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Analyse

Facebook-Konferenz F8: Messenger ist der neue Newsfeed

Mark Zuckerberg will mehr auf private Nachrichten und geschlossene Gruppen setzen. „Die Zukunft ist privat“, sagt er auf der F8-Konferenz. Und das Private ist geschäftlich.

Von Jan Vollmer
5 Min.
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Asha Sharma präsentiert Facebooks neues Kernprodukt: den Messenger. (Foto: Facebook)

Das Erste, was auf der Facebook-Konferenz F8 hinter Mark Zuckerberg zu lesen war, ist der Satz: „Die Zukunft ist privat.

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Die Konferenz F8 ist der Ort, an dem Facebook und Mark Zuckerberg einmal im Jahr ihre Version der Zukunft zeigen. 2015 ging es auf der F8 um Video, 2016 um Bots, 2017 war Augmented Reality das Killer-Feature. 2018 verbrachte Mark Zuckerberg viel Zeit damit, sich für den Cambridge-Analytica-Skandal zu entschuldigen. Und spendierte dann ein Runde Augmented-Reality-Headsets für alle.

Die F8 der letzten Jahre in einem Wort:

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf der F8. (Bild: Facebook)

„Private, verschlüsselte Services“

2019 ist jetzt also die Zukunft „privat“. Für ein Netzwerk wie Facebook, dessen Kernprodukt der Newsfeed ist – eine unendlich scrollbare, für den jeweiligen Nutzer personalisierte Form von Öffentlichkeit – ist das ein erstaunlicher Schritt. Aber er kommt nicht ganz überraschend. Schon in einem Blogpost Anfang März hatte Zuckerberg geschrieben:

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„Ich glaube, die Zukunft der Kommunikation wird sich zunehmend zu privaten, verschlüsselten Services verschieben, bei denen Menschen sicher sein können, dass das, was sie sagen, sicher bleibt und die Nachrichten nicht ewig verfügbar bleiben werden.“

(Zuckerberg selbst hatte da übrigens schon mal den Anfang gemacht und ältere Nachrichten von sich selbst löschen lassen. Er ist damit der einzige bekannte Facebook-Nutzer, der über eine Nachrichtenlöschfunktion verfügt.)

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Facebooks größter Schritt

Zuckerbergs Ankündigung, sich auf private Nachrichten zu konzentrieren, ist aber mehr als die üblichen Zuckerberg-Visionen auf der F8. Die Video-, Bot- und Augmented-Reality-Pläne der letzten Jahre zielten vor allem darauf ab, den Newsfeed attraktiver zu machen.

Das ist in sofern nicht verwunderlich, da der Newsfeed nicht nur für die Nutzer Facebooks zentraler Platz war. Auch für die Firma Facebook ist der Newsfeed der Ort, wo mit Werbung Geld verdient wurde. Facebook ist mit dem Newsfeed zum zweitgrößten Werbeunternehmen der Welt aufgestiegen, nach Google.

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Private Nachrichten im Fokus

Statt dem Newsfeed sollen jetzt private Nachrichten in den Mittelpunkt der Plattform rücken. Als Zuckerberg das auf der F8 ankündigt, muss er selbst ein bisschen lachen. „Ich verstehe, dass viele Leute denken, wir meinen das nicht ernst“, sagt er. „Ich weiß, dass wir gerade nicht den besten Ruf in Sachen Privatsphäre haben, um es vorsichtig auszudrücken.“ Zuckerberg spielt dabei auf die vielen Datenlecks an, die Anfang des Jahres fast wöchentlich bekannt wurden. „Aber ich will das jetzt gut machen“, sagt Zuckerberg.

Dafür wirft er sechs Prinzipien an die Leinwand hinter ihm: Private Interaktion, Verschlüsselung, reduzierte Permanenz, Sicherheit, Kompatibilität, sichere Datenspeicherung.

Der neue Messenger: Verschlüsselt, mit Whatsapp und auf dem Desktop

In einer Keynote präsentierte Asha Sharma, Facebooks Messenger-Chefin, wie diese private Zukunft aussehen soll. Die drei wichtigsten Ankündigungen:

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  1. Der Messenger soll Ende-zu-Ende-verschlüsselt werden.
  2. In Zukunft sollen auch Whatsapp- und Instagram-Nachrichten im Messenger zusammenlaufen.
  3. An zweiter Stelle, nach den Nachrichten, soll ein „Friends“-Tab entstehen.
  4.  Es soll eine Desktop-App für den Messenger geben, die auf allen Geräten läuft.

Facebook plant auch eine Desktop-App für den Messenger. (Foto: Facebook)

Auch in anderen Ankündigungen auf der F8 bewegt Facebook sich weg vom Newsfeed, hin zu direkten Verbindungen zwischen Menschen: Facebooks Dating-Funktionen sollen ausgebaut werden. Es soll eine tinder-ähnliche Funktion für ein Match mit dem geheimen Schwarm dazukommen. Außerdem soll alles und jeder jetzt in Gruppen organisiert werden. „Überall, wo du Freunde siehst und dich mit ihnen connectest, wirst du in der Lage sein, dich auch mit Gruppen zusammenzuschließen. Es wird in die Textur von Facebook verwoben werden,“ sagte er der New York Times.

Anscheinend setzt Facebook darauf, dass eine Benachrichtigung in einer kleinen, privaten Gruppe Nutzer genauso effektiv in die App reinzieht wie es die kleinen roten „Benachrichtigungen“ im klassischen Facebook mal getan haben.

Auf dem zweiten Tab hat Facebooks neuer Messenger eine Funktion für Freunde. Und damit wieder eine Art gekachelten Newsfeed. (Foto: Facebook)

Facebook ändert sich, weil es muss

Aus Facebooks Strategiewechsel, weg von der halböffentlichen „Share“-Idee, hin zu Chats mit Freunden und geschlossenen Gruppen, kann man ein paar Schlüsse ziehen. Wenn man sich fragt, warum Facebook sich vom Newsfeed abwendet, einer Funktion, in der es absoluter Marktführer ist, ist die Antwort wohl: Weil Facebook keine andere Wahl hat.

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„Langfristig glaube ich, dass eine private soziale Plattform in unserem Leben wichtiger wird, als digitale Dorfplätze“, sagt Mark Zuckerberg auf der Bühne der F8. In anderen Worten: Entweder wir passen Facebook an oder die Leute hauen alle ab zu Snapchat, Instagram, Whatsapp oder Telegram.

„Die mit Abstand am schnellsten wachsenden Gebiete der Online-Kommunikation sind private Nachrichten, Gruppen und Storys“, hatte Mark Zuckerberg der New York Times gesagt. Noch in diesem Jahr, schätzt Zuckerberg, würde die Anzahl der geteilten Storys die Anzahl der klassischen Posts überholen.

Das Private ist geschäftlich

Gerade jetzt verdient Facebook sein Geld aber noch über Werbung, die im Newsfeed auftaucht. Der Wechsel hin zum Privaten, bedeutet auch, dass Facebook sein Geschäftsmodell zumindest anpassen muss. Zwei Anzeichen davon sind schon auf der diesjährigen F8 zu erkennen:

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  1. Wie oben erwähnt wird der zweite Tab des neuen Messengers ein Tab, der die wichtigsten Freunde (oder wen Facebook dafür hält) auf einen Blick präsentiert. Auch wenn die Anordnung anders ist (Kacheln, statt Endlos-Feed), steckt ein Element des Newsfeeds darin. Und wo ein Newsfeed ist, kann man auch zwischen die Storys und Bilder der Freunde ein paar Werbe-Posts schieben.
  2. Facebook baut sich mehr in Richtung Onlineshop aus. Auf der F8 wurde angekündigt, dass Facebook es Nutzern ermöglichen will, Dinge direkt von Händlern auf Facebook zu kaufen und über Facebook zu bezahlen. Auch auf Instagram soll es demnächst neue „shoppable Tags“ in Influencer-Posts geben.
  3. Zu dem neuen Geschäftsmodell passt, dass Facebook an einer eigenen Kryptowährung arbeitet. Wie das Wall Street Journal berichtet, will Facebook dafür eine Milliarde US-Dollar Investment aufnehmen und führt schon Gespräche mit Visa, Mastercard und dem Payment-Anbieter First Data Corp.

Wird Facebook besser? Oder werden die Probleme unsichtbar?

Die größten Facebook-Skandale der letzten Jahre waren nicht nur Datenlecks. Sie hatten damit zu tun, dass Menschen oder Institutionen mit genug Geld oder Personal über Facebook die öffentliche Meinung manipulieren konnte. Bis jetzt ist unklar, welche Rolle Facebook-Werbung bei der Wahl Donald Trumps gespielt hat oder bei dem Brexit-Referendum.

Dass die Kommunikation in private Chats und geschlossene Gruppen verlegt wird, ändert nichts an der Möglichkeit der Manipulation. Schon bei den letzten großen Wahlen (Indien, Brasilien) haben die späteren Gewinner stark auf Messenger-Kampagnen gesetzt. Dazu kommen noch Nazi-Gruppen, die im sogenannten „Dark Social“ Chats eröffnen. Der Vorteil für Facebook: Was auch immer in den privaten Gruppen abgeht – man bekommt es in der Öffentlichkeit viel weniger mit als öffentliche Posts.

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