Analyse

Der Hype um Bitcoin und Kryptowährungen: Lohnt sich jetzt der Einstieg noch?

Wallet für Kryptwährungen. (Foto: Shutterstock)

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Der Bitcoin erlebt zurzeit einen unerwarteten Höhenflug und steuert auf einen Wert von 60.000 US-Dollar zu. Ist es zu spät für den Einstieg oder lohnt sich ein Investment noch? Und wie geht es weiter?

Der Bitcoin sorgt derzeit bei vielen für Herzklopfen – entweder dann, wenn sie schon investiert sind und eine Kurskorrektur befürchten müssen, oder auch dann, wenn sie sich noch nicht für ein Investment entscheiden konnten. Seit Wochen scheint der Kurs der Kryptowährung nur eine Richtung zu kennen – steil nach oben. Befeuert wurde diese Entwicklung unter anderem – wir haben darüber berichtet – von Tesla-Chef Elon Musk, der ankündigte, mit seinem Unternehmen in den Bitcoin zu investieren und die Digitalwährung künftig als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Aktuell verdient der Milliardär mit dieser Entscheidung mehr als mit seinem Automobilgeschäft. Doch schnell kamen auch Kritiker und Skeptiker auf den Plan, wie der bekannte Shortseller Jim Chanos. Der sieht den Bitcoin-Boom als eine Art Schneeballsystem, „weil Bitcoin nur darauf basiere, den nächsten Dummen zu finden“. Chanos lehrt an der Eliteuniversität Yale über Finanzbetrug und soll im vergangenen Jahr gut an der Wirecard-Pleite durch Leerverkäufe verdient haben.

Die Wahrheit über den Fortgang der Bitcoin-Geschichte dürfte wohl irgendwo dazwischen liegen. Anleger, die Anfang des Jahres Bitcoin gekauft haben, können sich jetzt über ordentliche Gewinne freuen, sollten sich aber nicht zu sicher fühlen. Denn so wie sie quasi über Nacht immer reicher geworden sind, kann es auch umgekehrt gehen. Doch was ist mit denen, die bis jetzt gezögert haben?

Bitcoin, Ethereum und Co: Kein Ende des Booms absehbar

Schauen wir uns die Kurse an, spricht vieles für einen aktuellen Boom, dessen Ende noch nicht absehbar ist: Um schwindelerregende 78 Prozent hat der Wert des Bitcoin in den letzten 30 Tagen zugelegt, 420 Prozent Plus stehen auf Jahresebene. Ähnlich gut sind die Kursgewinne bei Ethereum und Litecoin. Weniger einheitlich ist das Bild dagegen bei Ripple und Bitcoin Cash, wobei auch diese über die letzten 365 Tage 95, respektive 62 Prozent Zuwachs geschafft haben.

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Wird das so bleiben und haben sich die Kryptowährungen als eigene Assetklasse etabliert? „Es ist durchaus eine spekulative Anlageklasse“, erklärt Markus Richert von Portfolio Concept Vermögensmanagement. „Es gibt eigene Börsen, einen Handel und ich kann es in reale Währungen tauschen. Es fehlt jedoch der innere Wert.“ Und Stephan Witt von der Finum Private Finance AG ergänzt, warum jetzt bei der Bewertung von Bitcoin und Co. einiges anders ist als vor drei Jahren beim ersten Boom: „Selbst Banken und Wirtschaftsunternehmen nutzen und investieren mittlerweile in dieser Anlageklasse.“

„Kryptowährungen sind ein Spekulationsobjekt“, erklärt Professor Hartmut Walz, Verhaltensökonom an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein. Er sieht in den Kryptowährungen eher den Effekt eines Geldspeichers, weil das Angebot begrenzt ist und die hohe Nachfrage den Preis bestimme. Ähnlich auch die bankenrechtliche Einschätzung, die die Kryptowährungen juristisch eher als Rohstoffartige klassifiziert.

Spekulation: Die Regel von den Eiern und dem Korb

Doch was können Privatanleger jetzt tun, wenn sie noch nicht in Bitcoin investiert sind? Das hängt sicher von der persönlichen Einschätzung, dem Zeithorizont des Anlegers und seiner Risikobereitschaft ab. Nicht sinnvoll ist sicherlich, zu viel Geld, das etwa für die Altersvorsorge gedacht ist, in derartig spekulative Anlagen zu investieren. Einen Anteil an „Spielgeld“, der je nach Risikoneigung bei den meisten von uns zwischen zwei und zwanzig Prozent liegen dürfte, kann man aber durchaus ganz und teilweise für chancenreichere (und damit auch risikoreichere) Investments vorsehen. Sinnvoll kann es auch sein, neben dem Bitcoin auch andere Währungen wie Ethereum oder Litecoin in Augenschein zu nehmen. Die Regel, dass man nicht alle Eier in einen Korb legen soll, gilt also sowohl im Hinblick auf die Anlageklasse selbst als auch im Hinblick auf die einzelnen Kryptowährungen.

Bei ausreichend verfügbarem Kapital bietet es sich auch an, in eine Art Korb aus den gängigen Kryptowährungen wie Bitcoin, Litecoin, Ethereum, Bitcoin Cash und Ripple jeweils anteilig zu investieren. Denn der Bitcoin ist zwar im Prinzip so etwas wie das Symbol der Kryptowährungen, jedoch nicht eine Leitwährung, der sämtliche anderen Kryptowährungen folgen. All das ist freilich keine Empfehlung – denn sagen, wo Bitcoin und Co. in einem, zehn oder zwanzig Jahren stehen, kann uns niemand. Sicher dürfte allerdings sein, dass Kryptowährungen im Depot gegenüber Aktien und Anleihen die Volatilität deutlich erhöhen. Jeder muss mit sich ausmachen, ob er dieses Risiko zwischenzeitlicher Kursverluste aushalten kann.

Interessant kann es aber auch sein, in Aktien von Unternehmen zu investieren, die mittelbar oder unmittelbar mit Kryptowährungen etwas zu tun haben, etwa Hardwarehersteller. Walz erinnert die derzeitige Situation um die Kryptowährungen an die Geschichten vom Goldrausch im 19. Jahrhundert. „Damals sind vor allem die reich geworden, die den Goldschürfern die Gummistiefel und die Schaufeln verkauft haben.“ (mit Material von dpa)

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4 Kommentare
Stefan
Stefan

Danke für den Bericht.

Langfristig gesehen lohnt es sich immer in BTC zu investieren.

Momentan macht er heute aber einen schönen Crash um ~ -10k , da kann man schonmal wieder eine kleine Summe nachkaufen ;-

Überhaupt immer nachkaufen wenn er wieder fällt. Zum Vergleich: im März 20 war er kurzzeitig für 3,7k zu bekommen!

Ich wünsche allen viel Erfolg, und ich freue mich auf eine ehrlichere Zukunft mit Kryptos.

Stefan

Antworten
Stefan
Stefan

Vielleicht sollte man noch erwähnen das viele denken ein Bitcoin sei nicht teilbar…
Er ist um 10 Mio. Einheiten (Satoshis) teilbar!
D.h. ich kann auch einfach nur monatlich zB 50 € investieren wenn ich möchte.
Genau diese Thematik wird in den öffentlich rechtlichen „zufällig“ leider nicht erwähnt!

Antworten
Heinz
Heinz

Ehrlich gesagt irritiert mich, dass hier immer von „Anlegern“ und „investieren“ geschrieben wird, Bitcoin ist Spekulation, kein Investment.

Sei es drum, der einzig sinnvolle Trade bei Bitcoin ist ein long Straddle oder Strangle.

PS: Wer jetzt nachschauen muss, was das ist sollte sich überlegen ob er wirklich die Fähigkeiten hat um mitzuspielen!

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Hugo
Hugo

Lol arrogant

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