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IT-Fachkräftemangel: So viel kostet eine unbesetzte Stelle

Auf dem Arbeitsmarkt verschieben sich die Machtverhältnisse: Während Jobsuchende goldene Zeiten erleben, verursacht vor allem der IT-Fachkräftemangel in Unternehmen horrende Kosten.

3 Min. Lesezeit
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Zu wenige Bewerbende auf freie Stellen: IT-Fachkäftemangel eklatant. (Foto: Shutterstock-NDAB Creativity)

Der Fachkräftemangel spitzt sich immer weiter zu: Während viele Menschen den Arbeitsmarkt in die Altersrente verlassen, rücken zu wenig aufgrund geburtenschwacher Jahrgänge nach. Vor allem die Pflege, die Gastronomie und der Bau leiden darunter. Aber auch andere Branchen wie die IT beklagen Fachkräftelücken.

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Viele Berufe sind im Technologie-Sektor so dermaßen hochspezialisiert, dass die Suche nach Expertinnen und Experten der nach der Nadel im Heuhaufen gleicht. Dieser Mangel an Fachkräften kommt den Unternehmen immer teurer zu stehen. Das Karriereportal Stepstone hat die Kosten jetzt erstmals beziffert: Durchschnittlich kostet eine unbesetzte Stelle deutschen Unternehmen einmalig 29.000 Euro.

IT-Fachkräfte händeringend gesucht

Je nach Unternehmensgröße steigen die Kosten konkret für IT-Fachkräfte jedoch bereits in schwindelerregende Höhe und zählen branchenübergreifend zu den höchsten Werten im Vergleich: In Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitenden geht Stepstone von einmalig 19.269 Euro aus, in Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitenden von 37.301 Euro und in Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden sogar von satten 96.228 Euro pro unbesetzter Stelle.

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Die Stepstone-Statistiker haben dafür interne Daten durchschnittlicher Tagesgehälter mit der Vakanzzeit der Jobs jeweiliger Berufsgruppen multipliziert. Letzteres ergibt die Anzahl der Tage, die eine Stelle im Schnitt unbesetzt ist. Die Schätzung sei jedoch sehr konservativ.

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Schließlich, so Stepstone, interpretiere man das Gehalt in der Rechnung lediglich als Mindestwertschöpfung, die eine Mitarbeiterin beziehungsweise ein Mitarbeiter für Arbeitgebende generiert. Außen vor bliebe, was die Stelle darüber hinaus an Umsätze hätte einbringen können. Die Annahme ist also, dass das Gehalt genau dem Wert der Arbeit entspricht. Die tatsächlichen Kosten dürften somit um ein Vielfaches höher liegen.

„Unternehmen verzeichnen Umsatzeinbußen, weil sie sehr lange brauchen, um eine offene Stelle zu besetzen“, sagt Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktexperte bei Stepstone. „Sie werden daher künftig wesentlich stärker in schnelles Recruiting und langfristige Mitarbeiterbindung investieren müssen“, fügt er hinzu. Die Herausforderungen sind vielfältig.

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„Der IT-Fachkräftemangel trifft nicht nur die Wirtschaft, sondern auch den Staat.“

Das bestätigt auch SAP-Personalvorstand Cawa Younosi im t3n-Gespräch. Er plädiert dafür, dass Bewerbungsprozesse an die Bedürfnisse der Jobsuchenden angepasst werden, um Hürden im Recruitment abzubauen. Dass Unternehmen sich beispielsweise bei Mitarbeitenden bewerben müssen, sei ein „Ausdruck eines anderen Verständnisses von Bewerbungsprozessen“, so Younosi.

Das heiße unter anderem auch, genau zu überlegen, wie Bewerbende ihre Unterlagen einreichen können. Daneben sei aber auch die Entwicklung eines attraktiven Vergütungssystems sowie das Aufsetzen einer nachhaltigen Strategie zur flexiblen Arbeit von Bedeutung, um Jobsuchende nicht nur in einen Job zu überführen, sondern auch zu halten.

Wie dramatisch der Fachkräftemangel inzwischen in der IT ist, zeigen unter anderem auch jährliche Erhebungen des Branchenverbands der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche (Bitkom). Branchenübergreifend ist die Zahl freier Stellen für IT-Fachkräfte 2021 auf 96.000 gestiegen. Das sind zwölf Prozent mehr als im Vorjahr, als quer durch alle Branchen 86.000 Jobs unbesetzt blieben.

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„Digitalisierung ist die Antwort auf Pandemie, Standortwettbewerb und Klimakrise, aber es fehlt an Expertinnen und Experten, um sie zu gestalten und zu treiben. Der IT-Fachkräftemangel trifft im Übrigen nicht nur die Wirtschaft, sondern auch den Staat, der bei der Besetzung von IT-Jobs oft das Nachsehen hat“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

IT-Fachkräfte global rekrutieren

IT-Fachkräftelücke wird größer: 96.000 offene Jobs. (Grafik: Bitkom)

Dass IT-Fachkräfte in einem globalen Markt agieren und dort auch rekrutiert werden müssen, gibt Cawa Younosi zu verstehen. „Wo jemand aktuell sitzt, ist gar nicht mehr so relevant.“ Wichtig sei es am Ende zwar für den deutschen Standort, beste Ausbildungsbedingungen zu ermöglichen, sodass Nachwuchstalente hierzulande gefunden und rekrutiert werden können, für ausgebildete Fachkräfte gilt jedoch: „Menschen leben da, wo ihre Familien sind, ihr soziales Netzwerk und dort wollen sie in der Regel auch arbeiten.“

Bei dem Software-Konzern würden die HR-Verantwortlichen deshalb mit „einem globalen Ansatz arbeiten und den Arbeitsplatz zu den Menschen bringen, nicht andersrum“, so der SAP-Personalchef.

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Dem Stepstone-Experten Tobias Zimmermann nach, brechen für Arbeitnehmende jetzt goldene Zeiten an: „In den nächsten Jahren wird die Zahl der offenen Jobs weiter steigen, denn die Erwerbsbevölkerung schrumpft dramatisch. Das Problem der Zukunft heißt nicht mehr Arbeitslosigkeit, sondern Arbeiterlosigkeit. Das wird die Machtverhältnisse grundlegend verändern – zugunsten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.“

Zimmermann geht davon aus, dass es keine Trendumkehr beim Fachkräftemangel in den nächsten Jahrzehnten geben wird. Für Berufstätige heißt das, ihre Bedürfnisse rücken immer stärker in den Fokus der Arbeitgebenden – angefangen bei hohen Gehältern bis hin zu flexiblen Arbeitsmodellen.

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Martin Bubenheimer

Der Fachkräftemangel in den Organisationen ist größtenteils Hausgemacht. Die Firmen könnten mal mit Excel Kursen für ihre Fachabteilungen anfangen, damit sie ihre wertvolle Ressource IT Fachkräfte nicht dafür verbraten, chaotische Excel Dateien für die weitere Verarbeitung zu korrigieren. Außerdem ließe sich viel sparen, wenn Fachabteilungen ihre Anforderungen mal gründlich durchdenken und sauber formulieren würden. Dann müsste die IT auch weniger mit technischen Schulden und 10 Entwicklungsschleifen nach dem Motto I know it when I see it kämpfen. Noch schlimmer ist es in Behörden: Ist die Verbeamtung erst mal da, besteht ja kein Druck mehr, zu lernen, dass Excel auch Zellverweise und Summen kann. Die Zeiten sind einfach vorbei, in denen auf IT Kenntnisse außerhalb der IT Abteilung verzichtet werden kann.

Antworten
Michael Man.

Ich suche aktuell eine neuen Job als Softwareentwickler da ich mit meiner aktuellen Anstellung nicht mehr zufrieden bin. Was man da am Arbeitsmarkt erlebt ist nicht mehr normal. Einerseits wird überall von Fachkräftemangel gesprochen aber die Gehälter möchte man seit 10 Jahren nicht erhöhen. Dann kommt noch die Thematik dazu, dass jede Firma mittlerweile „Homeoffice“ oder „Remote Work“ anbietet was aber beim genauen nachfragen nur heißt, dass man in Absprache bis zu 2 Tage in der Woche von zu Hause aus arbeiten kann.

Andere Länder sind da um einiges weiter als wir. Und dann wundern sich Firmen weshalb sie keine Angestellten bekommen oder ausländische IT-Kräfte nicht zu uns kommen.

Antworten
Horst M

Wieder dieses Märchen vom IT Fachkräftemangel. Ein Mangel führt zu höheren Gehältern. Diese gibt es nicht. Also kein Mangel. Ganz einfach.

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Jemand

Ungeachtet vom IT Bereich zeigt es doch etwas vereinfacht auch der genannte Pflegebereich. Man sucht Spezialisten, will sie aber nicht bezahlen und dann gibts mit der Pflichtimpfung auch noch direkt eine Erwartungshaltung obendrauf.

Auch müssen es immer die Besten der Besten sein, damit diese danach verkümmern, da gerade desto größer das Unternehmen, desto prozessierter und enger gefasst das Aufgabengebiet ist.

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