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E-Autos und Kinderarbeit: Was ist dran am Kobalt-Mythos?

Für die Herstellung von Elektroautos werden Rohstoffe wie Kobalt benötigt. Das wird in den sozialen Netzwerken oft heftig diskutiert und sorgt häufig für Kritik. Zu Recht? Was ist dran an dem Mythos?

Von Frank Feil
3 Min. Lesezeit
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Kinder arbeiten auf der undatierten Aufnahme von Amnesty International in einer Kobaltmine im Kongo. (Foto: picture alliance/ dpa/Thomas Coombes)

Es gibt keine Diskussion über Elektromobilität, in der nicht früher oder später irgendjemand die „Elektroautos sind schädlich für die Umwelt“-Karte spielt. Da der Mythos der schlechteren CO2-Bilanz bereits mehrfach widerlegt wurde und sich auch der Zusammenbruch des Stromnetzes nicht bewahrheitet hat, wurde der Alternative-Fakten-Satzbaukasten inzwischen mit den drei Worten „Kobalt“, „Kongo“ und „Kinderarbeit“ bestückt. Das passende Sharepic dazu gibt es kostenlos bei Telegram – und fertig ist die Kritik am Elektroauto.

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Bleibt die Frage: Wie viel Wahrheit steckt in all diesen Behauptungen?

Kobalt: Allgegenwärtig, aber nur beim Elektroauto kritisiert

Kobalt ist ein glänzendes, silbergaues Metall, das schon seit jeher eine wichtige Rolle in der Industrie spielt. So findet man Kobalt beispielsweise in Legierungen, Färbemitteln, Hartmetallen und Magneten. Anders ausgedrückt: Kobalt ist in unzähligen Industrieerzeugnissen enthalten, die uns tagtäglich begegnen – seien es nun Verbrennungsmotoren, Gasturbinen oder Gitarrensaiten.

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Richtig ist, dass der größte Wachstumstreiber der Nachfrage nach dem Rohstoff vor allem Lithium-Ionen-Batterien sind. In ihnen wird Kobalt als Kathodenmaterial eingesetzt. Die Batterien kommen in Smartphones, Tablets, Notebooks, Staubsaugern, Küchengeräten und eben auch in Elektroautos zum Einsatz. Wenn man nun also mit seinem Smartphone oder Notebook auf Facebook bunte Sharepics unter Beiträgen zur Elektromobilität postet und die Verwendung von Kobalt anprangert, dann ist das zwar nicht grundsätzlich falsch, aber eben scheinheilig.

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Das bringt uns zum Thema Kongo und Kinderarbeit. In Berichten über die Elektromobilität wird gerne der Eindruck erweckt, dass Kobalt ausschließlich unter menschenverachtenden Bedingungen im Kongo gewonnen wird und man mit dem Kauf eines Elektroautos die Kinderarbeit in der Republik fördert.

Kobalt wird in vielen Produkten verwendet

Richtig ist, dass die Republik Kongo (neben Ländern wie Australien und Kanada) über die Hälfte der weltweit bekannten Kobalterz-Vorkommen verfügt. Über 80 Prozent des Kobalt-Abbaus im Kongo finden laut Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe in industriellen Minen von Großkonzernen statt. Hier gelten internationale Arbeits- und Sicherheitsstandards. Problematisch sind dagegen die kleineren, unregulierten Minen-Kooperativen, in denen auch immer wieder Kinder als Arbeiter eingesetzt werden.

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Zur Wahrheit gehört aber auch, dass dies schon lange vor dem Elektroauto-Hype der Fall war. Denn wie bereits erwähnt, findet Kobalt in vielen Branchen und Produkten Verwendung. Vielmehr hat die Elektromobilität ein Schlaglicht auf die existierenden Missstände geworfen und eine Vielzahl von Unternehmen dazu veranlasst, entsprechende Maßnahmen (soziales Engagement, unterschiedliche Pilotprojekte) zu ergreifen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und Kinderarbeit zu unterbinden. Einige Autohersteller verzichten komplett auf Kobalt aus dem Kongo.

Batterien für Elektroautos kommen schon bald ohne Kobalt aus

Was in der Debatte rund um die Elektromobilität ebenfalls häufig unerwähnt bleibt: Die Hersteller sind sich der Rohstoffproblematik durchaus bewusst – und arbeiten mit Hochdruck an Lösungen.

Volkswagen betreibt in Salzgitter bereits die erste Anlage für das Recycling ausgedienter Elektroauto-Batterien im Rahmen eines Pilotprojekts. Perspektivisch können hier mehr als 90 Prozent der Bestandteile der Batterien aus Modellen wie dem ID 3 oder ID 4 wiederverwertet werden. Und dabei geht es nur um Batterien, die wirklich nicht mehr anders nutzbar sind. Bevor die Akkus dem Recycling zugeführt werden, kommen sie im Regelfall in ihrem „Second Life“ in Heimspeichern für Photovoltaikanlagen oder als mobile Energiespeicher für flexible Schnellladesäulen zum Einsatz.

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Mehr noch: Hersteller wie BMW, Mercedes-Benz und Tesla haben den Kobalt-Anteil in den Batterien ihrer Elektroautos längst deutlich reduziert – und in wenigen Jahren wird Kobalt vollständig aus den Batterien von Elektroautos verschwunden sein. Schon heute arbeiten Autobauer und Forschungseinrichtungen an nickel- und kobaltfreien Batterien, die auf Lithium-Eisenphosphat setzen. Auch Lithium-Sulfur-Batterien befinden sich in der Erprobung.

Grundsätzlich gilt: Die Elektromobilität befindet sich erst am Anfang ihrer Entwicklung – und etwas mehr Gelassenheit und Objektivität würden der Debatte insgesamt guttun.

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3 Kommentare
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Tobias Abc

Was ist den mit den anderen Stoffe. Für die Batterie, die in Südamerika abgebaut werden und ganze Dörfer kein Wasser mehr haben?
Trifft natürlich nicht nur das Thema Elektroautos, aber das Thema Batterie was ja viel schlimmer ist.

Ich finde das Thema Elektroauto in Deutschland für Menschen ohne Eigenheim komplett sinnlos.
Ich wohne in Berlin und müsste 2km zur nächste Ladestation laufen und darf dort natürlich nicht unbegrenzt lange stehen.
Also mit dem Fahrrad zum Autofahren?!

Sorry, aktuell ist Elektroauto sinnlos wenn dort nichts passiert

Antworten
A-BE-GroßerZEh

„Kobalt wird in vielen Produkten verwendet“

beim Lesen macht das genau den Eindruck, den man keinesfalls vermitteln sollte!
Aber genau das geschieht hier leider. Die dummen verstehen es – doch Menschen,
die noch Hirn haben , eben nicht!

Antworten
Magrathea

Tolle Aussage – „Es wird daran gearbeitet…. befindet sich am Anfang der Entwicklung? “ – aber ab 2035 nur noch E-Autos, obwohl das Konzept noch völlig unausgegoren ist? Und nur, weil Rohstoffe wie Kobalt auch in anderen Produkten enthalten ist, macht es die Bilanz besser, obwohl die Nachfrage durch E-Mobilität den Abbau massiv steigert? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt……………………

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