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DB-Vorstand Jeschke: „Unsere Systeme sind am Anschlag”

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Aufzug, 24. Stock

Nur noch Pofalla und Lutz wohnen weiter oben: Sabina Jeschke hat im November 2017 Quartier im Berliner Bahn-Tower am Potsdamer Platz bezogen. (Foto: Ekki Kern)

Im November vergangenen Jahres hat Sabina Jeschke dann also in der Chefetage der Bahn angefangen, nur noch der im vergangenen Jahr inthronisierte große Boss Richard Lutz und Ex-Merkel-Günstling Roland Pofalla (zuständig für die sogenannte „digitale Schiene“) sitzen über ihr, das ist auszuhalten.

Wenn man sie danach fragt, warum es denn ausgerechnet die Bahn sein musste, wird sie sagen, sie habe bewusst nach Veränderung gesucht. Auf das Postengeschacher beim Staatskonzern angesprochen, das ihrer Berufung vorausgegangen ist, erklärt sie kurz, bei Präsidenten und Professoren sei das schließlich oft genauso, und von daher wenig überraschend gewesen. Man brauche einfach ein starkes Nervenkostüm, und das habe sie andernorts schon trainiert.

„Vierte Revolution für sich nutzen“

Was will Sabina Jeschke nun also konkret aus der Bahn machen? Die Antwort: „Integrierte intelligente Mobilitätslösungen entwickeln, die den Kunden die Organisation ihrer täglichen Wege leichter machen.“ Aufgabe sei es nun, diese vierte Revolution für sich zu nutzen und „unser einzigartiges Knowhow aus 180 Jahren Eisenbahnerfahrung mit den neuen Technologien verbinden“.

 „Wir müssen die Systeme im Grundsatz verstehen, um sie weiterentwickeln zu können.“

Ja, natürlich sei man Mobilitätsanbieter und Logistiker, aber mittlerweile eben auch Technologieunternehmen – und man müsse „unsere Technik beherrschen“. Es sei nicht nötig, die eigenen Züge selbst zu bauen, sagt Sabina Jeschke, „aber wir sollten es im Grundsatz können“. Gleiches ließe sich auch auf autonome Busse wie etwa den kleinen Ioki, vernetzte Lkw oder auch Kundenplattformen übertragen, heißt es aus dem Bahn-Tower.

Man müsse endlich in der Lage sein, innovative Technologien „hinsichtlich der Relevanz für unser Geschäft zu bewerten“, sagt Jeschke. Ihr Ressort bündele hierfür nicht nur die fachliche Kompetenz, sondern spinne insbesondere ein Netzwerk, damit irgendwann alle Bereiche des Unternehmens von den technologischen Fortschritten profitieren können.

Autonomer Bus in Bayern

Die Ioki-Flotte, platziert in einer Halle in Berlin. (Foto: Ekki Kern)

Die Ioki-Flotte, platziert in einer Halle in Berlin. (Foto: Ekki Kern)

Während der klassische Bahnfahrer nur Stück für Stück mit sichtbaren Neuerungen versorgt wird, ist man im Konzern offensichtlich besonders auf jene Projekte stolz, von denen die breite Öffentlichkeit wohl nur durch Zufall erfährt. Da wäre zum Beispiel der Einsatz eines autonomen Busses im Stadtverkehr, auch wenn es bislang nur im niederbayerischen Bad Birnbach ist, das die meisten Deutschen ebenso wenig kennen wie das Fahrzeug an sich.

Angeführt werden auch gerne sogenannte Multicopter-Flüge zur Begutachtung von Bahntrassen, Brücken oder Bahnhofsgebäuden oder der mittlerweile fortgeschrittene Einsatz von Sensorik an Weichen, Rolltreppen und Aufzügen. Stichwort hier: vorausschauende Wartung, Rohstoff: Big Data. Auch eine ICE-Tür soll künftig rechtzeitig vor dem technischen Ausfall den vorhandenen Defekt melden können. Hierdurch könnten Verspätungen verhindert werden, sagt Sabina Jeschke. Die sich daraus ergebenden positiven Effekte könnten Hundertausende von Reisenden zu spüren bekommen.

Und auch das Problem, dass viele Fahrgäste durch reichlich unintelligentes Einsteigen geradewegs in volle Abteile geraten, will man angehen. Im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt erprobt die Bahn gerade eine leuchtende Bahnsteigkante, die den Weg in leere Bereiche des Zuges weisen soll. Ob das Ganze irgendwann an anderen Bahnhöfen installiert wird, ist noch unklar, sagt Sabina Jeschke.

Wohl vor allem, weil der vom Berliner Startup Siut entwickelte Sichtfaserbeton aufwändig in die bestehenden Bahnsteige eingelassen werden muss. Bei derzeit über 5.600 Bahnhöfen ist die Entscheidung keine leichte, oder, wie Sabina Jeschke es formuliert, „ein relativ großer infrastruktureller Aufwand“.

Kunstrasen hilft beim Sinnieren

Um Entscheidungen wie diese zu treffen, hat sie sich in ihrem von Glas umwandeten Büro einen grünen Kunstrasen aus mittellanger Kunstfaser verlegen lassen, der mindestens ein Viertel der Fläche des Raumes bedeckt. Ihr Bereich zum kreativen Arbeiten sei das, sagt sie, wenn man sie nach der Auslegeware fragt. „So ein bisschen locker“ solle es hier zugehen, und der Rasen habe sich schon „extrem bewährt“, denn sie werde ständig auf ihn angesprochen, und wahrscheinlich auch auf die bunten Würfel, die auf ihm platziert sind, und die nicht weniger locker daherkommen.

Die Bahn, sagt Sabina Jeschke, werde noch immer „nicht ganz als Held der Innovation angesehen“, im eigenen Haus spüre man allerdings längst die Veränderung. „Eine nach der anderen Anwendung“ schiebe man in die eigene Cloud, mit Startups verfolge man Projekte, 33.000 Kilometer Schiene müsse man in Schuss halten, dabei komme immer mehr Technologie zum Einsatz. Oftmals, allerdings, hake es noch an jenen Stellen, an denen die „alte“ auf die „neue“ Bahn trifft.

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