Test

Die Leica für die Hosentasche: Das Huawei P9 im Test

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Display, Performance und Ausstattung des Huawei P9 im Test

Das Display des Huawei P9 löst „nur“ mit Full HD auf. (Foto: t3n)

Das Display des Huawei P9 löst „nur“ mit Full HD auf – bei normaler Nutzzung ist das kein Problem, wer aber auch mal VR-Brillen à la Cardboard nutzt, erkennt jedoch einzelne Pixel. (Foto: t3n)

Während alle (Technik-)Welt mittlerweile auf hochauflösende Displays mit WQHD-Auflösung setzt – alle Oberklasse-Modelle der Mitbewerber wie Samsung, LG und HTC verbauen entsprechende Panels –, bleibt Huawei der Full-HD-Auflösung treu. Das 5,2-Zoll-IPS-Display löst mit 1.920 x 1.080 Pixeln und einer Pixeldichte von 424 Pixel pro Inch auf, was bei normaler Nutzung vollkommen ausreicht – nur bei Verwendung in VR-Headsets dürfte die Auflösung an ihre Grenzen stoßen.

Huawei P9. (Foto: t3n)

Huawei P9. (Foto: t3n)

Das Huawei P9. (Foto: t3n)

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Die allgemeine Farbwiedergabe des Displays ist ausgewogen, und auch an der Schärfe ist nichts auszusetzen. Im Vergleich mit AMOLED-Panels erreicht das Display des P9 für ein LCD-Panel überraschend tiefe Schwarzwerte. Etwas kurios wiederum ist, dass beim großen Bruder, dem P9 Plus, ein AMOLED-Panel verbaut wurde – das wird erst gegen Ende Mai in den Handel kommen. Auch beim im September 2015 vorgestellten Mate S hat Huawei auf diese Displaytechnologie gesetzt. Womöglich konnte der Hersteller die Herstellungskosten auf diese Weise etwas senken – eine schlechte Wahl ist das P9-Panel keineswegs.
Per Farbtemperatur-Regler lässt sich das Display des Huawei P9 farblich stufenlos anpassen. (Screenshots: t3n)

Per Farbtemperatur-Regler lässt sich das Display des Huawei P9 farblich stufenlos anpassen. (Screenshots: t3n)

Entsprechend gibt es beim Display in der normalen Nutzung kaum Grund zum Meckern. Nur die Blickwinkelstabilität könnte marginal besser sein: So ist beispielsweise ein leichter Graustich bei Betrachtung im schrägen Winkel von unten wahrzunehmen. Immerhin: Bei Sonneneinstrahlung sind Inhalte stets gut ablesbar. Kurzum: Das LCD-Panel kann zwar nicht ganz mit dem Top-AMOLED des Galaxy S7 mithalten, dennoch ist es recht hell und liefert ausgewogene Farben.

Huawei P9: Performance und Ausstattung im Test

Huawei verbaut im Unterschied zu den Mitbewerbern wie dem HTC 10 (Test) und dem LG G5 (Test) und teilweise auch dem Galaxy S7 weiterhin keinen Snapdragon-820-Prozessor, sondern fokussiert sich auf seine eigenen Kirin-Chips. Der verbaute 64-Bit-fähige Kirin-955-Prozessor besitzt acht Kerne – vier Cortex-A72- mit 2,5 Gigahertz und vier schwächere Cortex-A53-Kerne mit 1,8 Gigahertz. Der Chip wird von drei Gigabyte RAM (das P9 Plus besitzt vier Gigabyte) und der Grafikeinheit „Mali T880 MP4“ unterstützt. Im Benchmarkvergleich mit dem Snapdragon 820 und Samsungs Exynos 8890 zieht der Huawei-Chip den Kürzeren: Der Prozessor erreicht im AnTuTu-Benchmark nur 90.000 Punkte, während die Rechenknechte der Konkurrenz mit 130.000 Punkten im synthetischen Leistungstest eindeutig performanter sind.

Die Benchmarkwerte spielen aber im Grunde nur auf dem Papier eine Rolle, denn der Huawei-Prozessor leistet solide Arbeit auf Top-Niveau und läuft sowohl bei den üblichen Alltagsaufgaben als auch bei leistungsintensiven Games flüssig.

Huawei P9. (Foto: t3n)

Das Huawei P9 ist nicht das allerschnellste Smartphone auf dem Markt, Soft- und Hardware sind allerdings gut aufeinander abgestimmt. Die Performance liegt immer noch über den Topmodellen des letzten Jahres. (Foto: t3n)

Die beste Leistung bringt einem allerdings nichts, wenn man ständig die Steckdose aufsuchen muss, um den Akku wieder aufzuladen. Dank des 3.000-Milliamperestunden-Akkus ist das über den Tag hinweg in der Regel nicht notwendig. Im Laufe des Tests hatten wir am Ende des Tages kaum Sorge, dass dem Smartphone der Saft ausgeht. Es kam sogar vor, dass das P9 auch erst nach anderthalb Tagen ans USB-Typ-C-Ladekabel musste. Wenn man aber viel fotografiert, surft, auf Facebook unterwegs ist und E-Mails checkt, ist nach einem Tag Schluss.

Der Monolautsprecher des Huawei P9 klingt eher flach. (Foto: t3n)

Der Monolautsprecher des Huawei P9 klingt eher flach. (Foto: t3n)

Für Apps, Games, Fotos und andere Inhalte stehen im Huawei P9 32 Gigabyte interner Speicher zur Verfügung, wobei diese Angabe relativiert werden muss, denn davon gehen etwa zehn Gigabyte für das System drauf. Wem die rund 22 Gigabyte Speicher nicht genügen, kann den internen Speicher per microSD-Karte erweitern. Leider besteht nicht die Möglichkeit, den externen Speicher mit dem internen per „Adoptable-Storage“-Funktion zu koppeln, was Google mit Android 6.0 Marshmallow eingeführt hatte. Nur das HTC 10 unterstützt dieses Feature ab Werk, ohne Tricks anwenden zu müssen.

Das Huawei P9 besitzt einen USB-Typ-C-Anschluss. (Foto: t3n)

Das Huawei P9 besitzt einen USB-Typ-C-Anschluss. (Foto: t3n)

Die weitere Ausstattung des Huawei P9 ist Oberklasse-Standard: WLAN 802.11 ac, Bluetooth 4.2 LE, GPS und NFC sind allesamt an Bord. Der USB-Typ-C-Anschluss basiert auf USB 2.0 – USB 3.1 wird wie bei den Nexus-Modellen leider noch nicht unterstützt. Im Alltag ist das aber meist zu verschmerzen.

 
ModellHuawei P9Huawei P9 Plus
BetriebssystemAndroid 6.0.1 Marshmallow mit EMUI 4.1Android 6.0.1 Marshmallow mit EMUI 4.1
Display5,2 Zoll IPS-LCD, (1.920 x 1.080 Pixel, 424 ppi)5,5 Zoll AMOLED, (1.920 x 1.080 Pixel, 400 ppi)
ProzessorHi Silicon Kirin 955 Octa Core, max. 2,5 GHzHi Silicon Kirin 955 Octa Core, max. 2,5 GHz
Arbeitsspeicher3 GB4 GB
Interner Speicher32 GB per microSD-Slot erweiterbar64 GB per microSD-Slot erweiterbar
Hauptkamera12 MP-Dual-Cam mit RGBW und Monochrom-Sensor Dual-Tone-Flash, Leica-Summarit-H-Objektiv, f/2.2-ASPH-Blende12 MP-Dual-Cam mit RGBW und Monochrom-Sensor Dual-Tone-Flash, Leica-Summarit-H-Objektiv, f/2.2-ASPH-Blende
Frontkamera8 MP BSI-Sensor, f/2.4-Blende8 MP BSI-Sensor, f/1.9-Blende
Akkukapazität3.000 mAh (fest verbaut)3.400 mAh (fest verbaut)
KonnektivitätWLAN 802.11 a/b/g/n/ac, Bluetooth 4.2, GPS, LTE Cat. 6WLAN 802.11 a/b/g/n/ac, Bluetooth 4.2, GPS, LTE Cat. 6
Abmessungen145 x 70,9 x 6,96 Millimeter152,3 x 75,3 x 6,98 Millimeter
Gewicht144 Gramm 162 Gramm
FarbenTitanium Grey und Mystic SilverQuartz Grey
SonstigesFingerabdrucksensor 2.0, „Knuckle Control 2.0“, USB-Typ-C-PortFingerabdrucksensor 2.0, „Knuckle Control 2.0“, USB-Typ-C-Port, Press-Touch, Stereosound
Preis569 Euro (UVP)699 Euro (UVP)

Die Kamera des Huawei P9: Es wird!

Huawei arbeitet sich allmählich nach vorne – nicht nur bei den Marktanteilen, auch bei der Kameraqualität. Die Knipsen des Huawei Mate S und Mate 8 machten schon Spaß, aber der Detailreichtum der schon guten Fotos ließ zu wünschen übrig. Um an die großen Kameraspezis wie Samsung und LG aufzuschließen, hat Huawei sich Verstärkung geholt und zusammen mit den Experten von Leica aus dem hessischen Wetzlar an der Dual-Kamera des P9 gearbeitet.

Ein Blick auf den Sucher der Kamera-App des Huawei P9.

Ein Blick auf den Sucher der Kamera-App des Huawei P9. (Bild: t3n)

Die mit der Leica-Dual-Kamera geschossenen Bilder können sich absolut sehen lassen, denn mithilfe der beiden Zwölf-Megapixel-Kameras, von der ein Sensor für RGB-, der andere für Monochrome-Aufnahmen verantwortlich ist, werden Fotos unter idealen Lichtbedingungen knackig scharf und können teilweise an die Bildqualität eines Galaxy S7 heranreichen.

Doch nicht nur Detailreichtum und Farbrealismus sind äußerst ordentlich, sondern auch die Kontraste. Nicht nur bei Tageslicht gelingen tolle Fotos, auch bei widrigem Licht sehen die Bilder durchaus gut aus. Zwar fehlt es ihnen teilweise an Detailschärfe, ein übermäßiges Rauschen ist aber nicht zu erkennen. Mithilfe eines optischen Bildstabilisators hätten Huawei und Leica wahrscheinlich noch ein bisschen mehr Qualität rauskitzeln können – aber die beiden fangen ja gerade erst an zusammenzuarbeiten. Die Technologie-Partnerschaft zwischen den Unternehmen ist langfristig angelegt.

Weitere Screenshots von der Huawei-P9-Kamera-App. (Bild: t3n)

Weitere Screenshots von der Huawei-P9-Kamera-App. (Bild: t3n)

Das Dual-Kamera-Konzept unterscheidet sich von dem des LG G5 deutlich: Beim LG G5 (Test) arbeiten die beiden Kameras weitgehend unabhängig voneinander – die eine nimmt Fotos mit 78-Grad-, die andere Weitwinkel-Bilder mit 135 Grad auf. Beim P9 arbeiten beide zusammen, wobei der Monochrom-Sensor einen Lichtgewinn und schnelleren Fokus liefern und dem RGB-Sensor zuspielen soll.

Und: Das Ganze funktioniert bestens. Darüber hinaus lassen sich mit dem Monochrom-Sensor tolle Schwarz-Weiß-Fotos produzieren, die besser aussehen als Farbfotos, bei denen nur die Farbwerte rausgefiltert wurden. Ein weiteres Schmankerl der Duo-Kamera ist die Möglichkeit der Fokusverschiebung – ihr könnt im fertigen Foto auswählen, welches Objekt im Bild scharf gestellt werden soll. Das funktioniert allerdings nur in Huaweis eigener Galerie-App.

Die verschiedenen Modi der Huawei-P9-Kamera-App (Bild: t3n)

Die verschiedenen Modi der Huawei-P9-Kamera-App. (Bild: t3n)

Die Frontkamera wiederum nimmt Fotos mit acht Megapixeln auf und reicht damit für Selfies aus. Videos – optional auch im RAW-Modus – können wie gehabt nur in Full-HD-Qualität aufgenommen werden. Auf 4K-Aufnahmen wird noch verzichtet, was im Grunde nicht mehr zeitgemäß ist. Für Videos hätten wir uns außerdem einen optischen Bildstabilisator gewünscht.

(Foto: t3n)

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Huaweis Kamera-App hat passend zur Kamera-Kooperation auch einen Neuanstrich erhalten. Per Wischgesten nach links oder rechts blendet ihr die Einstellungen oder die Foto-Modi ein. Hier stehen beispielsweise der Monochrom-Modus und die HDR-Funktion (die App unterstütz kein Auto-HDR), aber auch ein Panorama und der Verschönerungs-Modus bereit. Darüber hinaus gibt es einen Pro-Modus zur Regulierung von ISO-Werten, Weißabgleich und anderen „Pro“-Einstellungen. Außerdem unterstützt die App den RAW-Modus. Weitere mit dem Huawei P9 geschossene unbearbeitete Testfotos findet ihr bei Google-Fotos.

Kurzum: Im P9 steckt die beste Kamera, die Huawei jemals in eins seiner Geräte gesteckt hat. Es macht Spaß, mit dem Smartphone zu fotografieren, die Resultate sind richtig gut. Die Duo-Kamera hat viel Potenzial, das der Hersteller mit Sicherheit noch ausbauen wird. Schneller und etwas besser ist immer noch die Knipse des Galaxy S7, Huawei ist den Südkoreanern aber immer dichter auf den Fersen.

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Ein Kommentar
Guido
Guido

Wenn man nicht gerade die neuesten Spiele daddeln will, dann ist die Hardware eines Smartphones heute fast egal. Alles mit 2-3 GB RAM und einer Rechenleistung wie ein 2-3 Jahre alter Snapdragon 800 reicht für alles Gängige aus. Entscheidend ist die Software und für die Nutzungsdauer der Software-Support.

Da schneiden viele Hersteller schlecht ab. Selbst für gröbste Sicherheitslücken gibt es teilweise schon 1 Jahr später keine Patches/Updates mehr. Deshalb kaufe ich nur noch Smartphones und Tablets, für die Cyanogenmod verfügbar ist. Da ist das ansonsten sehr ansprechende P9 mit dem Kirin-Prozessor raus.

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