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DB-Vorstand Jeschke: „Unsere Systeme sind am Anschlag”

Kampfansage an die Tech-Titanen: Mit Hilfe der Wissenschaftlerin Sabina Jeschke will die Deutsche Bahn zum modernen Alleskönner werden. (Foto: Shutterstock)

„Nerd-Community“ und Ingenieure fusionieren: Seit sechs Monaten ist Sabina Jeschke Vorständin für Digitalisierung und Technik bei der Deutschen Bahn. Dem Staatskonzern könnte sie Beine machen.

Vom 24. Stock des Berliner Bahn-Towers, wo Sabina Jeschke ihre Wirkungsstätte hat installieren lassen, hat man einen guten Überblick über die Hauptstadt. Direkt gegenüber sieht man den protzigen Hauptbahnhof, etwas weiter vorne links das Kanzleramt von Angela Merkel, noch weiter hinten links den Flughafen Tegel.

Frau fürs Grobe? Mit Sabina Jeschke hat sich die Deutsche Bahn eine bekannte Wissenschaftlerin ins Haus geholt. Auftrag: Ausmisten und digitalisieren. (Foto: Deutsche Bahn)

Frau fürs Grobe? Mit Sabina Jeschke hat sich die Deutsche Bahn eine bekannte Wissenschaftlerin ins Haus geholt. Auftrag: Ausmisten und digitalisieren. (Foto: Deutsche Bahn)

All diese Institutionen haben gemein, dass sie nicht erst seit ein paar Tagen hoffnungslos überlastet sind. Was man durchaus auch von der Deutschen Bahn sagen kann. „Unsere Systeme sind am Anschlag“, formuliert Sabina Jeschke. Seit etwas mehr als einem halben Jahr ist die in Schweden geborene Ingenieurin jetzt Digitalisierungs- und Technikvorständin beim größten Mobilitäts- und Logistikanbieter Europas. Und – hier gibt es viel zu tun.

Um das System Bahn in Deutschland zu entschlacken, sagt Sabina Jeschke heute, gebe es grundsätzlich nur zwei Möglichkeiten: mehr Gleise bauen, oder eben die vorhandenen Kapazitäten besser nutzen. Im Berliner Bahn-Tower hat man sich für die letztere Variante entschieden.

Und umgesetzt werden soll die ehrgeizige Vision mithilfe der Möglichkeiten der Digitalisierung, will heißen: Züge werden künftig immer enger „gesetzt“, wie das im Bahn-Jargon heißt, ihre Frequenz also erhöht. Damit das möglich wird, braucht es konzertierte Aktionen aller 300.000 Mitarbeiter und viel neue Technologie. „Im Ruhrgebiet kriegen wir im Moment keinen Zug extra mehr auf die Gleise“, sagt Sabina Jeschke, und die Anzahl der Fahrgäste werde weiter steigen.

Verbindung von Digitalisierung und Technik

Die Lösung für jede Menge solcher Probleme sieht man bei der Bahn in der Verbindung von Digitalisierung und Technik. Die sei ihr „sehr wichtig“, sagt Sabina Jeschke dann auch. „Weil wir nur so Antworten auf die drängenden Zukunftsfragen geben können.“ Die Bahn dürfte man sich gerne als „Startup der ersten industriellen Revolution“ vorstellen.

Mittlerweile, gut 180 Jahre später, „befinden wir uns in der vierten Version einer Revolution, die wesentlich von künstlicher Intelligenz geprägt ist“, sagt Jeschke. Und die soll jetzt maßgeblich dafür sorgen, dass die Bahn schneller, pünktlicher und komfortabler wird.

Und, auch das gehört zur Geschichte, die Chancen stünden „gut“, dass der Konzern in einer vernetzten Mobilität 4.0 „wieder eine tragende Rolle spielen wird“, sagt die Dame aus dem Vorstand. Oder, anders formuliert: „Mein Ziel ist, dass die Bahn so digital wird, dass es keinen Digitalisierungsvorstand wie mich mehr braucht.“

Nasa-Know-how für die Deutsche Bahn

Nach Studien der Physik, Informatik und Mathematik an der TU Berlin ist Sabina Jeschke in die USA gegangen, unter anderem für einen Forschungsaufenthalt bei der Nasa. 2007 hat sie eine Professur am Institut für IT-Service-Technologien der Universität Stuttgart (IITS) in der Fachgruppe Elektrotechnik angetreten, 2009 folgte dann die Berufung an die RWTH Aachen, Schwerpunkte dort: Informatik und Kybernetik im Maschinenbau. 

Von 2009 bis 2017 war sie dann Direktorin des sogenannten Cybernetics Lab der RWTH Aachen, zu ihren Schwerpunkten gehörten die Bereiche Verkehr und Mobilität, Internet der Dinge, Robotik und Automatisierungstechnik sowie künstliche Intelligenz, der sie sich auch im Rahmen eines Sabbaticals bei Volvo mit dem Aufbau eines Thinktanks gewidmet hat.

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