hardware und Software für die Pilotphasen stellen. Der Vorteil für die Unternehmen ist dann, dass zunächst einmal nur das zeitliche Investment in die Pilotsendungen erfolgen muss. Erst wenn ein dauerhafter Sendebetrieb beschlossen wird, erfolgen dann Investitionen in passende Hardware.

Insgesamt ist das Investment durchaus überschaubar – zeitlich und finanziell. Wenn also die Einsicht in die Potenziale von Corporate Podcasts über die Reichweitenreflexe hinaus gereift sind, dann heißt es ausprobieren!

Ein abschließender Blick in die Zukunft der Podcasts

Corporate Podcasts werden niemals zum Standard der Unternehmenskommunikation. Aber sie werden ein Kennzeichen derjenigen Unternehmen, die früher als die Masse erkennen, welche Potenziale sich für die Kommunikation mit ihren Multiplikatoren und in der Beziehungsgestaltung mit relevanten Marktakteuren bieten.

Wir werden uns zukünftig bewusster entscheiden, ob wir lernen oder abschalten wollen. Wenn wir abschalten wollen, dann kann ein Hörbuch eine Alternative sein. Es darf aber gerne auch mal gar kein Stimulus gereizt werden. Wenn es aber um Pendelzeiten oder bewusste Lernzeiten geht, dann werden wir mehr Menschen auf Crosstrainern, Jogger und Einkäufer in Supermärkten sehen, die etwas Sinnvolles hören wollen, um gerade mehr Freiraum für das Abschalten mit gutem Gewissen zu generieren.

Einen weiteren Verstärker für die Nutzung von guten Corporate Podcast sehe ich in der Veränderung unserer Hörgewohnheiten dank Spotify. Statt uns selbst Musik auszusuchen, zu kaufen und in Listen zusammenzustellen, vertrauen wir zunehmend der Vorselektion der Streamingangebote. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung steigt damit die Nutzung von Inhalten außerhalb meiner Filterbubble. Warum sollte mir Spotify also nicht sinnvolle Podcastepisoden in meinem „persönlichen Audio-Lern-und-Entdeckungs-Kanal“ empfehlen, auf die ich mich einlasse – je nach Stimmung? Ich muss nicht mehr alle Angebote kennen – ich muss mich nur auf das Neue einlassen.

Bleibt zum Schluss eine These offen, nämlich das autonome Autos die größte Gefahr für die Podcasts darstellen. Diese These vertritt Christian Conradi (Deutschlandfunk): „Wenn die unterwegs sind, werden die Leute beim Fahren nicht mehr hören, sondern Videos schauen.“ Mag sein. Vielleicht hören wir uns dann aber auch sagen „Alexa, such mir einen neuen Podcast zu Digitale Ethik und Best Practise in Unternehmen“ – machen die Augen zu und lauschen interessiert, während uns unsere autonome Kabine sicher zum nächsten Meetup bringt, auf dem wir uns darüber mit interessanten Menschen austauschen können. Wer weiß das schon so genau.

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3 Kommentare
Frank
Frank

Nein, es braucht nicht viel um Loszulegen – nicht bei Audio, noch bei Video!

Wieso wird bei den Voraussetzungen immer auf die Technik abgestellt? Für die Darstellung von was auch immer wo auch immer – vom Buch bis zum Podcast – kommt es vor allem mal zunächst auf eine gewisse Durchdringung des Themas an, eine sinnvolle Auswahl der miteinander zu verknüpfenden Aspekte, die Fähigkeit, der geplanten Darstellung eine sinnvolle Struktur zu geben, Dramaturgie etc. pp. – mal ganz abgesehen von technischen Fragen, für deren qualitative Ergebnisse es schon ein paar mehr Feinheiten draufzuhaben gilt als die Auswahl eines Affiliate-Link Mikros.

Mal zum Vergleich: Käme jemand auf die Idee, jedermann dazu anzuhalten Bücher zu schreiben – weil es dazu ja nicht mehr als eines PC bedarf, den jeder auf dem Schreibtisch hat???

Genau dieser Unsinn wird aber beharrlich über das Medium Podcast verbreitet! Und das Ergebnis? Eine Flut von Produktionen, die – wegen der Leidensfähigkeit, die sie vom Hörer fordern – genau in der Nische bleiben, in der sie sind. Was von der Community natürlich auch noch als „Qualitätsmerkmal“ gekennzeichnet wird – tja, ist halt nur was für Experten…

Oje!

Antworten
ottersbach
ottersbach

Eine sehr toller Artikel., umfassend und sehr schön zu lesen. Podcast erleben den 2. Frühling irrendwie. Insbesondere auch im Business. Ergänzend zu dem Artikel noch ein Podcast, der genau auf die Thematik mit dem Podcasting im Business eingeht. http://digitales-unternehmertum.de/podcasts-effizienz-im-business-einsetzen-055/

Die Marketingmöglichkeiten mit einem Podcast sind flexibel und die Technik mittlerweile kein Hinderungsgrund mehr, nicht mit Podcasten anzufangen.

Antworten
Ingo Stoll

Danke und ebenfalls danke für den Link – gute Ergänzung

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