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Rekord-Startup: Warum Celonis bald zum zweiten SAP werden könnte

Das Softwareunternehmen Celonis ist rund zehn Milliarden Dollar wert. Doch welches Potential haben die Münchner und warum kann jeder Großkonzern branchenübergreifend davon profitieren?

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Die Celonis-Gründer Alexander Rinke, Bastian Nominacher und Martin Klenk. (Foto: © Julian Baumann/ Celonis)

Eine Milliarde US-Dollar hat das Münchner Unternehmen Celonis eingesammelt (wir berichteten). Mehr als zehn Milliarden Dollar beträgt die Bewertung jetzt – und Celonis wird zum zehnfachen Unicorn, zum Decacorn. Doch was steckt hinter dem Unternehmen, das damit etwas geschafft hat, was in Deutschland einzigartig ist?

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Process-Mining ist das Geschäftsmodell, mit dem sich das 2011 in einem Vorort von München gegründete Unternehmen befasst. Es geht dabei um die digitale Abbildung und Simulation von Geschäftsprozessen, um das Sammeln und Auswerten von Daten – und nicht zuletzt darum, aus dem Datenschatz die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Process-Mining-Lösungen befassen sich mit Abläufen, Bottlenecks und der Frage, wo Schwierigkeiten und Verzögerungen im Betrieb zu finden sind – eine Problematik, die branchenübergreifend auf nahezu sämtliche größeren Organisationen ausgerollt werden kann. Eine wichtige Rolle spielt dabei Machine Learning, um Probleme nicht nur zu erkennen und zu verstehen, sondern auch mit Hilfe von Erfahrungswerten passende Lösungen zu entwickeln. Laut Mitarbeitenden und Branchenkennern arbeitet das Unternehmen extrem analytisch, technologiegetrieben, datenversessen.

Celonis: Zentrale in München, Zweitsitz in New York

Das Potential dieser Geschäftsprozessanalyse blieb schon kurz nach der Gründung des ursprünglich aus dem studentischen Umfeld der TU München stammenden Projekts vielen Großkonzernen nicht verborgen: Siemens arbeitete bereits früh mit den drei Gründern Bastian Nominacher, Alexander Rinke und Martin Klenk zusammen. Und obwohl Celonis bereits von Tag eins an Gewinn machte und auf Investorengelder nicht zwingend angewiesen wäre, konnte das Unternehmen bereits in den Jahren 2016 und 2018 rund 80 Millionen Dollar in Investorenrunden einwerben. Das Geld floss in die Expansion in die USA und in die Weiterentwicklung der Software. Jetzt erhielten die Münchner eine Milliarde Dollar Investorengeld – und kommen damit auf eine Bewertung von über zehn Milliarden Dollar. Doch das Unternehmen muss schauen, wie es mit der großen Nachfrage Schritt hält, in weltweite Infrastruktur, in Service und Vertrieb investieren.

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Zu den über 2.000 Firmenkunden zählen Siemens, Bayer, Bosch, aber auch Coca Cola, UBS, die Lufthansa oder 3M. Bekannt sind die drei Gründer dafür, dass sie es stets schaffen, auf einfache Weise ihr mehr als komplexes Geschäft zu erklären. Die Rede ist da stets von „Röntgenaufnahmen“ von Geschäftsabläufen im übertragenen Sinne, von zahlreichen Varianten, die die Software durchrechnet, um mit Hilfe von künstlicher Intelligenz zu Wahrscheinlichkeiten zu kommen.

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Inzwischen konkurriert Celonis, deren zweiter wichtiger Geschäftssitz in New York steht, mit dem anderen großen Softwareunternehmen, der Walldorfer SAP, auch wenn die Gründer im Interview den Vergleich nicht ziehen wollen und allenfalls die Parallele gelten lassen, dass beide Unternehmen für technologisch relevante Software stehen, die in nahezu jeder wirtschaftlichen Organisation zum Einsatz kommen kann.

Partnerschaft mit IBM geschlossen

Dass dem Unternehmen die Investorengelder regelrecht zufliegen, hat auch etwas mit der Grundhaltung zu tun: Die Deutsche Bank hat mit Hilfe der Celonis-Analysen 60 Millionen Euro eingespart, bei der Deutschen Telekom hat das Unternehmen laut Medienberichten mit Hilfe einer KI-basierten Lösung die Zahlungsabläufe optimiert und will diese Abläufe künftig IT-basiert steuern. Aktuell geht es um Lieferkettenoptimierung, ein Thema, das nicht zuletzt auch angesichts der Corona-Pandemie wichtiger geworden ist.

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Kürzlich hat Celonis ein Partnerschaft mit IBM geschlossen, die ihren Kunden die Celonis-Produkte ebenfalls verkaufen wollen – ein Ritterschlag, der insbesondere auch in Walldorf deutlich gemacht hat, dass das Münchner Unternehmen, das zwischenzeitlich rund 1.300 Mitarbeiter in 15 Niederlassungen beschäftigt, mehr als nur ein IT-Startup unter vielen ist. Die SAP kaufte erst kürzlich mit Signavio einen direkten Mitbewerber von Celonis auf – für eine Milliarde.

Klar ist bereits heute, dass Process-Mining ein Thema ist, mit dem in Zukunft viel Geld zu verdienen sein wird, wenn es den Unternehmen gelingt, diesen Effizienzgewinn auch zu beziffern und zu kommunizieren. Und klar ist auch, dass Deutschland in dem stark B2B-orientierten Bereich endlich mal wieder ganz vorne mitspielen könnte, namentlich insbesondere in Gestalt von Celonis. Ob das Unternehmen mit der bemerkenswerten Geschichte in absehbarer Zeit den Weg an die Börse findet, ist sehr wahrscheinlich. Einen konkreten Termin nennen die Gründer nicht, man sei, wie es in solchen Fällen stets heißt, zeitlich flexibel. Allerdings hat Celonis jetzt den ehemaligen Google-Manager Carlos Kirjner als Finanzvorstand gewinnen können, der auf diesem Weg die passenden Weichen stellen könnte.

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