Analyse

Facebook Watch: Warum das neue Videoportal den Markt verändern wird

Facebook Watch geht zunächst via Android-App in Deutschland an den Start. (Bild: Facebook)

Mit Facebook Watch rollt das Zuckerberg-Imperium jetzt weltweit einen Videodienst aus. Das dürfte nicht nur Youtube in Zugzwang bringen, sondern wird auch für die Nutzer bei Facebook selbst einiges verändern.

Facebook goes Youtube: Die im vergangenen Jahr in den USA gestartete Videoplattform Facebook Watch wird jetzt weltweit ausgerollt. Das dürfte einerseits Youtube als wichtigsten Mitbewerber in diesem Feld nicht kalt lassen, andererseits aber auch das Nutzererlebnis für Facebook-Nutzer verändern. So wird der Newsfeed in Zukunft noch mehr Video-Content enthalten und auch für die Bewegtbild-Werbung dürfte das einen Aufschwung bedeuten.

Kommunikation über Videos: Facebook lädt zur Watch Party

Ganz neu ist Facebook Watch nicht: Seit der Dienst in den USA an den Start ging, hat Facebook einige Veränderungen vorgenommen und die Community-Funktionen gestärkt und weiterentwickelt. Im Mittelpunkt steht nicht so sehr der reine Konsum der Videos, sondern eher der „Watch Party“ genannte Austausch mit den Machern und mit anderen Nutzern. In den USA soll sich seit der Einführung der Videokonsum via Facebook verneunfacht haben – genauere und vergleichbare Zahlen nennt das Unternehmen dazu nicht. Seit Anfang 2018 nennt Facebook sogar eine Erhöhung um das 14-fache bei der Sehdauer.

Zunächst sollen Nutzer der Android-App auf den Dienst zugreifen können, später soll auch die App-Unterstützung für iOS und die Desktop-Unterstützung folgen. Deshalb landen Facebook-Nutzer, die die Facebook-Watch-Seite über ihr Profil aufrufen, am PC im Moment noch auf einer Fehlerseite. Neben exklusiven Inhalten – in den USA sind das vor allem Nachrichten und Sport sowie Kochshows und Comedy-Content – können Seiten mit mehr als 5.000 Fans über Facebook-Watch Videos zeigen. Der Nutzer bekommt neben individuellen Empfehlungen Inhalte der Seiten zu sehen, die er mit Gefällt mir versehen hat.

Anheizen dürfte der Start von Facebook Watch erneut die Diskussion in Europa, ob Facebook als Mediendienst im Sinne der Gesetze eingestuft werden muss. Facebook selbst beharrt seit längerer Zeit darauf, eine Plattform zu sein, die regulatorisch anders bewertet werden muss und beispielsweise im Bereich des Jugendschutzes mit anderen Kriterien gemessen wird als beispielsweise ein Fernsehsender. Eigens für Europa produzierte Inhalte soll es vorerst nicht geben, der Content werde zentral in den USA produziert, was in Bezug auf den europäischen Markt sicherlich auch zunächst ausreichen wird – anders als beispielsweise in asiatischen Märkten.

Facebook Watch: Konkurrenz belebt das Geschäft

Verändern könnte Facebook Watch den Markt in vielerlei Hinsicht. Zunächst einmal dürfte die Verweildauer und Nutzung des klassischen Newsfeeds bei Facebook abnehmen, da das Zeitbudget der Nutzer nicht unendlich ist und hier ohnehin bereits eine Konsolidierung zu beobachten war. Natürlich wird der Dienst auch Youtube betreffen – gerade weil es in der Vergangenheit nicht nur für viele Content-Produzenten die zentrale und weitgehend alternativlose Plattform darstellte, sondern auch weil der Protest gegen schärfere Regeln in Bezug auf den Content und auf die Monetarisierbarkeit in den letzten Monaten und Jahren immer lauter wurde.

Nicht zuletzt werden auch Dienste wie Instagrams IGTV, das bislang eher verhalten wächst, unter Facebook Watch leiden. Profitieren wird allerdings die Werbewirtschaft, insbesondere der Teil, der auf Bewegtbild setzt und in der Vergangenheit eher das Problem hatte, passende Werbeumfelder auszumachen. Bei Facebook Watch ist immerhin die Brand-Safety bislang kein ernsthaftes Problem.

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