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Warum die deutsche ERP-Plattform Xentral mit Celonis und SAP verglichen wird

Dem Augsburger Startup Xentral fliegen gerade in bemerkenswerter Weise die Herzen der Investoren zu. Die Chancen stehen gut, dass das Momentum passt und es mit dem internationalen Wachstum klappt.

4 Min. Lesezeit
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Benedikt und Claudia Sauter, Gründer von Xentral (Foto: Xentral)

Viele klassische Startups, aber auch mittelständische Unternehmen haben ein Problem, wenn sie auf der Suche nach einer ERP-Plattform sind: Viele Lösungen sind nicht passend zum Kundenunternehmen oder unterstützen beim Management von Aufträgen, Warenwirtschaft und Materialfluss und Lagerbeständen zwar recht gut, aber eher auf einem höheren Level. Das Augsburger Startup Xentral, ehemals Wawision, entstand aus dieser Prämisse heraus. Das Gründerpaar Benedikt und Claudia Sauter stand 2008 vor der Situation, dass sie selbst auf der Suche nach einer passenden Lösung fürs eigene E-Business waren und diese kurzerhand selbst entwickeln mussten.

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Der Vergleich, den die Gründer bemühen, es handele sich dabei um ein „SAP für kleine Unternehmen“, mag zwar etwas hoch gegriffen sein, ist im Prinzip aber nicht falsch: Xentrals ERP-System soll sämtliche Unternehmensprozesse steuern können – von E-Commerce über Lager und Produktion bis hin zu Fulfillment und Buchhaltung über sämtliche Vertriebskanäle hinweg. Die Software verfügt über mehr als 1.000 Module und Schnittstellen zu anderen Services, wodurch das System an die Bedürfnisse der Kunden angepasst werden kann.

Und neben dem Vergleich mit SAP bietet sich noch ein weiterer an: der mit Celonis, der sogar aus berufenem Munde, nämlich von Bastian Nominacher, Co-CEO und Mitgründer von Celonis, bestätigt wird. Nominacher ist nebenbei Angel-Investor bei Xentral und sieht „viele Parallelen zu unserem Weg mit Celonis. Die Grundlage von Process-Mining und dem Celonis-EMS ist, dass Geschäftsprozesse überhaupt erst digitalisiert werden.“

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Das kam nach und nach auch bei anderen Startups an – und weckte schließlich auch das Interesse von Frank Thelen, der wahrnahm, dass mehrere der DHDL-Startups die Cloud-Lösung der Augsburger nutzten. Der Legende nach hofierte das eher technisch aufgestellte Gründerteam Thelen zunächst nicht besonders, was dessen Interesse damals noch erhöht haben soll. Auf jeden Fall stieg Thelen 2018 als Investor ein, 2020 folgte auch Christian Reber. Jetzt hat Xentral im Rahmen einer Serie-B-Finanzierung 75 Millionen US-Dollar erhalten. Als neue Investoren ergänzen Tiger Global und Meritech die bestehende Investorenrunde mit Sequoia Capital, Visionaries Club und Freigeist.

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Xentral kann E-Commerce-Boom der Pandemie nutzen

Dass die Plattform für den Handel und mittelständische Hersteller gerade jetzt so viel neues Geld bekommt, ist nachvollziehbar. Denn gerade in Zeiten, in denen Händler expandieren, wird es schwierig, mit dem Wachstum den Überblick über sämtliche Prozesse zu behalten. Viele E-Commerce-Player dürften also nach und nach in die Region wachsen, in der es ohne ein solches Rundum-System nicht mehr geht. Der pandemiebedingte Trend zum E-Commerce spielt den Augsburgern so sicherlich in die Hände und macht sie zu einem der vielversprechendsten Startups über Deutschland hinaus. Denn das frische Kapital soll vor allem dazu genutzt werden, international zu wachsen und die Produktentwicklung voranzutreiben. Zu den jüngsten Produktverbesserungen gehören neue E-Commerce-Integrationen, ein Self-Onboarding, der Ausbau der englischen Produktversion sowie Fortschritte in Kundensupport und -erfahrung. Durch die Entwicklung von API soll es einfacher werden, Anwendungen für die Plattform zu erstellen und anzupassen.

Aus dem kleinen Team in Augsburg ist inzwischen ein 120 Personen starkes Unternehmen geworden, das europaweit an mehreren Standorten sitzt und Stellen weitgehend ortsunabhängig ausschreiben kann. „Das Unternehmen plant, den App-Store auszubauen, das bestehenden Ökosystems zu stärken und neue Partner zu gewinnen“, erklärt Sauter in einer Mitteilung. Gleichzeitig soll das Team, insbesondere auch international, vergrößert werden, um mit der wachsenden Kundennachfrage Schritt halten zu können und die bevorstehende Produkteinführung in Großbritannien einzuleiten. Man wolle den globalen cloudbasierten ERP-Markt adressieren.

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Automatisierung bringt mittelständischen Händlern Vorteile

Die Bewertung des Unternehmens liegt laut Branchenkennern nach dieser Finanzierungsrunde bei rund 750 Millionen Dollar – zu Jahresbeginn wurde der Wert noch auf rund 100 Millionen Dollar beziffert. Das Zauberwort dürfte in diesem Fall das Thema Automatisierung sein. So urteilt Alex Clayton, General Partner bei Meritech und einer der Investoren: „Wir glauben, dass Xentral mit seiner umfassenden Plattform Hunderttausenden Mittelständlern die Automatisierung ermöglichen wird, da die Lösung die Multi-Channel-Prozesse und das Datenmanagement in einem stark wachsenden E-Commerce-Markt enorm verbessert.“

Ein gewagtes Versprechen, das Gründer Sauter den Anwendern macht, bezieht sich vor allem auf die Schnelligkeit der Implementierung: „Ein Unternehmer, der am Freitag entscheidet, dass er ein flexibles ERP benötigt, soll Xentral am Wochenende implementieren und konfigurieren und am Montag an sein Team übergeben können.“ Fragt man Unternehmen, die bereits mit Xentral arbeiten, ist es aber vor allem auch die Effizienz der Prozesse und das Verständnis des Teams dahinter für die Belange der Branche – auch wenn der Cloud-ERP-Anbieter zuweilen unter „gewissen Wachstumsschmerzen“ leide, wie es einer formuliert.

Dass Xentral das Kundenwachstum von zuletzt nach eigenen Angaben rund 300 Prozent bewältigen kann, wird stark von personellen Entscheidungen abhängen. Einige Führungskräfte kamen dazu erst kürzlich neu an Bord: Als Vice President Global Sales hat Xentral Berber Krop gewonnen, der zuletzt Commercial Director für Klarna war, der neue stellvertretende Geschäftsführer Sven Pirner war Managementberater von Bain & Company. Die Startup-Welt dürfte der ERP-Dienstleister selbst damit allerdings endgültig hinter sich gelassen haben.

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