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Mercedes-Benz EQA im Test: Premium-Elektroauto für Kompromissbereite

Der Mercedes-Benz EQA ist ein komfortabler Kompakt-SUV, der im Premiumsegment beheimatet ist. Mit Blick auf seine Qualitäten als Elektroauto ist jedoch Kompromissbereitschaft gefragt.

Von Frank Feil
5 Min. Lesezeit
Mercedes-Benz EQA ist ein kompakter, volleletrischer SUV, der vom GLA abgeleitet wurde. (Foto: Frank Feil)

Die deutsche Autoindustrie hat die Elektromobilität (zu) lange Zeit eher stiefmütterlich behandelt. Das ist kein Geheimnis. Seit jedoch klar ist, dass der Verbrennungsmotor keine Zukunft mehr hat, überbieten sich Deutschlands Autobauer mit Ankündigungen zum „Verbrenner-Ausstieg“. So hat beispielsweise Mercedes-Benz angekündigt, bis 2030 „überall dort, wo es die Marktbedingungen zulassen“, nur noch batterieelektrische Autos anzubieten. Natürlich ist das eine etwas schwammige Formulierung, aber die Richtung ist klar – zumal einige vollelektrische Modelle, deren Markteinführung erst für 2024 oder 2025 geplant war, ein Jahr früher erscheinen sollen.

Das Portfolio von Mercedes-Benz umfasst derzeit fünf vollelektrische Modelle: Drei SUV (EQA, EQB und EQC), eine Limousine (EQS) und einen Van (EQV). Dabei ist der EQS das erste (und bislang einzige) Modell, das auf der neuen Modularen Elektro-Architektur (MEA) von Daimler basiert. Alle anderen Modelle sind strukturell von einem Verbrenner abgeleitet.

Dieser Umstand muss nicht zwangsläufig ein Nachteil sein, setzt aber dennoch eine gewisse Kompromissbereitschaft voraus, wie unser Test des Kompakt-SUV EQA zeigt.

Mercedes-Benz EQA: Ein Mercedes durch und durch

Wenn man in den EQA einsteigt, findet man sich im Endeffekt in einem GLA wieder. Das liegt ganz einfach daran, dass der vollelektrische SUV auf der MFA2-Plattform von Mercedes-Benz aufbaut, wie auch der Rest der A-Klasse-Familie. Die Designer haben dem EQA zwar ein paar optische Akzente spendiert, etwa den Black-Panel-Grill und das durchgehende LED-Leuchtband, aber dennoch ist die Verwandtschaft zu den Verbrenner-Modellen – ähnlich wie beim EQC – unverkennbar.

Einerseits hat das Vorteile. Denn anders als in der Elektroauto-Bubble, gibt es nach wie vor viele Menschen, die nicht nur der Elektromobilität skeptisch gegenüberstehen, sondern auch Bedienkonzepten, die alles auf einen riesigen Touchscreen reduzieren. Im EQA setzt Mercedes-Benz zwar mit MBUX eines der fortschrittlichsten Infotainmentsysteme auf dem Markt ein, aber dennoch gibt es für alles noch Tasten und Schalter. Anders ausgedrückt: Wer in den vergangenen Jahren einen Verbrenner von Mercedes-Benz gefahren ist, der fühlt sich im EQA gleich wie zu Hause.

Mercedes-Benz EQA im MBUX

Der Mercedes-Benz EQA setzt auf MBUX und ähnelt ansonsten weitestgehend den anderen Modellen der A-Reihe. (Foto: Frank Feil)

Darüber hinaus bietet der EQA seinen Insassen den Mercedes-üblichen hohen Fahrkomfort sowie eine erstklassige Verarbeitung. Beim Thema Ausstattung gibt es nahezu keine Grenzen: Panorama-Schiebedach, Burmester-Surround-Soundsystem, modernste Assistenzsysteme und allerlei Farben und Materialien. Wer im Konfigurator ordentlich zulangt, kann den Einstiegspreis von knapp 44.000 Euro (inklusive Hersteller-Umweltbonus) problemlos auf 60.000 Euro heben – wohlgemerkt für den EQA 250 mit 190 PS und Frontantrieb. Der Einstiegspreis für das Allradmodell, den EQA 300 4Matic, liegt bei knapp 50.000 Euro.

Mercedes-Benz EQA im Test

Vor allem beim Interieur wird die hohe Verarbeitungsqualität und der Premium-Anspruch des EQA deutlich. (Foto: Frank Feil)

Mercedes-Benz EQA: Das Verbrenner-Erbe

Andererseits haben Fahrzeuge wie der EQA, die von einem Verbrenner abgeleitet werden, aber natürlich auch Nachteile gegenüber jenen Modellen, die von Grund auf als Elektroauto konzipiert wurden.

Das fängt schon beim Gewicht an. Der EQA bringt etwas mehr als zwei Tonnen auf die Waage, sodass der Beschleunigungsvorgang von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde trotz stattlicher 190 PS ganze 8,9 Sekunden dauert. Zum Vergleich: Der GLA 220 d absolviert den Sprint bei gleicher PS-Zahl in nur 7,4 Sekunden. Da sich Mercedes-Benz beim EQA 250 für einen Vorderradantrieb entschieden hat, muss zudem regelmäßig die Traktionskontrolle eingreifen und die Räder am Durchdrehen hindern, wenn man das Gaspedal im Stand voll durchtritt.

Nun kauft man einen Kompakt-SUV nicht unbedingt deshalb, weil man ein Duell an der Ampel gewinnen will. Von daher kann man über die gemächliche Beschleunigung durchaus hinwegsehen. Aber auch beim elektrischen Verbrauch macht sich das Verbrenner-Erbe bemerkbar. Je nach Fahrstil pendelt der Verbrauch zwischen 19 Kilowattstunden pro 100 Kilometer im Stadtverkehr und 24 Kilowattstunden auf der Autobahn. Den deutlich größeren – aber als Elektroauto entwickelten – Skoda Enyaq iV konnten wir in unserem Test problemlos mit einem Durchschnitt von 16 bis 19 Kilowattstunden pro 100 Kilometer bewegen.

Bleibt noch das Thema Platzangebot. Den Elektroauto-typischen Frunk sucht man beim EQA vergebens – und auch der Kofferraum ist mit 340 Litern eher bescheiden. Immerhin bietet das Fach im Kofferraumboden Platz für das Ladekabel und den Verbandskasten.

Mercedes-Benz EQA im Test – Schnelllader

Am Schnelllader kann der EQA bis etwa 60 Prozent SoC mit 100 bis 110 Kilowatt laden. (Foto: Frank Feil)

Mercedes-Benz EQA: Elektrischer Fahrspaß

Trotz der genannten Kritikpunkte mit Blick auf das Verbrenner-Erbe ist der EQA kein schlechtes Elektroauto. Die Ladekurve ist grundsolide: Bis knapp 60 Prozent SoC (State of Charge) liegt die Ladeleistung zwischen 100 und 110 Kilowatt. Zwischen 60 und 80 Prozent SoC fällt diese kontinuierlich auf 75 Kilowatt ab. Daraus ergibt sich eine Ladezeit von rund 30 Minuten, wenn man den EQA von 10 auf 80 Prozent lädt.

Bei einer nutzbaren Batteriekapazität von 66,5 Kilowattstunden netto ergibt sich für den Mercedes-Benz EQA eine realistische Alltagsreichweite von rund 300 Kilometern. Bei optimalen Bedingungen und vorausschauender Fahrweise sind durchaus auch 20 bis 40 Kilometer mehr drin. Das macht den EQA zwar nicht zum Reichweitenwunder, aber die meisten Situationen des Alltags lassen sich damit problemlos bewältigen – zumal der Kompakt-SUV in den meisten Fällen ohnehin als Zweitwagen fungiert.

Sehr gut gefallen hat uns beim EQA übrigens der individuelle Spielraum beim Thema Rekuperation. Anders als beim BMW i3, der ausschließlich auf One-Pedal-Driving ausgelegt ist, oder beim Audi E-Tron Sportback, der gar kein One-Pedal-Driving unterstützt, kann man die Rekuperation beim Mercedes-Benz EQA seinen individuellen Bedürfnissen entsprechend anpassen – von One-Pedal-Driving über eine leichte Rekuperation bis hin zum Segeln. Wer möchte, kann in „D Auto“ auch den Kompakt-SUV selbst der Fahrsituation entsprechend entscheiden lassen. Insbesondere für Elektroauto-Neulinge ist das ein hilfreiches Feature, da nicht jeder auf Anhieb damit klarkommt, dass das Auto abbremst, sobald man den Fuß vom Gaspedal nimmt.

Mercedes-Benz EQA im Test

Insbesondere mit den 20-Zoll-Felgen von AMG wird der EQA zum Blickfang. (Foto: Frank Feil)

Der Mercedes-Benz EQA ist ein erstklassiges Auto, aber …

… nur ein durchschnittliches Elektroauto. Diese Differenzierung ist wichtig, wenn es um die Gesamtbeurteilung des EQA geht.

Wer auf der Suche nach einem performanten Elektroauto mit geringem Verbrauch und hoher Reichweite ist, bei dem sich die Vorzüge der Elektromobilität auch in einem großzügigen Platzangebot widerspiegeln, der ist beim EQA falsch. Obwohl sich Mercedes-Benz bei der Entwicklung redlich Mühe gegeben hat, bleibt der EQA im Grundsatz ein GLA mit ein paar Designakzenten und einer Batterie an der Unterseite.

Das heißt aber nicht, dass der EQA ein schlechtes Auto ist. Im Gegenteil. Wer sich für den vollelektrischen Kompakt-SUV entscheidet, bekommt ein erstklassig verarbeitetes Fahrzeug mit hohem Fahrkomfort. Diesbezüglich gibt es überhaupt nichts zu beanstanden. Zumal sich der EQA bedingt durch den Elektroantrieb noch einmal deutlich leiser und angenehmer fährt, als beispielsweise der GLA.

Wer nicht gerade wöchentlich Strecken von mehr als 500 Kilometer am Stück fahren möchte, der wird mit der Alltagsreichweite von rund 300 Kilometern keinerlei Probleme haben. Ohnehin dauert der Ladevorgang (10 bis 80 Prozent SoC) an der heimischen Wallbox dank Elf-Kilowatt-Onboard-Lader nur etwas mehr als vier Stunden.

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Gunar Gürgens
Gunar Gürgens

Jetzt mal noch diesen ganzen SUV Blödsinn sein lassen und das einfach mal kompakter anbieten, dann wäre man wirklich auf dem richtigen Weg.
So ist das ganze nur ein so tun als ob.

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