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Mate 30 Pro: Huawei baut sein Top-Smartphone ohne US-Komponenten

Huawei Mate 30 Pro – Play-Dienste sind nicht vorinstalliert. (Bild: Huawei)

Chinas Top-Smartphone-Hersteller macht sich von Komponenten aus den USA weitgehend unabhängig. Das Mate 30 Pro kommt komplett ohne aus.

Seit Mai steht Huawei auf der Entity-Liste der US-Regierung. US-amerikanische Hersteller dürfen nur mit einer Sondergenehmigung mit dem Unternehmen Handel betreiben. Diese Lizenzen bleiben aber aus, da die verantwortliche Behörde 300 Anträge offenbar nur langsam abarbeitet oder ablehnt: Herstellern wie Intel, Qualcomm und weiteren gehen dadurch Umsätze in Milliardenhöhe verloren. Huawei hat sich derweil teilweise mit der Situation abgefunden und bezieht seine Komponenten aus anderen Quellen. Das Huawei Mate 30 Pro ist das erste Modell komplett ohne US-Komponenten.

Huawei Mate 30 Pro kommt ohne US-Komponenten aus

Huawei Mate 30 Pro. (Bild: Huawei)

Huawei Mate 30 Pro kommt ohne US-Bauteile aus. (Bild: Huawei)

Wie das Wall Street Journal berichtet, habe Huawei sich in den letzten Monat aktiv darum bemüht, nach alternativen Komponenten für seine Smartphones zu suchen. Dabei sei das im September vorgestellte Topmodell Mate 30 Pro komplett frei von Bauteilen aus den USA. Das Wall Street Journal bezieht sich dabei auf Analysen von UBS-Analysten und Fomalhaut Techno Solutions, einem japanischen Technologielabor, das das Gerät zur Inspektion auseinandergenommen hatte.

Den Analysten zufolge hatte Huawei sich bis Mai auf Lieferanten wie Qorvo und Skyworks Solutions verlassen, die Chips produzieren, die für Verbindung von Smartphones mit Mobilfunkmasten verantwortlich sind. Außerdem hatte der Konzern Bauteile von Broadcom, einem Hersteller von Bluetooth- und WLAN-Chips, sowie dem Audiochip-Hersteller Cirrus Logic bezogen. Im Mate 30 Pro seien mittlerweile keine Komponenten dieser US-Unternehmen zu finden.

Huawei: Komponenten-Partner vor und nach dem US-Bann. (Screenshot: WSJ)

Huawei: Komponenten-Partner vor und nach dem US-Bann. (Screenshot: WSJ)

Stattdessen konnte Huawei Partner finden, die entsprechende Alternativen anbieten. So kommen den Analysten zufolge etwa Antennen vom japanischen Hersteller Murata, Energiemanagement-Prozessoren vom taiwanischen Mediatek und Audiochips vom niederländischen NXP zum Einsatz. Zudem setze Huawei auf weitere Komponenten seiner Halbleiter-Tochter Hisilicon, die auch für die Entwicklung der Kirin-SoC verantwortlich sein sollen.

„Als Huawei sein High-End-Smartphone ohne US-Komponenten herausbrachte, war das ein ziemlich starkes Statement“, sagte Christopher Rolland, Halbleiteranalyst bei der Susquehanna International Group. Er erklärte, dass führende Huawei-Manager ihm in den letzten Meetings mitteilten, dass sich das Unternehmen von US-amerikanischen Komponenten entfernen würde, aber es hätte ihn dennoch überrascht, wie schnell Huawei dabei vorgehen konnte.

Huawei will mit US-Unternehmen kooperieren

Laut Huawei sah man sich dazu gezwungen, auf andere Unternehmen zu setzen, obwohl der Konzern die klare Präferenz habe, mit US-Unternehmen zusammenzuarbeiten. Wenn dies jedoch nicht möglich sei, müsse der Konzern sich nach alternativen Partnern umsehen. Diese zwangsläufige Abkehr kostet die US-Konzerne Milliarden. Allein Broadcom vermeldete einen Umsatzeinbruch von zwei Milliarden US-Dollar, Insgesamt könnten US-Hersteller pro Jahr um die elf Milliarden Dollar verlieren, berichtet CNN.

Während Huawei offenbar gut ohne Bauteile aus den USA leben und florieren kann, sieht es hinsichtlich der Software anders aus. Denn Huawei benötigt für seine Smartphones Googles Android inklusive der Google-Dienste. Während Android selbst Open Source und nicht von den Sanktionen betroffen ist, sieht es mit den vielen Diensten wie Youtube, Gmail, Google Maps und dem Google Play-Store anders aus. Google darf Huawei ohne entsprechende Genehmigung keine der besagten Anwendungen und Dienste bereitstellen. Zwar gilt das nicht für Produkte, die vor Beginn der US-Sanktionen vorgestellt wurden, jedoch fehlen sie auf dem Mate 30 Pro und dem Foldable Mate X. Ohne sie sind die Geräte für den internationalen Markt weitgehend unbrauchbar.

Dessen ist Huawei sich auch bewusst und arbeitet an alternativen Diensten wie seine Play-Store-Alternative App-Gallery und der Plattform Huawei Mobile Services, die Teile von Googles Play-Diensten ersetzen sollen. Ein voller Ersatz sind die Lösungen jedoch nicht, da unter anderem Anwendungen wie Whatsapp, Facebook und Googles Apps nicht angeboten werden dürfen.

Um diese App-Blockade zu umgehen, arbeitet Huawei mit europäischen Unternehmen an einer Alternative zum Play-Store, darüber hinaus hat Huawei im August mit Harmony OS ein eigenes Smartphone-Betriebssystem vorgestellt, das im absoluten Notfall Android ersetzen könnte.

Noch verursachen Huawei die von den USA auferlegten Sanktionen wenig Schmerzen, zumindest wenn man einen Blick auf die Absatzzahlen wirft. Das Unternehmen wächst weiterhin stark und konnte im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um beinahe 30 Prozent zulegen.

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