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Payment- und Fintech-Trends für 2021: Für viele kleinere Startups wird es eng

Die Fintech- und Payment-Szene wandelt sich weiter. Warum das neue Jahr vielen Neobanken zum Durchbruch verhelfen wird und welche Startups, die wir als Endkunde nicht mal namentlich kennen, gutes Geld verdienen werden.

5 Min. Lesezeit
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(Foto: Surasak_Ch / Shutterstock)

Die Coronakrise hat im vergangenen Jahr den Wandel der Banking- und Paymentwirtschaft beschleunigt und viele Themen, die dort ohnehin auf der Agenda standen, noch einmal befeuert. Dabei haben die Kunden zwar gar nicht so viele ganz neue Unternehmensideen und Geschäftsmodelle gesehen, wohl aber einige große Trends von außen bemerkt. Jetzt im Jahr 2021 ist es an den Unternehmen, sich auf diesen neuen Status quo einzulassen und damit klarzukommen, dass einige über viele Jahre als sicher geltende Voraussetzungen einfach nicht mehr existent sind.

Payment und bargeldlose Verfahren werden systemrelevant

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War in Deutschland über viele Jahre alles Bargeldlose nur ein „Nice to have“, hat sich das 2020 geändert, insbesondere durch kontaktlose Bezahlmöglichkeiten. Das schlägt sich auch in der Payment- und Fintech-Szene nieder – und eröffnet vielen der Unternehmen neue Möglichkeiten. Fintechs, insbesondere im Payment-Umfeld, können so zum Bindeglied zwischen Handel und Banken werden und füllen an einigen Stellen die Lücken, die Banken hinterlassen oder noch nicht besetzt haben.

Deutlich wird in der Diskussion um Bargeld vs. bargeldlose Bezahlvarianten, dass es nicht die eine richtige Lösung gibt, sondern dass beide Welten ihre Daseinsberechtigung haben und nebeneinander existieren werden – wenn auch mit wachsendem Bargeldlos-Anteil. Das bedeutet gerade in Deutschland, dass viele Händler, die bislang den Kunden ausschließlich bar abkassiert haben, umdenken müssen. Lösungen gibt es viele – und die sind immer öfter auch einfach zu implementieren und erfordern nicht einmal regelmäßige Grundgebühren.

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Siegeszug der Neobanken findet jetzt statt

Endgültig passé scheint eine Bankenwelt mit der über Jahrzehnte gewohnten Filiallandschaft. Gerade im Rahmen der Coronakrise hat sich gezeigt, dass viele Großbanken mit deutlich weniger Filialen auskommen als bisher und dass die Kunden kaum etwas vermissen. Für die Bargeldversorgung braucht es lediglich einen Geldautomaten (und angesichts der zahlreichen Supermärkte nicht mal mehr das) – Finanzberatung, Kreditvermittlung und Baufinanzierung lassen sich auch über kleine Büros oder per Videoberatung abwickeln. Zu erwarten ist, dass die Banken die Gelegenheit für Einsparungen nutzen und auch 2021 beim Filialgeschäft den Rotstift ansetzen. Das bedeutet freilich sowohl für die Direktbanken und noch einmal mehr für die App-zentrierten Neobanken, dass ein über lange Jahre funktionierendes Argument der Filialbanken wegfällt.

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Zu erwarten ist, dass die Neobanken so ihren Siegeszug fortsetzen können. Doch gerade die sind oftmals aus einzelnen Anwendungen heraus (namentlich meist dem Girokonto) entstanden und bieten die zusätzlichen Dienstleistungen, angefangen beim Tages- und Festgeld bis hin zum Kreditgeschäft, eher on top. Und selbst große Digitalbanken setzen dabei auf spezialisierte Fintechs, für die Leads generiert werden oder die umgekehrt ihre Services als Whitelabel-Lösungen integrieren.

Für die Neobanken wird es freilich schwierig bleiben, angesichts der bestenfalls reduzierten oder weggefallenen Guthabenzinsen ihr Geschäftsmodell aufrechtzuerhalten. Anders als die Direktbanken sind die Neobanken aber meist gleich ohne den Zinsanteil ins Rennen gegangen und finanzieren sich über Interchange-Gebühren, Monatsbeiträge und eben besagte Kickbacks und Leadgenerierungs-Umsätze.

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Herausforderer der Fintechs: die Digitalkonzerne

Den Schulterschluss mit den Banken und Sparkassen haben Fintechs spätestens mit Inkrafttreten der PSD2 vor drei Jahren geschafft, als gemeinsame Schnittstellen zum Austausch von Leserechten und Zahlungsausführung zur Pflicht wurden. Sie haben dazu beigetragen, dass die Fintechs mit den Banken auf Augenhöhe interagieren.

Inzwischen hat es sich wohl selbst in den Frankfurter Hochhäusern herumgesprochen, dass die disruptiven Fintechs zwar die alte Welt der Banken durcheinanderwirbeln, dass das aber besser ist, als wenn es andere tun – wie die Konzerne der Digitalwirtschaft aus dem Silicon Valley, Google, Apple und nicht zuletzt auch Amazon und Facebook mit Whatsapp Pay. Die könnten allerdings auch den Fintechs selbst gefährlich werden – eher als die deutschen Banken.

Besonders gefährlich ist das in der EU. Denn hier reicht es im besten Fall aus, eine Lizenz für den gesamten Euroraum zu haben. Anders ist es etwa in den USA, wo bei bestimmten Themen jeder Bundesstaat sein eigenes Süppchen kocht. Die Kehrseite der Medaille ist, dass sich Services gerade für die weltweit aktiven Digitalkonzerne ebenso schnell für eine Vielzahl von Märkten im Euroraum ausrollen lassen, wo sie ja prinzipiell schon Standorte haben.

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Europas Fintech-Welt verlagert sich (auch) nach Deutschland

Apropos Standorte: Der Brexit, der sich bereits lange abzeichnete, ist jetzt endgültig eingetreten. War es insbesondere aus US-Sicht attraktiv, am englischsprachigen Bankenstandort London zu starten, werden jetzt andere europäische Städte diesen Status einnehmen. Neben Paris, Stockholm und Madrid sind das in Deutschland Frankfurt als Bankenmetropole, Berlin als Startup-Hauptstadt und immer öfter auch München im B2B-Finance-Bereich. Gerade für die Banken- und Fintech-Welt ist der Brexit ein echter Malus, der sich nur schwer kompensieren lässt.

Die Fintech-Welt wird immer B2B-lastiger

Natürlich sind vor allem die Neobanken, Payment-Dienstleister und B2C-Fintech-Dienste bekannt. Doch zunehmend spielen gerade im europäischen Kontext die Unternehmen, die hinter den Kulissen agieren, eine wichtige Rolle und haben sich zwischenzeitlich teilweise zu echten Schwergewichten entwickelt. Sie bereichern die etablierte Bankenwelt mit zusätzlichen Features, ermöglichen in bestimmten Nischenbereichen eine einfachere und schnellere Abwicklung zwischen den zahlreichen Zahlungspartnern oder sorgen nicht zuletzt dank Automatisierung und Nutzung von umfangreichen Datenschätzen dafür, dass der Kunde das bekommt, wonach er sucht.

Im neuen Jahr dürften diese Fintechs noch wichtiger und einflussreicher werden, was auch mit der Situation in unserem breit ausgebildeten Bankensektor in Westeuropa zu tun hat. Denn in anderen Märkten, etwa in den Schwellenländern, gibt es einfach noch mehr Lücken.

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Konsolidierung bei Fintechs und mehr Regulatorik

Der Fall Wirecard hat die Regulierungsbehörden hart getroffen – und spült Wasser auf die Mühlen der traditionellen Banken, die immer schon mehr Regulierung für die Fintech-Welt fordern. In den nächsten Jahren wird daher noch genauer hingeschaut als bisher, damit sich ein solcher Fall wie bei Wirecard nicht wiederholen kann. Denn wenn die Fintechts und die von ihnen genutzte Infrastruktur nicht ausreichend reguliert werden, kann dies weitreichende Folgen für das Finanzsystem, aber auch für die Kunden haben.

Dabei muss man allerdings sagen, dass dieser spezielle Fall ein extrem hohes Maß an Eigenheiten gepaart mit krimineller Energie hatte und in dieser Form bislang undenkbar schien. Das ist nicht ausschließlich der Bafin anzulasten, sondern auch den prüfenden Unternehmensberatungen und dem Aufsichtsrat. So gesehen ist es aber nur gut im Sinne des Vertrauens, wenn in- und ausländische Regulierungsbehörden genauer hinschauen, was sich in der Fintech-Welt tut und ob sämtliche Regulatorik zur Anwendung kommt.

Hinzu kommt eine Konsolidierung. Denn wenn wir ehrlich sind, gab es in den vergangenen Jahren in einigen Bereichen einfach zu viele Anbieter (und gibt es auch teilweise heute noch), die nicht alle erfolgreich Geld in einem teilweise beschränkten Markt verdienen können. Ein gutes Beispiel hierfür sind die zahlreichen Services im Bereich der virtuellen Firmenkreditkarten. Was wir sehen werden, ist daher, dass insbesondere für viele kleinere Unternehmen die Luft zunehmend dünn wird. Gute Chancen hat dagegen, wer größere Partner und Kundenunternehmen überzeugen kann und Allianzen eingeht. Das erfordert allerdings eine Fokussierung auf die Geschäftsmodelle und das Denken der Banken. Fragt man Experten aus der Bankenwelt, wird deutlich, dass viele Fintechs zu sehr in der Startup-Welt verhaftet sind und zu wenig in den Dimensionen der Banken denken. Umgekehrt ist es aber wohl auch kein Geheimnis, dass die Banken von ihrem hohen Ross herunterkommen müssen – hier hat gerade die Coronakrise einmal mehr gezeigt, dass die ganz große Party in vielen Geschäftsfeldern vorbei ist.

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