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Kolumne

Digital Leadership: Warum Querdenker im Unternehmen für die digitale Transformation entscheidend sind

(Foto: Shutterstock)

Unternehmen sind gefordert, Antworten auf die Fragen der Digitalisierung zu finden und sich zu transformieren. Warum es dafür Querdenker braucht, beschreibt Daniel Konrad in seiner aktuellen Ausgabe von Konrads Management-Kolumne.

Die VUCA-Welt bringt Unternehmen Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit: Weniger Routine-Prozesse, begrenzte Planbarkeit und ehemals bekannte Zielgruppen im Wandel. Die neuen Herausforderungen stellen die Frage nach neuen Kompetenzen der Mitarbeiter. Konrads Management-Kolumne zeigt, welche Mitarbeiter und Führungskräfte Unternehmen benötigen, um die Digitale Transformation erfolgreich zu gestalten.

Vorherrschende Mehrheitsmeinungen, fehlendes Hinterfragen des Status quo und steigender Anpassungsdruck: In vielen Unternehmen kennzeichnen diese Aspekte die Unternehmenskultur. Standards und festgelegte Regeln geben Unternehmen auch Kontinuität und Struktur – und fördern konformes Verhalten. Dies ist besonders wichtig in Zeiten mit geringer wirtschaftlicher Komplexität, hoher Konstanz der Nachfrage – und ohne disruptiv agierende Wettbewerber. Die Gründe für konformes Verhalten hat die Forscherin Francesca Gino in der Harvard Business Review erläutert. Demnach beugen sich viele Mitarbeiter sozialem Druck, stimmen der Mehrheitsmeinung zu und zeigen von ihnen erwartete Emotionen. Das alles rührt aus der Hoffnung, dass die Anpassung an die Gruppe mit sozialer Akzeptanz belohnt wird und zu handfesten Privilegien führt. Das Ergebnis ist oft anders: ein geringeres Engagement im Job als negative Folge der Unterwerfung.

Konformität kann sich auch in einer starken Gewöhnung an den Status quo ausdrücken. Dabei greifen Mitarbeiter in ihren Denk- und Verhaltensweisen auf die Vergangenheit zurück. Informationen werden eigennützig interpretiert, um den Status quo zu konservieren und nur die Informationen wahrzunehmen, die die eigene Überzeugung stützen. Mit diesem unkritischen Vorgehen sinkt die Wahrscheinlichkeit, gute Entscheidungen zu treffen und Herausforderungen frühzeitig angemessen zu begegnen.

Die Stunde der Nonkonformisten

In der VUCA-Welt ändert sich die Lage massiv. Trotz einer exponentiell steigenden Menge an Informationen sind die gewonnenen Erkenntnisse mehrdeutig und schwer zu bewerten. Die technologische Entwicklung schreitet voran. Disruptoren treten in Märkte ein. Unternehmen sind gefordert, Antworten auf die Fragen der Digitalisierung zu finden und sich zu transformieren. Diese Antworten liegen nicht im Status quo und in der Tradition. Während Konformisten etablierten Strängen und eingefahrenen Gleisen folgen, weisen Querdenker den Status quo zurück und setzen auf neue Ideen, die dem Gewohnten widersprechen.

Abgetan als Querdenker und Unruhestifter hat in der VUCA-Welt die Stunde für einen neuen Mitarbeitertypus geschlagen. Die lange, sich wiederholende Geschichte dieses Phänomens schildert der Organisationspsychologe Adam Grant in seinem Buch „Nonkonformisten – warum Originalität die Welt bewegt“. Forscher zeigten, dass die Kinder am kreativsten waren, die keine Chance hatten, in ihrer Klasse zu Lieblingsschülern zu werden. So wurden Lehrer einer Grundschule für eine Studie gebeten, Listen ihrer Lieblingsschüler sowie mit den Schülern, die sie am wenigsten mochten, anzufertigen. Die bei den Lehrern am wenigsten beliebten Schüler waren Nonkonformisten. Sie stellten ihre eigenen Regeln auf und waren besonders kreativ. Lehrer neigten dazu, sie als anstrengende Schüler anzusehen und als Unruhestifter zu diskriminieren. Unter dem sozialen Druck und dem Wunsch, vom Lehrer akzeptiert zu werden, lernten viele Schüler, sich an die Regeln anzupassen und originelle Ideen nicht zu äußern. Gerade aber diese Fähigkeiten sind in Zeiten der digitalen Transformation von zentraler Bedeutung. Wenn alte Regeln und Gesetzmäßigkeiten ihre Gültigkeit verlieren, braucht es neue Ideen, Pfade und Denkmuster. Nonkonformisten brechen mit alten Mustern und denken neu. Die folgenden Eigenschaften und Kompetenzen brauchen konstruktive Nonkonformisten, wenn sie die digitale Transformation aktiv gestalten wollen:

  • Emotionale Intelligenz: Querdenker sind mit ihrer Meinung in der Minderheit. In einer Gruppe kann ihnen Ablehnung begegnen. Damit müssen Querdenker umgehen und entstehenden Konflikten begegnen. Dabei sollten sie Annahmen kritisch hinterfragen und um ihre eigene konstruktive Position werben. Nonkonformisten verfügen über ein hohes Maß an sozialer Kompetenz und sind intrinsisch motiviert. Ihre emotionale Intelligenz hilft Querdenkern, das beste Ergebnis für das Unternehmen anzustreben.
  • Mentale Flexibilität: Nonkonformisten wenden sich gegen festgefahrene Denkmuster in ihren Abteilungen und Unternehmen. Sie setzen Kreativitätstechniken ein und greifen auch auf unkonventionelle Ansätze wie nichtlineares Denken zurück. Mit dieser Prognosetechnik wird der Einfluss von Parametern auf einen Zustand in der Gegenwart abgeschätzt. Gerade in der VUCA-Welt nimmt die Mehrdeutigkeit zu und klare (lineare) Ursache-Wirkung-Zusammenhänge fehlen. Lineares Denken führt hier zum falschen Ergebnis.
  • Technologisches Verständnis: Internet of Things, künstliche Intelligenz und Bots – ein grundlegendes Verständnis der wichtigsten Technologien ist auch für Querdenker Pflicht. Denn Unternehmen in der digitalen Transformation erleben zunehmend den Einfluss dieser technologischen Entwicklungen auf ihr Geschäft und ihre Kundenbeziehung.
  • Agilität: Nonkonformisten haben die User Experience im Fokus und fragen, wie ihr Unternehmen dieses Bedürfnis erfüllt. Dafür denken sie wie der Kunde und hinterfragen kritisch die Wertschöpfungsprozesse des Unternehmens. Für sie ist Agilität mehr als nur Design Thinking, Scrum und Kanban. Querdenker leben das agile Mindset – und prägen damit die Organisation.
  • Konstruktive Haltung: Der Nonkonformist hat das Beste für das Unternehmen im Sinn. Dazu wendet er sich gegen ein konformes Gruppendenken und ein falsches „Wir“-Gefühl. Adam Grant verweist darauf, dass Nonkonformisten auch mit Ängsten, Unsicherheiten und Zweifeln zu kämpfen haben, wenn sie Traditionen und den Status quo infrage stellen. Häufig werden sie als Querulanten, Nervensägen und in extremen Fällen gar als Nestbeschmutzer angesehen. Dafür muss der Nonkonformist über eine konstruktive Grundhaltung verfügen und seine Zweifel im Griff haben. Dies fällt beispielsweise auf, wenn eine offene Diskussion durch eine dominante Mehrheitsmeinung erstickt wird. Hier setzt der Querdenker, beispielsweise in der Rolle eines Advocatus Diaboli, auf alternative Handlungsoptionen – und die Vielfalt des Denkens.

Unternehmen benötigen Strategien für die VUCA-Welt. Wichtig ist es, konstruktive Nonkonformisten zu fördern und ihnen den Raum zu geben, den sie benötigen. Um Gruppendenken, konventionelle Antworten und lineares Denken zu durchbrechen. Damit Nonkonformisten in ihren Unternehmen einen Unterschied machen und einen essentiellen Beitrag zur digitalen Transformation leisten können.

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Eine Reaktion
Lebensanwender

Gut auf den Punkt gebracht. Das deckt sich genau mit meinen Erfahrungen. Gerade Firmen, die neue Dinge schaffen, könnten viel innovativeres entwickeln, würden sie zulassen, dass Mitarbeiter Ideen einbringen, auch wenn sie ihnen zu unkonventionell erscheinen. Dass zum Beispiel nur Apple einen revolutionären Schritt mit dem iPhone schaffte, finde ich sehr traurig. Die anderen Firmen, haben bestimmt gute Leute, aber sie hören nicht auf sie. Steve Jobs hatte da einfach die Möglichkeit durch seine Rolle.

Für Querdenker - zu denen ich mich auch zähle - erscheint die Welt, das Denken in Unternehmen etc, unheimlich träge und borniert. Wenn man nicht gehört werden will, führt das irgendwann zur Resignation und dazu, dass man sich mit dem Unternehmen nicht mehr identifizieren kann.

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